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28. Juni 2026 Abenteuer Glaube

Niedersachsen hat ein Kerncurriculum für das neue Schulfach Christliche Religion erstellt. Einmalig in Deutschland ist dabei dessen gemeinsame Verantwortung der evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer Niedersachsens. Jetzt gilt es, die Vorgaben in den Schullehrplan einzuarbeiten, denn gleich nach den Ferien soll es losgehen. Bei dem, was Schülerinnen und Schüler der sechsten Klasse lernen sollen, stolpere ich über das Thema „Pilgern als Ausdruck religiöser Praxis“. Au ja, da habe ich Lust zu. Auch wenn ich überhaupt nicht weiß, ob diese pubertierenden Kinder jemals eine längere Zeit (ohne Handy) still sein können. Denn so stellte ich mir Pilgern vor: auf dem Weg schweigend und meditierend mit Achtsamkeitsübungen aller Art zu Selbsterkenntnissen zu kommen. Viele Menschen können davon erzählen. Ich nicht…

…bis ich es vor kurzem mit einer Gruppe Religionslehrerinnen ausprobiert habe: Mini-Pilgern für einen Tag im Ihlower Wald. Die Hälfte des Tages regnete es. Die Wege waren matschig, aber die Stimmung hervorragend. Niemand war still. Alle waren einander fremd und doch miteinander verbunden. Und es gab viel davon zu erzählen, was Glaube an Abenteuern zu bieten hat. Herausforderung und Geschenk. Verbunden mit sieben Pilgerabschnitten zu den Themen Freiheit – Einfachheit – Langsamkeit – Stille – Sorglosigkeit – Gemeinschaft und Verbundenheit mit Gott. Themen, die auch Kinder und Jugendliche sonst nirgends besprechen können.

Pilgern? Das werde ich auf alle Fälle mit ihnen ausprobieren. Entweder im Ihlower Wald oder darüber hinaus auf dem Pilgerweg „Schola dei“ quer durch Ostfriesland. Sie brauchen nicht still zu sein. Im Gegenteil.

Dass Glaube auch ein Abenteuer ist, sollen sie erfahren. Ich freu mich drauf.

Dr. Ruth Koßmann, Studienleiterin bei der Arbeitsstelle für Religionspädagogik in Ostfriesland (ARO) und Schulpastorin an der IGS Aurich