Sonntagsbetrachtungen 2017

Worte zur Woche aus den Ostfriesischen Nachrichten

27. Mai 2017: Schuster, Müller, Kaiser

„Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt, des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht. Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid, die Vöglein hört man singen, die Loben Gott mit Freud“ (Ev. Gesangbuch 501, 1606).

Rainer Hecker, Pastor in Aurich-Oldendorf

An Himmelfahrt bekam ich doch so ein kleines „Geschoss“ direkt ins Gesicht. Abends beim Füttern der Hühner für den nächsten Tag. Da lag dieses „Geschoss“ vor mir auf dem Rücken, die Beine strampelten nach oben; sie fanden sofort an meinem Zeigefinger halt. Die Fühler des Tierchens am Kopf tasteten voran. Welch ein Glück! Es gibt sie wieder häufiger, die Maikäfer.
In längst vergangener Kinderzeit bekamen sie Beinamen wie Schuster, Schornsteinfeger, Müller, gar Kaiser, diese hatten ein purpurrotes Halsschild und standen gegenüber dem Fußvolk der Maikäfer ganz oben und galten als selten und hatten auf dem Schulhof einen hohen Tauschwert. „Tausche Müller und Schuster gegen einen Kaiser.“ So hatten sie einen hohen Sammlerwert bei Kindern, denn es gab Zeiten, da waren die Maikäfer sehr selten geworden und sie galten als Glücksbringer und Frühlingsboten. In manchen Jahren traten Maikäfer in großen Mengen auf und wurden deshalb auch hartnäckig bekämpft, weil sie dann als Schädlinge galten. Das sieht der seltene Wiedehopf ganz anders: Er braucht die kräftigen Käfer, die lange im Erdreich ruhten, zur Aufzucht seiner Jungen als Nahrung. Egal ob Kaiser, Müller oder Schuster, wichtig ist: „Es gibt ihn noch! Und wieder mehr.“
Die Schöpfung findet ihr Gleichgewicht zwischen Beute und Jäger. Hätten wir Menschen alleine das Sagen, sähe es sehr dunkel für unseren Erdball aus. Da ist es, denke ich, gut zu wissen: Da ist Gottes Güte, sie bleibt mein Helfer jetzt und allezeit. So singt es der Verfasser des 63. Psalmes: „Du Gott, bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich, dass all die kleinen und großen Geschöpfe mich hinweisen, auf den, der alles einst ins Leben rief, Maikäfer, Storch und Schwalben und viele mehr, dir sei Lob’ und Ehr’, weil alles grünt und blüht, die Blüt’ zur Frucht vermehre.“ Wieder das Lied „Wie lieblich ist der Maien“ (Ev. Gesangbuch 501).
Es ist beruhigend zu wissen, Gott, dass du da bist und auf unseren Lebensweg achtgibst.
Gehen müssen wir ihn selber.

Von Rainer Hecker, Pastor in Aurich-Oldendorf

Himmelfahrt 24. Mai 2017: „Ich bin dann da…“

Kinder können am schönsten sagen, was unseren Glauben ausmacht. Ich frage Kindergartenkinder: „Was macht Jesus im Himmel?“ Meldet sich ein kleiner Junge: „Er sagt Gott, dass er gut zu uns sein soll.“ – Jesus, aufgefahren in den Himmel, wirbt bei Gott um Sympathie für uns Menschen. Damit ist alles gesagt. Ich habe dieses Glaubensbekenntnis eines fünfjährigen Jungen für mich übernommen. Er hat mir geholfen zu verstehen, was wir am Himmelfahrtsfest feiern. Der Altar in der Auricher Lamberti-Kirche zeigt ein wunderbares Bild: Auf einem Berg sind die beiden Fußabdrücke Jesu zu sehen. Jesus selbst entschwebt in den Himmel. Zu sehen sind nur noch seine beiden Füße, noch von den Nägelmalen am Kreuz gezeichnet.

