Sonntagsbetrachtungen 2017

Worte zur Woche aus den Ostfriesischen Nachrichten

25. Februar 2017: Wandern mit Jesus

Fünf Kilometer soll man jeden Tag gehen. Das ist gut für die Gesundheit, habe ich neulich in der Zeitung gelesen. Wie wär’s mit einer kleinen Wandertour? Kommen Sie mit? Jesus und seine Freunde sind auch dabei. Etwas länger als fünf Kilometer könnte unsere Tour allerdings werden. Unser Weg führt uns heute durch die Berge von Galiläa. Ich hoffe, Sie haben feste Schuhe an. Es liegen ziemlich viele lose Steine auf dem Weg. Startklar? Dann lassen Sie uns losgehen.

Georg Janssen, Pastor in Ihlow

Was meinen Sie, ob man die Gelegenheit nutzen könnte für ein Gespräch mit Jesus? Wäre ja eine gute Gelegenheit, wenn man so nebeneinander her läuft. Schade. Zu spät! Da war einer schneller. Was fragt er? Was für Jesus das Wichtigste sei, wenn Menschen in seinem Sinne leben wollen. Da bin ich ja mal gespannt. Das kann ja ein langer Vortrag werden. „Das Wichtigste ist…“ Merkt Ihr was? Wir sind nicht die Einzigen, die die Ohren spitzen. „Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Mehr nicht? Ein Satz nur? Habe ich mir doch gedacht, da kommt schon die Nachfrage. „Wer ist das, mein Nächster?“ Gute Frage. Oder will sich da einer nur vor den Konsequenzen drücken? Ganz ruhig erzählt Jesus die Geschichte von einem Mann, der überfallen wurde und der nun verletzt auf der Straße liegt. Zwei hochgestellte Persönlichkeiten drücken sich an ihm vorbei. Erst ein Dritter kümmert sich um den Verletzten. Ein Mann aus Samaria. Einer, der doch gar nicht zum Volk Israel dazugehört, macht es richtig.
Jesus bleibt stehen. Ich glaube, der wartet auf uns. Er lächelt. „Schön, dass wir uns hier begegnen. Wie sieht’s aus bei euch in eurem christlichen Abendland? Spielt Gott noch eine Rolle bei euch im Jahr 2017? Und wie ist das bei euch mit der Liebe? Habt ihr ein offenes Herz für die anderen? Ach ja – und denkt ihr ab und zu noch mal an mich?“ Ein älterer Mann aus unserer Gruppe schiebt sich nach vorne. „Weißt du Jesus, bei uns machen sich viele Menschen Sorgen um unser christliches Abendland. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie dich überhaupt kennen.“
Jesus schaut uns nachdenklich an. „Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mich noch ein Stück des Weges begleitet. Denn anders als meine Jünger wisst ihr, was am Ende dieses Weges auf mich wartet. Ich gehe diesen Weg, um zu zeigen, dass die Liebe sogar den Tod auf sich nimmt. Und denen, die sich Sorgen um ihr christliches Abendland machen, sagt einfach, sie sollen so handeln, wie ich es euch erzählt habe: Liebt Gott und euren Nächsten wie euch selbst. Das ist das Fundament. Darauf könnt ihr bauen.“

Von Georg Janssen, Pastor in Ihlowerfehn und Ludwigsdorf

18. Februar 2017: Die Kraft der Vergebung

„Verzeih mir!“ – das sagt sich noch relativ leicht. „Ich verzeihe Dir, ich vergebe Dir“ – das ehrlich und von Herzen zu sagen, ist erheblich schwerer. Aber welche Kraft darin liegen kann und was Vergebung bewirken kann, das zeigt vielleicht die folgende Geschichte:
Der Außenminister des im ersten Weltkrieg besiegten Deutschland, Walther Rathenau, fiel im Jahr 1922 einem Attentat zum Opfer. Von drei Verschwörern, die ihn als „Juden“ und „Erfüllungspolitiker“ hassten. Ein Attentäter wurde von der Polizei gestellt und erschossen. Der zweite beging Selbstmord. Der dritte aber – er hieß Werner Techow – konnte entkommen.

