Sonntagsbetrachtungen 2018

Worte zur Woche aus den Ostfriesischen Nachrichten

25. März 2018: Der Esel führt zum Ziel

In vielen Gottesdiensten werden wir morgen hören, wie Jesus begeistert empfangen wurde, als er damals in Jerusalem einzog. Auf ein Detail will ich hinweisen: Jesus saß dabei auf einem Esel, einem ganz gewöhnlichen Tier. Auf diesem Esel sucht Jesus den Weg zu den Menschen, um ihnen Gottes Liebe bis aufs Blut zu zeigen. Das steht ihm in den kommenden Tagen ja bevor, dass er gemobbt, gedemütigt und zu Tode gebracht wird. Damit für seine Freunde der Weg zu Gott frei wird. Der Esel trägt ihn zu dieser Aufgabe. Nein, ein Esel bin ich nicht und ein Esel sind Sie auch nicht, liebe Leserin, lieber Leser. Aber die Aufgabe, die dieser gewöhnliche Esel übernimmt, die können wir auch übernehmen: dass die gute Nachricht von Jesus Christus zu den Menschen kommt. Damit sie fröhlich werden. Kraft bekommen. Mutig werden und zuversichtlich. Das können Sie, auch wenn Sie nicht Theologie studiert haben und nie auf einer Kanzel stehen werden! So wie kein prachtvolles Ross Jesus trug, sondern ein normaler, gewöhnlicher Esel. Ich denke an eine Oma, die für ihr Enkelkind betet, das in der kommenden Woche operiert werden muss. So hilft die Oma dabei, dass Jesus bei ihrem Enkelkind seine Kraft erweist. Anders gesagt: Sie bringt Jesus dorthin, wo er jetzt gebraucht wird. Oder ich denke an den Mann, der sich von seinem bisschen Freizeit jede Woche etwas abknapst, um im Chor seiner Kirchengemeinde mitzumachen. Dadurch hilft er, dass auf musikalische Art Jesus zu den Menschen kommt. Und ich denke an die, die als Patin oder Pate versprochen haben, dafür zu sorgen, dass ihr Patenkind in die christliche Gemeinde hineinwachsen kann. Wenn sie ihrem Patenkind eine Kinderbibel schenken und vielleicht sogar selber daraus vorlesen, dann bringen Sie damit Jesus selbst zu ihrem Patenkind. Alles nichts Spektakuläres. So, wie ein Esel nichts Spektakuläres ist. Aber er ist da, als Jesus ihn braucht, um ihn zu denen zu bringen, denen seine Liebe gilt. Dazu können wir uns zur Verfügung stellen, auch wenn wir keine Esel sind.

Von Hermann Reimer, Pastor in Spetzerfehn

18. März 2018: Gott im OP

In ziemlichem Tempo wird mein Bett durch die Flure des Krankenhauses geschoben. Empfang durch das OP-Team. „Was soll bei Ihnen gemacht werden?“ Zwischendurch umsteigen aus dem Krankenbett auf den OP-Tisch. Man gibt sich viel Mühe, ist nett und höflich, stellt Fragen, nicht nur medizinischer Art. „Sie sind Pastor? Ah ja. Wo? Machen Sie mal den Mund auf.“ „Sie wollten wohl immer schon mal einem Pastor in den Hals gucken.“ Gelächter. „Wie lange brauchen Sie für das Schreiben einer Predigt? Was ist Ihr Lieblingsweihnachtslied?“ Da liegt man also sehr reduziert vor bis dato unbekannten Menschen, die an einem „herumschnippeln“ wollen und sie stellen unerwartete Fragen. „Wie groß ist Ihre Gemeinde? Wie viele davon kommen denn so? Unterschiedlich, ah ja. Machen Sie mal den Mund auf.“ Irgendeine Zahl wird genannt. Es geht um die Narkose. „Wir machen auch mal etwas Besonderes.“ „Ja, was denn?“ „Gottesdienst im Freien, an besonderen Orten oder demnächst einen Tango-Gottesdienst.“ –„Was ist das denn?“ „Wo sonst gesungen wird, wird da getanzt. Oh, jetzt merke ich die Wirkung der Narkose….“ Und dann bin ich weg. Als ich aufwache, ist alles vorbei. Die Operation ist gut verlaufen. Obwohl diese OP heutzutage Standard ist – ein Wagnis ist es doch, sich anderen anzuvertrauen. Sie haben ihre Sache gut gemacht. Die Gespräche rundherum haben mir noch einmal gezeigt: Im Alltag stecken Fragen nach Glauben, Überzeugungen und der zugehörigen Praxis, Notwendigkeit von Vertrauen und einfach eine Frage: Was ist der Mensch und was tut Gott dabei? Darüber musste ich noch einmal sehr nachdenken. Ich bin rundum angetan von all dem, wie es gelaufen ist. Gott segne diese Menschen, denen ich da kurz sehr nahe war. Ich glaube, er war auch mit dabei.