Tido Janssen, Pastor in der Lamberti-Gemeinde und Superintendent des Kirchenkreises Aurich

Nun muss man heute wohl kaum lange erklären, dass die Rede von einer „Fahrt in den Himmel“ jenes antike dreistöckige Weltbild voraussetzt, das nicht mehr das unsrige ist. Als ob Jesus tatsächlich eine Weltraumfahrt angetreten habe! So etwas heute zu behaupten, wäre absurd. Zur Zeit, als Lukas den Bericht über die Himmelfahrt schrieb und auch noch als der Lamberti-Altar zu Beginn des 16. Jahrhunderts angefertigt wurde, war diese Vorstellung durchaus nicht ungewöhnlich. Damals wurde von vielen „Entrückungen“ berichtet, nicht nur von Jesus, auch von Herakles, Romulus, Alexander dem Großen und anderen. Erzählt wird ein Entschwinden von der Erde. Nie geht es um die eigentliche Himmelsreise, denn weder der Weg in den Himmel noch die Ankunft im Himmel werden erzählt. Meist verdeckt eine Wolke schnell den Entrückten, ein Zeichen für die Nähe und Unnahbarkeit Gottes.
Die Himmelfahrt erzählt also nichts anderes, als dass Jesus jetzt bei Gott ist. Dies ist nichts anderes als ein besonders herausgehobener Aspekt des Ostergeschehens.

Mit der Himmelfahrt sagt Jesus nicht: „Ich bin dann mal weg.“ Sondern: „Ich bin dann mal da. Bei Gott. Und lege bei ihm ein gutes Wort für Euch ein.“ Jesus ist jetzt nicht mehr nur an einem einzigen irdischen Ort. Eingegangen in Gottes Wirklichkeit ist er dann wie Gott selbst überall für uns da.

Etwas anderes kommt hinzu. Die zurückbleibenden Jünger werden direkt angesprochen: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ (Apostelgeschichte1,11). Der Erzähler Lukas schreibt uns allen ins Stammbuch: Wartet nicht untätig darauf, dass Jesus aus dem Himmel wiederkommt. Guckt in die Welt! Geht hin und erzählt selbst von diesem Jesus! Er will auch Euch allen heute sagen und zeigen, dass Gott Euch nahe ist.

Das Bild auf dem Lamberti-Altar zeigt deshalb sehr schön: Jesus hat auf dieser Welt große Fußspuren hinterlassen. In vielen biblischen Geschichten finden wir sie. Darüber hinaus ist er auferstanden und jetzt bei Gott. Dort ist er unser Fürsprecher.

Von Tido Janssen, Pastor in der Lamberti-Gemeinde und Superintendent des Kirchenkreises Aurich

20. Mai 2017: Mut zu innerer Einkehr

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
Psalm 66, Vs.20

Hast Du noch Fragen, Bitten oder Wünsche? Oder bist Du satt, gesättigt, wunschlos glücklich oder ist Dir alles egal? Das Leben stellt so viele Anforderungen an uns, dass wir nicht mehr klar auf uns selber schauen. Im Jetzt stehen wir: Wie komme ich durch? Wie setze ich mich durch? Wo bleiben die Zwischentöne, das Ungewisse, das Suchende? Habe ich Anlässe, still zu werden, Pausen zu genießen, die Hände einfach mal zum Gebet zu falten? Will ich das? Bringt mir das was? Muss ich mich schon wieder wehren gegen eine Unterstellung, einem Vorwurf, einer modernen fake-Nachricht?

Das Leben ist vielfältig und anspruchsvoll, nicht leicht und einfach. Das wusste auch der Psalmbeter. Er macht Mut, es wieder mit der inneren Einkehr zu versuchen. Wer betet, bringt seine Anliegen, seine Sorgen und Wünsche zum Ausdruck. Er lädt sie sozusagen beim Adressaten ab. Der Angeredete, der Gebetene, ist Gott. Ja, er ist noch da. Es gibt ihn noch inmitten der Unübersichtlichkeit dieser Welt. Und er steht wohlwollend und annehmend mir gegenüber; er bleibt positiv eingestellt zu uns: Seine Güte bleibt, wendet sich nicht von uns.

