Sonntagsbetrachtungen 2019

Worte zur Woche aus den Ostfriesischen Nachrichten

30. Oktober 2019 Zum Reformationstag: Der Wahrheit treu bleiben

Dr. Detlef Klahr

Reformation feiern wir aus gutem Grund. Seit 2018 nun in Niedersachsen auch mit einem gesetzlichen Feiertag. Dieser Tag kann dazu anregen, über Kirche und Gesellschaft neu nachzudenken. Wir können ihn fröhlich, offen, ökumenisch, interreligiös und mit Blick auf zentrale Fragen unserer Gesellschaft feiern. Für das Jahr 2019 schlagen die evangelischen Kirchen in Niedersachsen das Thema „Wahrheit“ vor. Dabei sind wir aufgefordert, zu überprüfen, was der Wahrheit entspricht, um uns nicht von „Fake News“ oder Meinungsmachern in die Irre führen zu lassen. Martin Luther hatte seine 95 Thesen über den Ablass am 31. Oktober 1517 aus Liebe zur Wahrheit und im Verlangen danach, sie zu erhellen, veröffentlicht und wollte in einen Dialog darüber eintreten. Martin Luther war damals mit der Bibel auf Wahrheitssuche. Für ihn war klar, Gottes Wort muss dabei die Richtschnur sein. Er setzte diese Wahrheit nicht absolut, sondern war bereit, sich von anderen in seiner Sicht korrigieren zu lassen, wenn es dafür überzeugende Argumente aus der Bibel gab. Andernfalls hielt er an der erkannten Wahrheit fest mit einer Haltung, die ihn selbst vor dem Kaiser und Papst sagen ließ: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders! Gott helfe mir!“ Am Leben und Handeln Luthers wird deutlich, es ist ganz und gar nicht einfach für eine Wahrheit, die zur inneren Überzeugung geworden ist, einzustehen. Es zeugt von innerer Haltung, wenn Menschen auch heute für die Wahrheit eintreten. Vor Fanatismus und blinder Selbstüberschätzung bleiben wir verschont, wenn sie im Dialog mit Gottes Wort und mit anderen Menschen immer wieder neu gesucht und gefunden wird. Wie gut, dass uns dieser gesetzliche Feiertag als ein Freiraum für den Dialog geschenkt wurde.

Von Dr. Detlef Klahr, Landessuperintendent für den Sprengel Ostfriesland-Ems

26. Oktober 2019: Trost und Zuversicht in schweren Zeiten

„Vor allem Gesundheit“, so wünschen wir einander auf Geburtstagsbesuchen.
„Hauptsache gesund“ sind wohl die meistgeäußerten Worte, wenn wir Bekannten auf der Straße begegnen und schnell nach dem Wohlergehen der Anderen fragen oder danach gefragt werden.

John Förster, Pastor in Riepe und Ochtelbur

Doch was ist, wenn wir nicht gesund sind, sondern ernstlich erkrankt, wenn unser eigenes Leben oder das eines lieben Menschen in Gefahr ist?
Während meines ersten Theologiestudienjahres brach der heimtückische Krebs meines Vaters wieder aus. Jahre, nachdem er den ersten Tumor dank einer
erfolgreichen Operation und nach den Qualen der folgenden Chemotherapie abgeschlossen hatte und die Ärzte ihm und uns begründete Hoffnung auf weitere Lebensjahre machen konnten. Die neue Diagnose von schnell wachsenden Metastasen im ganzen Körper war niederschmetternd. Jede Hoffnung auf Heilung war zerstört. Es ging ans Abschiednehmen.
Während ich mit meinem unbarmherzigen Gott haderte, der entweder lieblos oder unfähig sein müsse, überraschte mich mein Vater. Er wusste sich in dieser harten und sorgenvollen Zeit von Gott begleitet und getragen. Während seine körperlichen Kräfte zusehends schwanden, und er die Hoffnung auf Genesung aufgegeben hatte, konnte er dennoch dankbar sagen, dass Gott es zweiundsechzig Jahre gut mit ihm gemeint hat und ihm eine liebevolle Familie und gute Freunde als Wegbegleiter geschenkt habe. Nun würde er auch in der Not bei Gott geborgen sein und in Frieden gehen können.
In dieser Zeit konnte der angehende „Theologie-Fachmann“ viel lernen, von einem im Glauben tief verwurzelten „Laien“, dessen größter Trost und auch Zuversicht es war, im Leben und im Sterben zu Gott und seinem für uns auferstandenen Sohn zu gehören. Denn zuletzt, wenn wir aus eigener Kraft keinen Schritt mehr selbst gehen können, trägt Gott selbst unsere müde Seele heran zu sich, wo sie heilen soll.
Mit den besten Wünschen für eine gesegnete und herbstbunte Woche.

Von John Förster, Pastor in Riepe und Ochtelbur

19. Oktober 2019: Tu dies, lass das!

Vikar Philipp Sapora

Du sollst keine Strohhalme aus Plastik mehr verwenden, du sollst nicht mehr per Flugzeug in den Urlaub reisen! Du sollst nicht den ganzen Tag nur faul auf dem Sofa rumhängen! Los, geh raus, tu was Sinnvolles! Mach mehr Sport!
Eine kleine Liste von Forderungen, von Anweisungen, die uns mehr oder weniger häufig begegnen. Über Medien und über die Menschen um uns herum. Die Liste ließe sich beliebig erweitern. Manchmal, wenn mir jemand sagt, was ich tun soll, dann habe ich schon gar keine Lust mehr, das zu tun. Auch, wenn ich einen Moment vorher genau das vorhatte. Viele Menschen lassen sich nicht gerne sagen, was sie tun und lassen sollen. Wir bäumen uns auf, nicht gegen den Sinn der Anordnung, sondern gegen das „Herum-Kommandiert-Werden“. Wenn man einen Blick in die Bibel wirft, könnte es einem auch ganz anders werden: Gebote ohne Ende, Verbote bis zum Abwinken. Eines davon: „Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“ Beim ersten Hinschauen eine weitere Anordnung: Liebe deinen Nächsten! Sei gut zu denen um dich herum! Für mich ist es aber doch was anderes. Man kann nämlich den ursprünglich hebräischen Text auch anders übersetzen. Also statt eines Befehls als eine Schlussfolgerung. Dann nämlich heißt es: „Du liebst Gott, du wirst auch deinen Bruder lieben. Mit den zehn Geboten klappt das auch: Aus „Du sollst nicht begehren, was dein Nachbar hat“ wird dann: „Du wirst nicht auf das gucken, was dein Nachbar hat, sondern dich über das freuen, was du hast.“ Dann geht es für mich nicht mehr darum, Befehle entgegenzunehmen, sondern dann mache ich etwas, weil es zu mir passt, weil ich es will. Und es ist dann auch eher als ein Ziel formuliert. Ich weiß, dass ich eben nicht alle Gebote immer halten kann, dass ich, wie jeder und jede andere auch, meine Fehler habe. Aber ich werde daran arbeiten und daran wachsen.

Von Philipp Sapora, Vikar in Spetzerfehn

12. Oktober 2019: Der Herbst des Lebens

Mein Blick fällt durchs Wohnzimmerfenster in unseren Garten. Laub liegt auf der Erde und es ist neblig. Aber durch den Nebel sehe ich einige Herbstblumen, die noch blühen. Und von oben her kämpfen sich langsam einige Sonnenstrahlen durch den Nebel. Herbst pur! Dabei muss ich an den Herbst des Lebens denken. Da fällt der Blick vielleicht auch erstmal auf den Nebel. Das sind die Begrenzungen, die sich auftun – je älter man wird, desto mehr: Dinge, die man nicht mehr so gut kann wie vor einigen Jahren noch, dass die Gesundheit anfälliger geworden ist und andere Einschränkungen, mit denen man zu kämpfen hat und zurechtkommen muss. Wie Nebelschwaden ziehen sie auf. Aber wie gut, dass im Garten auch noch einige blühende Blumen stehen! Sie bringen mich auf andere Gedanken: Ich sehe das, was auch im Herbst noch an Schönem und Buntem da ist! Überlegen Sie doch einmal: Was macht Ihnen trotz des „Nebels“ noch Freude?

Pastor Hermann Reimer

Eine Frau aus unserer Gemeinde hat sich sehr schwer damit getan, als ihr klarwurde, dass sie nicht mehr lange in ihrem eigenen Haus bleiben kann. Die Arbeit war einfach zu viel geworden und sie müsste viel Geld ins Haus stecken. Das war der „Nebel“, mit dem sie zurechtkommen musste. Nach einigem Zögern hat sie sich dann dazu durchgerungen, in ein betreutes Wohnen zu ziehen – und heute sagt sie: „Das war eine gute Entscheidung!“ Sie erzählt, dass sie nette Mitbewohner hat, mit denen sie sich oft zum Tee trifft und dass sie beim wöchentlichen ‚Bingo‘ viel Spaß haben. Sie kann wieder alleine einkaufen gehen, weil alles nah dran ist. Das alles sind für sie solche Blüten, die auch im Herbstnebel noch blühen und an denen sie sich freut. An welchen Blüten können Sie sich im herbstlichen Garten Ihres Lebens freuen? Eine andere Hilfe, sich nicht im Nebel zu verirren, ist der Blick auf die Sonnenstrahlen, die sich durch den Nebel kämpfen. Sicher hat Jesus ein ähnliches Bild vor Augen gehabt, als er sagte, dass er das „Licht der Welt“ sei! Wo wir auf ihn blicken, da wird er dafür sorgen, dass wir uns im Herbst unseres Lebens nicht im Nebel verlieren. Er wird uns einen Weg zeigen, den wir gehen können. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Herbst!

Von Hermann Reimer, Pastor in Spetzerfehn

5. Oktober 2019: Erntedankfest

Viele Jahre war das Erntedankfest ein eher kleines Fest. Kindergartenkinder durften Apfelkörbchen in die Kirche bringen. Nett und schön. Und hinterher gab es vielleicht ein paar Blümchen für die Senioren der Gemeinde. Auch das nett und schön. Langsam wandelt sich das Bewusstsein.

Pastor Jörg Schmid

Unsere Erde, unsere Ernte ist nicht nur nett und schön – sie ist lebensnotwendig. Und zwar für alle Menschen auf der Erde. Für Menschen, die fliehen aus Dürregebieten genauso wie für Menschen, deren Ernte von Hurrikans vernichtet wird. Auch für uns Ostfriesen, nachdem wir zwei trockene und heiße Sommer erlebt haben und jeder Regenguss ein Labsal war. Die Gefährdung der Erde steht uns mehr und mehr vor Augen – und auch, dass wir Menschen in den letzten Jahren viel zu viel der Ressourcen der Erde verbraucht haben. Das Erntedankfest ist kein kleines, sondern ein großes Fest. Und darüber hinaus kann uns das Erntedankfest die Augen öffnen für den Zusammenhang jeglichen Säens:
Wenn du einen Baum pflanzt, erntest du Früchte. Wenn du Blumen pflanzt, erntest du Parfum. Wenn du Weizen säst, erntest du Brot. Wenn du Liebe säst, erntest du Freundschaft. Wenn du Wahrheit säst, wirst du Vertrauen ernten. Wenn du Glauben säst, wirst du Gewissheit ernten. Wenn Du Zärtlichkeit säst, erntest du Dankbarkeit. Und: Wenn du den Schutz der Natur säst, erntest du Zukunft.

Von Jörg Schmid, Pastor in der evangelisch-reformierten Kirche Aurich

28. September 2019: Zielbewusst unterwegs?

Erdmann Paul hat es geschafft: In zehnTagen bewältigte er die Strecke Dresden-Victorbur mit dem Fahrrad. Dabei war er keineswegs mit einem schnittigen E-Bike unterwegs. Auf einem ganz normalen Drahtesel älteren Datums kam unser lieber Ruhestandskollege seelenruhig in Victorbur angeradelt.
Bis vor ungefähr zehn Jahren war er Pastor unserer Partnergemeinde Mildenau im Erzgebirge. Und jetzt wollte er zur 30. Wiederkehr des Mauerfalls mit seiner Tour noch einmal seine persönliche Dankbarkeit dafür und für die Verbundenheit der Menschen in „seiner“ und „unserer“ Gemeinde zum Ausdruck bringen.
Von Pastorei zu Pastorei hat er sich westlich der Elbe durchgeschlagen. Bei Celle passierte ihm ein folgenschweres Missgeschick. Er vergaß sein Handy im Übernachtungsquartier. Für seinen Kontakt nach Hause oder Ostfriesland war das kein Problem. Aber nun hatte er echte Schwierigkeiten bei der Orientierung. Auf dem Radwegenetz sind immer nur die nächsten kleinen Orte ausgeschildert, vielleicht noch Sehenswürdigkeiten und Cafés. Aber für die grobe Richtung, damit man Kurs hält und sich nicht verfranst, braucht man eine Radwanderkarte – oder eben ein Handy. Nur mit dieser Unterstützung vermeidet man Umwege.
Erdmann Paul hat sich durchgefragt. Manchmal traf er auf Menschen, die ihm schon den Weg zum nächsten Dorf nicht so recht erklären konnten. Und dann erst entferntere Gefilde. Tja, wo lag nun auch noch Bremen ganz genau? Keine Ahnung. Am Ende aber fügten sich alle Reisetipps zusammen: „Georgsheil 11 km“. Von da an wusste unser lieber Kollege ganz alleine weiter.

Pastorin Andrea Düring-Hoogstraat

Wie wäre es schön, wenn wir auch im ganz normalen Alltag nur auf unser Handy zu blicken brauchten, um den richtigen Weg durchs Leben zu finden. Was für eine Erleichterung, wenn wir da nur einzutippen brauchten: „netter Lebenspartner“, „gute Gesundheit“, „ruhige Zufriedenheit“ oder „Weltfrieden“, „Klimaschutz“, „globale Gerechtigkeit“. Manche Etappenziele sind wohl in Sichtweite. Aber die grobe Orientierung fällt uns schwer. Der Weg ist kompliziert, die Anforderungen sind komplex: schon für jede und jeden von uns allein. Und zu manchen Zielen soll die ganze Menschheit als Reisegruppe mitgenommen werden – scheinbar unmöglich.
Reden ist angesagt und Zuhören. Ja, das nervt und dauert manchen viel zu lange. Aber anders geht es nicht. Wilder Aktionismus führt zu nichts. Den haben wir Christen auch nicht nötig. Wir vertrauen darauf, dass Gott uns ans Ziel führen will. Darum hören wir auf sein Wort. Das entspricht der Aufforderung des Hebräerbriefes: „Wir sollen desto mehr achten auf das Wort, das wir hören, damit wir nicht am Ziel vorbeitreiben.“ Hebr. 2,1.
Und Gott hat uns viel zu sagen, zum Beispiel: „Bewahrt die Schöpfung. Nehmt die Schwachen ernst. Vergebt einander Starrsinn und Fehler. Begegnet einander großzügig und liebevoll. Tankt bei mir auf und lasst Euch von mir leiten. Dann stimmt die Richtung und Ihr kommt an!“ Hören wir doch mal wieder hin. Das bringt frischen Rückenwind und macht Mut.