Von Roman Ott, Pastor in Plaggenburg

11. März 2018: Konfirmation

Christus sagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es
allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“
Johannes 12,24.
An den kommenden Sonntagen werden in unseren Kirchen wieder viele junge Menschen konfirmiert. Mit ihrer Konfirmation bestätigen sie, sich Gott auf ihrem Lebensweg anzuvertrauen und mit seiner spürbaren Gegenwart in ihrem Leben zu rechnen. Sie möchten versuchen, mithilfe der zehn Gebote ihr Leben auszurichten und Jesus als Vorbild für ihr eigenes Denken und Handeln anzunehmen. In ihrem Alltagsleben sieht es oft ganz anders aus: Die Jugendlichen erleben Leistungs- und Erfolgsdruck an ihren Schulen. Der Schlaue setzt sich durch. Leistungsstärke wird belohnt. Nicht mitzukommen oder sogar von Mitschülern wegen einer Schwäche verspottet zu werden, ist unerträglich. Opfer zu sein ist uncool, „du Opfer!“ ein verbreitetes Schimpfwort. Sie erleben – ob z. B. in Sportübertragungen, der Wirtschaft oder der Politik der ‚großen‘ Leute: Wer betrügt und sich mit unfairen Mitteln im hartgeführten Konkurrenzkampf einen Vorteil zuungunsten anderer erschleicht, hat zumindest einen kurzfristigen Erfolg, der wird manchmal sogar als cool und gerissen bewundert. Jesus stellt diese Denkweise mit seinem ganzen Leben auf den Kopf. Obwohl er von Gott mit Vollmacht ausgestattet ist, nutzt er diese Gaben ausschließlich zum Vorteil und Heil für andere. Er kam, um zu helfen. Und zwar besonders denen, die nicht zu den Starken, Erfolgreichen und Gesunden dazugehören. Er möchte dienen statt beherrschen. Er setzt alles, sogar sein eigenes Leben, für andere ein.
Jesus fordert uns heraus: Finde heraus, wo du mit deinen Gaben mithelfen kannst, zum Gewinn für viele. Finde heraus, wann deine Courage gefragt ist und dein Gewissen dir sagt, dass jetzt Aufstehen besser ist als Wegducken. Unsere jungen Mitmenschen brauchen positive Vorbilder, die sich an christlichen Werten, die lebensbejahend und -bewahrend sind, orientieren. Dazu müssen unsere Jugendlichen zunächst erst einmal selbst erleben, was ein christlicher Grundwert ist: Sie sollen begreifen, dass sie unendlich wertvoll sind, dass sie auch dann respektiert und geliebt sind, wenn ihr Bemühen nicht von Erfolg gekrönt ist, dass sie sowohl mit ihren Begabungen als auch mit ihren Schwächen zu einer christlichen Gemeinschaft dazugehören. Gott kann auch durch unser Nicht-Perfektsein etwas Gutes wachsen lassen.

