Morgen beginnt die Adventszeit. Von der altkirchlichen Bußzeit vor Weihnachten ist heute wohl nicht viel mehr übrig geblieben als die Sehnsucht vieler Menschen nach Besinnlichkeit. Aber auch die hat es oftmals schwer in diesen reichlich ausgeschmückten Wochen, in denen manche kaum zur Ruhe kommen. – Wie gut, dass am 1. Advent erst einmal nur eine Kerze nötig ist. Die genügt, um uns auf das Ereignis hinzuweisen, das wir zu Weihnachten wieder und wieder feiern, und auf das wir uns in der Adventszeit vorbereiten wollen: Gottes Sohn ist Mensch geworden: Licht für unsere Welt! Wie sehr können wir doch ein Licht der Orientierung brauchen in diesen Zeiten, die vielen Menschen zunehmend verworren und bedrohlich erscheinen: ein Licht, das die Gemüter aufhellt und die Herzen öffnet zur Mitmenschlichkeit, ein Licht, das auch die beleuchtet, die auf der Schattenseite des Lebens stehen.

In den evangelischen Kirchen wird am 1. Advent vielfach folgender Spruch aus der vorchristlichen Bibel auf Jesus bezogen: „Siehe, dein König kommt zu Dir, ein Gerechter und ein Helfer“ (Sacharja 9,9).
Und an diesem Tag wird auch die neue Aktion von „Brot für die Welt“ vorgestellt (so auch z.B. in Aurich in der Sandhorster Kirche), ein Zeichen der weltweiten Mitmenschlichkeit. Advent kommt aus dem Lateinischen und meint die Ankunft – des Gottessohnes bei den Menschen. Aber letztlich hilft er uns, bei uns selbst anzukommen, Trost und Frieden zu finden und dabei zu verstehen, dass wir eingebunden sind in die ganze Menschheit. Vielleicht kann das Entzünden der ersten Kerze am Adventskranz ein Gebet um Gottes Frieden und Gerechtigkeit sein.
Pastorin Stefanie Tuschling
(zur Vertretung in der Ev.-luth. Kreuz-Kirchengemeinde Marcardsmoor)