Von Andrea Düring-Hoogstraat, Pastorin in Victorbur

21. September 2019: „SUVs sind böse“

SUVs runter von den Straßen!“ ist groß auf dem Plakat zu lesen, welches Demonstrierende vor der IAA den Besucherinnen und Besuchern der Messe entgegenhalten. Oh weh! Da meldet sich das schlechte Gewissen. Bin ich doch seit einer Woche selbst Besitzer eines Geländefahrzeugs. Ob es hilft, dass es nur ein Gebrauchter ist? In den Augen der Demonstrierenden wohl kaum.
Ich fange an zu überlegen: Ist es nicht viel relevanter wie oft und wie lange ich ein Fahrzeug benutze? Was wäre gewonnen, wenn wir alle SUVs durch Kleinwagen ersetzen? Reicht das, um das Klima zu retten? Ich will es genauer wissen und teste mit einem der Rechner im Internet meinen ökologischen Fußabdruck. Und siehe da: Ich bin deutlich besser als der bundesdeutsche Durchschnitt! Klar: Ich fahre die meisten Strecken mit dem Fahrrad. Ich ernähre mich vegetarisch. Ich trage meine Kleidungsstücke in der Regel um die zehn Jahre und wechsle auch Gebrauchsgegenstände im Haushalt höchst selten aus. Ich fliege nicht und wohne auch nicht sonderlich groß. Gewissen beruhigt! Für zwei Sekunden.

Diakon Torsten Hoffmann

Dann teilt mir der Öko-Rechner mit, dass es 2,2 Planeten bräuchte, wenn jeder Mensch auf der Erde so leben wollte wie ich. Das ist krass! (An dieser Stelle passt der Spruch tatsächlich mal.) Mir wird klar: SUVs zum Feindbild zu erklären, rettet das Klima nicht. Die Veränderungen, die wir brauchen, müssen viel tiefgreifender, umfassender sein. Mir fällt ein, was Jesus in der Bergpredigt seinen Freundinnen und Freunden mitgibt: „Seht euch die Vögel an. Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte in Scheunen. Und Gott ernährt sie doch. Strebt zuerst nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit. Dann wird Gott euch alles schenken, was ihr braucht.“ Alles, was ihr braucht! Damit ist sicher kein Luxus gemeint und keine ungleiche Verteilung von Gütern und Ressourcen. Es gilt ja schließlich allen Menschen.
Gottes Reich ist ohne ökologische Verantwortung und ohne globale soziale Gerechtigkeit nicht zu denken. Was das für mich im Alltag bedeutet, darum ringe ich jeden Tag. Und ich bin damit ja nicht allein. Die große Jugendbewegung dieser Tage drängt uns ins Gespräch. Danke! Nutzen wir die Chance: bei Demos, Parking Days, in unseren Kirchen, bei organisierten Treffen, in unseren Gruppen und Kreisen und einfach zwischendurch.

Von Torsten Hoffmann, Diakon im Kirchenkreis Aurich

14. September 2019: Wir sind nicht das Universum

Mein Sinn für Humor wird mich daran hindern, mich, meine Familie, meine Rasse oder meine Nation als alleinigen Zweck des Universums anzusehen.“ Dieser Satz stammt von der afroamerikanischen Schriftstellerin Zora Neale Hurston, die von 1891 bis 1960 gelebt hat.

Pastorin Anita Schürmann

Hurston hat sich für die Afroamerikaner in den USA eingesetzt und in ihren Geschichten ihre Erfahrungen und Erinnerungen an das ländliche Leben der Schwarzen im Amerika der Jahrhundertwende verarbeitet. Wer über sich selbst lachen kann, Humor hat, nimmt sich nicht so wichtig. Er oder sie dreht sich nicht nur um sich, sondern weiß, dass es noch viele andere Menschen, Meinungen und Religionen gibt, die gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Und jeder Mensch ist wertvoll. Wir leben heute in einer Zeit, in der viele denken, sie wären der Nabel der Welt. In vielen Ländern regieren zurzeit Männer, die sich so sehen und andere übersehen bzw. ausgrenzen wollen. Mauern werden gebaut, Grenzen werden gezogen und dichtgemacht. Menschen werden aufgrund ihrer Hautfarbe oder Religion diskriminiert. Unsere Welt aber ist immer vielfältig gewesen – und das ist gut so. Haben wir also Humor und nehmen uns nicht so ernst bzw. wichtig. Ostfriesland ist ein Land von vielen, die hier miteinander leben und nebeneinander wohnen können – egal woher sie kommen bzw. wie sie
aussehen. Die Hautfarbe spielt keine Rolle für den Wert eines Menschen. Zora Neale Hurston hat das schon früh erkannt. Es gibt vielfältiges Leben und wir sind nicht allein im Universum und noch weniger sind wir das Universum. Gott sei Dank!

Von Anita Schürmann, Schulpastorin an der BBS 2 in Leer und Mitarbeit im Kirchenkreis Aurich

7. September 2019: Stylingtipps

Neulich in der Damenumkleide schnappte ich ein Gespräch auf, das einfach nicht zu überhören war. Eine ältere weibliche Stimme, die ich vor den Kabinen warten wähnte, schnarrte: „Ich würde ja das Geblümte nehmen!“; eine jüngere, recht bestimmte Stimme entgegnete: „Bist Du verrückt, damit mach ich mich doch lächerlich! Mit diesem Oberteil bin ich die Einzige, die auf dem Foto wie ein Kakadu ausschaut.“ Die andere wiederum: „Ach, das bringt doch Leben in die Bude! Außerdem geht es um Kinder – die finden es sicher schön, wenn nicht alle im langweiligen „Schwarz-weiß“ rumlaufen.“ – „Auf gar keinen Fall, das ist doch wohl ein feierlicher Anlass!“ Die erste Stimme lenkte behutsam ein: „Ich meine ja nur: Das Farbige steht Dir ganz ausgezeichnet! Egon, schau Du doch mal!“

Pastorin Silke Kampen

Ich hörte wie die jüngere Frau, die aus der Kabine heraustrat, abfällig schnaubte: „Egon, gib Dir keine Mühe zu lügen, dies ist nicht das richtige Outfit für eine Taufe.“
Spätestens jetzt hatten die zwei Frauen und der arme Egon meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Was zieht man zu einer Taufe an? Dem Täufling im Säuglingsalter wird ein weißes Taufkleid übergezogen: Weiß ist die Farbe der Reinheit, die Christusfarbe. Auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes wird das Kind getauft, sein Lebensbereich wird durch Gott erweitert und mit seinem Namen überschrieben. Mit der weißen Farbe wird dies sichtbar und drückt wie ein unbeschriebenes weißes Blatt Papier aus: Gott fängt mit diesem Menschenkind neu an. Und was sollen die Eltern und Paten selbst anziehen? Dem Anlass entsprechend etwas auszusuchen und was der Geldbeutel hergibt, ist eine gute Leitlinie, schließlich sieht Gott mit anderen Augen.
Im Alten Testament heißt es einmal: Gott sieht das Herz an. Dann kann die Kleidung gebraucht, neu oder farbig sein, bunt wie ein Kakadu oder der Regenbogen, der alle Farben des Lebens über unser Leben spannt. Nur „verkleiden“ sollte man sich nicht, wenn man spürt, dass dem feierlich-ernsten Gefühl eine andere Farbe entsprechen muss.
Außerdem gibt es ein Kleidungsstück, das Gott selbst über alle unsere modischen Out-Fits zieht: die Liebe. Sie ist das Band der Vollkommenheit wie Paulus es im Kolosserbrief formuliert. Und die Liebe ist bekanntlich kleidsam und sehr stylisch – versuchen Sie es mal damit, dann fällt die Auswahl in der Umkleidekabine auch nicht so schwer.

Von Silke Kampen, Pastorin der Matthäus-Gemeinde Wallinghausen

31. August 2019: Die kleinen roten Stühle

Superintendent Tido Janssen

„Die kleinen roten Stühle“ – so heißt ein Roman von Edna O’Brien. Sie ist 89 Jahre alt und lebt in Irland. Edna O’Brien schreibt über den Kriegsverbrecher Radovan Karadzic. Von 1992 bis 1996 haben bosnische Serben unter seiner Führung die Stadt Sarajewo belagert und bombardiert. Karadzic, der als Arzt eigentlich der Gesundheit der Menschen verpflichtet ist, wird zum Massenmörder. Edna O‘Brien verfolgt den Prozess gegen Karadzic vor dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Er bezeichnet sich dort selbst als „milden und toleranten Menschen“, gar als „Friedensstifter“. Unfassbar. Karadzic wurde zu 40 Jahren Haft verurteilt.

Im Roman schreibt dann jemand aus Sarajewo einen Brief an diesen „Arzt“. Er erzählt ihm, dass es in Sarajewo mittlerweile Gedenkfeiern für die Opfer der Verbrechen gibt. Sie haben in der Stadt 11.541 rote Stühle aufgestellt. Für jedes Todesopfer einen Stuhl. Jeder rote Stuhl erinnert an einen Menschen, der hier nicht mehr seinen Platz einnehmen kann. Er bleibt schmerzlich leer. Und dann sind da diese 643 roten Stühlchen – für die toten Kinder.
Erst in dem Moment kommen denen, die das sehen, die Tränen. Die Kinder. Die unschuldigsten Opfer. Die kleinen roten Stühle. Leer. Für immer leer. Für immer eine Mahnung: sich zu erinnern. Für immer eine Verantwortung: „Nie wieder Krieg!“

Genau vor 80 Jahren, am 1. September 1939, begann der 2. Weltkrieg. Können wir angerührt bleiben von einem Leiden, das immer weiter zurückliegt?
Ja, wir müssen uns immer erzählen von der menschlichen und politischen Katastrophe von damals und heute, von ihren Hintergründen, von ihren Ermöglichern, von persönlichen Schicksalen.
Wir können zusätzlich auch dankbar angerührt sein von über 70 Jahren Frieden in unserem Land, von der Entwicklung, die seit dem totalen Zusammenbruch möglich war.
Wir bleiben angerührt, wenn wir uns der Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft und Vertreibung erinnern.
Für die Millionen Opfer der beiden Weltkriege im letzten Jahrhundert können wir gar nicht so viele rote Stühle aufstellen wie wir müssten. Es war eine furchtbare Tragödie. Kinder, Frauen, Männer, Soldaten, Flüchtlinge aus so vielen Völkern. Verfolgt und getötet nur, weil sie „anders“ waren: eine andere Rasse, eine andere Nationalität, eine andere Religion, eine andere Lebensweise, eine Minderheit, krank, behindert und deswegen als „lebensunwert“ oder als „Untermensch“ bezeichnet.

Bleiben wir aufmerksam! Zwischen Frieden und Krieg ist der Weg auch heute nicht weit. Abrüstungsverträge werden gekündigt. Neue schreckliche Waffen werden entwickelt. Es wird mehr gedroht als verhandelt. Frieden kommt nicht von selbst. Frieden bleibt nicht von selbst. Den Friedensstiftern soll die Zukunft gehören, nicht denen mit dem größten Atomknopf. Verlangen wir von den Verantwortlichen:
Redet lieber stockend miteinander als dass ihr flink aufeinander feuert!
Geht lieber unbeholfen aufeinander zu, als dass ihr gekonnt übereinander herfallt!
Seid besser langsam mit Geduld als schnell mit Wut! Lieber nachverhandeln als nachrüsten! Verzichtet lieber auf Macht als zu Tode zu siegen! Besser gemeinsame Punkte suchen als Unterschiede herausstellen! Besser heute den ersten Schritt wagen als morgen den letzten Schritt riskieren.
Wir wollen keine roten Stühle! Wir wollen Frieden für alle!

Von Tido Janssen, Pastor der Lamberti-Gemeinde und Superintendent des Kirchenkreises Aurich

24. August 2019: „Meine Worte sind wie Sterne, sie gehen nicht unter.“

Chief Seattle, Häuptling der Duwamish

Pastor Michael Schlieker

In was für einer Welt leben wir eigentlich? Es vergeht keine Woche, in der nicht
irgendeine verrückte Idee oder ein aberwitziges Handeln die Schlagzeilen
beherrscht. Das Bild eines autistischen Mädchens als Ikone der Umweltbewegung,
die Verrohung der Sprache als Mittel der politischen und gesell-schaftlichen
Auseinandersetzung, Landkauf als geostrategisches Konzept.
Als ob nicht vieles schon gedacht wurde, als ob wir nicht aus manchem schon
unsere Lehren gezogen hätten. Ich denke an die Rede des Häuptlings Seattle
1855:
Der große Häuptling in Washington sendet Nachricht, daß er unser Land zu
kaufen wünscht. Wenn wir unser Land verkaufen, so müßt ihr euch daran
erinnern und eure Kinder lehren: Die Flüsse sind unsere Brüder und eure
-, und
ihr müßt von nun an den Flüssen eure Güte geben, so wie jedem anderen Bruder
auch.
Die Erde ist des weißen Mannes Bruder nicht, sondern Feind, und wenn er
sie erobert hat, schreitet er weiter. Ich weiß nicht – unsere Art ist anders als die
eure.
Es gibt keine Stille in den Städten der Weißen. Keinen Ort, um das Entfalten
der Blätter im Frühling zu hören oder das Summen der Insekten.
Das Ansinnen,
unser Land zu kaufen, werden wir bedenken, und wenn wir uns entschließen,
anzunehmen, so nur unter einer Bedingung: Der weiße Mann muß die Tiere des
Landes behandeln wie seine Brüder.
Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde.
Eines wissen wir, was der weiße Mann vielleicht eines Tages erst
entdeckt: Unser Gott ist derselbe Gott. Ihr denkt vielleicht, daß ihr ihn besitzt, so
wie ihr unser Land zu besitzen trachtet, aber das könnt ihr nicht. Dieses Land ist
ihm wertvoll. Und die Erde zu verletzen heißt ihren Schöpfer zu verachten.
Wohin wird unsere Reise gehen? In einem Segelboot von Europa nach Amerika?
Wenn der letzte Baum im Amazonas gerodet, wenn der letzte Gletscher auf Island
aufgetrocknet, die letzte Insel im Pazifik untergegangen und die letzte
Plastikflasche auch im kleinsten Flüsschen des Kontinents angekommen ist,
werden wir lernen, dass Menschen eben nicht alles kaufen oder besitzen können.
So mahnt uns das Alte Testament der Bibel: Jede Ethnie mit ihrem Gebiet gehört
einem bestimmten Gott. Der Besitz – nicht das Eigentum, nur Jahweh ist
Eigentümer – ist Gabe, Geschenk Jahwes, Gottes. Im Land, das Jahweh gehört, ist
seinem Willen entsprechend zu leben, d.h. Jahwes Gesetze gelten in seinem
Land.
Das Land selber ist heilig. Lasst uns denken und denkend handeln.

