Eine staubige Straße zwischen Jerusalem und Gaza, ein einsamer Wagen, ein Mann auf der Suche nach Antworten – und ein Satz, der am Ende alles verändert: „Er zog aber seine Straße fröhlich.“ Sechs Worte, die für mich zu den schönsten der Bibel gehören. Ich habe sie als 14-Jährige gehört und dieser Abschnitt aus der Apostelgeschichte (Apg 8, 26-39) hat mich nie mehr losgelassen. Kann auch ich sagen, dass ich meine Straße fröhlich ziehe?

Diese Fröhlichkeit fällt nicht vom Himmel. Sie wächst aus dem Wissen, gehalten zu sein. Im Psalm 23 steht der gute Hirte vor Augen: „Er führet mich auf rechter Straße.“ Er gibt Halt, wenn der Weg steiler wird. Fröhlich, weil Gott führt. Fröhlich, weil Menschen uns begleiten.
Ein Mensch sitzt in seinem Wagen, unterwegs auf öder Straße. Die Landschaft ist karg, vielleicht ein Bild seines Inneren: „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“. Mit diesem Song von U2 aus dem Jahre 1987 würde ich die Szene unterlegen. Da geschieht Fügung: Gott schickt ihm Philippus. Eine Straße ist nie nur Verbindung, sondern auch Ort der Begegnung. Philippus geht nebenher, wartet geduldig – und fragt im richtigen Moment: „Verstehst du, was du liest?“ Das Gespür für den anderen, ohne sich aufzudrängen, ist eine Kunst.
Doch die Begegnung allein erklärt nicht die ganze Fröhlichkeit. Der Kämmerer lässt sich taufen. Aus dem Wort wird Tat. „Was hindert’s, dass ich getauft werde?“, fragt er spontan. Er hatte sich auf beschwerliche Wege gemacht, suchend. Dann findet ihn das Wort Gottes, gibt seinem Leben festen Boden. Aus einem Minus wird ein Plus.
In der Begegnung mit Gott geht es ums Eintauchen ins Leben. Wir können Altes hinter uns lassen, neu werden – und finden, wonach wir suchen. Fröhlich ziehen wir unsere Straße. Das ist doch was!
Pastorin Silke Kampen, Wallinghausen