Jeden Morgen und jeden Mittag laufen sie an meinem Haus vorbei. Mal hüpfen sie fröhlich über den Fußweg, mal gehen sie mit müden Schritten und lassen die Schultern hängen. Die Schülerinnen und Schüler auf ihrem Schulweg.
Sie tragen große Schulranzen an denen manchmal auch noch volle Turnbeutel baumeln. Die Ranzen sehen schwer aus. Und das liegt nicht immer nur an den dicken Büchern, vielleicht ist auch eine Klassenarbeit drin, die nicht so gut gelaufen ist, oder Hausaufgaben, die den Nachmittag bestimmen werden.

Ich kann mir vorstellen, viele freuen sich darauf, dass Ranzen und Rucksäcke bald für viele Wochen in einer Ecke landen werden. Hängende Schultern und gebeugte Rücken können sich in den Ferien endlich erholen.
Wir Erwachsenen müssen keine Schulranzen mehr tragen. Aber auch unser Lebensrucksack wiegt manchmal schwer. Da sind Aufgaben und Anforderungen, die uns lange beschäftigen, Konflikte, die wir nicht lösen können, etwas, das uns unter Druck setzt oder uns belastet. Auch wir gehen so manches Mal mit hängenden Schultern und müden Schritten unsere Wege.
Vielleicht brauchen wir auch mal große Ferien. Nicht einfach arbeitsfreie Tagen, an denen endlich Zeit ist, alles zu erledigen, was im Alltag so liegen bleibt, sondern echte Ferien, in denen wir unseren Lebensrucksack mit all den Belastungen einen Augenblick lang gedanklich in die Ecke stellen können.
Jesus sagt: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Mt 11, 28)
Jesus will uns erquicken. Um das zu spüren, mache ich gerne eine kleine Übung: Ich schließe die Augen und atme ein, dabei flüster ich in Gedanken: Jesus will… beim Ausatmen flüstere ich dann: mich erquicken…
Ich werde ruhig, der Rücken wird entlastet, die Schultern entspannen. Große Ferien, mitten im Alltag.
Pastorin Miriam Richter, ev.-ref. Gemeinden Bedekaspel und Simonswolde