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16. November 2025 Dem Hass den Strom abschalten

Heute findet die letzte Aufführung von „Timmel unner Strom“ statt. Das Theaterstück um den 1. Weltkrieg hat mich stark beeindruckt. „Mannlüü hem de Krieg anfangen, un wi Froolüü mutten helpen, dat de uphört“, sagt Geske Focken. Uphören. Aufhören! Ja! Einer muss mit dem Aufhören anfangen. Der Krieg hinterlässt tiefe Spuren in Timmel. „Diese verdammten Verlustlisten“, klagt Dr. Poppinga. Am Ende des Krieges sind 34 junge Timmeler Männer tot. Ein Mahnmal auf dem Friedhof erinnert an sie. Diese Toten kannte damals jeder. Sie sind Söhne, Brüder, Väter, Nachbarn, Freunde. Sie werden geliebt. In allen unseren Ortschaften stehen Mahnmale für Kriegstote: „Hört das Weinen der Mütter! Haltet Frieden!“ Hören wir ihre Mahnung noch? Oder sind wir taub und blind für sie geworden?

Krieg und Kriegsdenken müssen aufhören. Aber wie geht das angesichts spürbarer Bedrohungen? Ja, ich glaube, dass wir uns verteidigen können müssen. Zugleich schreien uns alle Mahnmale zu: „Krieg richtet nichts als Leid an. Hört auf! Fangt anders an!“ Und wie? „Behandelt andere Menschen genauso, wie ihr selbst behandelt werden wollt.“ Das ist eine „Goldene Regel“. Sie stammt aus der Bergpredigt von Jesus. „Überlege dir, was du gerne hättest, das andere dir tun. Und genau das tu bitte den anderen. Fang getrost bei dir selbst an: Was tut dir gut? Denk nicht zu klein! Und dann sei zum anderen genauso großzügig. Das ändert viel.

Die goldene Regel kann mir nicht alle Gefühle der Abneigung wegnehmen. Aber sie stört. Sie tritt mir in den Weg und bringt mein Freund-Feind-Denken in einen Zwiespalt. Sie kann Stopp-Schild sein: „Hör up doormit!“ Ich kann zumindest anfangen aufzuhören, dem anderen zu schaden. Ich muss selbst die Veränderung sein, wenn unsere Welt sich ändern soll. Ich weigere mich, Dich als meinen Feind anzusehen. Wir wollen keine neuen Kriegsmahnmale. Wir haben genug! Ich werde Dich nicht angreifen – mich aber im Notfall verteidigen. Ich will es dir schwer zu machen, mich als deinen Feind anzusehen. Eine kecke Freundlichkeit kann ein unerwarteter Neuanfang sein. Dem Hass den Strom abschalten. Viel Frieden für mich. Viel Frieden für dich. Das ist eine gute goldene Regel.  

Tido Janssen, Superintendent im Kirchenkreis Aurich