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7. Dezember 2025 Advent

Ein Marzipanbrot kann ich (anders als mein Mann, der es wirklich wie Brot isst) nur in kleinen Bissen genießen. Sonst wird mir von zu viel süßer Mandelmasse schlecht. In Häppchen genießen muss ich auch den Advent, damit er mir nicht über wird. Ich brauche nicht sofort die volle Ladung Glitzer und Licht. Nach und nach klebe ich Transparentsterne ans Fenster. Ich feiere die kleinen Höhepunkte wie den Nikolaustag heute mit seinen gefüllten Schuhen. Jeden Sonntag leuchtet eine Kerze mehr auf dem Adventskranz. Langsam füllt sich der Krippenstall mit Figuren – und erst Heiligabend lege ich das Jesusbaby ins Stroh.

Adventliche Lichter und Düfte breiten sich gemächlich in unserer Wohnung aus und gehen mir unter die Haut. Eine wunderbare Gegenbewegung gegen immer kürzere Tage und Dezemberdunkelheit. Eine Gegenbewegung auch zur kritischen Frage: Was richten Advent und Weihnachten, Lichterzauber und süßes Marzipan denn aus angesichts von Kriegsschatten, Hass und Armut?

Ich finde, unsere Weihnachtsbräuche und Vorbereitungen verändern etwas: Ein Häppchen Marzipan versüßt eine Stunde. Eine Lichterkette macht ein dunkles Zimmer gemütlich. Ein Nikolausschuh zeigt die Spur, die die Liebenswürdigkeit eines Bischofs in Kleinasien gezogen hat. Ein Stern weist auf Jesus von Nazareth, der als einzelner Mann vor 2000 Jahren durch Palästina wanderte und die Weltgeschichte für immer veränderte.

24 Tage Advent. 24 Tage kleines Süßigkeitenglück. 24 Tage mehr Licht und Glitzer. 24 Tage lehren mich die Kraft der kleinen Schritte. Gottes Weg in diese Welt überwältigt nicht. Er lässt uns das Leben schmecken und zeigt uns in der Geburt eines Kindes seine ganze Zärtlichkeit. Jeder Adventstag lässt die trotzige Hoffnung wachsen: So gut, wie es gerade ist, wird es am Ende mit uns und der ganzen Welt. Gottseidank!

Sabine Schiermeyer, Regionalbischöfin im Sprengel Ostfriesland – Ems der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers