„Alles begann mit einer Stecknadel…“ so beschreiben die Jugendlichen selbst den Anfang eines Projekts, das jetzt Wirklichkeit geworden ist. Was heute als Jugendkulturcafé „Lichtecht“ in der Auricher Innenstadt (Norder Straße 6) seine Türen öffnet, hat vor Jahren mit Ideen, Fragen und viel Neugier begonnen.
Damals markierten Jugendliche Orte auf Karten mit Stecknadeln, sammelten Eindrücke in einer „Bilderchallenge“, formulierten Wünsche in einer „Wunschwolke“ und drehten Videos darüber, wie ein Raum für sie aussehen müsste. Es ging um mehr als Einrichtung, es ging um die Frage: Was brauchen wir eigentlich, um uns wohlzufühlen?
„Wir haben gemerkt, dass wir einen Ort brauchen, eine Art zweites Wohnzimmer, in dem wir zusammen sein können“, heißt es rückblickend aus dem Team.
Aus ersten Ideen wurde ein Konzept. Die Jugendlichen stellten es vor, entwickelten es weiter, suchten Unterstützung und schufen so die Grundlage dafür, dass im Kirchenkreis Aurich eine Projektstelle eingerichtet werden konnte. Mit Diakonin Nicole Friesen begann schließlich die konkrete Umsetzung.
Der Weg dahin war alles andere als geradlinig. „Der Weg war das ein oder andere Mal wirklich steinig“, sagen die Jugendlichen offen. Es ging um Räume, die nicht passten, um Ideen, die nicht sofort funktionierten und um viele Diskussionen.
Und trotzdem oder gerade deshalb ist etwas gewachsen: „Umso mehr wir zusammengewachsen sind, umso mehr konnten wir auch die Ansichten und Wünsche der anderen verstehen.“
Heute sieht man, was daraus geworden ist. Das Café wurde von Grund auf gemeinsam gestaltet, von der Wandfarbe über die Möbel bis zur Bühne und Getränkekarte. „Wir haben gelernt: Geschmäcker sind verschieden, aber genau das macht es so individuell.“
Noch vor wenigen Tagen war hier Baustelle. Kisten, Pakete, Werkzeug. Und dann dieser Moment: „Zwischen all dem Chaos ist etwas entstanden, was wir so richtig erst gestern Abend realisiert haben: Wir sind soweit, wir können den Raum Café nennen.“
Ein Café und doch mehr als das. „Ein Ort für Gemeinschaft, ein Ort der Zeit“, sagen die Jugendlichen. Ein Raum, der ein zweites Zuhause werden kann. Ein Ort, an dem man sich ausprobieren darf, hinter der Theke, auf der Bühne oder einfach im Gespräch.
Das „Lichtecht“ liegt zentral in der Auricher Innenstadt und ist bewusst offen gestaltet. Hier sind junge Menschen genauso willkommen wie alle anderen, die neugierig sind. Es braucht keine Voraussetzungen, um hereinzukommen.
Der Name ist dabei Programm. „Lichtecht“ steht für einen Ort, an dem man sich nicht verstellen muss. Einen Raum, in dem man so sein kann, wie man ist.
Dass es diesen Ort jetzt gibt, ist auch dem langen Atem vieler Beteiligter zu verdanken. Besonders danken die Jugendlichen Diakonin Nicole Friesen:
„Danke für deine Geduld und das Aushalten der vielen unterschiedlichen Meinungen.“
Und mit einem Augenzwinkern ergänzen sie: „Danke für deine gute Laune, auch wenn wir zum sechsten Mal die Stühle streichen mussten.“
Das Jugendkulturcafé „Lichtecht“ wird durch Mittel der Heinrich-Damme-Stiftung, der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers sowie des Kirchenkreises Aurich getragen.
Geöffnet ist das Café mittwochs bis freitags von 11.30 bis 17.30 Uhr sowie samstags von 10.30 bis 16.30 Uhr.
Mit der Eröffnung ist das Projekt nicht abgeschlossen. Jetzt beginnt das, worauf alles hinauslief.
Die Türen sind offen. Und alles Weitere entsteht mit den Menschen, die kommen.