Von Pastor Michael Schlieker, Beauftragter für Notfallseelsorge

17. August 2019: Du bist sehr gut – so wie du bist!

Heute, am Samstag, finden in allen Grundschulen in Niedersachsen die Einschulungsfeiern statt. Viele Kirchengemeinden feiern morgen einen Schulanfängergottesdienst. Für die anderen Schülerinnen und Schüler ging bereits am Donnerstag die Schule wieder los. Nun geht es wieder darum, ob du dieses kannst oder jenes … oder eben auch nicht. Und am Ende steht der Zeugnistag. Die Noten geben Auskunft darüber, wie du bist – in Physik oder Englisch oder auch Deutsch. Bist du gut genug? Oder nicht? Wer nur lauter Einsen, Zweien und Dreien zu erwarten hat, für den stellen der Schulbeginn und die Jagd nach Noten kein Problem dar. Wer aber eher im Notenkeller rangiert, für den können die Vieren und Fünfen bleigrau auf den Schultern lasten.

Pastorin Sabine Bohlen

Für so manchen steht und fällt das Zutrauen in sich selbst mit der Note in Mathe oder Latein. Hängt der Selbstwert am Befriedigend oder wenigstens am Ausreichend. An den Noten, die die Lehrerinnen und Lehrer verteilen. Selbst wenn man die Schule schon lange hinter sich gelassen hat, wirken solche Zahlen manchmal ewig nach. „In Englisch hatte ich immer ’ne 5, das lern’ ich nie.“ „Für Mathe bin ich einfach zu dumm.“ Solche Sätze haben sich bei vielen tief ins Selbstbewusstsein gegraben. Dabei lässt sich der Wert eines Menschen doch gar nicht mit Zahlen beschreiben. „Gott sah an alles, was er gemacht hatte. Und siehe, es war sehr gut“, heißt es im 1. Buch Mose. „Er sah an alles…“ – auch dich mit der 5 in Mathe – „…und siehe, es ist sehr gut.“ Befriedigend, ungenügend, ausreichend, mangelhaft, gut, vielleicht sogar sehr gut. Noten schwarz auf weißem Papier. Wie immer das Zeugnis in diesem Schuljahr auch wird, über den Wert des Menschen sagt es nichts aus.
Vor Gott, der dich gewollt hat, wie du bist: sehr gut. In diesem Sinne: einen guten Start ins neue Schuljahr! Du bist – so wie du bist: sehr gut!

Von Sabine Bohlen, Pastorin in Wiesmoor

10. August 2019: Ohne Salz geht es nicht

Es ist heiß, der Schweiß läuft in Strömen über meine Stirn. Wie bin ich
eigentlich auf die verrückte Idee gekommen, bei über 35°C pilgern zu
gehen? Die Wasservorräte sind ausgetrunken und ich sehne mich nach
einer Pause. Ich möchte etwas trinken, etwas essen und mich ausruhen,
bevor es dann weiter auf dem Weg geht. „Täglich frisch gekochter
Mittagstisch“ steht auf einem Schild neben dem kleinen Dorfladen an dem
ich vorbeikomme. Ich gehe hinein, und rieche es schon: Heute gibt es
einen richtig schönen, bunten Gemüseeintopf. Grade bei den heißen
Temperaturen draußen tut er mir gut. Denn er ist reichhaltig und vor allem
gut gesalzen. So gut hat mir selten ein Eintopf geschmeckt, wie in diesem
kleinen Dorfladen an dem heißen Tag auf dem Pilgerweg.
„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll
man salzen?“ sagt Jesus. (Mt 5,13) Er spricht diese Worte am Ende der
Seligpreisungen in der Bergpredigt und er spricht seine Zuhörerinnen und
Zuhörer direkt an: Ihr seid das Salz dieser Erde!

Referentin Antje Wachtmann

Salz ist wichtig: es macht Speisen schmackhaft, es hilft Lebensmittel zu
konservieren und wir brauchen Salz für unseren Körper. Nicht mehr als 5
Gramm pro Tag empfiehlt die WHO, aber eben ein bisschen muss es sein.
„Ihr seid wichtig!“ sagt Jesus. „Ohne euch geht es nicht.“
In den Seligpreisungen hat er viele Aspekte eines christlichen Lebens
aufgezählt: sanftmütig sein, Frieden stiften, barmherzig sein. Wer, wenn
nicht ihr, soll das machen? fragt Jesus in dem er sagt: „Wenn das Salz nicht
mehr salzt, womit soll man salzen?“ Das ist eine große Aufgabe und
vielleicht verzagt man auch manchmal davor: Wie soll ich denn Frieden
stiften? Bin ich barmherzig genug? Da habe ich schon wieder die Kontrolle
verloren… besonders sanftmütig war ich nicht.
Aber wer einem faden Gericht schon einmal eine Prise Salz hinzugefügt
hat, weiß, wie schon ganz wenig einen großen Unterschied machen kann.
Genauso wie bei Barmherzigkeit, Sanftmütigkeit und Frieden stiften. „Ihr
seid wichtig!“ sagt Jesus „Ihr seid das Salz der Erde!“
Ich war erfrischt von einer salzhaltigen Mahlzeit und einer guten Menge
Wasser beim Mittagessen. So konnte ich den Pilgerweg weitergehen. Auch
bei 35°C im Schatten.

Von Antje Wachtmann, Referentin für Kirche im Tourismus

3. August 2019: Muscheln

Spaziergang am Strand. Gedanken ziehen lassen. Ferienzeit. Auszeit. Das brauchen wir. Gerne habe ich als Kind am Strand Muscheln gesammelt. Muscheln haben einen weichen Kern und eine harte Schale. Die Schale schützt ein weiches Leben in sich. Es wäre sonst schutzlos ausgeliefert: den Wellen, den Felsen, den großen Fischen. Innerhalb der festen Schale kann es wachsen und sich entwickeln, kann es leben.

Pastorin Christiane Schuster-Scholz

Auch wir haben Schutzräume: unsere Wohnung, unsere Familien und Freundeskreise. Auch unsere Schulen sollten so ein Raum sein. Und doch bleiben auch wir verletzlich: Wenn wir unsere Wohnungen verlassen müssen, wenn unsere Familie schrumpft, wenn jemand uns vor anderen verspottet und herabwürdigt. Schlimm, wenn er das tut, um von anderen Anerkennung zu bekommen.
Die jüngste Studie der Bertelsmann Stiftung ist alarmierend. Schulen sind besondere Orte. Hier wird vermittelt, was zum Leben helfen soll, dem Einzelnen und unserer künftigen Gesellschaft. Darum steht auf den Zeugnissen auch eine Bewertung des Sozialverhaltens. Wie gut, wenn Schulen zu Orten werden, an denen gegenseitige Unterstützung eingeübt wird.
Wie gut, wenn Schulen Orte sind, an denen gelernt wird, in aller Verschiedenheit Chancen zu erkennen. Schüler-Konfliktlotsen werden an unseren Schulen ausgebildet. Wie gut, wenn Schulen ein Lernort sind, Stärken und Schwächen zusammenzubringen, um der Herausforderung des nachhaltigen Wirtschaftens klug zu begegnen. Nachhaltigkeit muss in unser Denken einziehen. Darum fordern Schüler mit Recht, von der Politik gehört zu werden.
Wer gemobbt wird, der wünscht sich Schutz, eine Muschelschale um sich, die niemand gegen seinen Willen aufmachen kann. Wir ziehen uns zurück, wollen in Ruhe gelassen werden. Gott will so eine Muschel sein, ein Raum, in den wir uns zurückziehen können. Wenn wir beten, dann gibt es nur ihn und uns. Wenn wir ihm danken, entdecken wir, wie viel er schon geholfen hat. Wenn wir ihm unsere Traurigkeit erzählen, schließt er uns in seine freundliche Liebe ein. Wenn wir uns hilflos fühlen, sagt er: „Ich bin die starke Muschel um dich herum, du musst dich nicht fürchten.“
Manchmal wünschen wir uns aber auch, dass jemand vorsichtig anklopft, wenn wir uns in unsere Muschelhöhle zurückgezogen haben. „Komm raus, wir vermissen dich! Komm, lass uns das Leben wagen.“
Gott freut sich auf uns. Er will unsere schützende Muschel sein, damit wir heil werden. Aber er möchte uns auch stark und froh ins Leben gehen sehen. Dann bewegen wir uns mutig durch Gottes Welt und sehen die Schönheit, die er für uns bereithält. Und wir nehmen tapfer die Aufgaben an, die sich uns stellen. Wir wissen ja: Gott ist mein Schutz, mein Gott ist die Muschel (der Hort) meiner Zuversicht Ps 94,22.

Von Christiane Schuster-Scholz, Pastorin der Kirchengemeinde Holtrop, Akelsbarg, Felde, Wrisse und Bietzefeld

27. Juli 2019: Tauferinnerung

Anfang April führte uns eine Gemeindereise nach Jordanien. Viele Geschichten der Bibel spielen dort, u.a. auch die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer am Jordan. Wir besuchten die Taufstelle und hielten eine Tauferinnerungsfeier. Wir lasen die biblischen Texte zur Taufe, und wer wollte, wurde mit dem Jordanwasser gesegnet. Zwei Flaschen füllte ich ab und nahm sie mit zurück nach Ostfriesland. Im Osternachtgottesdienst in der Johann-Heinrich-Leiner-Kirche in Mittegroßefehn feierte die Gemeinde damit eine Tauferinnerung. Und auch am Sonntag wird es wieder so sein, beim Hafengottesdienst in Timmel. Am Sonntag dreht sich in den biblischen Lesungen, den Liedern und Gebeten alles um die Taufe. So ist das immer, einmal im Jahr, am 6.Sonntag nach Trinitatis.
Sich an die eigene Taufe erinnern zu lassen, ist sehr gut.

Pastor Christoph Schoon

In einer Betrachtung zum Taufwasser heißt es: „ Das Wasser, mit dem wir taufen, ist zugleich Zeichen des Todes und des Lebens. Ohne Wasser gibt es kein Leben. Im Wasser können Menschen versinken. Die Sintflut brachte Gottes Gericht über die Sünde der Menschen. Noah aber fand Gnade und wurde errettet aus der Flut. So soll im Wasser der Taufe alles, was uns von Gott trennt, untergehen. Aus dem Wasser der Taufe wird der neue Mensch auferstehen, der mit Christus leben soll.“
Wir empfangen das Zeichen des Kreuzes: Du gehörst Jesus Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen.
Oft wird die Taufkerze an der Osterkerze entzündet. Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Johannes 8,12).
Die Taufe ist ein wundervolles Sakrament. Das Taufwasser, das Licht der Osterkerze und der Taufkerze, der Taufsegen mit dem Kreuzeszeichen: All das kann uns auch an die eigene Taufe, an das eigene Getauftsein erinnern.
Am Sonntag geht es genau darum, Hoffnung zu schöpfen aus der Taufe. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
So heißt es in einem Taufgebet:
Allmächtiger, ewiger Gott, im Anfang der Schöpfung schwebte dein Geist über dem Wasser. Du hast in der Sintflut die Welt gerichtet und Noah in der Arche gerettet. Du hast dein Volk Israel durch das Schilfmeer in die Freiheit geführt. Dein Sohn tauchte ein ins Jordanwasser, als er sich taufen ließ und sich uns Sündern gleichstellte. Durch die Taufe befreist du uns aus der Gewalt des Todes. Du lässt alles untergehen, was uns von dir trennt, und erweckst uns zum ewigen Leben. Wir bitten dich: Sende deinen Heiligen Geist. Lass uns durch die Taufe mit Christus zum neuen und ewigen Leben auferstehen. Wir rühmen und preisen dich durch Jesus Christus, deinen Sohn, in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes, heute und allezeit und in Ewigkeit. Amen.
Ich wünsche fröhliche und segensreiche Gottesdienste !

Von Christoph Schoon, Pastor der Kirchengemeinden Timmel und Mittegroßefehn

20. Juli 2019: Liebesbrief Bibel

Es gibt Texte in der Bibel, die sind dermaßen langweilig, dass man sie hervorragend als Einschlafhilfe nutzen kann. Wenn das Buch nur nicht so dick wäre, man kann es im Bett schlecht halten und die Seiten sind bei vielen Ausgaben sehr dünn und knistern. Viele Menschen lesen überhaupt nicht in der Bibel. Weder im Bett noch sonstwo. Vielleicht denken sie, dass es in dieser Sammlung aus Büchern unterschiedlicher Zeiten nur langweilige Texte gibt. Das stimmt nicht. Es gibt sogar viele, die das Leben auf der ganzen Welt geprägt haben. Es gibt dramatische Texte und verstörende, liebevolle und welche, die zum Verzweifeln sind. Es gibt harmonische Texte und welche, die mehr Fragen als Antworten hinterlassen. Die Bibel von Anfang bis Ende zu lesen ist kaum zu schaffen. Sie ist kein Geschichtsbuch und auch kein Gesetzbuch.