Von John Förster, Pastor in Riepe/Ochtelbur

4. März 2018: Aufbruch

Wer seine Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht geschickt für das reich Gottes. Lk 9,62

Pastorin Heike Musolf, Paulusgemeinde Aurich-Kirchdorf

Aufbruch – wer ein Ziel erreichen möchte, der muss irgendwann einmal den ersten Schritt tun. Jeder von uns kennt die Situation, dass man innerlich bereits im Aufbruch ist, begeistert von einer Idee, einer Vision, wie die Zukunft viel heller, viel besser, viel lebenswerter sein könnte. Und ganz oft gibt es mitten in dieses Aufbrechen hinein Stimmen, die uns zwingen, zurückzuschauen. „Das hat noch nie geklappt“, „das haben schon viele versucht“ „du hast gegen so viel gute Konkurrenz doch eh keine Chance“… Wie oft ihn Ihrem Leben haben Sie sich von solch wohlmeinenden Ratgebern ausbremsen lassen? Wie viele Visionen blieben, was sie waren: Träume, Sehnsüchte, unerreichbar? Manchmal beneide ich Kinder und Jugendliche, die sich noch Träume erlauben und auch nicht von diesen abbringen lassen. Sie folgen einem inneren Ruf, sie lassen sich locken und haben keine Angst vor der Größe der Idee. Trotzdem ertappe ich mich dabei, dass ich versucht bin, Bremserin zu sein. Ich merke, wie schwer es ist, andere dort träumen und aufbrechen zu lassen, wo mich meine Erfahrung klein gemacht hat, und ich mir und dem Leben nichts mehr zutraue. Und dann staune ich, wenn die Träume wahr werden: Da bekommt einer den erträumten, erhofften Ausbildungsvertrag, ausgewählt unter 1800 Bewerbern, er allein. Da reist eine Gruppe Pfadfinder nach Nepal, um die Freunde vom Bundeslager zu besuchen – gegen alle Vernunft. Da finden sich genügend motivierte Menschen, um fröhlich einen neuen, großen, starken Kirchenvorstand zu bilden und in die Zukunft zu starten – obwohl gerade diese Gemeinde kämpft und es schwer hat. Visionen werden wahr – wenn wir ihnen trauen. Welche haben Sie für sich und Ihr Leben? Die Vergangenheit ist vorbei, die müssen wir hinnehmen, wie sie ist. Die Zukunft aber fängt jetzt an und sie gehört uns. „Mache Dich auf, werde Licht, denn Dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn gehet auf über Dir“ – aber erst einmal muss man in Richtung des Lichtes schauen und darf das Licht nicht aus den Augen verlieren. Die Passionszeit ist eine gute Zeit, um über einen Aufbruch nachzudenken. Zunächst im Rückblick und in einer Bestandsaufnahme dessen, was mich bedrückt, einengt und unfrei macht, aber auch in Erinnerung an Träume, die mich einmal bewegten, – und dann nach vorne schauen, auferstehen und leben.

Von Heike Musolf, Pastorin in Aurich-Kirchdorf

17. Februar 2018: Wegweiser

Helmut-Gerold van der Wall, Prädikant in Ochtelbur

Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand. Psalm 73,23

Immer wenn ich auf das von meiner mittlerweile erwachsenen Tochter getuschte Bild an der Wand in meinem Büro schaue, erinnere ich mich an die Zeit unserer Urlaube an der Nordsee.
Das kleine Mädchen sitzt auf meinen Schultern. Sie liebt es so „chauffiert“ zu werden und freut sich, dass ich im Urlaub endlich Zeit für sie habe. Wir laufen durch den Sand und bestaunen die Nordsee.
Die Flut kommt und traktiert klatschend das Ufer. Die gewaltigen und lauten Wassermengen machen mein Kind unruhig und es scheint sich Gedanken zu machen ob wir auch sicher wieder nach Hause kommen.
Ich spürte ihre Unruhe und plötzlich hörte ich ihre Stimme: „Weiß mein Papa wo der Weg lang geht?“
Ich küsste ihre Wange und antworte: „Ja – das weiß dein Papa!“
Wir gingen weiter – es ist stiller geworden in uns und um uns herum. Plötzlich spürte ich die kleine Hand in meinem Haar – Sie sagte nichts –doch das Händchen sagte alles. Der Papa ist bei mir, darum bin ich geborgen, auch am Rand einer lauernden Gefahr.
Auf meine damals Vierjährige war ich etwas neidisch und schämte mich dafür. NEIN, vier Jahre wollte ich nicht wieder werden – aber die Erfahrung des Geborgenseins – dieses Gefühl – das wünschte ich mir und ich wünsche es allen Menschen die Angst kennen. Es gibt so viele auf dieser Welt…
Zu wissen wo der Weg lang geht erinnert mich an Jesus, der gesagt hat: „Ich bin der Weg!“ Und eben dieser Weg führte durch manch drohende Gefahr, auch und sogar durch ein Meer, von der Krippe bis zum Kreuz. Könnte ich doch meine Hand in seine legen.
Ob Glaube so etwas ist wie Hand in Hand?

