Predigt am Letzten Sonntag nach Epiphanias 2020

Aurich Lamberti 2.2.2020 – Superintendent Tido Janssen

Liebe Radiohörerinnen und –hörer! Liebe Gemeinde!
Wenn ihr gleich den Predigttext hört, werdet ihr Euch fragen:
Ist der noch ganz bei Sinnen?
Was sind das für Bilder?
Phantastisch. Unwirklich. Wie aus einer anderen Welt.
Großes Kino im Kopf.
Aber hier in der Lambertikirche? Im Gottesdienst?
Eine Szene aus einem Fantasy-Film –
wenn es das wäre, da würden wir das erwarten. Und es würde passen. Es fängt ganz harmlos an…

Offenbarung 1,9-18 (Basis-Bibel)

Ich, Johannes, teile als euer Bruder alles mit euch, was uns wegen Jesus widerfährt:
das Leid,
die Herrschaft

und die Standhaftigkeit.
Ich war auf der Insel, die Patmos genannt wird. Dorthin musste ich gehen,
weil ich Gottes Wort verkündet habe
und als Zeuge für Jesus aufgetreten bin.
Am Tag des Herrn ergriff der Geist Gottes
von mir Besitz.
Und ich hörte eine laute Stimme hinter mir, die klang wie eine Trompete.
Die Stimme sagte:
»Schreibe in ein Buch,
was du siehst,
und schicke es an die sieben Gemeinden:
Nach Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und nach Laodizea!«
Ich drehte mich um, um zu sehen,
wessen Stimme da mit mir redete.
Und als ich mich umdrehte,
sah ich sieben goldene Leuchter.
Und inmitten der Leuchter sah ich jemanden, der aussah wie der Menschensohn.
Bekleidet war er mit einem langen Gewand und um die Brust trug er ein goldenes Band. Sein Kopf und seine Haare waren
strahlend weiß
wie weiße Wolle oder Schnee.
Seine Augen glichen lodernden Flammen.

Seine Füße glänzten
wie glühende Bronze im Ofen.
und seine Stimme klang
wie das Tosen von Wassermassen.
In seiner rechten Hand hielt er sieben Sterne. Und aus seinem Mund kam ein scharfes, zweischneidiges Schwert.
Sein Anblick blendete wie die Mittagssonne. Als ich ihn sah,
brach ich wie tot vor ihm zusammen.
Er legte mir seine rechte Hand auf und sagte: »Hab keine Angst.
Ich bin der Erste und der Letzte
und der Lebendige.
Ich war tot,
aber sieh doch:
Ich lebe für immer und ewig.
Und ich habe die Schlüssel,
um das Tor des Todes
und des Totenreichs aufzuschließen.

So fängt die Offenbarung des Johannes an, das letzte Buch der Bibel.
Alles Fantasy?
Manche haben es gleich gewusst:

„Die spinnen, die Christen!“

Johannes spürt:
Um gehört zu werden, muss ich um Vertrauen werben. Darum fängt er sehr vorsichtig an. Er stellt sich vor.„Ich bin Johannes, euer Bruder.“
Wir kennen uns!
Ihr könnt mir vertrauen. Dies Vertrauen brauche ich. Denn das, was jetzt kommt,
ist unglaublich genug.
Hier kommt etwas,
das habt ihr euch nicht träumen lassen.
Ihr werdet Bilder sehen,
die sprengen eure Vorstellungskraft.
Und doch werdet ihr erkennen:
Diese Worte gelten uns. Gott spricht zu uns.

Es gibt keine stärkere Macht als wenn ein Mensch spürt:

Gott spricht zu mir. Persönlich.

So ein persönliches Wort hinterlässt Eindruck bei mir. Es verändert mich.
So war es bei Johannes.
Das, was er da auf Patmos erlebt, macht was mit ihm.

Es wirft ihn zu Boden.
Es haut ihn um.
Als ich ihn sah, brach ich wie tot vor ihm zusammen.