Martin Kaminski

Eigentlich ist sie eher eine Art Liebesbrief. Zwischen Mensch und Gott. Zwischen Gott und Mensch. Und oft auch zwischen Mensch und Mensch. Liebe ist manchmal ganz leicht und manchmal kompliziert. Manchmal tut sie gut und manchmal tut sie weh.
Ich mag die Bibel. Viele Menschen haben sich sehr dafür eingesetzt, dass wir sie bis heute in aller Freiheit
lesen können. Ich frage mich oft: Wo bin ich eigentlich in diesem Liebesbrief? Wo bin ich in der langen Geschichte Gottes mit seinen Menschenkindern? Und dann
lese ich etwas und denke: Oh, da bin ich ja. Ich bin ja auch gemeint!
Engagierte Frauen und Männer haben sich überlegt, dass es schön wäre, einzelne Verse zu einzelnen Ereignissen auszuwählen. So sind die Taufsprüche entstanden, aber es gibt auch Bibelverse für jeden Tag. Die nennt man Losung.
Ich habe mir mal den sogenannten Monatsspruch für den Juli angeschaut: „Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“ Das steht bei Jakobus im Neuen Testament. Gefällt mir gut. Gut zuhören, überlegt reden und bedacht zornig sein — da bin ich ja schon wieder gemeint. Und Du?

Von Martin Kaminski, Diakon in der Kirchengemeinde Marcardsmoor

13. Juli 2019: Dem Leib Gutes tun

In Niedersachsen und in anderen Bundesländern sind jetzt Ferien. Für viele Menschen ist das eine Zeit des Ausspannens und der Erholung. „Jetzt kommen endlich die schönsten Wochen des Jahres!“, sagte mir jemand und er meinte damit seinen Jahresurlaub. Eigentlich schade, wenn nur wenige Wochen im Jahr zu den Schönsten zählen. Aber so ist das mit dem Urlaub und den Ferien. Wir brauchen Auszeiten, Zeiten zur Ruhe und Entspannung. Und vor allem brauchen wir Zeiten, die den Alltag unterbrechen. Es tut einfach gut, wenn es mal nicht in dem ewig gleichen Trott weitergeht. So wie etwa auch Festtage unseren Alltag unterbrechen. Das Wort Ferien leitet sich von dem lateinischen Wort für Festtage ab. Im antiken Rom wurden mit dem Wort „feriae“ Fest- und Ruhetage bezeichnet, an denen alle Geschäfte im öffentlichen und privaten Raum ruhten. Wie auch immer die freien Tage des Jahres genutzt werden, ob ganz ruhig auf „Bad Balkonien“ oder mit einer Reise an schöne Urlaubsorte (wie Ostfriesland), es geht um Abstand zum Alltäglichen. Endlich mal tun können, wozu sonst zu wenig oder gar keine Zeit übrig ist. Ausschlafen, mal Bummeln, neue Wege entdecken, am Strand liegen, im Garten werkeln, Leute besuchen, oder einfach mal gar nichts tun, Faulenzen. Hauptsache, es tut dem Leib und der Seele gut. Der Kirchenvater Augustin (354-430) hat das einmal sehr schön auf den Punkt gebracht. Er sagte: „Man muss dem Leib Gutes tun, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.“

Dr. Detlef Klahr

Das zu beherzigen, dazu möchte ich ermutigen, nicht nur in den Ferien oder im Urlaub. Es sich gut gehen lassen und dem Leib seine Erholung gönnen, die Seele fühlt sich dann auch wohl. Für mich liegen darin eine Bejahung der Schöpfung und ein Dank an die Leiblichkeit des Menschen. Damit nehmen wir ernst, dass Leib und Seele eine Einheit bilden.

Meine Mutter liebte es, nach einem langen Tag der Gartenarbeit ihre müden Füße in ein kühles Becken mit Wasser zu tauchen. Sie sagte dann: „Diese Wohltat haben die Füße verdient. Sie haben mich den ganzen Tag durch den Garten getragen. Nun sollen sie sich ausruhen. Morgen tragen sie mich dann ja wieder durch die Gegend.“

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine erholsame Sommerzeit.

Von Dr. Detlef Klahr, Landessuperintendent für den Sprengel Ostfriesland-Ems

6. Juli 2019: Des anderen Last

„Darf ich deinen Rucksack tragen?“ Das fragte mich eine schwarze Frau in Tanzania, als ich vor 25 Jahren nach langer Busfahrt erschöpft in den Usambara-Bergen angekommen war und mich schwitzend mit meinem schweren Rucksack auf den schmalen Weg hinauf in ein Dorf gemacht hatte, um Studienkollegen zu besuchen. Mir graute vor dem steilen Aufstieg bei der gleißenden Hitze. Die zierliche Frau in meinem Alter hatte mich eingeholt, lachte mich an und hielt ihre Arme nach vorne, um mir den Rucksack abzunehmen. Es war mir peinlich vor ihr und vor mir selbst, meine Schwäche zuzugeben. Gleichzeitig war ich unendlich erleichtert, dass mir meine Last abgenommen wurde. Sie machte sich mit meinem schweren Gepäck auf dem Kopf leichtfüßig auf den Weg und ich hatte neue Kraft gewonnen.

Pastorin Sunnive Förster, Krankenhausseelsorgerin in Aurich

Diese kleine Erinnerung fiel mir ein, als ich den Wochenspruch für die kommende Woche las: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galater 6,2). Ich wünschte, es wäre mit allen Lasten im Leben so wie bei meinem Erlebnis in Afrika. Dass es tatsächlich möglich wäre, Lasten füreinander zu tragen. Dass ich dir dein Gepäck abnehmen könnte, wenn dir etwas zu schwer wird, während ich mich stark fühle. Und umgekehrt. Mit körperlichen Lasten ist das möglich, mit seelischen Lasten nicht. Wenn ich traurig bin, kannst du nicht für mich trauern. Wenn du Sorgen hast, kann ich sie nicht für dich bewältigen. Wenn meine Tochter Probleme mit Freunden hat, kann ich das nicht für sie lösen. Wenn ich keine Arbeit finde, kannst du nicht an meiner Stelle arbeiten. Dabei hört sich der Spruch von Paulus so an, als wäre es uns möglich, die Lasten des anderen zu tragen und damit so zu handeln, wie Jesus Christus es von uns erwartet. Ich erlebe es aber nicht. Andere Menschen können mir nicht abnehmen, was an Herausforderungen, an Belastungen und Leid auf meinem Lebensweg auf mich wartet. Ich erlebe aber, dass Menschen mich begleiten. Dass sie bei mir sind, mich unterstützen, für mich da sind, mich aushalten. Dass sie mir immer wieder zuhören, wenn ich mein Herz ausschütte, mich in den Arm nehmen oder mich ablenken, wenn ich es brauche. Ich denke an die Liedstrophe: „Wenn ich die Meile mit einem teile, die er alleine nicht schafft, lass auf der zweiten mich ihn noch begleiten, gib mir die Stärke, die Kraft.“ So verstehe und erlebe ich die Erfüllung vom Gesetz Christi: nicht die Lasten für den anderen zu tragen, sondern mit Liebe, Zuwendung, Freundschaft, Verlässlichkeit, Phantasie, Freude und Kraft auf eine Weise für meinen Mitmenschen da zu sein, dass er selbst sich getragen fühlt und damit seine Last leichter werden kann.

Von Sunnive Förster, Krankenhausseelsorgerin in der Ubbo-Emmius-Klinik in Aurich

29. Juni 2019: Wir Menschen brauchen Licht

Frank Tebbens

Viele von uns werden schon Situationen erlebt haben, die ihnen als tiefe Dunkelheit oder finstere Nacht erschienen sind. Solche Zeiten zerstören Lebensfreude und Vitalität und stürzen so manchen in tiefe Depression. Sie lähmen unsere Kräfte und untergraben unsere Träume und Hoffnungen. Doch wie entkomme ich dieser scheinbar endlosen Nacht?
Die Sehnsucht aller Menschen ist es, möglichst viele Lichttage zu genießen. Deswegen werden die beiden Sonnenwenden, besonders in den skandinavischen Ländern, ganz groß gefeiert. Zu Beginn des Winters Weihnachten, nicht nur wegen der Geburt Christi, sondern weil die Tage wieder länger werden und am letzten Wochenende die Mittsommernacht, die kürzeste Nacht des Jahres.
Wenn Menschen diese Feste feiern, dann häufig in der Hoffnung, dass das, was da in der Natur geschieht, sich auch in ihrem Leben ereignen möge. Die geballte Helligkeit der Junisonne soll alle dunkle Seiten des Lebens überstrahlen. Oft genug wird diese Hoffnung aber zerstört: Unglücke unterschiedlicher Art verschonen uns nicht, sondern stürzen uns in neue Dunkelheiten. So sind wir, abhängig von unserer Lebensbiografie, Sklaven von äußeren Ereignissen, gefangen in der Angst vor dem nächsten Desaster. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass es in unserer Leistungsgesellschaft scheinbar mehr unzufriedene und unglückliche Menschen gibt als anderswo.
„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Johannes 8,12). In Christus haben wir ein Licht, das unsere inneren Dunkelheiten durchdringen kann, mögen sie noch so finster sein. Unser „schattiges“ Leben kann wieder leuchten, auch wenn das nicht immer sofort klappt. Mit Glauben und Geduld, Meditation und Gebet können wir unsere Seele wieder zum Leuchten bringen.
In vielen Religionen sind sogenannte „Erleuchtete“ Menschen mit einer besonderen Begabung, die sich komplizierten körperlichen Ritualen unterworfen haben und einen langen, beschwerlichen Weg gegangen sind. Deshalb gibt es nur wenige, die als „erleuchtet“ gelten.
Bei uns Christen ist da vieles unkomplizierter. Hier dürfen wir uns alle als „Erleuchtete“ fühlen, denn eine besondere Begabung ist nicht erforderlich, jede und jeder ist dafür geeignet. Es ist oft ganz leicht, es braucht nur Sehnsucht, Vertrauen und Zuversicht. Es gibt einige, die lange auf der Suche sind, aber es kann auch ganz schnell gehen, von der Strahlkraft Jesu ergriffen zu werden. Christen sind „Erleuchtete“, die um ihre Erleuchtung nicht ringen müssen und die dafür nur wenig leisten müssen. Sie bekommen etwas geschenkt von der Liebe und der wärmenden Zuversicht Gottes. Wir müssen nur daran glauben und darauf hoffen, dass Er das Licht der Welt ist. Dann wird dieses Licht in uns für Wärme, Sonne und Geborgenheit sorgen, auch wenn die Dunkelheiten des Alltags mal wieder länger dauern.

Von Frank Tebbens, Diakon in der Kirchengemeinde, Aurich-Oldendorf

22. Juni 2019: Johanni

Montag, der 24. Juni, ist der „Johannistag“, im Volksmund auch oft „Johanni“ genannt. Traditionell gilt der 24. Juni als der Geburtstag des Täufers Johannes. Sein genaues Geburtsdatum kennt man – übrigens genauso wie das Datum der Geburt Jesu – nicht. Die Festsetzung dieser Termine hat in erster Linie eine symbolische Bedeutung. Der Termin des
Johannistages steht in Verbindung zur Sommersonnenwende am 21. Juni. Man sieht den Täufer Johannes als Verkünder einer Wendezeit. So sagt er nach dem Johannesevangelium: „Ihr selbst seid meine Zeugen, dass ich gesagt habe: ich bin nicht der Christus, sondern vor ihm hergesandt. Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“
Die Kirche hat das Fest der Sonnenwende aufgegriffen und sie mit ihrem Glauben an Jesus Christus verbunden: für Christen ist Christus die Sonne der Gerechtigkeit. Durch Christus scheint uns die „Sonne der Auferstehung“. Wie Christus von den Toten aufersteht, so steht die Sonne jeden Morgen aus dem Dunkel der Nacht auf. Darum hat man im Kloster zu Beginn und am Ende des Tages die Sonne besungen, die wie Christus aufgehen soll in unseren Herzen, um daraus alles Dunkle zu vertreiben. Alles lebt ab jetzt hin auf Christus.

Pastorin Angelika Scheepker

Die Sonnenwende wurde und wird oft mit besonderen Ritualhandlungen gefeiert: Johannisfeuer, Feuerräder und brennende Strohfiguren sollen das Böse vertreiben und das Gute herbeiführen. Ähnliche Feste gibt es in vielen Religionen. In der Landwirtschaft ist der Johannistag traditionell ein „Lostag“, ein wichtiger Merktag, mit dem eine neue Zeit anfängt. Mit dem Ende der Schafskälte beginnt für die meisten Feldfrüchte nun die Erntezeit. Einige Pflanzen, die zum Johannistag blühen oder reifen, tragen den Namen des Täufers, zum Beispiel das Johanniskraut oder die Johannisbeere.
Der Johannistag ist im Jahreslauf also zusammen mit der Sommersonnenwende ein „Wende-Tag“. Es verwandelt sich etwas. Wir befinden uns ab jetzt im Sommer, wir feiern und genießen das Licht, aber gleichzeitig beginnt mit dem Kürzerwerden der Tage die noch unbemerkte Vorbereitung auf die dunklere Jahreszeit. Im christlichen Glauben gelten Wendezeiten als wichtige Zeiten der inneren Einkehr. Die Wendezeit ist immer auch eine Zeit der Wandlung, denn Wenden hat ja mit Wandlung zu tun. In jedem Leben gibt es Wendezeiten, in denen wir nicht fortsetzen können, was wir bisher gelebt haben. Dies können auch Zeiten der Krise sein, etwa die Wende in der Pubertät, in der Lebensmitte, in Zeiten von Krankheit, Konflikten und Verlusten, am Ende von prägenden Lebensabschnitten wie Kindererziehung und Beruf.
In Wendezeiten spüren wir, dass unser Körper und auch unser Inneres eine besondere Achtsamkeit fordern. Vor Wendezeiten müssen wir uns nicht fürchten. Sie können helfen, uns zu einer neuen Blüte und Reife zu bringen.
Im Neuen Testament ruft der Täufer Johannes die Menschen auf, sich zu ändern. Insofern passt sein Gedenktag gut in diese Wendezeit. In diesem Sinne lädt der Johannistag dazu ein, die verschiedenen Wendezeiten unseres Lebens zu bedenken und Gott zu bitten, dass er in unserem Leben alles zum Guten wende und dass wir uns mit seiner Hilfe verändern können. In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen guten Johannistag.

