Karfreitag, Stadtrand von Jerusalem.
Ein Mann namens Jesus Christus wird gekreuzigt. Ein ungewöhnliches Ereignis, denn der Strafbestand ist nicht ganz geklärt. Sicher ist: Er wird nicht als Verbrecher, sondern als König hingerichtet: Mit einer Dornenkrone, einem purpurroten Mantel und einer Inschrift am Kreuz: „INRI“: „Jesus aus Nazaret, König der Juden.“ Das ist rund 2000 Jahre her.

Mit Machthabern haben wir derzeit unsere Probleme: Putin, Trump und Netanjahu: es sind mächtige Männer, die sich aufführen wie ein König und tun und lassen was ihnen gefällt; nicht immer zum Wohl anderer Menschen.
Jesus war ein anderer König: Er hat getan und gelassen, was er wollte; sondern er hat mit sich machen lassen, was andere wollten: Er wurde verachtet, verspottet und verhöhnt, verstoßen, gefoltert und schließlich gekreuzigt. Und das soll ein „mächtiger“ König sein? Dass er Macht hatte, hat er in den Jahren vorher unter Beweis gestellt: Wunder über Wunder: Ob es um unheilbare Krankheiten ging oder um einen Sturm auf dem Meer; das war alles kein Problem. Dass er sich jetzt an Karfreitag machtlos den Menschen hingibt, passt irgendwie nicht ins Bild.
Sein Königtum, sein Reich kann nicht von dieser Welt sein. Dieser Tag, den wir heute „feiern“, stellt alle bekannten Herrschaftsverhältnisse auf den Kopf.
Der mächtige Gott zeigt sich ohnmächtig. In der Ohnmacht, die Jesus am Kreuz aushält, zeigt er, warum er auf der Erde war: Er ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, wie einige Machthaber dieser Welt. Im Gegenteil: Er ist gekommen, um uns Menschen zu dienen. Er hat sein Leben gegeben, um uns den ewigen Tod abzunehmen. Stattdessen schenkt er uns ewiges Leben.
Karfreitag: es ist ein stiller Feiertag. Aber der wichtigste!
Malte Broers, Pastor der Kirchengemeinde Münkeboe-Moorhusen