Michael Schlieker, Pastor in Simonswolde

Nächste Woche beginnt der Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg. Menschen kommen zum Singen, Beten, Spaß haben und sich Gedanken machen um Gott und die Welt. Das Motto lautet: „Du siehst mich“! Gott sieht Dich und mich – und er sieht wohlwollend auf uns und wendet seine Güte nicht von uns ab, ob in Berlin, Wittenberg, Aurich, Norden, Georgsheil, Ihlow oder Wiesmoor. Darum dürfen wir ihn loben, dass Er uns sieht und hört, unsere Gebete annimmt und in seiner Güte bei uns ist. Bei ihm dürfen wir uns fallen lassen, uns Zeit nehmen, Wünsche formulieren, Fragen aussprechen, Bitten denken und das Suchende zulassen. Und ob wir nun in der vor uns liegenden Woche bleiben oder reisen, traurig sind oder uns freuen, unser Gott ist bei uns, Tag und Nacht. Dank und Lob dafür. Amen

Von Michael Schlieker, Pastor in Simonswolde

13. Mai 2017: Verbindungen

Schon lange bin ich auf der Suche nach meinen Wurzeln – die Ahnenforschung hat mich gepackt. Sie führt mich immer wieder in eine weite Welt. Ich lerne viel – so z.B. über Geschichte – Das, was ich einmal im Geschichtsunterricht gehört hatte, kommt mir jetzt selber nah, weil es meine eigene Familie betrifft. Ich lerne Sprache und Schrift ganz neu entdecken und denke an so manche meiner vielen Konfirmanden in den Jahren: Wie schlecht lesen die Kinder z.T. – und sollen sie dann mal ausnahmsweise einen Text lesen, der in einer alten verschnörkelten Druckschrift geschrieben ist, dann ist das fast unmöglich. Ich entdecke, wie viele Menschen mit mir verbunden sind – und erschrecke oft, wie wenig vielen Menschen heute noch über ihre Familien wissen. Ja oft kennen die Kinder nicht mal die Namen von Onkel und Tante. Viele leben weiter auseinander und die Kontakte werden dünner, manche reißen ganz ab. Das Forschen nach den Wurzeln meiner Familie hat mir ein ganz neues Gefühl für den Halt im Leben gegeben – ich gehöre in ein großes Geflecht von Menschen hinein, die in irgendeiner Weise, ob nah oder fern, mit mir verwandt sind. Uns verbindet etwas.

Harald Lemke, Pastor für Westerende, Bangstede und Barstede

Schließlich lerne ich auch etwas über die Konfessionen und die Probleme, die sie den Menschen vor noch gar nicht allzu langer Zeit bereitet haben. Was waren damals verschiedene Konfessionen in der Ehe für ein Problem, was gab es da für Verwerfungen. Gott sei Dank ist das überwunden. Ich habe im Zuge dieser Forschung immer wieder entdeckt, wie sehr der Gedanke Gottes aus dem 1.Buch Mose seine Berechtigung hat: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ Wer sich auf der Suche nach seinen Ahnen befindet, der wird viele Geschichten entdecken, die davon berichten, wie gut es ist, nicht nur „Ich“ sagen zu können, sondern das „Wir“ zu leben. Bei allen Problemen, die das auch immer wieder mit sich bringt. Gott setzt auf das „Du“. Für mich ist es spannend zu entdecken, wer alles zu diesem „Wir“ meiner Familie und zu mir gehörte und gehört. Sollte Sie anfangen wollen – viel Spaß bei der Suche. Es lohnt sich.

