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28. Dezember 2025 Zwischen den Jahren

„Zwischen den Jahren“ – so nennen wir diese besonderen Tage nach den Weihnachtsfeiertagen und vor Silvester.
Genau genommen gibt es so etwas wie „zwischen den Jahren“ ja gar nicht.
Von einer Sekunde auf die andere ist das eine Jahr zu Ende und das nächste beginnt.
Die Entstehung und heutige Bedeutung der Redewendung „zwischen den Jahren“ hängt damit zusammen, dass es bis in die frühe Neuzeit hinein unterschiedliche Festlegungen des kalendarischen Jahreswechsels gab. Und die Zeit dazwischen war dann eben „zwischen den Jahren“.

Physikalisch betrachtet gibt es sowieso keine Zwischenzeiten:
Die Zeit läuft nahtlos weiter – und selbst ist das ein Konstrukt: Die Zeit an sich gibt es überhaupt nicht!
Unser Zeitempfinden und auch die Zeitmessung setzt voraus, dass in der Zeit etwas geschieht. Und da sind die Tage „zwischen den Jahren“ tatsächlich für viele anders als sonst: Die ereignisreichen Weihnachtstage liegen hinter uns. Und der Alltag des neuen Jahres hat noch nicht wieder begonnen. Es geschieht also weniger als sonst – ein bisschen Stillstand, so fühlt es sich an.

Auch die Bibel erzählt von Menschen, die Zwischenzeiten erlebten: das Volk Israel wartete in der Wüste auf den Einzug in das verheißene Land, die Jünger Jesu warteten nach dessen Auferstehung und Himmelfahrt auf das Kommen des Heiligen Geistes, und in der Weihnachtsgeschichte heißt es von Maria: sie „behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen“.
Das alles, was war, muss erst einmal verarbeitet werden.
Auch so wirkt Gott – manchmal leise und unscheinbar in den Zeiten zwischen den großen Ereignissen.

Die Tage „zwischen den Jahren“ sind eine Gelegenheit, die Dinge mal zumindest für eine kurze Zeit „auf sich zukommen zu lassen“ und nicht selbst die ganze Zeit alles bestimmen, tun und machen zu wollen.
Gott ist an Weihnachten auf uns zugekommen – und noch ist ja auch Weihnachtszeit, bis zum 6. Januar! Und vielleicht gelingt es in diesen Tagen besser als an den Feiertagen selbst, sich auch selbst beschenken zu lassen und erfahren zu dürfen, dass Gott zu uns kommt – noch bevor wir irgendwelche Vorsätze für das neue Jahr gefasst haben, ganz einfach zu uns: so wie wir sind!

Ulrich Menzel, Pastor im Ev.-luth. Kirchengemeindeverband Aurich