Vor kurzem las ich einen Bericht über einen Mann, der an der Golden Gate Bridge in San Francisco Leute davon abhält hinunterzuspringen. Er hat in den letzten zwanzig Jahren schon sehr vielen Menschen das Leben gerettet. Wie macht er das?
Durch einen Perspektivwechsel. Er ruft nicht: „ Springen Sie bitte nicht!“, sondern: „ Ich heiße Kevin Briggs. Darf ich mit Ihnen sprechen?“ Somit gibt er der lebensmüden Person ein Stück Selbstermächtigung zurück. Wenn er irgendeine noch so winzige Rückmeldung erhält, knüpft er daran an. Ins Gespräch gehen, dranbleiben, irgendetwas finden, was lebens-und liebenswert ist im Leben der gefährdeten Person. Dann mal zwischendurch fragen: „ Darf ich Ihnen etwas entgegenkommen?“ Vertrauen aufbauen, den Namen nennen usw. Kurzum: Erfassen, mit wem er es da zu tun hat. Die Rettung starten.

Sehen und hören. Zuhören. Weg vom eigenen Ich, hin zu dem anderen Menschen, und zwar ganz und gar. Sich komplett in den anderen Menschen hineinversetzen. Dieser hochbegabte Sergeant hat es in 23 Jahren ungefähr 200 mal geschafft, Menschen vom Brückengeländer zu retten.
„Siehe, ich mache alles neu.“(Offenbarung 21,5) heißt die Losung für das Jahr 2026. Alles neu, alles anders. Weg vom Ich. Ein total bescheidener Mann, der nicht mit seiner Erfolgsquote prahlt, sondern seiner Intuition folgt und bestimmt ein glücklicher Mensch ist.
Die Perspektive eines anderen Menschen einnehmen. Zuhören. Menschen die Kontrolle über ihr Leben zurückgeben. Neuanfänge ermöglichen.
Die Offenbarung des Johannes wird auch Apokalypse genannt, übersetzt: Enthüllung. Etwas wird sichtbar. Apokalypse ist keine Katastrophe, im Gegenteil. Bezogen auf das Beispiel an der Golden Gate Bridge: Etwas wird sichtbar in der Nebelbucht von San Francisco. Etwas wird enthüllt: Neuer Lebensmut, ein neuer Anfang, eine zweite Chance.
Siehe, ich mache alles neu. Eine Vision, etwas, das man sieht. Etwas, das sich zeigt, im Nebel des Lebens. Etwas, das aufleuchtet. Etwas, das man vielleicht auch hören kann, wie ein Nebelhorn in der Ferne.
Sehen und hören. Zuhören. Heilen durch Zuhören. Retten durch Zuhören. Weg vom Ich, hin zum Du.
Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu. Wir haben eine starke Losung für das Jahr 2026. Was wir damit anfangen, überlässt Gott uns. Wir sind in die Freiheit gestellt. Wir können alles beim Alten belassen. Wir können alles umkrempeln. Gott lässt uns entscheiden. Wir können die Perspektive wechseln und Freiheit gewinnen. Das ist etwas, das ist viel. Es kann Leben retten.
Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Christoph Schoon, Pastor der Kirchengemeinden Timmel und Mittegroßefehn