Von Harald Lemke, Pastor in Westerende, Bangstede und Barstede

6. Mai 2017: Freude verwandelt

Lachen ist gesund. Medizinische Untersuchungen zeigen: Wer lacht, lebt länger und lebt länger gesünder. Regelmäßiges Lachen führt dazu, dass Patienten schneller wieder gesund werden. Lachen ist „Aspirin für die Seele“ – so lässt sich lesen. Lachen befreit von Anspannung, Stress, Ärger und Angst. Beten übrigens auch. Fröhlich beten ist also doppelt gesund. Und darum geht es genau an diesem Sonntag, der den Namen „Jubilate- jubelt!“ trägt. Jubilate! Jubelt! Seid fröhlich, denn alles ist neu geworden!

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe neues ist geworden. 2. Kor 5,17

Pastorin Christiane Schuster-Scholz aus St. Jürgen zu Holtrop, Akelsbarg, Felde, Wrisse und Bietzefeld

So wirkt Ostern weiter. Die Osterzeit, in der wir uns jetzt befinden, ist eine fröhliche Zeit. Eine Zeit, in der die Freude im Mittelpunkt steht. Es ist eine Zeit, in der gelacht werden kann. Gelacht, wie im Ha-ha-ha- im Halleluja. Lachen, das kann man aus ganz verschiedenen Gründen. Eigentlich müssten wir Kinder fragen: Kinder lachen am Tag etwa 400 Mal. Erwachsene hingegen im Schnitt nur 15 Mal. Um zu lachen, fallen mir 3 Gründe ein: Ich lache, wenn etwas komisch ist. Oder ich lache auch, wenn ich mich freue, etwa, wenn mir ganz unverhofft etwas geglückt ist. Oder ich lache, wenn ich jemanden auslache. Wenn Menschen über einen anderen lachen, ist das eigentlich nicht schön. In den Ostergeschichten wird allerdings der Tod ausgelacht, weil er ausgespielt hat. Er hat keine Macht mehr. Und dieses Lachen ist dann so etwas wie ein Glaubensbekenntnis.

An Jubilate feiern wir in unserer Holtroper Kirche Konfirmation. Auch da gibt es viel Spannung, auch da wird viel gelacht. Jugendliche bekennen sich zum christlichen Glauben. Sie machen sich fest im Glauben, antworten mit ihrem „Ja“ auf Gottes „Ja“, das er längst zu ihnen gesagt hat. In unserer Gemeinde tun sie das mit Handschlag. Manches hat sich bei ihnen verändert. Schon rein äußerlich. In ihren Festkleidern sehen sie ganz anders aus. Aber auch innerlich. Wenn ich Vertrauen wage, Gott im Gebet in die Hand legen kann, was mich niederdrückt, dann verändert das mein Leben. Und auch, wenn ich am Ende eines Tages überlege: „Wofür kann ich Gott an diesem Tag danken?“ Das macht das Herz leicht. Ich schöpfe ganz neue Kraft. Und manchmal kann ich im Rückblick auf ein Missgeschick ganz einfach herzlich lachen. „Euer Herz soll sich freuen und diese Freude kann niemand von euch nehmen.“

Ihre Pastorin Christiane Schuster-Scholz aus St. Jürgen zu Holtrop, Akelsbarg, Felde, Wrisse und Bietzefeld