Von Helmut-Gerold van der Wall, Prädikant in Ochtelbur

10. Februar 2018: Welche Verkleidung tragen Sie zu Fasching?

Es ist Karnevalszeit. Zumindest viele Kinder verkleiden sich gerne zu Fasching. Sich verkleiden. In eine andere Rolle schlüpfen und sich mal so benehmen wie das eigene Vorbild, ein Held oder eine Comicfigur – das macht den meisten Kindern großen Spaß. Aber es gibt auch viele unsichtbare Verkleidungen, die vor allem wir Erwachsenen häufig nutzen und zwar nicht nur zur Karnevalszeit. Oft verstecken wir uns hinter Masken: etwa, um nach außen Autorität zu zeigen, obwohl man sich unsicher fühlt, um Schwächen oder Verletzungen zu verbergen oder um eigene Ziele und Wünsche zu verfolgen, ohne dass die Mitmenschen die eigenen Pläne sofort durchschauen. Manche Masken sind nötig. Andere sind hilfreich. Aber heilsam ist es, wenn man Menschen, Orte und Zeiten kennt, wo man ganz sein kann, wie man ist – ohne sich verstellen oder verstecken zu müssen. Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Und die Fastenaktion 2018 der Evangelischen Kirche hat das Motto „Zeig dich! Sieben Wochen ohne kneifen“.
Das ist eine Einladung, zu sich selbst zu stehen und sich für Mitmenschen und für Werte, die das Leben und das friedliche Zusammenleben schützen, einzusetzen. Wer dieses Thema weiter vertiefen möchte, kann im Buchhandel oder im Internet einen Fastenkalender bestellen, der jeden Tag – von Aschermittwoch bis Ostern – Gedanken zu diesem Thema anbietet.
Für diese Woche und die beginnende Fastenzeit wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie eine besondere Zeit erleben, in der immer wieder und immer öfter „Masken fallen“ können, weil Vertrauen herrscht.
Ich wünsche Ihnen, dass die Fastenzeit zur Gelegenheit wird, sich darauf zu besinnen, was wirklich wichtig ist: die Gabe des Lebens. Das Geschenk, dass Gott uns liebt, so wie wir sind. Die Verheißung, dass Gott das Leben aller seiner Kinder so wertvoll findet, dass er dem Leben einen ewigen Horizont schenkt.
Die Fastenzeit lädt uns genau dazu ein: bewusst darauf zu verzichten, was uns von Gott, vom Leben und von einem ergänzenden und friedlichen Zusammenleben mit unseren Mitmenschen ablenkt oder trennt – zum Beispiel auf unsere Masken. „Zeig Dich!“ – so können echte Begegnungen geschehen, die Oasen des Vertrauens und der Mitmenschlichkeit schaffen können. Nicht nur für unsere Mitmenschen, sondern auch für uns selbst.

