Gegenüber der Kirche hat früher ein Gulfhaus gestanden. Jetzt stolpere ich auf dem leeren Grundstück zwischen Erde, alten Kabeln und Plastikmüll über einen zerbrochenen Backstein. Er ist viel größer als die anderen seiner Art. Als ich ihn umdrehe, fallen mir die Hufabdrücke eines Hirsches auf.
Dieser Backstein ist viel älter als das Gulfhaus. Er gehörte einmal zum Kirchturm auf der anderen Straßenseite.

Dort haben wir gleich daneben in der Kirche gerade die Konfirmation gefeiert. 16 Mädchen und Jungen habe aus eigenem Entschluss ja zu ihrem Glauben gesagt. Ja zu dem, was wir gerade an Ostern gefeiert haben. An diesem Tag hat Gott Jesus aus dem Tod wieder ins Leben gerufen. In unserer Kirche feiern Menschen das schon seit 700 Jahren. Der Backstein erzählt davon.
Zu allen Zeiten haben Menschen in unserer Dorfkirche ihre Spuren hinterlassen. Sie haben Backsteine für das Gotteshaus gebrannt, als sie selbst noch in Häusern aus Holz und Lehm wohnten. Und auf den Kirchenbänken stehen die Namen der Bauernhöfe, die hier dem kirchlichen Leben ihren Stempel aufgedrückt haben.
Das werden auch unsere Konfirmanden machen. Sie werden vieles anders machen als wir, aber sie werden immer noch Ostern feiern. Denn damit hat der Glaube angefangen. Ich bin mir sicher: Auch diese Jugendlichen werden ihre Spuren hinterlassen, so wie der Hirsch, der versehentlich auf den noch ungebrannten Backstein getreten ist.
Menschen sind wie Backsteine. Sie werden von außen geformt und können der Welt dann selbst eine Form geben. Ein jeder von ihnen ist unverzichtbar, weil er ein Teil des Ganzen ist. Und so trägt er dazu bei, dass buchstäblich die Kirche im Dorf bleibt.
Dr. Thomas Lehmann, Pastor in Bagband und Strackholt