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31. August 2025 „Hätte, wäre, wenn…“

Manchmal ärgert man sich über etwas auch noch Jahre später. So ist es mir neulich ergangen, als es um das begleitete Fahren meiner Tochter ging. Da musste laut Fahrlehrer erstmal geprüft werden, weshalb ich einen Punkt in Flensburg habe. Und schon war er wieder da der Ärger von damals. Wäre ich doch bloß zwei Meter weiter über die auto- und menschenleere Straße spätabends gefahren und nicht über die rote Fußgängerampel – wohlgemerkt mit dem Fahrrad. Dann hätte ich keine saftige Bußgeldstrafe und einen Punkt in Flensburg bekommen. Seitdem bleibe ich mit dem Fahrrad an jeder roten Fußgänger- und Radfahrerampel stehen, auch wenn alle anderen Radfahrer das rote Licht ignorieren und einfach weiterfahren.

Es gibt immer wieder solche „hätte, wäre, wenn…“- Momente. „Hätte ich doch besser aufgepasst, dann wäre ich nicht ausgerutscht“, sagt der Patient, der nun eine Gipsschiene tragen muss. „Wenn ich doch nur ein bisschen später losgefahren wäre, wäre der Unfall nicht passiert“, sagt die Frau, die auf dem Weg zu einer Bekannten war und nun ein neues Auto braucht.

Die Zeit kann man nicht zurückdrehen. Manche Entscheidungen können nicht mehr zurückgenommen werden. Darüber kann man sich ärgern. Fragt sich nur, wie lange man sich von diesem Ärger bestimmen lassen will. Denn auch der Ärger ändert nichts. Zugegeben – ich grummle noch immer vor mich hin. Es ist so unnötig gewesen, dieses Bußgeld mit dem Punkt in Flensburg. Ich beruhige mich. Während mein Ärger und meine Wut so langsam abklingen, kommt mir das so genannte Gelassenheitsgebet in den Sinn:

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden. In dem Fall ist die Unterscheidung einfach.

Pastorin Sabine Bohlen – Krankenhausseelsorgerin in der UEK Aurich