Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

WiegboldsburSt. Wibadi-Kirchengemeinde
Forlitzer Straße 156, 26624 Südbrookmerland/Wiegboldsbur, Tel. 04942-912920
Die ehedem selbstständigen Kirchspiele Forlitz und Südwolde (mindestens seit dem frühen 18. Jahrhundert nach dem bläulich schimmernden Schieferdach der Kirche „Blaukirchen“ genannt) wurden erstmals 1250 urkundlich erwähnt. Die beiden kleinen Orte verfügten über eigene Kirchenbauten, deren Ursprünge im Dunkeln liegen.

Im 17. Jahrhundert wurden sowohl in Südwolde (vor 1633) als auch in Forlitz (1684) Neubauten errichtet, freilich von jeweils sehr bescheidener Bauart und – größe. So betrug die Innenhöhe des Gotteshauses in Südwolde gerade einmal 3 Meter, in Forlitz (Fläche: 11 x 5,5m) soll man mit ausgestreckten Armen sogar die Decke berührt haben können. Die Forlitzer Kirche zeigte schon bald erste Anzeichen von Baufälligkeit.
Infolge der katastrophalen Weihnachtssturmflut von 1717, die auch in den Niederungen des Binnenlandes um Forlitz und Südwolde/Blaukirchen schwere Schäden hinterlassen hatte, verarmten die Gemeinden und mussten sich seit 1718 eine Pfarrstelle teilen.

Der Umstand, nun zwischen beiden Orten pendeln zu müssen, stellte die diensthabenden
Pastoren vor nicht geringe verkehrstechnische Probleme. Deren Lösung mutet heutzutage
kurios an und wirft ein Licht auf die kaum entwickelte Infrastruktur jener Zeit. So nutzten sie angesichts der schlechten bzw. teils gänzlich fehlenden Wege zur Überwindung von
Gewässern und überschwemmten Wiesen sogenannte Pulkstöcke, mit denen sie sich wie
Stabhochspringer fortbewegten, um trockenen Fußes ihr Ziel erreichen zu können. Mitunter soll jedoch auch dieses Hilfsmittel nicht genügt haben und beide Gemeinden blieben dann witterungsbedingt wochenlang voneinander abgeschnitten. Doch selbst diese misslichen Umstände hinderten insbesondere die Blaukirchener nicht daran, sich einer eigentlich dringend erforderlichen Zusammenlegung beider Gemeinden auf das heftigste zu widersetzen. Dieser Widerstand wurde etwa ein Jahrhundert lang mit zweifelhaftem Erfolg durchgehalten.
Erst als beide Kirchengebäude baufällig geworden waren und nach langen, auf Forlitzer Seite zuletzt wohl auch taktisch klug geführten Verhandlungen, entschloss man sich Mitte des 19. Jahrhunderts zur Vereinigung der Gemeinden Forlitz und Blaukirchen (1844) sowie zum Bau einer gemeinsamen Kirche in Forlitz, die im Jahre 1848 eingeweiht wurde – in jenem Jahr, in welchem viele Orte Europas von revolutionären Bewegungen erschüttert wurden. Noch heute finden sich in der Forlitzer Kirche manche Schmuckstücke, die aus den Vorgängerbauten stammen, so etwa die Kanzel aus Blaukirchen, Lesepult, Messingleuchter und Taufstein (Bentheimer Sandstein) aus Forlitz. Der Altar wurde für den Neubau angefertigt.
forlitz-blaukirchenDer Kirchenbau wurde mehrmals renoviert. Heute fällt vor allem der ungewöhnlich freundliche weiß-blaue Innenanstrich auf. Gerade in letzter Zeit erfreut sich das hübsche Gotteshaus großer Beliebtheit als Ort für Trauungen – nicht zuletzt unter Auswärtigen, die die Kirche während eines Urlaubs kennengelernt haben.
Nach dem Weggang des Pastors Elster aus Forlitz-Blaukirchen im Jahre 1926 wurde die
Pfarrstelle nicht wieder besetzt und blieb bis 1970 (!) vakant. Während dieser 44 Jahre wurde der Pastoraldienst durch Vertretungen versehen, seit 1948 von Wiegboldsbur aus.
Faktisch prägte die Regelung von 1948 aber die künftige Organisation vor: 1970
verständigten sich angesichts einer drohenden Verschmelzung mit Victorbur die
Kirchenvorstände in Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen auf eine gemeinsame Pfarrstelle mit Sitz in Wiegboldsbur. Beide Gemeinden behielten jedoch ihre Selbstständigkeit.
Heute gestalten zwei Chöre, der Woldenchor und der Posaunenchor, die Kirchenmusik und einen Großteil der Gemeindearbeit. Erstaunlich ist die Größe des Posaunenchores, in dem nahezu 20 % der Gemeindeglieder jeden Alters aktiv tätig sind. Der Konfirmandenunterricht wird gemeinsam mit Wiegboldsbur erteilt. Die Konfirmation jedoch wird getrennt in beiden Gemeinden gefeiert. (Text: Pastorin Heike Musolf)

Literatur:
Blanke, Helmut (ehem. Pastor in Forlitz-Blaukirchen): Ein kurzer geschichtlicher Abriß. In:
Ders. (Hrsg.): 150 Jahre evangelisch-lutherische Kirche Forlitz-Blaukirchen 1848-1998.
Forlitz-Blaukirchen 1998. S. 9 ff.

Gottesdienste

Die Gottesdienste in Wiegboldsbur und in Forlitz-Blaukirchen wechseln sich in den Zeiten ab. Die aktuellen Zeiten sind dem Gemeindeblatt zu entnehmen.

Pastorin

Sabine Bohlen
Forlitzer Str. 156
26624 Südbrookmerland/Wiegboldsbur
Tel. 04942-912920