Da frag ich mich: Was hat er gesehen?
Und ich stelle fest:
Zuerst sieht er gar nichts, zuerst hört er was.Und ich hörte hinter mir eine Stimme,

laut wie eine Trompete…

Unüberhörbar.

Da frag ich mich:
Spricht Gott heute vielleicht zu leise?
Warum höre ich ihn nicht so deutlich wie Johannes?
Warum überhören heute so viele Menschen seine Stimme?
Er müsste mal den Schalldämpfer von seiner Trompete nehmen, damit mehr Menschen ihn hören.

Die laute Stimme sagt Johannes:

„Schreibe alles, was du siehst, in ein Buch und schicke sie an die sieben Gemeinden, es folgen sieben Namen: sagen wir mal Aurich Lamberti, Aurich Paulus, Walle, Plaggenburg, Tannenhausen, Sandhorst und Wallinghausen.“
Buch. Heißt: Alles ist aufgeschrieben.

Du brauchst gar keine phantastische Erfahrung wie Johannes auf Patmos. Gott macht es dir viel einfacher.
Hier (Bibel): Sein Wort! Für dich! Du brauchst es nur lesen.

(Banderole NGÜ: Geschichtsbuch, Ratgeber, Schmöker, Gedichtband, Krimi, Wälzer, Liebesroman, Fantasy, Lieblingslektüre, … Nennen Sie es, wie Sie wollen. Aber lesenSie es, bevor Sie sich ein Urteil bilden. Und eingraviert: Gott spricht. Heute.)

Es wird dich verändern, wenn du seine Stimme darin hörst. Nimm es! Lies es! Hör es!
Gott spricht zu mir. Persönlich.

Nun müsst ihr euch mal vorstellen:
Ihr Konfirmanden kommt in eure Konfi-Gruppe und einer sagt:„Gott hat zu mir gesprochen.“
Da würde doch der eine oder andere denken:
„Der hat doch einen Sprung in der Schüssel.“
Oder ihr kommt in Euren Freundeskreis oder zu Kollegen und sagt:„Übrigens – Gott hat zu mir gesprochen.“
Ich kann Euch sagen:
Das Erstaunen wird auf Eurer Seite sein.
Vielleicht lächelt jemand. Oder er wendet sich ab.
Wohlmeinende fragen sich vielleicht,

ob ihr ein Rezept braucht.

Ich glaube ernsthaft:
Gott spricht zu mir durch dieses Buch. Ja.
Durch die Menschen, die erzählen, was sie mit ihm erlebt haben. Daran kann ich anknüpfen.
Mich hineinverweben. Teil der Geschichte werden.
Auch kann ich sagen: Das ist nicht meine Erfahrung.
Das halten diese Texte auch aus.

Ich habe in den letzten Tagen auch gesucht, gelauscht.
Ich habe mich bemüht zu hören: Was sagt er mir?
Tido Janssen?
Ich höre seine Stimme nicht so laut wie Johannes, der ja sagt:Seine Stimme donnerte wie das Meer bei Sturmflut.

Ich muss im Gegenteil erst mal aufklären, was die vielen Bilder, die er schildert, meinen.
Ich sah einen Mensch – langes Gewand –
goldener Gürtel – Augen wie eine Feuerflamme………

Wen beschreibt er so phantastisch?

Und ich habe herausgefunden:
Niemand anderes beschreibt er als Jesus.
Weiß ich das, reicht mir das.
Dann muss ich seinen Bildern auch gar nicht bis in den letzten Winkel folgen.

Ich frage weiter:
Warum vergeht Johannes Hören und Sehen bei dieser Begegnung? Warum fällt er um wie tot? –
Er trifft auf Gott.
Hier winken Risiken und Nebenwirkungen.
Mir macht es Lust, diese Texte zu lesen, zu hören,
zu befragen, zu deuten, zu predigen.
Ja und was ist nun? Was hört Johannes?
Was hört Tido Janssen?
Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: „Fürchte dich nicht!“So eine Hand auf Schulter spüren und hören:
„Fürchte dich nicht!“ – Mir tut das gut.
Berührt werden – von seinen Worten.
„In der Welt habt ihr Angst.“
Für Angst gibt es doch heute Gründe genug…
Ansteckende Coronaviren, aber auch so viel Böses:
Die Bilder aus Auschwitz haben wir diese Woche wieder gesehen,
und Stimmen von Überlebenden gehört: „Nie wieder!“
Sorgt dafür! Seid wachsam!
Das Böse ist auch wieder unter uns.