Von Angelika Scheepker, Pastorin in der Kirchengemeinde Lamberti, Aurich

15. Juni 2019: Keine Phrasen bitte!

„Keine Phrasen bitte!“ Diesen Stoßseufzer höre ich immer öfter. Wir diskutieren nicht mehr, so empfinden es viele, sondern wir halten nur noch Schilder hoch. Es ist doch oft schon klar, was das Gegenüber gleich sagen wird. So begegnen wir vielleicht auch dem Wochenspruch für das Dreieinigkeitsfest: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!“ Es ist fraglos eine Grußformel. Sie steht am Ende des 2. Korintherbriefs (2. Kor. 13,13).

Pastor Bernd Battefeld

Wieder eine bloße Formel? Nein! Die Christen beschreiben das Geheimnis Gottes in Jesus Christus mit der Dreieinigkeit. 1. Jeder Gottesdienst wird in der Regel so eröffnet: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Das ist mehr als eine Formel oder schärfer noch, mehr als eine Phrase. Nicht in meinem Namen eröffne ich den Gottesdienst, auch nicht im Namen der Gemeinde, nein, Gott ist der Gastgeber, alle sind Gäste. Wir sind keine abgeschlossene Gemeinschaft! Ja, und, denken wir, wo ist da ein Unterschied? In der Zeit des Nationalsozialismus war es ein für alle erheblicher: Nicht im Namen des Führers, sondern im Namen Gottes wurde eingeladen!
Und damit kommen wir zum nächsten Punkt, der Nummer 2. Wir Christen drücken im Glaubensbekenntnis zu Vater, Sohn und Heiligem Geist aus: Wir glauben nicht an Führer, nicht an deren Vorsehung, nicht an eine Partei oder das Volk, sondern „Ich glaube an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.“ Alle anderen Ansprüche gelten nicht oder treten zurück. So ermöglichte einst das Glaubensbekenntnis den Widerstand gegen die totalitäre Ideologie.
Heute nun ist die Dreieinigkeit ein Gefäß des Glaubens in dieser Welt, ein Rucksack für mein Leben, für den Dialog der Christen mit der Welt und anderen Religionen. Wir leben hier im Vorletzten, das heißt, es gibt keine perfekte Ideologie oder Ordnung, die absolute Gerechtigkeit bewirkt! Es gibt Gott, aber keine Gurus oder Übermenschen!

Von Bernd Battefeld, Pastor in der Kirchen-gemeinde Strackholt

8. Juni 2019: Wenn der Wind des Wandels weht

Wer kennt das Pfeifen von Klaus Meine in dem Song „Wind of Change“? Der Song der Scorpions feierte den politischen Wandel in Europa rund um „Perestroika“ und die Wende in Deutschland 1989. Über 688 Millionen Mal wurde das Musikvideo bisher angeklickt. Friedlicher Wandel war möglich. Er ist es heute auch.
„Wenn der Wind der Veränderung weht“, heißt es in einem chinesischen Sprichwort, „bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“ Ich habe in der letzten Zeit immer wieder Menschen oder Gruppen gefragt: „Was macht ihr?“ Die Antwort lautete immer: „Wir bauen Windmühlen!“ Ich freue mich darüber. Es gibt eine hohe Bereitschaft, sich zu verändern und am notwendigen Wandel mitzuwirken.

Tido Janssen, Superintendent im Kirchenkreis Aurich

Frischer Wind weht durchs Land. Beim ersten Pfingstfest rauscht der Wind des Wandels kräftig durch Orte, Städte und Häuser in Jerusalem. Zuerst ergreift neuer Geist Leute, die vorher mit Jesus unterwegs waren. Sie sind Feuer und Flamme. Sie reden mutig. Radikale Christusliebe heißt für sie jetzt radikale Liebe zur Welt.
Das Pfingstrauschen macht sofort andere Menschen neugierig. Sie strömen zusammen. Der neue Geist überwindet alte Grenzen. Eine bunte Völkergemeinschaft trifft sich. Jeder versteht es plötzlich in seiner eigenen Sprache: „Gott hat Großes getan.“
Frischer Geist für unsere Zeit — hierzulande und europaweit setzen sich viele Menschen für die Bewahrung der Schöpfung ein. Auf jedem Spaziergang, auf jeder Radtour können wir entdecken: Diese Erde ist schön. Sie ist wunderbar geschaffen und lädt zum Staunen ein. Genauso können wir mit wachem Geist sehen: Unsere einmalige Erde ist gefährdet. Wir ruinieren sie. Wir müssen sie gemeinsam bewahren. Dafür wächst ein neues Bewusstsein: „Es ist höchste Zeit! Tut endlich was! Unsere Zukunft steht auf dem Spiel.“ Der Wind des Wandels weht. Er wird so schnell nicht abebben. Wer das nicht erkennt, wird hinweggefegt.
Egal, aus welcher Motivation heraus wir denken und handeln, ob aus christlicher, humanistischer, ökologischer oder wissenschaftlicher Überzeugung: frischer göttlicher Geist kümmert solche Grenzen nicht. Er weht, wo er will. Wo wir anfangen, bisherige Gewissheiten und Gewohnheiten zu hinterfragen, wird es unbequem. Da erkennen wir, wie stark wir auf uns selbst fixiert sind. Gier und Abstumpfung gegenüber dem Leid anderer Menschen, Tieren und der ganzen Schöpfung wirken zerstörerisch auf die Seelen von Menschen und auf menschliche Beziehungen. Sie schaden der Schöpfung.
Wenn Gier und Maßlosigkeit tatsächlich zu den größten Bedrohungen unserer Zeit gehören, dann heißt einem neuen Geist zu folgen auch: sich selbst zu begrenzen. Das ist dort, wo grenzenloses Wirtschafts-wachstum und grenzenlose Selbstverwirklichung unhinterfragt gelten, eine Zumutung und Provokation.
Manche werden mauern: „Das ist eine unzulässige Einschränkung meiner Selbstbestimmung durch Moral und Religion.“
Das ist falsch. Grenzenlose Freiheit ist eine Illusion. In Wahrheit bewährt sich Freiheit gerade darin, sich in christlicher Verantwortung vor Gott und dem Nächsten selbst zu begrenzen. Die Lebensrechte künftiger Generationen und der Mitschöpfung sind verantwortungsvoll zu berücksichtigen. Schließlich verdanke auch ich selbst nicht mir selbst, sondern meinem Schöpfer und auch dem Leben anderer Geschöpfe.
Pfingstgeist pfeift auf alte Denkmuster. Wir können unser Handeln wandeln. Wir sind frei, zu tun und zu lassen. Im Kirchenkreis Aurich etwa rüsten wir unsere Neubauten, wo möglich, mit Erdwärme aus und verzichten auf fossile Energie. Unsere anderen Bauten sanieren wir nach und nach energetisch. Ein kleiner Schritt. Wir tun mehr und müssen noch viel mehr tun. Wir retten nicht allein die Welt. Aber viele kleine Schritte an vielen kleinen Orten können das Gesicht der Erde verändern.
Lassen wir uns anstecken und bewegen. Wenn der Wind der Veränderung weht, lasst uns Windmühlen bauen — und fröhlich mitpfeifen beim Wind of Change.

Von Tido Janssen, Superintendent im Kirchenkreis Aurich

1. Juni 2019: Draht nach oben

Für das gute Wetter bist du zuständig, schließlich hast du ja den guten Draht nach oben! So oder so ähnlich höre ich oft Sätze, wenn es um eine Feier und ein Grillfest im Freien geht. Auch wenn das nur eine Einladung zum Smalltalk ist, befremden mich diese Äußerungen. Meint mein Gegenüber das wirklich? Ich gehe gedanklich noch einen Schritt weiter: Kann ich Gott mit meinem Gebet beeinflussen? In meinem Kopf spielt sich ein Szenario ab, wie alle gläubigen Menschen zu Gott für ein bestimmtes Wetter beten. Die einen für Regen, damit die Pflanzen besser wachsen, die anderen für Sonne, damit ihre Gartenfeier stattfinden kann. Und Gott kommt in Zwiespalt. „Wem helfe ich denn jetzt? Na, der eine hat mich letzte Woche nicht bedacht, aber der andere wird immer bevorzugt. Was mache ich denn jetzt?“ Ich merke, wie grotesk meine Vorstellungen sind. Was bleibt, ist die Frage: Was bringt mein Gebet. Wozu beten, wenn Gott doch „seinen Kopf“ durchsetzt, wenn ich Gott durch mein Gebet nicht beeinflussen kann? Dabei scheint die Bitte für gutes Wetter profan und egoistisch. „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet“ Das Psalmenwort aus dem 66. Kapitel Vers 20 macht mich aufmerksam mein Gebet nicht achtlos zu sprechen, denn es wird nicht ohne Beachtung bleiben. Mein Anliegen ist bei Gott gut aufgehoben. Mir kommt ein Lied aus früheren Zeiten in den Kopf: Gott hört dein Gebet. Dort heißt es in der ersten Strophe: „Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht, hört er dein Gebet.“ Dabei muss das Gebet nicht zwingend gut formuliert sein oder ich muss mich nicht in eine besondere Stimmung versetzen. Gott weiß um mich.
Im zweiten Teil des Wochenspruches verspricht Gott seine Güte nicht von mir zu wenden. Bei mir zu sein. Ich spüre seine Hand auf meiner Schulter, und er spricht zu mir: „Ich sehe dich mit all deinen Fragen. Ich höre deine Ängste und lasse dich nicht allein!“ Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche mit tollen Gebeten.

Von Oltmann Buhr, Diakon in den evangelisch- lutherischen Gemeinden Aurich-Paulus, Mittegroßefehn und Timmel

25. Mai 2019: Gewohnheiten

„Du nimmst doch garantiert wieder die 47!“ sagt meine Frau und schmunzelt mir zu. Na klar nehme ich die 47. So wie immer, wenn wir Pizza essen gehen. Pizza Prosciutto e Funghi. Eine Pizza mit Schinken, Champignons und einer Extraportion Zwiebeln. „Und du nimmst doch garantiert wieder die 43!“ Die Capricciosa mit Artischocken.

Georg Janssen, Pastor in Ihlowerfehn

Meine Frau nickt. Dann noch den Wein, für mich ein Bier und am Schluss den Espresso. So wie immer. Was sind wir doch für Gewohnheitstiere. Aber wir haben vieles ausprobiert. Irgendwann sind wir dann bei dieser Kombination gelandet. Sie gefällt uns.
Die Freunde und Freundinnen von Jesus hatten in ihrem Leben sicher auch schon so manches ausprobiert. Vielleicht haben sie sogar etwas gefunden, das ihnen guttat. Aber dann haben sie Jesus kennengelernt und der tat ihnen so richtig gut. Mit ihm zusammen durften sie den Himmel neu entdecken. Durften entdecken, was auf dieser Welt alles möglich ist.
Jesus ist auf Menschen zugegangen, um die sie früher einen großen Bogen gemacht hätten. Ganz neue Welten haben sich für sie aufgetan. Jesus hat ihnen gezeigt, dass die Menschen viel mehr sind, als nur die Bilder, die wir uns von ihnen machen. Und das Lächeln Gottes hatte er ihnen auch gezeigt.
Kurz darauf haben ihn die gleichen Menschen, die ihn gerade noch bejubelt haben, ans Kreuz geschlagen. Da hing nun ihre Hoffnung, ihre Zukunft. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ Der Engel am Ostermorgen rüttelt sie wach. Jesus ist wieder da. Er begleitet sie. Alles ist wie vorher. Oder sogar:
Alles ist noch besser.
So kann es bleiben, denken die Freunde und Freundinnen von Jesus. Aber wenn alles so bleiben soll, wie es ist, wie kann es dann eine Zukunft geben? Zukunft heißt ja immer auch Veränderung. Jesu geht. Seine Freunde und Freundinnen bleiben zurück. Himmelfahrt haben sie das später genannt. Jesus kehrt zurück zu seinem Vater. Und die Freunde und Freundinnen von Jesus? Sie bekommen von ihm einen Auftrag und ein Versprechen: „Gehet hin in alle Welt und erzählt von dem, was ich euch erzählt habe und was ihr mit mir erlebt habt. Und seid mutig, denn ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“
Tastend und unsicher haben sich die Freundinnen und Freunde von Jesus auf den Weg gemacht. Haben ihre ersten Schritte gewagt. Andere sind ihnen gefolgt. Am Himmelfahrtstag erinnern wir uns an den Mut und das Vertrauen, mit dem sich Menschen auf den Weg gemacht haben, um von Jesus und Gott zu erzählen und bitten natürlich auch um Mut und Vertrauen für unsere eigenen Wege.
Viele Gottesdienste laden dazu ein. Bei uns in Ihlow am Bootshafen feiern wir auf plattdeutsch und taufen ein kleines Mädchen. Und hinterher gibt es — nein, keine Pizza —, hinterher gibt es Tee und Kuchen und leckeren Eintopf. So wie jedes Jahr. Manches darf auch gerne so bleiben, wie es war.