29. April 2017: Hirten

„Mögen Sie Schafskäse?“ Bevor ich eine Antwort geben konnte, entschied mein Gegenüber lachend: „Ich bringe Schafskäse mit. Das passt zu Ostern und zur Kirche.“ Sie hatte recht: Schafe und Ostern gehören zusammen – nicht nur, dass Menschen in biblischer Zeit von diesen Herdentieren lebten, sondern die wolligen Vierbeiner haben es ins Alte und Neue Testament geschafft.
Am morgigen Sonntag „Misericordias Domini“ (lat. Barmherzigkeit des Herrn) stehen Schafe zusammen mit ihren Hirten, die sie hüten, im Mittelpunkt. Seit der Konfirmandenzeit kennen viele den Psalm 23. Besonders der erste Vers berührt auf eigene Art: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Das Bildwort vom Hirten beschreibt, wie Gott sein will. Menschlich, warm und barmherzig wird von Gott erzählt, der uns zu grünen Auen führt und das gute Leben gönnt. Der Psalm 23 erzählt, ohne viele Worte zu machen: Gott sorgt und kümmert sich, führt und hält Menschen zusammen. Auch Jesus spricht von sich selbst als einen Hirten. Allerdings nimmt er es genau: Er spricht von einem guten Hirten. Vor 2000 Jahren war die Lebenswirklichkeit rau: Es gab damals schon die schlechten Hirten, die verführten und ausnutzten.
Immer sind schlechte Hirten unterwegs, die Tatsachen verdrehen, und auf ihren Vorteil bedacht sind, überall und grenzübergreifend. Was macht einen guten Hirten oder eine gute Hirtin aus? Das ist eine aktuelle Frage in diesen Tagen der politischen Wahlen und Weichenstellungen.

Silke Kampen, Pastorin In Wallinghausen

Jesus antwortet konkret: Der schlechte Hirte hat kein inneres Verhältnis zu den Schafen seiner Herde. Sobald Gefahr droht, lässt er die Herde im Stich, um sein eigenes Leben zu retten. Der gute Hirte hingegen stellt das Wohl seiner Herde über das eigene.
Hirtinnen und Hirten dieser Zeit, also Menschen, die Verantwortung tragen wollen und sollen, müssen sich nach ihren Maßstäben, inneren Beziehungen zur Gemeinschaft und ihren grundsätzlichen Werten befragen lassen. Schließlich sind die, die diese Rechenschaft fordern – die „Schafe“ , nicht unmündig und dumm! Trotzdem ist es schwer, in der Masse der Information und Bilderfluten die Zeitgeister zu unterscheiden, die guten und zuverlässigen Hirtinnen und Hirten zu entdecken und Vertrauen zu fassen.
Es ist keine Sache nur des eigenen Geschmacks, sondern der eigenen Mündigkeit und des wachsamen Blicks. Jesus legt die Messlatte hoch: Er weiß, dass er den Weg des guten Hirten gehen wird, deshalb kann er sagen: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte setzt sich für seine Schafe ein, für die Erfolgreichen wie für die, denen Glück und Erfolg abhandengekommen sind, für die ewigen Gewinner, aber mehr noch für die, bei denen so vieles auf dem Spiel steht. Das ist die beste Botschaft der Welt und diese Entscheidung ist bereits gefallen.

Von Silke Kampen, Pastorin in Wallinghausen

22. April 2017: Wie neu geboren

„Ich fühle mich wie neu geboren…“ – nach einem wohltuenden Bad, einer Nacht mit ausreichend Schlaf, einer entspannenden Massage, dem Saunagang oder wenn ich nach der Gartenarbeit erfrischt aus er Dusche steige. „Ich fühle mich wie neu geboren“ – ein wunderbares Gefühl, wenn die Kräfte zurückkehren, und ich mit neuem Schwung an die nächsten Herausforderungen herangehen kann.

Sandra Stelzenberger, Diakonin in Victorbur und Weene

 

Daran erinnert mich der erste Sonntag nach Ostern. Er hat den lateinischen Namen „Quasimodogeniti“. Übersetzt heißt das „Wie die neugeborenen Kinder“. Mit ihnen werden in der Bibel die Menschen verglichen, die beginnen, an Gott zu glauben. Der Apostel Paulus hat es einmal so formuliert: „Wenn jemand zu Christus gehört, ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen; etwas ganz Neues hat begonnen!“ Aber was bedeutet es, wie ein neugeborenes Kind zu werden? Es heißt nicht, dass ich mein Leben ein zweites Mal lebe. Manchmal wünsche ich mir das, um dann bessere Entscheidungen zu treffen oder Fehlern aus dem Weg zu gehen. Aber ich befürchte: Selbst wenn mir das bei einem zweiten Versuch gelingen würde, würde ich neue Fehler machen und andere falsche Entscheidungen treffen.

