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17. Mai 2026 Unser tägliches Brot

Direkt über dem Esstisch meiner Eltern hing viele Jahre ein Teller mit den Worten: „Unser tägliches Brot gib uns heute“. Mit diesen Worten bin ich großgeworden. In unserer Küche meinte diese Bitte aus dem Vaterunser Bitte und Dank gleichzeitig dafür, dass immer genug da war. Vielleicht haben Sie jetzt beim Lesen so ein duftendes Brot vor Augen, das wir für unser tägliches Leben brauchen. Brot, ja, das steht schon von jeher für ein sehr existenzielles Bedürfnis.

Wenn ich also bete, „unser tägliches Brot gib uns heute“, lohnt es sich dann überhaupt noch, weiter darüber nachzudenken, wo ich doch sagen kann: Ich habe für das Nötigste und für vieles Weitere genug? Ja, ich finde schon. Aus unterschiedlichen Gründen. Zum einen, weil es uns in eine Gebetsgemeinschaft mit denen stellt, für die das tägliche Brot alles andere als selbstverständlich ist, die immer wieder neu darum ringen müssen. Zum anderen, weil ich fest davon überzeugt bin, dass das tägliche Brot mehr sein darf als Nahrung.

Dabei geht es auch um die Frage, was wir wirklich zum Leben brauchen. Was brauche ich? Was brauchst du? Was können wir nicht alleine herstellen, sondern was erbitten wir? Von Gott? Voneinander? Vielleicht ist es die Bitte danach, als Person wahrgenommen zu werden. Oder im Alltag gelassener zu werden. Oder der Wunsch nach Anerkennung, nach Fürsorge oder Akzeptanz oder nach einem erfüllteren Leben.  Für jeden und jede wird es Unterschiedliches sein. Unser großes Vorrecht ist, dass wir mit dem Vaterunser Worte geschenkt bekommen haben, mit denen wir uns mit unserer Bedürftigkeit an Gott wenden dürfen.  Wenn Sie also heute an diese Worte denken: „Unser tägliches Brot gib uns heute“ – was ist Ihre Bitte?

Taalke von Blumröder, Pastorin Aurich-Lamberti