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3. September 2023 Martins Traum

Martin Luther King sprach als letzter. Eine Viertel Million Menschen hatten sich am 28. August 1963 zum Marsch für Arbeit und Gerechtigkeit in Washington versammelt. Kurz vorher hatte Präsident Kennedy die Aufhebung der Rassentrennung in den USA angekündigt. Die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung kämpfte seit Jahren gewaltlos ihren Kampf gegen Rassentrennung und Unterdrückung. Ihre Gegner setzten ihre ganze politische und wirtschaftliche Macht ein, bis hin zu brutalen Gewaltverbrechen. Die Täter wurden von der weißen Justiz nicht bestraft.

Der Marsch nach Washington sollte die Durchsetzung der Bürgerrechte für alle unterstützen. Viele Redner sprachen. Das lange Zuhören und die Hitze machten die Zuhörer müde. Als Martin Luther King an der Reihe war, erzählte er von seinem Traum eines gemeinsamen Lebens ohne Rassismus und ohne Gewalt. Wie ein Refrain kam immer wieder der Satz „I have a dream“ vor. Diese Rede ist ein sprachliches Meisterwerk mit Anklängen an Bibel und Literatur. Sie inspirierte und inspiriert viele Menschen bis heute. Die lebendige Kraft seiner Worte erkannten auch seine Gegner; das FBI erklärte King nun zum Staatsfeind.

Martins Traum stärkte und stärkt Menschen im Kampf gegen viele Formen von Rassismus, Ausgrenzung und Gewalt – nicht nur in den USA, sondern auch bei uns. Im Unterricht erlebe ich, dass Jugendliche diese Rede oft zum Anlass nehmen, über eigenes ausgrenzendes Verhalten nachzudenken: Wo bin ich ausgrenzend in meiner Einstellung, in meinem Denken und Verhalten? Das ist für uns alle eine gute Möglichkeit, den 60. Jahrestag dieser Rede zu begehen. Martin Luther King war überzeugt, dass auch die Täter von ihrer diskriminierenden Haltung befreit werden müssen, um zu werden, was sie sind: Menschen Gottes. Das war seine Hoffnung.

Andreas Scheepker

Studienleiter in der Arbeitsstelle für ev. Religionspädagogik und Schulpastor am Ulricianum