Wer anfängt, an Gott zu glauben, fängt nicht bei null an. Er behält seine Vergangenheit mit allem Guten und allen Fehlern. Dennoch wird sein Leben ganz neu. Es wird neu, weil er sich an Jesus Christus bindet. An Jesus zu glauben heißt: Ich vertraue auf ihn. Ich nehme es für mich an, dass er am Kreuz gestorben und drei Tage später auferstanden ist. Ich bekenne meine Schuld und bitte ihn und Menschen um Vergebung.

Wer so an Jesus Christus glaubt, ist wie neu geboren. Er hat nämlich die Chance, jeden Tag ohne Altlasten in die Zukunft gehen – wie neugeborene Kinder. Gotteskinder eben.

Ich fühle mich wie neu geboren – das ist vielmehr als ein gutes Gefühl nach einem langen Tag. Neu geboren sein bedeutet: Ich bin als Gottes Kind unterwegs – mit einem Vater im Himmel, der mir jeden Tag einen Neuanfang schenkt und mich darum ermutigt, niemals aufzugeben.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen

Sandra Stelzenberger, Diakonin in Victorbur und Weene

Ostern 15. April 2017: Ostern – vom Leben umfangen

Dr. Detlef Klahr, Landessuperintendent im Sprengel Ostfriesland-Ems

„Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?“ So dichtete es Schalom Ben-Chorin 1942 in Jerusalem. Er setzte damit den Frühling und die zarten Blüten des Mandelbaumes gegen die schroffe und harte Wirklichkeit des Krieges und die Vernichtung der Juden.
Die leichten Blüten im Wind gaben ihm Hoffnung, dass das Leben siegt. Es ist ganz und gar nicht selbstverständlich, dass Menschen immer wieder an der Hoffnung festhalten, dass am Ende die Liebe und das Leben siegen.
Am Osterfest geht es aber genau um diese unerhörte Hoffnung, gegen allen Augenschein den Glauben an den Sieg des Lebens festzuhalten. Nicht Terror und Gewalt, nicht Krieg und Elend, nicht Menschenverachtung und Tod behalten das letzte Wort. Zart und doch unübersehbar setzt sich Gottes Handeln der Liebe in dieser Welt durch. Das Leben siegt über den Tod. Dies werden wir als Christen Ostern wieder weltweit feiern. Mitten in den Erfahrungen von Leid und Tod ist unser Osterglaube oft selbst nur wie eine zarte Blüte im Wind. Aber eben auch darin ein wunderbarer Hinweis auf den Sieg des Lebens, den Christus uns in seiner Auferstehung geschenkt hat.
Wenn wir die Osterbotschaft von Jesu Auferstehung in unserer Wirklichkeit hören, ahnen wir wieder, was es bedeutet, an das Wunder des Lebens zu glauben.
Martin Luther hat diese widersprüchliche Erfahrung unseres Lebens mit Blick auf Ostern wunderbar treffend zusammengefasst, wenn er sagt: „Mitten im Leben sind wir vom Tode umfangen. Kehr’s auch um: Mitten im Tode sind wir vom Leben umfangen.“
Manchmal ist es ein Blütenzweig oder eine zarte Geste der Liebe, die uns diese Kehrtwende wieder in Erinnerung ruft, dass das Leben siegt.
Ich wünsche allen ein frohmachendes und gesegnetes Osterfest.

