Desktop

Tablet / Mobil

Desktop

Tablet / Mobil

21. Juni 2026 Himmelszeichen

Sommersonnenwende. Die Zeit der weißen Nächte, der Johannisbeeren, der tanzenden Glühwürmchen. Aber es liegt auch ein Hauch von Wehmut über dieser Junizeit. Der Höhepunkt des Jahres ist erreicht. Die Tage werden nun wieder kürzer.

Zwei wichtige Lostage warten in der kommenden Woche auf uns: Der Johannistag am 24. und der Siebenschläfertag am 27. Juni. Ihre Bedeutung für die Landwirtschaft klingt bis heute in den Bauernregeln nach. Bis Johanni kann gepflanzt werden. Danach reifen Gerste und Hafer, und man darf Heu machen: „Wenn die Johanniswürmer glänzen, dann darfst du richten deine Sensen.“

Die Rhabarber- und Spargelernte ist dagegen vorbei: „Kirschen rot, Spargel tot“, heißt es lapidar. Und regnen darf es nun für eine gute Ernte möglichst gar nicht mehr: „Vor Johanni kann das Land erweichen, nachher reicht´s, wenn alte Weiber kreischen.“

Die Bauernregeln mögen uns heute zum Schmunzeln bringen. Doch sie erinnern daran, wie existenziell das Wetter für die Generationen vor uns war. Früher bedeuteten Hagelschauer oder Dauerregen ein noch viel größeres Unglück als heute. Gerade die Lostage konnten entscheidende Wendetage in der geheimnisvollen Schöpfungsordnung sein, von denen buchstäblich das eigene Los abhing. Da wurden Helfer gebraucht, die im Himmel gut Wetter machten. Der heilige Johannes und die heiligen sieben Schläfer sollten für ein glückliches Geschick und eine gute Ernte sorgen. Die Gedenktage für sie zeigen, wie sehr unser Leben vom Himmel abhängt. Gesegnet die, die die Zeichen lesen können!

Sabine Schiermeyer, Regionalbischöfin für den Sprengel Ostfriesland-Ems