Hass und Hetze auf andere, damals, heute.
Nie ganz das gleiche. Aber böse.
Fürchterlich.
Dann sind das plötzlich Worte wie aus einer anderen Welt:„Fürchte dich nicht!“

Wenn ihr heute aus diesem Gottesdienst nach Hause
oder wohin auch immer geht und nehmt nur diese Worte mit:„Fürchte dich nicht!“ – ich würde sagen:
Dann habt ihr genug gehört für diese Woche.
Dann hat sich Euer Kommen und Zuhören gelohnt.

Christinnen und Christen sehen und hören mehr.
Sie kennen dieses Buch. Und das bezeugt noch eine andere Wahrheit: Durch Jesus Christus hat Gott uns etwas zu sagen.
„Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.
Ich war tot, doch ich lebe für immer und ewig.
Ich habe die Schlüssel, um das Reich des Todes in der Unterwelt zu öffnen.“

Unglaublich. Unglaublich stark.
Mir sagt dieser Text:
„Tido, Angst brauchst Du nicht zu haben!
Denn Du hast einen starken Gott auf Deiner Seite.

  •   Dein Gott, das ist der, der sich ausgedacht hat, dass Du leben sollst.
  •   Das ist der, der in der Weihnachtsnacht allen Menschen sagen lässt:

    „Fürchtet euch nicht, siehe ich verkündige euch große Freude:

    Euch ist heute der Heiland geboren.“

  •   Das ist der, der in der Osternacht durch einen Engel den Frauen sagen lässt:

    „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten sucht.

    Er ist nicht hier. Er ist auferstanden.“

  •   Das ist der, der uns allen sagt: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!“

    Das ist keine Fantasy.
    Das ist Jesus Christus.
    Das ist in Wahrheit sensationell.
    Der Tod wird nicht siegen.
    Ihm bestreiten wir hier seine letzte Macht.
    Das gibt’s nur hier zu hören!
    Das gibt’s in keiner Fernsehshow, in keiner Zeitung, in keinem Fitnessstudio, in keinem Kino, das gibt’s nur in der Kirche: „Fürchte dich nicht!“
    Ich bin überzeugt:
    Jesus spricht auch heute durch sein Wort zu uns.
    Am Sonntag kam der Heilige Geist über mich,
    und ich hörte hinter mir eine Stimme,
    laut wie eine Trompete….
    Also, sagt in der Konfi-Stunde ruhig:

„Sonntag, im Gottesdienst bei Lamberti, da hat Gott zu mir gesprochen…“ Mal sehen, was die anderen sagen…

Ich weiß natürlich, dass es all das Furchterregende rund um uns herum weiter gibt: Krankheit bleibt,
Gewalt bleibt,
Sucht bleibt,

Sorge bleibt,
Einsamkeit bleibt,
Ungerechtigkeit bleibt,
der Tod erschreckt uns.
Trotzdem leuchtet für mich dahinter etwas auf wie die Gestalt, die Johannes sieht: hell und glänzend,
weiß wie Schnee,
kostbar wie Gold,
warm wie die Sonne, die im Zenit steht.
Niemand anderes als der auferstandene Jesus.
Drei Worte kommen aus seinem Mund:
„Fürchte dich nicht!“
Die neue Welt leuchtet schon in diese Welt hinein.
Wir hören es diese Woche jeden Tag als zu uns gesagt
und gehen mit dieser Kraft in unseren Tag.
Das ist ein guter Anfang.
Und dann werden wir mehr davon hören wollen.

Deshalb: „Fürchte dich nicht!“ 25Amen.