Von Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr, Sprengel Ostfriesland-Ems

8. April 2017: Wellness für die Seele

Das Telefon klingelt. Ich hebe den Hörer ab: „Andreas-Kirchengemeinde Plaggenburg, Pastor Ott, Moin.“ Eine freundliche Frauenstimme spricht mich in ziemlichem Tempo an: „Guten Tag, ich habe bei Ihnen ein Wellness-Wochenende gebucht.“
„Sie haben bei mir ein Wellness-Wochenende gebucht?“
„Ja.“
„Entschuldigen Sie, sind Sie sicher?“
„Bin ich denn nicht bei….“
„Sie sind hier bei einer Kirchengemeinde und ich bin der Pastor.“ Die Frau am anderen Ende spricht jetzt langsamer: „Oh, da muss ich mich verwählt haben.“
„Das passiert hier öfter. Wahrscheinlich haben Sie einfach eine Zahl nach der Vorwahl ausgelassen oder zu schnell getippt.“
„Ach so.“
„Ach, das macht nichts. Da sind sie nicht die erste. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende bei….“
Wir legen beide gleichzeitig unter entspanntem Gelächter auf. Das war überraschend und erfrischend.

Roman Ott, Pastor in Plaggenburg

Dieser Dialog hat tatsächlich so ähnlich stattgefunden und ist insofern keine Erfindung. Die Begegnung am Telefon war amüsant. Sie ist aber auch nachdenkenswert. Menschen wollen sich entspannen, mal rauskommen, mal auftanken, körperliche Fitness verbessern. Sie brauchen es, neue und ungewöhnliche Erfahrungen zu machen. Wohltuend soll es sein, aber wenn etwas fremd ist, möchte man doch begleitet werden, damit man nicht zu sehr verunsichert wird.
So kümmern sich Menschen um etwas, das sonst zu kurz kommt und sie lernen etwas dazu. Manchmal suchen sie besondere Herausforderungen. Es geht um körperliche Erfahrungen, aber auch um alle Sinne, den ganzen Menschen, mit Geist, Seele und Leib.
Menschen können sich an ihren wöchentlichen Ruhetagen auch um ihre Seele kümmern, klassisch-traditionell vielleicht oder auf eigene Weise. Es soll etwas für Leib, Seele und Geist bewirken. Auf eine etwas andere Art und Weise als es bei dem Gespräch am Telefon thematisiert wurde, kann man etwas für seinen Glauben und seine Seele tun. Dafür ist hierzulande der Sonntag besonders geschützt. Vielleicht macht man das mit der „Seelenpflege“, dem „Wellness-Wochenende“ nur als Ausnahme, vielleicht selten, aber doch regelmäßig.
Gott sei Dank – in genau dem wörtlichen Sinn – gibt es den Sonntag, um sich anregen zu lassen und die Kontakte zu Gott, zu anderen Menschen und zu sich selber zu pflegen.
Wellness für die Seele? Ja, so könnte man diesen besonderen Tag auch verstehen.

Von Roman Ott, Pastor in Plaggenburg

2. April 2017: Vor grauem Haupt aufstehen …

„Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der Herr.“ (3. Mosebuch 19, Vers 32)

Aufstehen!
Natürlich hatte ich das gelernt, als junger Mensch.
Dass man aufsteht, wenn ein schwächerer, unsicherer stehender älterer Mensch in den Bus oder in den Zug einsteigt. Ich will hilfreich sein, wo das körperliche Alter eben Hilfe brauchen kann.

Aufstehen!
Natürlich hatte ich das gelernt, mich beim Begrüßen zu erheben, wenn ein graues Haupt den Raum betritt.
Denn der Ältere soll sich ja nicht herunterbeugen müssen, weder im körperlichen, noch im übertragenen Sinne. Die große Lebens-Erfahrung ist zu würdigen. Ich will zeigen, dass ich Achtung habe
vor allen Lebens-Leistungen, die ein Mensch mit vielen Lebensjahren „auf dem Buckel hat“.

Aufstehen!
Natürlich hatte ich das gelernt, als Jugendlicher im Religionsunterricht, dass man Vater und Mutter, dass man die Älteren ehren soll, auf dass man selber lang, gut, geachtet und gestützt leben kann. Ich will vorbildlich für Ältere da sein, damit die Jüngeren dieses Da Sein für die Älteren – und auch einmal für mich – in ihrem Gedächtnis und Herzen bewahren.