Thomas Henneberger, Pastor In Aurich-Oldendorf

Von Techows Mutter wurde bekannt, dass sie unter der Tat ihres Sohnes schmerzlich litt. Dieser Frau nun schrieb Rathenaus alte Mutter, als sie von ihrem Gram hörte, einen Brief, der die Kraft der Vergebung aufscheinen lässt:
„Im namenlosen Schmerz reiche ich Ihnen, Sie ärmste aller Frauen, die Hand. Sagen Sie Ihrem Sohn, dass ich im Namen und im Geist des Ermordeten ihm verzeihe, wie Gott ihm verzeihen möge, wenn er vor der irdischen Gerechtigkeit sein volles offenes Geständnis ablegt und vor der göttlichen bereut. Hätte er meinen Sohn gekannt, den edelsten Menschen, den die Erde trug, so hätte er eher die Mordwaffe auf sich selbst gerichtet als auf ihn. Mögen diese Worte Ihrer Seele Frieden geben.“
Ein ungewöhnlicher und beeindruckender Brief. Aber die Wirkungen, die er nach sich zog, sind noch erstaunlicher und bewegender.
Ausgerechnet Techow nämlich, der inzwischen in der Fremdenlegion untergetaucht war – ausgerechnet er wurde im Zweiten Weltkrieg zu einer Schlüsselfigur im Kampf um die Errettung verfolgter Juden. Zeugen, die ihn zuletzt in Marseille trafen, berichteten, dass er mehr als 700 Flüchtlingen den Weg in die Freiheit gebahnt hatte. Verantwortlich für diesen Sinneswandel des einstigen Antisemiten aber war jener Brief von Rathenaus Mutter, von dem Techow gestand: „Er eröffnete mir eine andere Welt.“
So kann die Kraft der Vergebung wirken. Jesus sagt im Johannesevangelium: „Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen.“ Das ist keine schale Versöhnung oder billige Gnade. Denn wie die Geschichte zeigt, kann Vergebung ungeahnte und nachhaltige Veränderungen bewirken. „Ich verzeihe Dir, ich vergebe Dir.“ Wenn diese Worte von Herzen kommen, können sie uns und andere verändern und fürwahr eine andere Welt eröffnen.

Von Thomas Henneberger, Pastor in Aurich-Oldendorf

11. Februar 2017: Genug für alle

Die Vereinten Nationen schätzen, dass weltweit rund 795 Millionen von insgesamt 7,3 Milliarden Menschen hungern. Das sind knapp elf Prozent der Weltbevölkerung oder jeder neunte Mensch. Ich finde diese Zahl erschreckend. Es muss doch möglich sein, dass alle genug zum Essen haben.
Jesus erzählt einmal ein Gleichnis, in dem alle am Ende genug haben: Der Besitzer eines Weinbergs stellt an einem Tag morgens, mittags und abends Arbeiter an. Am Ende des Arbeitstages bekommen alle denselben Lohn. Die, die schon früh mit der Arbeit angefangen haben, beschweren sich: Das ist doch ungerecht. Aber der Weinbergbesitzer weist die Kritik zurück: Der Lohn war doch vereinbart.

Stefan Wolf, Pastor der Friedenskirche Wiesmoor

Man könnte diese Geschichte eins zu eins auf die Wirklichkeit übertragen. Dann würde sie den alten Traum weiterträumen, dass alle genug zum Leben hätten. Aber wenn es so wäre, wären dann nicht die im Recht, die sich beschweren, weil sie mehr getan haben als andere? Wäre so eine Welt gerecht? Vielleicht würde in so einer Welt schon bald niemand mehr arbeiten oder vielleicht würde sich kaum jemand noch anstrengen, denn am Ende des Tages gibt es sowieso denselben Lohn für alle. Vielleicht würde sich mancher das, was er meint zu wenig bekommen zu haben, mit List oder Gewalt von anderen holen.
Die Geschichte von Jesus bringt uns ins Nachdenken über Arbeit und Gerechtigkeit. Aber Jesus erzählt die Geschichte als ein Gleichnis über das Himmelreich. Er sagt uns mit diesem Gleichnis: Am Ende des Tages bekommen alle dasselbe Maß an Liebe und Barmherzigkeit von Gott geschenkt.
Und damit
verändert Jesus unseren Blick
Auch in diesem Fall kann man sich beschweren: Haben die, die erst spät zur Gemeinde dazugekommen sind, wirklich so viel Liebe verdient wie die, die schon seit ihrer Kindheit dabei sind? Jesus sagt: Ja.
Und damit verändert er unseren Blick. Wir vergleichen uns ständig mit anderen und haben oft das Gefühl: Das Leben ist nicht fair. Der Nachbar hat den besseren Job. Der hat eher Feierabend und verdient sogar noch mehr Geld. Solche Gedanken machen aber nur unzufrieden. Jesus lenkt unseren Blick auf das, was Gott uns gibt: Gesundheit, Kraft, Mut, Familie, Liebe.
So viel ist mir geschenkt. Davon kann ich abgeben. Damit am Ende wirklich alle genug zum Leben haben.

