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14. September 2025 Gespannt auf das Leben

In dem nicht mehr ganz neuen Konfimodell bieten wir unter anderem Kurse an wie Drachenbootfahren, Klettern im Kletterwald, Floßbau und Bogenschießen. Und immer kommt die Frage, was das denn nun mit Konfirmandenunterricht zu tun habe? Berechtigte Frage? Mit den Konfimodellen, wo der Pastor oder Diakon vorne steht und die Konfis zuhören und am Ende einen Lückentext ausfüllen müssen oder ein Bild malen sollen, hat das tatsächlich nichts zu tun. In der Regel versuchen wir den Begriff Konfirmandenunterricht zu vermeiden und ersetzen ihn durch Konfizeit. Denn das soll sie sein: Eine Zeit mit Angeboten und Orientierungshilfen. Kirche muss sich immer wieder neu die Frage stellen, welche Relevanz hat sie im Leben ihrer Mitglieder und ganz besonderes der Konfirmanden.

Am Beispiel des Bogenschießens wird es konkret. Ich erwähne immer drei Metaphern: 1. Spannung, 2. Haltung und 3. Loslassen Hier gehe ich auf die Spannung ein:  Ein Bogen kann entspannt, gespannt und überspannt sein. Ein überspannter Bogen verliert sein Gleichgewicht und kann sogar zerbrechen. Auch Menschen können ihr Gleichgewicht verlieren und zerbrechen, wenn sie sich ständig überspannt und überfordert fühlen. Bei einem Bogen ist Entspannung nicht Selbstzweck, sie dient dem Erhalt der Spannung, deshalb sind Pausen und Entspannung in der Arbeit oder Schule wichtig. Am siebten Tag sollst du dich ausruhen und deinem Herrn dienen.

Sinn macht der Bogen erst, wenn er gespannt ist, dann kommt seine Bestimmung zum Tragen. Wir Menschen sind nicht geschaffen für ein völlig entspanntes Leben, sondern ein Leben mit und in der richtigen Spannung. Ständige Unterforderung kann genauso unmenschlich sein, wie ständige Überforderung. Spanne also deine Kräfte an! Setze deine Begabungen ein und sei gespannt auf das Leben, welches Gott für dich bereit hält.

Mein Langbogen ist ein mannshoher schlanker Stab, in der Mitte, am Griff, gerade so breit, dass er sich mit der Hand umschließen lässt, zu beiden Enden verjüngt er sich zu Spitzen, an denen die Sehne befestigt wird. Man sieht dem Bogen nicht an, wieviel Kraft in ihm schlummert. Doch wenn ich ihn spanne, vervielfacht er meine Kräfte. Wie aber entsteht Spannung? Ich spanne den Bogen, indem ich seine entgegengesetzten Enden durch die Sehne in eine neue, engere Verbindung bringe. Und aus dieser Verbindung des zunächst Gegensätzlichen erwächst die Kraft.

Auch unsere Welt ist voller Gegensätze: Tag und Nacht, Sommer und Winter, Vergangenheit und Zukunft, Freude und Trauer etc.

Erst wenn ich die Gegensätze, die zum Leben gehören, zusammenspanne, sie verbinde, ohne sie zu verleugnen, bringen sie mich weiter. Mein Bogen lehrt mich Demut und Annahme der Gegensätzlichkeit und das Leben in diesen beiden Polen.

Oltmann Buhr, Diakon in Aurich-Paulus, Mittegroßefehn und Timmel