Von Georg Janssen, Pastor in Ihlowerfehn

18. Mai 2019: „Schritte“

Christine Kruse, Kirchenkreisjugendwartin

Ob 4756 Schritte oder 10.143 Schritte, mein Handy zählt jeden Schritt. Es ist ihm egal, ob ich zuversichtlich gerade aus laufe, einen Umweg gehe oder umdrehen muss. Ob ich an einer Stelle nicht weiterkomme oder an meine Grenzen komme, weil ich mir zu viel zugemutet habe, interessiert es nicht. Fleißig zählt mein Handy jeden Schritt mit.
Die Losung für diesen Sonntag steht im Buch Hiob: „Sieht Gott nicht meine Wege und zählt alle meine Schritte?“ Hiob 31,4
Gott sieht, wie wir auf unserem Lebensweg unterwegs sind, ob wir stehen bleiben oder einen Umweg in unserem Leben gehen müssen. Er achtet auf uns. Keiner unserer Wege ist vor ihm verborgen. Also die totale Überwachung, wie bei meinem Handy?
Ich kann nicht selbst entscheiden, ob ich von Gott gesehen werde. Ich kann es vergessen oder wissen, mich darauf einzustellen oder es verneinen.
Ich kann mich über Gottes Röntgenblicke ärgern oder mich darüber erschrecken. Ich kann aber auch sagen: Da ist einer, der kennt mich! Ich brauche mich nicht zu verstecken. Ich darf so sein, wie ich bin. Gott versteht mich.
Da ist endlich einer, der mich nicht falsch einschätzt. Da ist einer, der mich nicht überfordert! Gott kennt mich vom ersten bis zum letzten Atemzug – noch mehr: vor dem ersten Atemzug und nach dem letzten Atemzug.
Hiob wusste ganz genau, dass er geborgen war in Gottes Hand – und das auch, nachdem er Krankheit, Leid, Verlust und Tod ertragen musste, obwohl er ein ehrlicher und gläubiger Mann war. Hiob hat erfahren, egal wie sein Leben verläuft, wie viel Höhen und Tiefen er durchschreiten muss, Gott gibt ihm die Kraft sich selbst nicht aufzugeben.
Machen wir es doch wie Hiob – machen wir uns bewusst, dass egal welchen Lebensweg wir gehen, Gott uns im Blick hat, er uns nahe ist und jeden Schritt mitgeht

Von Christine Kruse, Kirchenkreisjugendwartin im Ev.-luth. Kirchenkreis Aurich

11. Mai 2019: Danke am Muttertag

Gott sagt: »Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.«

Wolfgang Beier, Pastor in Münkeboe und Moorhusen

20 Gründe, wofür wir unseren Müttern danken:

1. Danke, dass du mir das Leben geschenkt hast
2. Danke, dass ich immer auf dich zählen kann
3. Danke fürs Mut machen
4. Danke für Geburtstage und andere Familienfeste
5. Danke für Umarmungen und Gute-Nacht-Küsse
6. Danke für deine Liebe
7. Danke fürs Verzeihen
8. Danke für dein endloses Vertrauen
9. Danke, dass du meine beste Kritikerin und mein größter Fan bist
10. Danke, dass du immer da warst und bist
11. Danke, für deine Ratschläge
12. Danke, dass du mir gezeigt hast, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen
13. Danke, dass du mich so akzeptierst, wie ich bin
14. Danke für meine Geschwister
15. Danke für jedes einzelne Gespräch
16. Danke für Briefe und Postkarten
17. Danke für all die schönen Kindheitserinnerungen
18. Danke für unzählige Fotoalben
19. Danke fürs „in den Hintern treten“
20. Danke, dass du meine Mutter bist

Alles gute Gründe, auch Gott zu danken und ihn zu bitten:

Guter Gott,
wir erinnern uns heute an unsere Mütter.

Wir sind dankbar für alle Liebe,
Geborgenheit und Ermutigung,
die sie uns geschenkt haben,
und bitten dich zugleich,
dass wir ihnen vergeben können,
was sie an uns falsch gemacht haben
oder uns schuldig geblieben sind.

Wir bitten dich,
lass keine Mutter bereuen müssen,
ein Kind zur Welt gebracht zu haben.

Stärke alle, die an die Grenzen ihrer Kraft kommen.
Lass Alleinerziehende Unterstützung und Solidarität erfahren.

Und die altgewordenen Mütter
bewahre vor Einsamkeit
und Enttäuschung durch ihre Kinder.

Gott, wir bitten um Hilfe
für Schwangere in Konfliktsituationen,
für Schwangere in Kriegs- und Katastrophengebieten.

Dein Trost sei nahe allen,
die ein Kind verloren haben,
und die sich vergeblich nach einem Kind sehnen,
bewahre vor Verzweiflung.

Gott, auf dein mütterliches Erbarmen
hoffen wir alle:
Schütze die Liebenden,
behüte das Glück der Kinder
und lass die Alten ihr Leben
im Licht deiner Barmherzigkeit anschauen.

Von Wolfgang Beier, Pastor in Münkeboe und Moorhusen

4. Mai 2019: Neugierig?

Helge Preising, Pastor in Walle

Neugierig bin ich eigentlich nicht. Als Kind konnte ich Geschenke stundenlang liegenlassen, bis ich sie auspackte. Und dann beim Auspacken in aller Ruhe jeden Klebestreifen mit höchster Sorgfalt lösen, so dass alle um mich herum ganz kribbelig wurden. Die Vorfreude hat mich irgendwie geduldig gemacht. Und weniger neugierig.
Aber damals nach Ostern, als Jesus vom Tod auferstanden und wieder bei seinen Jüngern war, da wäre ich für mein Leben gern dabei gewesen. Wie hatten sie getrauert um ihren Freund. Wie verstört und verzweifelt waren sie gewesen, als alle ihre Hoffnungen sich zerschlagen hatten. Und nun war er wieder bei ihnen, lebte mit ihnen. Verschwand wohl auch mal für ein paar Tage – wer weiß, was er noch zu tun hatte auf der Erde, aber er war wieder da! Wie müssen sie an seinen Lippen gehangen haben. Aus den drei Jahren zuvor kennen wir viele Geschichten von Jesus, aber aus diesen vierzig Tagen zwischen Ostern und Himmelfahrt wissen wir fast nichts. Worüber haben sie wohl gesprochen? Was ist noch wichtig, wenn der Tod besiegt ist? Wie gerne wüsste ich mehr darüber, wie gerne wäre ich dabei gewesen und hätte ihn selbst gesehen! Aber wir haben nicht weniger als die Jünger, die diese vierzig Tage mit Jesus verbracht haben. Ich bin bei euch, verspricht Jesus damals seinen Jüngern, auch nach der Himmelfahrt. Ich bin euch noch viel näher, als wenn ich hier als Mensch neben euch stehe. Unsichtbar, aber ganz real.
Neugierig darf man sein, keine Frage. Das Leben, das auf uns wartet, kann man sich gar nicht farbenprächtig genug ausmalen. Natürlich sehnen wir uns danach, den auferstandenen Jesus mit eigenen Augen zu sehen. Aber unterschätzen wir nicht, was wir schon haben. Er hat den Tod besiegt. Er ist bei uns alle Tage bis an der Welt Ende. Erwarten wir nicht zu wenig von ihm.

Von Helge Preising, Pastor in  Walle

27. April 2019: Wiedergeboren – unaussprechliche Freude: Gelobt sei GOTT!

„Ach, wenn ich doch das könnte: Noch einmal neu anfangen, dann würde ich so Vieles anders machen, aber … .“ – Der Alltag lehrt: Grundlegende Neu-Anfänge sind schwierig, und je nach persönlichen Umständen scheinen sie zuweilen gar unmöglich. – Manche fühlen sich schließlich gefangen in Zwängen, geben auf, verzagen, verzweifeln … .

Das musste zunächst auch Petrus, einer der Jünger Jesu, erfahren – ja: durchleiden. Dabei war er auf gutem Weg gewesen, war Jesus nachgefolgt, erwartete wohl gar ein neues Leben. Dann jedoch die Gefangennahme Jesu. Und: Wie Jesus es Petrus vorhergesagt hatte, verleugnete dieser schließlich seinen Herrn. – Als dies geschehen war, fing Petrus bitterlich an zu weinen – alles aus, alles vorbei, versagt … .

Hans Bookmeyer, Pastor für besondere Aufgaben im Kirchenkreis Aurich

Aber Petrus hatte auch hier die Rechnung ohne Jesus gemacht. – Nach seiner Auferstehung lies Jesus als Christus, als der Retter, seinen menschlich schwach gewordenen Jünger nicht fallen, sondern nahm ihn neu in seinen Dienst, mit anderen das Evangelium, die frohe Botschaft GOTTes zu verkündigen. – Petrus hat es gewiss selbst gespürt: Nicht aus eigener Kraft, sondern durch die Liebe Christi und den Leben wirkenden Geist GOTTes war zunächst er selbst gerettet worden. Doch mehr noch: Es war ihm ein neuer Anfang geschenkt worden, verbunden mit einem neuen, wundervoll erfüllenden Auftrag, nunmehr andere durch die Verkündigung der frohen Botschaft Jesu zu retten! – Und dies tat er fortan durch die Kraft GOTTes völlig freude- und dankerfüllt, furchtlos – bis hin zum Einsatz seines irdischen Lebens, denn ihm war das Vertrauen geschenkt: GOTT lässt mich nicht fallen, sondern ER führt mich mit Christus in ein neues, erfülltes, beständiges Leben – selbst durch den Tod hindurch.

Darauf weist auch der Spruch für die neue Woche [beginnend mit dem morgigen Sonntag namens „Quasimodogeniti“ (latein, bedeutend: ‚Wie die Neugeborenen‘)] aus dem 1. Petrus-Brief, Kap. 1, V. 3, mit dem der zuvor Verzagt-Verzweifelte Dir wie mir zuruft: „Gelobt sei GOTT, der Vater unseres HERRn Jesus Christus, der uns nach Seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu von den Toten.“

Altes, Belastendes hinter sich lassen, neu anfangen – geht nicht? – Die Liebe Christi und die neues Leben wirkende Kraft GOTTes galten nicht nur Petrus, sondern sie sind allen zugesagt, die sich dies vertrauensvoll schenken lassen mögen, auf dass sie werden wie ‚Neugeborene‘, schon hier – und für alle Zeit. – Darum, wie es auch stehen und scheinen mag (mit Paul Gerhardt, Ev. Gesangbuch, Nr. 112): ‚Auf, auf, mein Herz mit Freuden …‘.              –                 Eine gesegnete neue Woche!

Von Hans Bookmeyer, Pastor für besondere Aufgaben im Ev.-luth. Kirchenkreis Aurich

6. April 2019: Fair Play

Für Fußballfans kommen jetzt die wichtigsten Wochen im Jahr, in denen sich alles entscheidet über Meisterschaft und Abstieg, Erfolg und Misserfolg. Viele fiebern da mit. Mir selber geht es auch so. Ich bin ein Fußballfan, weil sich in den 90 Minuten eines mitreißenden Spiels in verdichteter Form fast alles erleben lässt, was das Leben ausmacht: Hoffnung und Enttäuschung, Triumph und Scheitern, Freude und Leid, Glück und Verzweiflung.
Der Fußball ist ein Spiegel des Lebens, und das gilt auch in folgender Hinsicht: Im Leben und beim Fußball geht es nicht immer fair zu. Das Leben ist eben kein Ponyhof. Manchmal ist es ziemlich rau: da werden wir gefoult, und manchmal spielen wir selber foul – absichtlich oder unabsichtlich, im Eifer des Gefechts oder weil die Versuchung so groß ist, dadurch einen Vorteil zu bekommen. Solche Fouls kann man nicht rückgängig machen. Im Leben kann man darauf mit Strafen reagieren oder auch mit Rache. Aber auf die Dauer heilsam ist nur eins: Man kann um Vergebung bitten und man kann selber verzeihen. Und das ist gerade deshalb möglich und wirksam, weil es einen gibt, auf dessen Vergebung wir uns fest verlassen können – nämlich Gott.
Das bedeutet nun natürlich nicht, dass wir uns nicht bemühen sollten, fair zu spielen. Denn auch wenn das Spiel selber nicht fair ist, so wenig wie das Leben, sind faire Spieler dennoch etwas ganz Wichtiges und Wertvolles. Aber Fairness ist im Fußball wie im Leben eine Tugend, die nicht selbstverständlich ist, die sich nicht von selbst einstellt, sondern etwas, wozu man sich durchringen muss – zur Fairness, zum Beispiel eigene Fehler zuzugeben, auch auf den eigenen Vorteil zu verzichten, wenn dem Gegner Unrecht geschieht.

Thomas Henneberger, Pastor In Aurich-Oldendorf

Um solche Fairness zu lernen, zu wagen und zu üben, braucht man überzeugende Vorbilder und Beispiele. Das beste Vorbild für solche Fairness im Leben ist natürlich Jesus. Aber auch der Fußball könnte überzeugende Beispiele dafür geben.
Bei den Amateuren kann man das manchmal auch durchaus erleben, wenn in umstrittenen Situationen ein Spieler zugibt, ich habe Hand gespielt, oder der Ball war drin. Aber bei den Profis? Die tun fast immer das, was auch in unserer Gesellschaft immer mehr als normal und legitim gilt, sie folgen der Maxime: Du musst jeden Vorteil mitnehmen. Der Zweck heiligt die Mittel. Du darfst dich nur nicht dabei erwischen lassen. Aber so geht das Leben auf die Dauer kaputt – nicht nur im Fußball.
Der Zweck heiligt die Mittel oder Fairness wagen. In unserem eigenen Verhalten, in unserem eigenen Leben müssen wir uns immer wieder zwischen diesen beiden entscheiden. Die Bibel sagt uns: Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Sondern wagt es, fair zu sein. Denn darauf liegt Gottes Segen. Ihr braucht nicht jeden Vorteil mitzunehmen. Sondern ihr könnt fair sein und auf andere Rücksicht nehmen. Denn ihr braucht die Kraft zum Leben nicht aus euch selbst zu schöpfen oder aus dem, was ihr erreicht. Sondern die wirkliche Kraft zum Leben findet ihr bei Gott. Wenn ihr ihm vertraut, dann braucht ihr in Niederlagen nicht zu verzweifeln und dann werden Siege euch nicht hochmütig machen. Sondern dann werdet ihr den Mut und die Kraft haben, fair zu sein.
Und so, nur so wird euer Leben gelingen. Denn „selig sind die Barmherzigen, die Sanftmütigen und die, die reinen Herzens sind. Selig sind, die Frieden stiften, und die, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.“
(Mt 5, 1-10)

Von Thomas Henneberger, Pastor in Aurich-Oldendorf

30. März 2019: Reingelegt?

Wie – du hast mich reingelegt? Na warte, das zahle ich dir heim. Kommt dir der Gedanke bekannt vor? Immer mal wieder werden wir von Menschen reingelegt, nicht immer steckt eine böse Absicht dahinter, manchmal möchte derjenige mich einfach nur ein wenig ärgern.

Frank Karsten, Schulpastor BBS 1 Aurich & KGS Großefehn

Im Grunde genommen ärgere ich mich am meisten darüber, dass ich darauf überhaupt reingefallen bin. Und dann kommt eben der Gedanke, dass ich es dem anderen heimzahlen möchte, ich ihn ebenso reinlegen möchte. „Wie du mir – so ich dir“, so sagen wir heute, „Auge um Auge – Zahn um Zahn“, so lese ich im Alten Testament. Ganz oft handle ich genau nach diesem Prinzip, wohl wissend, dass es nicht richtig ist, weil ich „Rache“ im Kopf habe, es im Alten Testament aber um eine Wiedergutmachung des entstandenen Schadens geht und diese Worte nicht wörtlich zu nehmen sind.