Von Stefan Wolf, Pastor der Friedenskirche Wiesmoor

4. Februar 2017: Mensch, ärgere dich nicht!

Mensch, ärgere dich nicht! Unzählige Male gespielt, gewürfelt, weitergesetzt, jemanden rausgeschmissen, die eigene Spielfigur wurde rausgeschmissen, ich habe mich doch geärgert, verloren oder Glück gehabt und gewonnen. Bei meinen Eltern zuhause haben

Sabine Bohlen, Pastorin in Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

Sabine Bohlen, Pastorin in Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

wir’s oft gespielt: Mensch, ärgere dich nicht. Zu dritt, zu viert – da fand man immer jemanden, der mitspielte. Und nun hat es meine jüngste Tochter als eines ihrer Lieblingsspiele entdeckt. Immer wieder holt sie es aus dem Spielzeugschrank und möchte es gerne spielen. Ein altes Spiel. 1910 erfunden. Bekannt wurde es in den Lazaretten im 1. Weltkrieg. Verwundete Soldaten haben es für sich entdeckt. Seither haben es ganze Generationen von Kindern und Erwachsenen gespielt. Warum ist es eigentlich so beliebt? Vielleicht, weil es auf dem Brett manchmal zugeht wie im richtigen Leben? Lange keine Sechs gewürfelt? Ja, das gibt es: Ich komme nicht immer so voran, wie ich möchte. Auf dem Spielfeld nicht und im Leben auch nicht. Manchmal geht aber gerade dann etwas voran, wenn ich nicht damit rechne und eigentlich nichts mehr erwartet habe. Nicht aufgeben – das ist wichtig. Nicht aufgeben. Mancher Rückschlag entpuppt sich als ungeahnte neue Chance; aber das merke ich normalerweise nicht gleich. Manches sehe ich erst im Nachhinein. In manchen Situationen meines Lebens brauche ich eine Menge Geduld und das Vertrauen: Gott wird mir heute Kraft geben für heute. Und morgen wird er mir Kraft geben für morgen. Im Spiel gegen meine Tochter hatte ich einmal schnell fast alle Figuren im Ziel. Fast alle. Als ich gerade schon ein bisschen übermütig und siegesgewiss wurde, hat meine Tochter meine letzte Spielfigur erwischt und rausgeworfen. Und kaum war ich wieder im Spiel, hat sie mich wieder erwischt und rausgeworfen. Auch das gibt es im Leben: Gerade wenn ich ein wenig übermütig werde und mich siegessicher am Ziel wähne, kommt mir womöglich etwas oder jemand dazwischen. Und ich kann gerade nochmal von vorne anfangen. Das nervt. Aber genau genommen ist es schon auch lehrreich. Noch etwas fällt mir auf: Zu manchen Zeiten bin ich mit etlichen Figuren gleichzeitig im Spiel. Wir helfen uns gegenseitig, übernehmen verschiedene Aufgaben. Der eine spurtet los, der andere sichert ab. Zu anderen Zeiten ist es ziemlich einsam auf dem Spielfeld, und ich muss allein weiter. Manches geht gut allein. Anderes ist schwierig und allein viel mühsamer. Nicht nur im Spiel, auch im Leben. Mensch-ärgere-dich- nicht spiele ich nie allein. Wenn wir zusammen spielen, wenn wir zusammen leben, lachen wir zusammen, und wir nehmen uns gegenseitig auch mal auf die Schippe. Wir ärgern uns, wir ärgern uns auch gegenseitig und stehen einander mal im Weg. Und manches nehmen wir ernster, als es sein müsste. Auf dem Spielfeld und im Leben. Mensch-ärgere-dich-nicht: ein Spiel, bei dem es manchmal zugeht wie im richtigen Leben. Einen Unterschied zwischen Spiel und Leben finde ich allerdings sehr wichtig: Im richtigen Leben hält einer seine Hand über mich. Gott. Da würfelt kein Schicksal über mein Leben und auch kein anderer Mensch. Es hilft mir weiter, daran zu denken und darauf zu vertrauen. Auf Gott zu vertrauen. Ob ich gerade ganz munter unterwegs bin oder mich schwer tue, ob mein Lebensweg schnurgerade verläuft oder mehr Biegungen und Rückschläge aufweist, als mir lieb ist, ob ich mich freue oder ob ich Mensch mich gerade doch ärgere: In allem hält er seine Hand über mir. Das zählt für mich. Es macht mir Mut und baut mich auf.