Von Matthias Tolsdorf, Pastor in Moordorf

3. Februar 2018:

27. Januar 2018: Wie politisch darf Kirche sein?

Nach einer politischen Predigt von Steffen Reiche, Pastor aus Berlin, in einer Christmette an Heilig Abend, löste Ulf Poschardt, Chefredakteur der Zeitung „Die Welt“, eine bundesweite Diskussion darüber aus, wie politisch eine Predigt sein darf. In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns: Darf sich Kirche politisch engagieren oder soll sie sich aus staatlichen Angelegenheiten besser raushalten? Auch die Pastoren und Diakone des Kirchenkreises Aurich stiegen in die Diskussion mit ein. Herr Poschardt sagte, dass evangelische Kirchentage sich kaum von grünen Parteitagen unterscheiden würden. Pastor Reiche meinte dagegen, man könne nicht für Brot für die Welt sammeln und dann nicht die politischen Verhältnisse kritisieren. Also: Wie viel Politik verträgt eine Predigt? Im Duden lese ich, dass Politik auf die Durchsetzung bestimmter Ziele von Regierungen, Parlamenten, Parteien und Organisationen besonders im staatlichen Bereich gerichtet ist. In der Politik geht es also um das Erreichen bestimmter Ziele. Jesus war immer politisch. Er verfolgte immer ein Ziel, nämlich das Reich Gottes auf Erden zu verkündigen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Mehr geht wahrscheinlich auch nicht. Diesen spirituellen Aspekt hat Jesus nie aus den Augen verloren und sollte bei allem politischen Engagement unser Motor sein, denn er gibt uns die Kraft, über unseren Tellerrand zu blicken. Jesus tat das immer friedlich, aber er trat den Menschen auf den Schlips und konfrontierte sie mit der herrschenden Gesellschaft. Er war dabei sehr kreativ. Er forderte z. B. von seinen Anhängern, wenn sie genötigt wurden, eine Meile als wegkundige Begleiter zu gehen und Lastenträger für die römischen Soldaten zu sein, eine Meile mehr als gefordert zu gehen. Das ist politischer kreativer Widerstand. Mit dem Überspitzen der Situation wird der Widersacher bloß gestellt. Jesus lebte die Gleichheit und Brüderlichkeit der Menschen. Er machte keine Unterschiede zwischen reich und arm. Er lud Huren und Zöllner zum Essen ein. Dafür wurde Jesus angefeindet und als Fresser und Säufer beschimpft. Das Reich Gottes gleicht einem Senfkorn. Dabei ist es nicht nur ein kleines Korn, was in die Erde gelegt wird und zu einem großen Busch wird, sondern sie ist auch eine Pflanze, die überall da wuchert und wächst, wo niemand sie vermutet hätte. Deshalb sei unsere Predigt und unser Dienst am Nächsten immer politisch und
somit am Reiche Gottes orientiert.

