Halbzeit bei Olympia. Rodelgold und Lindsey-Vonn-Tragödie. Glück und Unglück liegen bei Olympia so nahe beieinander. Glückstränen und Schmerzensschreie können wir in derselben Fernsehsendung sehen. Sportlerinnen und Sportler aus der ganzen Welt wollen ihr Bestes geben, auch bei den paralympischen Winterspielen Anfang März. Alle trainieren hart. Alle hoffen, weit nach vorne zu kommen oder sogar auf dem Siegertreppchen zu stehen. Curling, Shorttrack, Freeski Slopestyle – Sportarten, die mich staunen lassen und selten im Fernsehen zu sehen sind.

So schöne Bilder und tolle Leistungen. Zum Dahinschmelzen. Ich liebe Olympische Spiele. Das Feuer brennt, die Atmosphäre packt mich. Und vor allem der olympische Gedanke: „Dabeisein ist alles.“ Das Wichtigste ist, Teil dieser weltweiten Gemeinschaft des Friedens zu sein – und das über alle Grenzen der Nationalität, von Religion und politischer Einstellung hinweg. Und alle verpflichten sich auf den olympischen Eid: „Wir geloben, an diesen Olympischen Spielen teilzunehmen und die Regeln zu respektieren und einzuhalten, im Geiste des Fairplay, der Inklusion und der Gleichberechtigung.“ Plötzlich gibt es etwas, was unterschiedlichste Menschen verbindet.
Und Probleme, die sonst den Alltag prägen, sind kleiner. Zumindest gefühlt. Menschen fliegen, Menschen wagen Dinge, die ich mich nie trauen würde. Sie schaffen Bilder von Harmonie und Schönheit, von denen man gerne mehr sehen möchte. Es ist nicht nur ein Traum. Das alles passiert wirklich, wenn alle sich an die gleichen Regeln halten und wenn man seinen Gegner achtet, wenn Fairness siegt. Und hinterher feiern alle gemeinsam. Uns verbindet viel mehr als uns trennt. Es geht. Und das macht mir Mut. Ich wünsche mir, dass das auch nach Olympia dieser Geist spürbar bleibt: Frieden und Miteinander sind möglich. Und dabei zu sein ist wirklich alles.
Tido Janssen, Superintendent im Kirchenkreis Aurich