Von Sabine Bohlen, Pastorin in Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

28. Januar 2017: Erinnerung an Jan Bender

Andreas Scheepker, Pastor am Ulricianum und in Westerende, Barstede und Bangstede

Andreas Scheepker, Pastor in der Arbeitsstelle für Ev. Religionspädagogik und am Gymnasium Ulricianum Aurich

Gestern fand in der Auricher Lambertikirche die deutsche Erstaufführung der Kantate „Ein Brief von Anne Frank“ statt. Komponiert wurde sie von Jan Bender, der vor 80 Jahren der erste hauptberufliche Kirchenmusiker der Lambertikirche war.
Jan Bender hat die Schrecken des Nationalsozialismus intensiv erlebt. Er ist in Lübeck aufgewachsen. Nach seinem Studium wurde er dort Kirchenmusiker. Bald begannen die Konflikte zwischen den nationalsozialistisch geprägten ‚Deutschen Christen‘ und der regimekritischen ‚Bekennenden Kirche‘. Als Bender sich weigerte, im Gottesdienst eines deutschchristlichen Pastors die Orgel zu spielen, kam es zum Konflikt. Er wurde fälschlicherweise denunziert, die Orgel sabotiert zu haben. Er wurde etwa vier Monate im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert.
Nach seiner Entlassung wurde Bender auf die Kantoren- und Organisten-Stelle an der Auricher Lambertikirche berufen. Hier konnte er neu beginnen. Er gründete eine Familie und wurde zu einer prägenden musikalischen Persönlichkeit. Als Soldat wurde er schwer verwundet und geriet später in Gefangenschaft. In dieser Zeit entstanden die dreistimmigen Sätze der Kirchenlieder. Er schrieb in sein Tagebuch: „Ich möchte möglichst schnell heim, das Auricher Singbüchlein abschreiben in Druck geben, ein berühmter Mann werden und gar eine Sing- und Konzertreise durch die Vereinigten Staaten machen. Aber in diesem elenden Lager muss ich wohl noch lernen, daß Gott seinen Kindern oft ganz andere Wege fährt, wie sie zu gehen beabsichtigen.“
Schließlich konnte er diese Ziele doch verwirklichen. Mit seiner Lambertikantorei führte er die in der Gefangenschaft erarbeitete Musik auf. Die Sätze erschienen als „Auricher Singbüchlein“, und auch andere Kompositionen wurden veröffentlicht. Später wurde Jan Bender dann Professor für Kirchenmusik in den USA. Den Ruhestand erlebten er und seine Frau in Schleswig-Holstein. Bender verstarb 1994.
Zum Auschwitz-Gedenktag erinnern wir uns mit Jan Bender an Anne Frank: eine starke, junge Persönlichkeit, deren Leben durch den deutschen Terror so früh beendet wurde. Sie verstarb wenige Monate vor Kriegsende im deutschen Konzentrationslager Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide. Und wir erinnern uns auch an Jan Bender, den bedeutenden Kirchenmusiker, der in bedrückender Zeit etwas von seinem Glauben und seiner Hoffnung an andere weitergegeben hat. Dieses Gedenken macht uns feinfühlig und stark für ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft. Im Vertrauen auf Gott wollen wir allen Formen der Menschenverachtung und Gewalt entgegentreten und Menschen des Vertrauens sein. Dazu segne Gott uns alle.

