Desktop

Tablet / Mobil

Desktop

Tablet / Mobil

22. Februar 2026 Leidenschaftlich leben

In unseren Kirchen hat am Mittwoch wieder die Passionszeit begonnen, in der sich
Christinnen und Christen in besonderer Weise an den Weg Jesu und dessen Tod am Kreuz
erinnern.

Passion – das klingt erst einmal wenig attraktiv. Es klingt nach Leiden und Tod, nach Fasten,
Buße und Verzicht, nach den schweren Themen im Leben, denen wir lieber aus dem Weg
gehen. Dabei taucht das Wort „Passion“ durchaus auch in anderen Zusammenhängen auf: Es
gibt etliche Spielfilme mit diesem Titel (einer davon mit dem Untertitel „Geld, Macht,
Verführung“…), es gibt Düfte und Parfüms mit dem Namen „Passion“, oder wir sprechen
davon, dass jemand eine Passion für die Literatur, die Malerei oder die Musik hat oder ein
passionierter Schauspieler ist.

Passion – das bedeutet nämlich nicht nur „Leiden“, es heißt auch „Leidenschaft“:
eine Emotion, die das Gemüt, das Denken, das Gefühl und unser Wollen völlig ergreift und
Besitz von uns nimmt. Besonders deutlich wird das, wenn wir von einem leidenschaftlichen
Kuss sprechen oder von leidenschaftlicher Liebe.

Dieses Verständnis wirft dann ein anderes Licht auf die Passionszeit:
Jesu Leiden – das war kein Selbstzweck. Und so geht es in diesen Wochen vor Ostern auch
nicht um Leidensverherrlichung oder gar Anbetung des Leidens.
Gott hat eine Leidenschaft für uns Menschen, die so groß ist, dass er sich in Jesus Christus
selbst hingibt. Er stirbt den Kreuzestod, obwohl er selbst schuldlos ist.
Oder etwas einfacher gesagt: Gottes Leidenschaft ist so groß, dass er mich liebt trotz aller
meiner Fehler!

Die Passionszeit erinnert an diese besondere Leidenschaft Gottes. Sie will diese große Liebe
Gottes bewusstmachen und daran erinnern, dass ich auch selbst mit anderen Menschen so
umgehe, wie Gott mit mir umgeht: indem ich leidenschaftlich für andere einstehe.
Das ist nicht immer leicht. Tatsächlich ist Leidenschaft die Emotion, die auch manchmal
Leiden schafft…
Aber das Leben wird schöner und tiefer und so wie Jesus es vorgelebt hat, wenn wir es
leidenschaftlich leben.

Ulrich Menzel, Pastor im Ev.-luth. Kirchengemeindeverband Aurich