Statt auf „Rache“ aus zu sein, sollte ich das Böse lieber mit Gutem überwinden, wie Paulus es im Römerbrief ausdrückt. Demjenigen, der mir etwas Böses antut, stattdessen etwas Gutes tun. Je nach Situation ist das nicht einfach, das weiß ich, aber es beendet die Spirale von „wie du mir – so ich dir“. Außerdem verwirrt meine gute und anders geartete Reaktion mein Gegenüber, weil er damit nicht gerechnet hat und macht ihn vielleicht nachdenklich. Liebevoll handeln, den anderen so behandeln, wie ich auch behandelt werden möchte, auch das ist ein biblisches Prinzip. Ich möchte auch nicht reingelegt werden und ich möchte auch nicht, dass mir jemand etwas Böses tut, von daher sollte ich das dem anderen ebenso nicht antun.

Nicht immer, aber manchmal ist es ja auch nicht wirklich schlimm, wenn mich jemand ohne böse Absicht reingelegt hat. Manchmal sollte ich einfach mit dem anderen lachen und mich darüber mitfreuen, dass er mich reingelegt hat, statt mich darüber zu ärgern. In diesem Sinne wünsche ich dir einen guten Start in den neuen Monat und lass dich nicht so schnell reinlegen. Und wenn es doch passiert, zahl es ihm nicht gleich heim.

Von Frank Karsten, Pastor in Wiesens & Schulpastor der KGS Großefehn

16. März 2019 Ausnahmezustand

Bei uns zu Hause ist momentan Ausnahmezustand. Unsere kleine Tochter Ida geht sei Neusten in die Krippe. Genau genommen geht sie zu einer Kindertagespflege. Aber damit sie sich dort wohlfühlt und gerne dortbleibt, darf sie sich ganz in Ruhe dort eingewöhnen.
Und so gehe ich nun morgens immer zusammen mit ihr in die Kindertagespflege. Dort angekommen halte ich mich zurück und lass unserer Ida selbst den Raum und die anderen Kinder kennenlernen. Dabei wird sie ganz liebevoll von den beiden Erzieherinnen Kerstin und Anke begleitet. Sie kümmern sich um sie, während ich mich im Hintergrund halte und nur dann Ida nehme, wenn es gar nicht mehr anders geht. So soll sie nun sanft lernen, dass nicht nur ihre Mutter, sondern auch Kerstin und Anke für sie da sind, wenn etwas ist.

Imke Scheibling, Pastorin in Ostgroßefehn

Und es funktioniert: Nach und nach baut Ida Vertrauen zu ihren Erziehern auf und kommt so immer besser ohne mich zurecht – zumindest für eine Weile. In unserer Beziehung zu Gott ist es eigentlich ganz ähnlich. Es ist gut für uns, wenn wir uns nach und nach an ihn herantasten: Mal in der Wir leben in unserer Welt. In unserem Alltag. Da verlassen wir uns gerne auf uns selbst, auf unsere Gesundheit, auf unsere Familie.
Doch an Gott glauben heißt, auch in der Lage zu sein, diese weltlichen Dinge loslassen zu können. Ganz plötzlich sind wir oftmals dazu gezwungen.
Wenn wir selbst nicht genügend Kraft gaben eine Aufgabe zu bewältigen. Oder wenn wir plötzlich krank werden oder einen lieben Menschen verlieren. Dann fehlt ein Pfeiler in unserem Leben, auf den wir uns immer verlassen konnten.

Von Imke Scheibling, Pastorin in der Kirchengemeinde Ostgroßefehn

9. März 2019: „Bleibt in meiner Liebe!“

Das ist so etwas wie das Vermächtnis Jesu. Er sagt diese Worte seinen Jüngern am Abend vor seiner Gefangennahme als Abschiedsworte, nachzulesen beim Evangelist Johannes im 15. Kapitel. Es war Jesus entscheidend wichtig, dies seinen Jüngern mitzugeben für die Zeit, wenn er nicht mehr bei ihnen ist. Es ist das Herzstück von ihm selbst: „Haltet fest an meiner Liebe!“

Der Weg dorthin zu diesen Worten steht im Mittelpunkt in den kommenden Wochen der Passionszeit. Jesus lässt sich nicht durch Gewalt, nicht durch Verrat und Verleumdung abbringen von diesem Weg der Liebe. Er geht diesen Weg konsequent bis an das Kreuz, er hält an der Liebe fest. Jesus ist uns darin Vorbild, wie wir die Liebe in dieser Welt stark machen, wie wir mit anderen Menschen umgehen sollen. Jesus sagt uns:Begegnet euch mit Herz, mit Wärme, mit Freundlichkeit und Vertrauen, denn Liebe ist die Kraft Gottes für euer Leben!“

Kurt Booms, Pastor in Weene

Diese Liebe Gottes soll unser Leben bestimmen, sie soll unseren Alltag durchdringen. Das gilt dann auch für die Begegnung mit dem Nachbarn, der mir das Leben schwer macht, genauso wie für die Kollegin am Arbeitsplatz mit der ich mich nicht so gut verstehe. Es bezieht sich auch auf die Menschen mit denen ich in Konflikt oder Streit lebe. Jesus spricht ja sogar von der Feindesliebe. Selbstverständlich sind auch die Menschen im Blick, bei denen mir das leichter fällt, die mir nahestehen und am Herzen liegen. Aber auch hier wird die Liebe immer wieder zur Herausforderung.

Die Nächstenliebe trainieren, jeden Tag dranbleiben, nicht nachgeben und schon gar nicht aufgeben: aufmerksamer und achtsamer werden, so die Liebe Gottes in die Welt tragen und die Welt heller und freundlicher machen, das ist im Sinne Jesu. Er sagt uns auch: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch auch geliebt.“ In Gott liegen der Anfang und der Antrieb! Diese Liebe Gottes ist unser Halt im Leben. Diese Liebe weiter zu geben, ist unser Auftrag für das ganze Leben. Wie heißt es in unserem in unserem Gesangbuch (Nr.613): Liebe ist nicht nur ein Wort, Liebe, das sind Worte und Taten.

Von Kurt Booms, Pastor in Weene

23. Februar 2019: Auf das falsche Pferd gesetzt

Da hat jemand auf’s falsche Pferd gesetzt. Das soll ja vorkommen. Man denkt sich alles so schön aus – und dann kommt es doch ganz anders. ‚Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst‘ – oder wie es in der Bibel heißt: Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein gibt, dass es fortgehe. Wir können tolle Pläne machen, und vielleicht haben wir auch schon oft Glück damit gehabt, aber sicher sein können wir nicht.

Uwe Noormann, Pastor in Tannenhausen und Georgsfeld

Davon erzählt auch eine Geschichte über Paulus. Seine erste Missionsreise war ein voller Erfolg, aber daran kann er auf der zweiten Tour nicht mehr anknüpfen. Alles, was beim ersten Mal so wunderbar rund lief, ging jetzt schief. Er versucht es mit allen Mitteln, bis er in Troas aufgibt, dem sagenhaften Ort, wo Herkules und Odysseus wahre Heldentaten vollbrachten. Er hat seine Pläne offenbar ohne Gott gemacht. Später schreibt Lukas: der Geist Gottes habe sie gehindert. Manchmal ist das wohl auch so: Da legt Gott einem Steine in den Weg. Manchmal muss man wohl erst mal stolpern oder gar auf die Nase fliegen, bis wir merken, dass wir auf einem Holzweg sind, der zu nichts führt oder einfach nicht gut tut. Und manchmal braucht man einen Stopp, eine Auszeit, um sich neu zu orientieren – oder vielleicht gar auf den Gedanken zu kommen: Man könnte Gott ja mal fragen, was der mit mir vorhat. Das gilt übrigens für jeden – auch für die, die berufsmäßig mit Gott zu tun haben. Man verrennt sich in seine Pläne und Ideen, und merkt erst hinterher, dass es so nicht geht. Als Paulus endlich aufhört mit seinem Aktivismus und zur Ruhe kommt, man könnte auch sagen: Als er eine schöpferische Pause einlegt, da erst bewegt sich was. Erst als er seine Pläne fallen lässt, mit leeren Händen dasteht, kann Gott ihm im Traum etwas Neues zeigen. ‚Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf‘, sagt ein Sprichwort, aber das trifft es natürlich nicht: es geht vielmehr darum, einfach mal innezuhalten, weglegen, was mich so geschäftig macht, liegenlassen, was mich umtreibt, loslassen, was mir die Ruhe raubt. Dafür müssen wir nicht erst auf eine Krise warten, aber es ist gut zu wissen, dass Gott auch dann nicht fern ist. Es tut uns gut, sich solche Momente zu gönnen, in denen wir zur Ruhe kommen, in denen wir uns Zeit zur Besinnung nehmen. Und es ist auch gut, Zeiten zu suchen, in denen Gott uns auf seine Weise ansprechen kann – ob das nun am Sonntag in der Kirche ist oder ob man sich eigene Pausen dafür sucht. Gott hat ganz sicher gute Ideen für unser Leben und kann uns gute Anstöße geben: durch ein Kalenderblatt, eine Andacht im Radio, oder Abschnitte aus der Bibel. Manchmal vielleicht sogar durch einen Traum. Und wenn wir auf’s falsche Pferd gesetzt haben, dürfen wir doch darauf vertrauen, dass es einen anderen Weg gibt, vielleicht sogar besser, als wir vorher zu hoffen wagten.

Von Uwe Noormann, Pastor in Georgsfeld und Tannenhausen

16. Februar 2019: „Wenn ich groß bin, werde ich Influencer“

Das erzählte mir Laura, 9 Jahre, über ihre Berufswünsche. So manchem Elternteil bleibt wohl das frisch geschmierte Frühstücksbrötchen im Mund stecken, wenn der Nachwuchs aufgeregt von seinen Zukunftsplänen berichtet. Influencer? In meinem Kopf geht bei dem Wort ein Verwirrspiel los: Ich denke an Taschentücher, Hustenbonbons und Nasenspray. Ist das nicht die Grippe, die Menschen krank machen kann und äußerst ansteckend ist? Als Influencer (von englisch to influence: beeinflussen) werden laut Lexikon Personen bezeichnet, die aufgrund ihrer starken Präsenz und ihres hohen Ansehens in einem oder mehreren sozialen Netzwerken für Werbung und Vermarktung in Frage kommen. Viele junge Leute haben es zu ihrem Beruf gemacht, professionell mit Bildern Aufmerksamkeit zu erzeugen und sich selbst, ihr Leben, ihren Alltag auf eigenen Kanälen im Internet zu präsentieren. Wichtig ist alles, was Aufmerksamkeit schafft und möglichst viele Herzchen, Likes, Kommentare und schließlich dauerhafte Nachfolger, genannt Follower, erzeugt. Der Einfluss, den die Influencer ausüben wollen, ist schlicht und einfach Werbung.

Sandra Stelzenberger, Diakonin in Victorbur und Weene

Ist Jesus womöglich der erste Superstar unter den Influencern? Er hat die Menschen, denen er begegnete, beeinflusst wie kein Zweiter. Aus dem Christenverfolger Paulus hat er den größten Christusverkündiger gemacht. Aus einer kleinen Gruppe Angsthasen hat er die größte Gemeinschaft der Welt geformt, seine Gemeinde. „Folgt mir nach!“ – hat Jesus einmal zu den Fischern Petrus und Andreas gesagt und sie aufgefordert, dafür alles stehen und liegen zu lassen. Millionen haben es seither gemacht und sind seine Nachfolger geworden. Aber es gibt einen Unterschied zu den Influencern im Internet. Denn Jesus geht es nicht um Inszenierung, sondern um eine echte Beziehung. Wenn er sagt: „Komm, folge mir nach!“, dann sieht er uns mit liebevollen Augen an und weiß, wie wir sind in all unserer Unvollkommenheit. Wenn ich mich auf diese Beziehung einlasse, wenn ich sein Nachfolger werde, dann bestimmt er mein Leben und wird täglich mein größter Influencer, der mir nichts verkauft, sondern mir alles schenkt, was ich zum Leben brauche.

Von Sandra Stelzenberger, Diakonin in den Kirchengemeinden Victorbur und Weene

9. Februar 2019: Kirche im Wandel

Der Gottesdienst fiel aus. Gekommen waren nur die Küsterin, die Organistin und die Pastorin. Sicher, am Tag zuvor war eine größere Gemeindeveranstaltung gewesen, dazu war am Sonntag das Wetter nicht so besonders, das musste als Entschuldigung gelten. Musste es wirklich? Mir ist nicht wohl dabei. Wären unsere Kirchen sonntäglich gut gefüllt, könnte man darüber nachdenken. Aber die Regel sieht anders aus. Unsere Kirchen sind mit freien Plätzen auch an einem gut besuchten Sonntag reichlich ausgestattet. Und wenn keiner kommt und alles leer bleibt? Das ist kein Ausrutscher – das ist Grund zur Sorge und das nicht erst seit besagtem Sonntag. Unsere Kirche befindet sich seit vielen Jahren in einem besorgniserregenden Wandel. Demografie und all das mag man bemühen, um das Schrumpfen und Zusammenlegen von Gemeinden zu begründen – aber es ist auch ein Versuch, sich am eigentlichen Problem vorbei zu mogeln.

Harald Lemke, Pastor für Westerende, Bangstede und Barstede

Denn vor allem werden wir zunehmend egal. Nicht, dass vornehmlich Kritik laut oder die Auseinandersetzung gesucht würde – es ist bei vielen ein stilles und stetiges sich abwenden, weil Kirche mit allem Angebot nichts mehr bedeutet. Selbst wenn, dann nur noch zu familiären Anlässen oder zur Jahreshauptversammlung an Weihnachten. Wo aber für immer mehr Menschen weniger die Botschaft den Ausschlag zum Kommen gibt, denn mehr das freundliche Ambiente. Überzeichne ich? Ich befürchte nein. Ich beobachte diese Entwicklung schon lange und mir macht sie Sorgen. Heile Welten gibt es nicht mehr und eine Antwort haben wir nicht. Ein „Weiter so“ kann genauso nützen wie schaden, ebenso, wie alles neu zu machen. Und letztlich kratzt es nur an der Hülle. Im Alten Testament heißt es: Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein.
(1 Sam 7,3) Da mag ein Ansatz liegen in der Anfrage an unser zukünftiges Tun in unseren Gemeinden. Wie erreichen wir mit der wunderbaren Botschaft von Gottes Handeln in Christus an uns, die Menschen wieder im Herzen? Wie berühren
wir sie in der Tiefe ihres Daseins? Patentrezepte wird es wohl nicht geben. Aber ich hoffe, dass alle, denen dieser Glaube am Herzen liegt, immer aufs Neue dem nachgehen mögen. Damit die Räume, in denen unsere Geschichte mit unserm Gott oft seit Jahrhunderten lebt, nicht irgendwann ganz geschlossen werden müssen, sondern Orte lebendiger Begegnung bleiben.