Von Andreas Scheepker, Pastor in der Arbeitsstelle für Ev. Religionspädagogik und am Gymnasium Ulricianum Aurich

21. Januar 2017: Ermutiger sein!

„Ich will dich einfach mal ermutigen, ich mag dich wirklich gerne, Gott hat dich wirklich wunderbar gemacht. Es macht mich echt dankbar, dich zu kennen, du bist ein toller Typ und du machst deine Sache wirklich gut. Mach weiter so!“

Frank Karsten, Schulpastor BBS 1 Aurich & KGS Großefehn

So las ich es neulich in einem Artikel in der App 365 Steps. Darin wurde berichtet, dass jemand diese ermutigenden Worte von einer Freundin als Brief erhalten hat.
Super Idee, finden Sie nicht auch? Wann haben Sie das letzte Mal solche Zeilen von Freunden bekommen oder wann haben Sie das letzte Mal solche Zeilen an andere Menschen geschrieben?
Solche Worte gehen doch runter wie Öl, solche Worte hört oder liest man einfach gerne. Und sie machen einem Mut, etwas richtig zu machen, auf dem richtigen Weg zu sein, anderen gut zu tun und ein geliebter Mensch zu sein.
Andere Menschen zu ermutigen ist eigentlich gar nicht schwer – eigentlich. Warum tun wir es denn so selten?
Diese Frage habe ich mir gestellt. Habe ich das Gefühl, dass die das doch sowieso wissen und ich es deshalb nicht mehr sagen muss? Habe ich Angst, dass die anderen dann den Bodenkontakt verlieren und abheben könnten, wenn ich sie lobe? Kann es sein, dass ich meine Mitmenschen einfach nicht in Verlegenheit bringen möchte, wenn sie so etwas hören oder lesen?
Es mag viele Gründe geben, aber ganz egal welche Gründe es auch sein mögen, lassen wir sie besser beiseite und fangen an, die Menschen in unserem Umfeld zu ermutigen, denn ich bin überzeugt davon, dass das die Beziehung zueinander nur vertiefen und keineswegs belasten kann.
Ich bin Gott dankbar, dass er mir Menschen zur Seite stellt, die er so wunderbar gemacht hat, dass sie mir gut tun, sei es in meiner Familie, im Sportverein, in der Schule, dem Arbeitsplatz, der Kirchengemeinde, meinem Freundeskreis oder wo auch immer mir diese Menschen begegnen.
Ich bin dankbar, dass es diese Menschen gibt und genau das möchte ich ihnen in nächster Zeit mal sagen, was für tolle Menschen sie doch sind und ich einfach dankbar bin, dass ich sie kennen darf. Ich lade Sie ein, dies ebenso in Ihrem ganz persönlichen Umfeld zu tun. Seien Sie auch „Ermutiger“, und lassen Sie sich im Gegenzug vielleicht ja auch von anderen ermutigen, denn in der Regel ist das „Ermutiger sein“ nicht einseitig, sondern beruht oft auf Gegenseitigkeit. Und selbst wenn es im Moment einseitig sein sollte, kann sich das im Laufe der Zeit ja ändern.
Probieren Sie es aus, es lohnt sich.

Von Frank Karsten, Schulpastor an den BBS 1 Aurich und der KGS Großefehn

14. Januar 2017: Öffne das Überraschungsei, schau hinein!

Bilder aus dem Wattenmeer gehen rund um die Welt. Sogar in der Washington Post sehen wir ein Bild von Tausenden bunten Überraschungseiern, die unsere ostfriesischen Strände auf den Inseln säumen. Auch wenn das für Naturschützer ein Ärgernis und für die Tiere eine Gefahr ist, ist es für Kinder und Sammler eine unverhoffte Freude: Es kommt ein Schiff geladen, trägt Ostereier an Bord!