Von Oltmann Buhr, Diakon in der Kirchengemeinde Timmel

20. Januar 2018:

13. Januar 2018: Alles geht schief

Ein merkwürdiger einhundertster Geburtstag liegt in diesen Tagen an. Am 11. Januar 1918 wurde Edward Murphy geboren. Sie kennen ihn nicht? Dafür kennen Sie bestimmt sein berühmtes Gesetz: „Alles, was schiefgehen kann, wird schiefgehen.“ Typisch! Das Brötchen fällt vom Frühstückstisch und landet natürlich auf der Butter- und Marmeladenseite. Natürlich bewegt sich die Warteschlange an der Supermarktkasse, in der ich stehe, viel langsamer als die Nebenschlange. Natürlich finde ich den vermissten Schlüssel in der letzten Schublade, in der ich suche. Kommt Ihnen
das bekannt vor? Edward Murphy wurde nach seiner Schulzeit Offizier und Ingenieur bei der US-Luftwaffe.
Er war an vielen Testverfahren beteiligt. Als ein sehr aufwendiger Versuch scheiterte,
weil seine Mitarbeiter ihn falsch aufgebaut hatten, formulierte er sein erstes Gesetz, das vereinfacht lautet: „Alles, was schiefgehen kann, wird schiefgehen.“
In der Folgezeit haben viele Wissenschaftler erforscht, warum etwas nicht funktioniert. Und viele andere haben Murphys Gesetze zum Anlass genommen, darüber nachzudenken, warum Menschen scheitern. Ist Murphys Gesetz vielleicht so eine Art Einstellung, mit der das eigene Scheitern vorprogrammiert ist? Zum Beispiel: Ich gehe davon aus, dass andere Menschen mich ablehnen. Deshalb verhalte ich mich ihnen gegenüber so, dass sie es wirklich schwer haben, mich zu mögen. Oder: Ich bin so verbissen darauf konzentriert, alles richtig zu machen, dass es wirklich nur danebengehen kann. Wir sind auf das Misslingen konzentriert, sodass wir unsere Möglichkeiten und uns selbst blockieren. „Wir aber wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Das schreibt Paulus in seinem Brief an die Römer. Dieses Bibelwort wird oft ausgesucht als Spruch zur Taufe und zur Konfirmation oder als gutes Wort für das gemeinsame
Leben. Also: Statt Murphys Pessimismus nun der Optimismus des Glaubens? So einfach geht das nicht. Genauso wie Murphy ist Paulus Realist, der das eigene Scheitern und das Misslingen selber erlebt hat. Aber er hat eine Hoffnung. Auch in Fehlern und in Niederlagen kann etwas Gutes entstehen. Darum können wir gelassen annehmen, wo etwas nicht gelingt. Gott kann auch aus unserem Scheitern Gutes machen. Und da, wo etwas schief geht, sind manchmal eben auch andere da, die uns helfen, es gerade zu rücken. Oder die neu mit uns anfangen. Ich wünsche uns allen auf dem Weg durch das neue Jahr, dass wir uns im Vertrauen auf Gott nicht durch das blockieren, was nicht gelungen ist, und dass wir das Gute in unserem Leben dankbar sehen. Und ich wünsche uns, dass wir im Vertrauen auf Gott auch das Misslingen annehmen können. Vielleicht kann daraus manchmal mehr Gutes entstehen als aus dem, was wir richtig machen.

Von Andreas Scheepker, Pastor am Ulricianum Aurich und in der Arbeitsstelle für
Religionspädagogik

6. Januar 2018: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

– mit der Jahreslosung für das Jahr 2018 aus dem Buch der Offenbarung (Offb. 21,6) grüße ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, herzlich zur ersten Andacht in der ON im neuen Jahr. Umsonst – dieses Wort fällt mir auf in der Jahreslosung. Umsonst – das ist ein Wort mit zwei Bedeutungen. Es kann eine negative Bedeutung haben im Sinn von vergeblich oder auch eine positive Bedeutung im Sinne von gratis. In der Jahreslosung ist natürlich die zweite Bedeutung gemeint: Gott will uns aus der Quelle des lebendigen Wassers umsonst, also gratis, geben, als ein Geschenk, das wir nicht bezahlen müssen, sondern das wir einfach so erhalten. Doch wenn ich etwas einfach so geschenkt bekomme, dann macht mich das erst einmal skeptisch. Ich lasse mich nicht gern beschenken. Ich muss doch etwas zurückgeben, wenn ich etwas bekomme – dafür bezahlen oder arbeiten, oder dem anderen auch ein Geschenk machen. Letztes Jahr hat mir jemand etwas zu Weihnachten geschenkt, dieses Jahr bekommt er euch etwas von mir. Wenn ich etwas umsonst erhalte von jemanden, den ich nicht kenne, dann macht mich das misstrauisch. Da muss es doch einen Hintergedanken geben. Im Leben ist schließlich sprichwörtlich nichts umsonst. Im Leben nicht, aber bei Gott schon. Gott will uns aus der Quelle lebendigen Wassers geben, und zwar allen, die durstig sind – und das ganz ohne Bezahlung, ohne Leistung, ohne Gegenwert, einfach umsonst gratis, geschenkt. Ja, liebe Leser, was uns bei unseren Mitmenschen manchmal unangenehm ist, dürfen wir bei Gott getrost annehmen. Gott will uns beschenken, einfach so, einfach, weil wir seine geliebten Kinder sind. Und Gott schenkt uns noch viel mehr: seine Gnade. Es gibt eben doch Dinge, die wir nicht kaufen können, sondern die wir nur als Geschenk erhalten und annehmen können. Gott sei Dank! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Jahr 2018

Von Anika Langer, Pastorin in Engerhafe, Forlitz-Blaukirchen und Wiegbolsbur

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