Von Harald Lemke, Pastor in Westerende, Bangstede und Barstede

2. Februar 2019: Zuhause

Manchmal wache ich morgens auf und bekomme einen Schreck. Etwas fühlt sich fremd an. Ich merke, ich bin nicht zu Hause. In dem Moment, in dem ich aufwache, bin ich besonders verletzlich. Meistens vergeht er schnell und der Schreck war unbegründet. Sobald das Gehirn den Sinnen hinterhergekommen ist, merke ich, ich liege ja nur auf der Isomatte bei Freunden oder im Gästezimmer in einem Tagungszentrum.
In diesem kurzen Moment zeigt sich: Ich brauche ein Zuhause. Wo ist das, wo bin ich? Bin ich dort, wo ich hingehöre? Wohl dem, der ein Zuhause hat! Ein Zimmer, in dem ich mich auch noch mal im Bett umdrehen mag, anstatt mit Schrecken aufzuwachen. Einen Raum, in dem ich mich aufrichte, anstatt den Kopf einzuziehen. Einen Ort, an dem ich selbst entscheiden darf, ob ich die Füße auf den Tisch oder die Socken vor dem Bett liegenlasse. Eine Wohnung, in der ich mich nicht nur unter der Dusche laut zu singen traue.
„In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen (Joh 14,2)“, verspricht Jesus Christus seinen Freunden an ihrem letzten gemeinsamen Tag vor seinem Tod. Auf jeder Beerdigungsfeier erzähle ich den Trauernden von diesem Versprechen. Weil Jesus uns so ein vertrautes und geborgenes Zuhause vorbereitet hat, das uns nichts und niemand nehmen kann. Ob wir im Himmel Socken tragen werden, weiß ich nicht. Aber dass wir dort lauthals und fröhlich singen werden, da bin ich ganz sicher.
In den vergangenen Monaten haben wir oft daran gedacht, dass Jesus sein eigenes Zuhause für uns verlassen hat. Um uns die Einladung nach Hause persönlich zu bringen und uns selbst davon zu erzählen, wie sorgfältig und liebevoll es für uns eingerichtet ist.
An diesem Sonntag endet die Epiphaniaszeit, die Zeit nach Weihnachten. Die Weihnachtseinladung gilt weiterhin. Das Zuhause bleibt und wartet auf uns. Das Bett ist immer frisch gemacht. Ausschlafen ist übrigens auch erlaubt. Wie früher in den großen Ferien. Und keine Hektik – wir haben noch ewig Zeit!

Von Helge Preising, Pastor in Walle

26. Januar 2019: Vergiss nicht!

Am 27. Januar 1945 befreite die Sowjetarmee die letzten 7600 Häftlinge des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Der Name Auschwitz steht für die furchtbarsten Auswüchse von Hass und Menschenverachtung, die die Welt bis dahin gesehen hatte: die planvolle Unterdrückung, Entwürdigung und Ermordung von bis zu 1,5 Millionen Menschen allein an diesem Ort. Seit 1996 ist der 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland gesetzlich verankert. In evangelischen Kirchen versammeln sich darum am kommenden Sonntag Menschen unter einem Wort aus dem 5. Buch Mose: „Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut, dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben, und dass es nicht aus deinem Herzen kommt dein ganzes Leben lang.“ Vergiss nicht, was damals passiert ist! Unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden nicht nur Juden entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet, sondern auch Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene, Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Und nicht allein Hitler und sein Regime begingen diese Taten.

Ulrich Menzel, Schulpastor an der IGS Aurich-West

Die Verbrechen wurden nur möglich, weil weite Teile der deutschen Bevölkerung Mittäterinnen und Mittäter waren. Auch die christlichen Kirchen haben damals Schuld auf sich geladen. „Hüte dich nur und bewahre deine Seele, dass du nicht vergisst…“ Dieser Satz erscheint mir auch in heutigen Zeiten wichtig. Denn überall, wo die NS-Vergangenheit unseres Landes relativiert wird, gilt es Haltung zu zeigen: gegenüber Politikern, die Hitler und die Nazis als „Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ bezeichnen, gegenüber aggressivem Nationalismus und gegenüber Angriffen auf jüdische Restaurants und Kippa tragende Menschen. „Vergiss nicht, was deine Augen gesehen haben…“ das kann aber schließlich auch derjenige sagen, der Vergebung von Schuld erfahren hat oder der vor Leid bewahrt wurde. Das können die Worte derjenigen sein, die sich von Gott gestärkt und begleitet wissen und vertraut. Auch dies sollen wir nicht vergessen. Denn genau diese Haltung braucht es, um Unrecht zu verhindern und der Gefahr entgegenzuwirken, dass sich die Geschichte wiederholt.

Von Ulrich Menzel, Schulpastor an der IGS Aurich

19. Januar 2019: Dem Frieden auf der Spur bleiben

Strandgut an den niederländischen Stränden und ostfriesischen Inseln. Viel Plastikmüll. Alles muss geborgen werden, aber längst nicht alle über Bord gegangenen 270 Container sind gesichtet! Wer weiß, was noch für „Schätze“ auftauchen werden. Es soll sich ja auch Gefahrgut, sprich Chemikalien, unterwegs befunden haben. Es gibt also jetzt und später viel zu tun, um zu versuchen, größeres Unheil für Flora und Fauna abzuwenden! In der Luft, zu Lande und zu Wasser.
Wie gehen wir vernünftigen Menschen mit der uns anvertrauten Erde um? Die Bibel erzählt im Schöpfungsbericht: Macht euch die Erde untertan. Das heißt ja wohl nicht: Gebraucht sie nur, koste es, was es wolle. Ich denke, es ist längst an der Zeit, dass wir uns nicht als die Schöpfer des Blauen Planeten verstehen, sondern als von Gott „bevorzugte Verwalter“.
Haltet Frieden mit den Mitgeschöpfen. Lebt mit ihnen und nicht gegen sie! Es fällt alles auf den Menschen zurück. Lasst uns Horchen und Gehorchen. Neu lernen und verstehen und aufbrechen. Dazu eine Geschichte von der Insel Borkum: Drei Gesellen wanderten von Borkum aus bei Ebbe in das Wattenmeer hinaus. Sie waren weit gewandert und hatten die gute Seeluft tief eingeatmet, aber dann überfiel die Männer ein dichter Nebel. Sie fassten sich an die Hände und eilten zum Ufer. Doch sie verloren im Nebel die Orientierung. Sie gingen in diese und jene Richtung. Das rettende Ufer konnten sie nicht finden. Das Wasser kam, langsam stieg die Flut. Die Männer kämpften um ihr Leben im steigenden Wasser.

Rainer Hecker, Pastor in Aurich-Oldendorf

Einer hatte eine Idee: „Jetzt sind wir ganz still, halten den Atem an und bewegen uns nicht.“ Mit den Fingern tastend und den Ohren lauschend prüfte er die Richtung des Wassers. Denn bei Flut läuft das Wasser auf das Ufer zu. Nach dem Innehalten gingen sie zügiger in eine Richtung. Dann wieder Stille und Horchen und Laufen und wieder Stille und Horchen und Laufen. So erreichten sie schließlich das rettende Ufer. Was hat sie gerettet? Das Stillesein oder das Laufen. Beides hat sie bewahrt. Einfach nur laufen hilft nicht weiter, wenn man die Richtung nicht weiß. Einfach nur stille sein und warten bedeutet den sicheren Untergang. Nur in der Spannung und Ergänzung von Horchen und Handeln liegt eine Überlebenschance. Frei nach dem Psalm 119 „Herr ich hoffe auf dein Heil und tue nach deinen Geboten“. Lebt in und mit der Schöpfung und jagt dem Frieden nach untereinander. Geht sorgsam mit Flora und Fauna um. Haltet Maß und erkennt eure Grenzen, denn es gibt auch vermeidbare Unglücksfälle. Es kann auch bei Riesenschiffen zu Konfrontationen kommen trotz vieler Technik. Umwelt und Natur sind nicht endgültig beherrschbar. Sorgsam umgehen mit der Schöpfung Gottes ist sein Auftrag an uns. Dabei vergesst nicht die Beziehung zu Gott im Gespräch. Seid still und horcht und bittet ihn um Hilfe: Herr gib uns deinen Segen, wie man die Hand reicht dem behinderten Menschen auf seinem Wege. Gib uns deinen Segen, damit wir hören und ihn weitergeben in unsere Häuser und Familien. Herr lege deinen Segen auf uns, damit
wir ein Segen werden für Menschen und Geschöpfe, somit zu Haushaltern und nicht Ausbeuter werden. Horchen und die Richtung nach Stille und Innehalten neu definieren.

Von Rainer Hecker, Pastor in Aurich-Oldendorf

12. Januar 2019: Spuren hinterlassen

Claus Dreier, Pastor für Engerhafe, Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

Gott wurde Mensch – das haben wir gefeiert, mit Geschenken, gutem Essen und Trinken. Und jetzt? Wollen wir nun fasten? Damit die „Spuren“ des Festes wieder verschwinden? In der Zeit Jesu war es für viele fromme Menschen Sitte, regelmäßig zu fasten. „Fastet ihr gar nicht?“ Vorwurfsvoll wenden sich die Leute an Jesus und seine Jünger (Markusevangelium, Kap. 2,18-22). „Wie könnten wir fasten“, antwortet ihnen Jesus, „wo wir doch ein Fest feiern! Ich bin doch bei euch! Und mit mir ist Gott unter euch. Gott feiert ein Fest, und ihr wollt fasten? Das passt doch nicht zusammen! Gott fordert euch auf zum Tanz! Und ihr, ihr sitzt da und meditiert!?“ Klar, er selbst weiß schon, wie gut es tut, manchmal zu fasten, aber hier geht es um etwas anderes! Für die, die ihn fragen, steht „fasten“ für das, was schon immer so war und so bleiben soll. Sie beten das Alte, das Gewohnte an. Veränderungen machen ihnen Angst. Sie machen weiter wie bisher – fasten, fasten und fasten – und dabei verhungern sie, denkt Jesus. Sie wissen es besser, sie spüren es, aber wahrhaben wollen sie es nicht! Sie haben die Bergpredigt gehört und waren beeindruckt von der Einfachheit und Tiefe der Worte, haben gehört von den Friedfertigen, und dann haben sie schnell doch wieder in die Rüstung investiert. Sie haben von der Vergebung gehört, aber wagen es nicht, sich der Wahrheit zu stellen und verstricken sich in Lügen! Sie haben vom liebenden Gott gehört und lassen die Geflüchteten im Mittelmeer in der Hölle. Sie wissen, dass nur Liebe und Güte alles zum Guten wenden kann und verbreiten trotzdem dumpfen Hass. Sie haben Wunder gesehen und glauben ihren Augen nicht! Sie wissen von der Unendlichkeit des Universums und halten sich selbst für den Nabel der Welt, verbrauchen und zerstören Ressourcen, als gäbe es keine nachfolgenden Generationen. Die „Spuren“ des Festes sind Menschlichkeit, Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Vertrauen. Solche Spuren möchte ich im neuen Jahr hinterlassen.

Von Claus Dreier, Pastor für die ev.-luth. Gemeinden Engerhafe, Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

5. Januar 2019: Dem Frieden auf der Spur bleiben

Dr. Detlef Klahr, Landessuperintendent für den Sprengel Ostfriesland-Ems

Suche Frieden und jage ihm nach – , so lautet das biblische Leitwort für das Jahr 2019 aus Psalm 34,15.
Es redet und singt sich leicht vom Frieden, wenn man in Frieden lebt. Es ist wohl etwas anderes, vom Frieden zu träumen wie von einer alten Sehnsucht, wenn man in Krieg und Unfrieden lebt.
„Ein bisschen Frieden auf dieser Erde“, so sang es einst Nicole 1982 beim europäischen Schlagerfestival. Dass dieses Lied den ersten Platz belegte, hat sicher auch mit der Sehnsucht nach Frieden zu tun, die Menschen weltweit teilen.
Ein bisschen Frieden wäre manchmal schon viel in zerstrittenen Beziehungen, in zerrütteten Familien und erst recht in manchen Ländern dieser Erde, wo niemand in Frieden schlafen kann, weil Krieg und Gewalt für Angst und Schrecken sorgen.
Es ist ein Privileg sondergleichen, dass wir in Deutschland seit über siebzig Jahren in Frieden leben dürfen, während in anderen Ländern unserer Erde seit Jahren Kriege wüten, die Millionen Menschen in die Flucht treiben.
Frieden fällt uns nicht in den Schoß. Frieden braucht Wachsamkeit und Einsatz, der schon mal außer Atem bringen kann: „Jage ihm nach“, sagt der Psalmbeter.
Bereits vor 2500 Jahren mahnt der Beter dieses Psalms die Menschen, nicht gleichgültig zu sein, sondern alles dranzusetzen, den Frieden zu erreichen. Frieden ist kein Zustand, den man wie ein Gut besitzt, sondern eine Aufgabe, die stets neu zu erfüllen ist. Das gilt auch für Menschen in einer Demokratie, die seit Jahren in Frieden leben.
Die Bibel fordert alle auf, den Frieden zu suchen, als ob er sich versteckt hätte. Ihn zu entdecken und ihm auch nachzulaufen, bis man ihn endlich eingeholt hat.
In der Sprache der Bibel heißt Frieden „Schalom“. Schalom aber meint immer beides: Frieden und Gerechtigkeit. Es kann keinen Frieden geben ohne Gerechtigkeit. Dem Frieden nachjagen bedeutet darum auch, nach der Gerechtigkeit zu suchen, die Gott den Seinen zugedacht hat.
Frieden ist wahrlich kein Selbstläufer. Im Alltag des persönlichen Lebens nicht und auch nicht im Blick auf die Gerechtigkeit, die den Völkern dieser Erde von Gott zugedacht ist.
Wir sind eingeladen, Friedenssucher mit Ausdauer zu sein.

Von Dr. Detlef Klahr, Landessuperintendent für den Sprengel Ostfriesland-Ems