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16. August 2026 Der Himmel hat heute keine Eile

Der Himmel macht etwas, das wir kaum noch können.

Er hat Zeit. Seit Tagen ist er blau. Nicht spektakulär. Er drängelt sich nicht auf. Er ist einfach da. Über Aurich. Über den Feldern. Über dem Stau auf der B72. Über dem Pflegeheim. Über dem Spielplatz. Über dem Menschen, der heute zum ersten Mal seit Wochen wieder lachen musste. Der Himmel unterscheidet nicht, über wem er blau und schön sein will. Wir lieben Unterscheidungen. Wir sortieren Tage in gelungen und misslungen. Menschen in erfolgreich und gescheitert. Mit uns selbst sind wir oft am strengsten. Dabei vergessen wir manchmal, dass das Leben gar keine Prüfung ist. Jesus erzählt einmal von zwei Menschen, die beten. Der eine zählt auf, was er alles richtig macht. Der andere bringt kaum ein Wort heraus. Er weiß nur: Ich brauche Hilfe. Ausgerechnet der Zweite geht leichter nach Hause.

Ich mag diese Geschichte. Sie stellt unsere Wertlisten auf den Kopf. Gott scheint sich erstaunlich wenig für unsere Selbstdarstellung zu interessieren. Viel mehr für das, was echt ist.

Vielleicht ist das der Grund, warum ich den Himmel so gern anschaue. Er erwartet nichts von mir. Er fragt nicht, ob ich heute genug geleistet habe. Er kennt keine Noten und keine Siegerpodeste. Er spannt sich einfach über mein Leben, als wollte er sagen: Du darfst dabei sein. Gerade im Sommer fällt das leicht zu glauben. Da sind wir viel draußen und sehen den weiten Himmel, der wie auch Gottes Liebe keinen engen Horizont hat. Wie schön, dass etwas größer ist als unsere Sorgen. Größer als unser Perfektionismus. Und manchmal sogar größer als unser Bild von uns selbst. Da lohnt sich doch heute ein kleiner Versuch: Zehn Sekunden den Kopf heben. Nur schauen und aushalten, dass schauen schon reicht. Der Himmel hat Zeit.

Pastorin Sibylle Mau, Altenseelsorgerin im Kirchenkreis Aurich