Am Montag hatten sie sich versammelt. All die Garanten des Waffenstillstandes zwischen der Hamas und Israel; mit stolz geschwellter Brust, aufgereiht zum Fototermin. Nur die, um die es ging, waren nicht dabei. Dieses Bild wirkte auf mich nicht richtig. Können so Frieden und Versöhnung wachsen?
Auf einem anderen Bild steht, inmitten einer zerstörten Straße in Gaza, ein Junge. Er blickt auf Feuer und Rauch. Dieser Junge weiß in seinen wenigen Lebensjahren kaum etwas von einer fröhlichen und unbeschwerten Kindheit. Er kennt kein angstfreies Spiel. Er hat keinen Raum, um frei zu entdecken, was er wirklich will. Eingekeilt zwischen Gewalt, Armut und den Vorgaben seiner Religion, wird er nur gebraucht, um weiterzuführen, was die Erwachsenen angefangen haben. Keiner wird ihn fragen, ob er das auch will.

Wie oft kann man hören, dass Gewalt keine Lösung ist. Aber wenn man genau hinschaut, dann sind es immer wieder wir angeblich so erfahrenen Erwachsenen, die die Anwendung von Gewalt beschließen und deren Ende auch anordnen.
In dem Lied „Kinder an die Macht!“ stellt Herbert Grönemeyer eine grandiose Idee in den Raum. Nicht die Erwachsenen sollten das Sagen haben – sondern die Kinder. Und die Erwachsenen müssten schweigen und den Kindern Platz machen, um miteinander zu spielen und zu toben. Die Kinder dürfen miteinander aushandeln, wie sie leben, streiten und teilen wollen. Die Erwachsenen müssten schweigen und dürften nur zuschauen und darauf hören, was die Kinder ihnen zeigen. „Gebt den Kindern das Kommando. Sie berechnen nicht, was sie tun.“ Nicht, wie es wir Erwachsenen mit unserer alt-klugen Weisheit und Erfahrung meinen es tun zu müssen. Ich bin fest überzeugt: Die Kinder werden uns lehren, wie Frieden geht. Wäre das nicht einen Versuch wert?
Harald Lemke-Magov, Pastor in Westerende, Bangstede und Barstede