Sunnive Förster, Pastorin in Riepe und Ochtelbur

Sunnive Förster, Pastorin in Riepe und Ochtelbur

Ein neues Jahr hat begonnen. Das Jahr 2017 liegt wie ein noch nicht ausgepacktes Überraschungsei vor uns. 365 unverbrauchte, einzigartige Tage! Von keinem wissen wir, was er uns bringt, bevor wir ihn nicht „ausgepackt“ haben. Die mit Überraschungseiern gefüllten Container gingen bei Sturm über Bord. Die Eier schwammen im Wasser und verloren ihre Verpackung und die Schokolade. Nur die farbigen Plas- tikeier mit ihrem kleinen inwendigen Geheimnis blieben ganz. Wind und Wellen spülten die Eier an die Strände. Da liegen sie nun kunterbunt im Sand und wollen aufgesammelt und geöffnet werden.
Stürme erleben auch wir in unserem eigenen Leben. Krisen schütteln uns. Manches wird über Bord geworfen, ob freiwillig oder unfreiwillig. Manches zerbricht. Manchmal wird von so einem schweren Sturm etwas Neues an unsere kleine Lebensinsel gespült: Ich begreife etwas. Ich kann etwas loslassen. Eine Entscheidung wird endlich getroffen. Ein neuer Weg tut sich auf. Ein Schritt wird gewagt.
Ich sehe die Schönheit der Welt. Ich entdecke die Liebe. Ich bin dankbar.
Jeder Tag steht bunt vor uns und will ausgepackt und genutzt werden. Ein neues, aufregendes Jahr mit Herausforderungen will gelebt werden. Wir wissen nicht, was sich in der bunten Schale eines jeden Tages versteckt. Wir wissen nicht, was uns jeder Tag bringen wird. Noch ist es verborgen. Aber wie die bunten Eier von Kindern voller Vorfreude und Spannung geöffnet werden, so können wir jeden Tag als kostbares Geschenk angehen. Neugierig auf das, was Gott uns schenken möchte. Wir vertrauen darauf, dass er es gut mit uns meint, weil er uns als seine Kinder liebt. Wenn an manchen Tage Schweres auf uns wartet, ist er bei uns. Wenn wir Freude und Schönes erleben dürfen, ist er auch bei uns.
Öffne das Überraschungsei. Schau hinein!

Von Sunnive Förster, Pastorin in Riepe und Ochtelbur

7. Januar 2017: Ein neues Herz

Die erste Woche im Januar ist vorbei und ich habe mir in diesem Jahr keine guten Vorsätze vorgenommen. Dann bin ich nicht enttäuscht, sie nicht zu erfüllen. Nach der langen Adventszeit und dem ruhigen Jahreswechsel hat der Alltag mich wieder eingeholt, fast überholt. Die Freude darüber, dass ein neues Jahr vor mir liegt, dazu ein leerer Kalender mit scheinbar unendlichen Möglichkeiten ihn zu füllen, musste der Realität weichen. Termine sind fast so schnell hineingekommen, wie die Nadeln am Tannenbaum im Wohnzimmer nun schon herunterfallen.
Vorbei der Zauber der Weihnacht?

Lars Kotterba, Pastor in Wiesens und Brockzetel

Lars Kotterba, Pastor in Wiesens und Brockzetel

Am Sonntag feiern wir in unserer St.-Johannes-der-Täufer-Kirche noch einen letzten Gottesdienst mit dem großen Weihnachtsbaum, vielleicht ist er der letzte seiner Art im Ort.
Viel zu schnell endet bei den meisten die Weihnachtszeit, weil sie schon mit Spekulatiusessen im September beginnt. Und doch möchte ich vom weihnachtlichen Gefühl nicht lassen. Gerade inmitten des manchmal so dunklen, kalten Alltags nicht, besonders auch gegen die Sorge, dass der Terror ganz nah zu uns nach Deutschland gekommen ist. Aber besonders das „Fürchtet euch nicht“ der Engel aus der Weihnachtsgeschichte macht mir Mut und Hoffnung, dass Gottes Frieden sich einmal durchsetzen wird, gegen allen Anschein. Das neue Licht, das mit Jesu Geburt in diese oft so dunkle und harte Welt gekommen ist, erhellt unser Leben, gegen alle Dunkelheit. Könige haben das erkannt, als sie dem Stern von Bethlehem folgten. Ihnen war klar, dass Gott selbst erschienen ist.
Gestern ist daran am Dreikönigstag erinnert worden, und auch bei uns in Ostfriesland ziehen viele Kinder von Haus zu Haus, verkleidet als Hl. drei Könige und bringen als Geschenk Gottes Segen für Haus und Bewohner mit.
Auch die Jahreslosung für 2017 spricht von einem Geschenk, das Gott uns macht. „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ Beides haben wir, glaube ich, nötig. Ein neues Herz, das sich öffnet, auch für das vermeintlich Fremde und einen neuen Geist, der uns hilft, auch neue Wege zu gehen und die ausgetretenen Pfade einmal zu verlassen.
Vielleicht gelingt es auch uns dann, dass wir sagen können: Fürchtet euch nicht, denn hier seid ihr willkommen, auch wenn ihr mir jetzt noch fremd seid!“
Denn nur gemeinsam können wir es schaffen, dass das neue Jahr 2017 Gottes Frieden näher kommt. Gott wird uns dabei helfen, mit Herz und Verstand!

Von Lars Kotterba, Pastor in Wiesens und Brockzetel