Die Alten ehren…
„Ehren“ bedeutet im Hebräischen eigentlich „schwer machen“, Gewicht verleihen.
Den Älteren mit ihrer Lebenserfahrung Gewicht verleihen in der Familie und in den Gemeinschaften. Auf die wir uns verlassen, auf ihren Rat und ihre Tat.
Wir verleihen ihnen Gewicht, indem wir sie wichtig nehmen. Ihnen zuhören. Uns Dinge zeigen lassen von ihnen.

… Und wir sollen den Alten Gewicht geben, sie „schwer“ machen, – das heißt auch: ihnen immer einen vollen Teller an unserem Tisch gönnen, für sie gut sorgen, auch wenn sie nicht mehr allein für sich sorgen können. Sie sollen es gut haben bei uns, wie wir es gut hatten bei Ihnen. Wir sollen voneinander und miteinander gut leben können. Schließlich: wir sollen ihnen „ihr“ Gewicht geben:
Das Gewicht, das sie in unser Leben hineingebracht haben. Ihr Gewicht als Mutter und Vater, als Oma, als Freund, als Ermutigende und Tröstender, als Hausmitbauende und als Selbstvertrauen aufbauende Nächste in unserem Leben.

Wolfgang Beier, Pastor in Münkeboe und Moorhusen

Ich glaub sogar, das ist das größte Gewicht, das die Älteren für uns haben. Das Gewicht, das sie unserem Leben gegeben haben. Mit ihrer Sorge. Auch mit ihren Schwächen. Vor allem aber: Mit ihrer Liebe. Und dieses Gewicht ihrer Liebe, das spür ich in mir, jedes Mal, wenn ich sie sehe. Und auch, wenn sie kaum mehr etwas tun können, nur noch da sein können. Das tun Sie immer noch, jeden Tag, bis zuletzt. Da sein für mich. Sie nehmen mich wichtig. Sie geben mir Gewicht. Sie haben mich lieb. Ihr Leben lang.

Und dieses Gewicht bewahr ich mir. Indem ich meine geliebten „Alten“ ge-wichtig nehme. In meinem Herzen. Bis zum letzten gemeinsamen Tag. Und darüber hinaus.

Und dann noch: Gott fürchten …. Ehrfurcht haben vor Gott. Davor, wie er uns so geschaffen hat. Dass wir uns gegenseitig Gewicht geben, wichtig nehmen, aufbauen in unserem Leben. Ehrfurcht haben vor Gott. Davor, wie er jedem, jeder von uns Gewicht gibt, um eine gewichtige Aufgabe zu übernehmen in seiner Schöpfung. Vom Anfang bis zum Ende. Vom Kind Sein bis zum Alt Sein. Jeder von uns hat seinen Sinn, hat sein Gewicht für´s gute Leben, fürs Miteinanderleben, – auch mit grauem Haupt. Ehrfurcht haben vor Gott. Und vor jedem seiner Geschöpfe. Und sie ehren, ihnen Gewicht geben.
Auch mir selbst.
Auch im Alter.

Von Wolfgang Beier, Pastor in Münkeboe und Moorhusen

25. März 2017: „Dann ist er bald auch wieder da“

Eine schöne Karikatur von Volker Kischkel („Mock“) zeigt einen Pastor, der in einer Sakristei an seinem Laptop sitzt. Über ihm schwebt undeutlich ein Bleistift mit Flügeln – wohl ein Bild für den Heiligen Geist, der ihm gute Gedanken eingeben soll. Aber dann ist es passiert – der Pastor ist sichtlich ratlos und erschrocken: „Verflucht, jetzt habe ich Gott gelöscht!“
Eine witzige Idee, dass ausgerechnet ein Pastor Gott löscht – und eine absurde dazu. Wer sich mit Computern auskennt, weiß ja: Ein Klick auf den Wiederholen-Button, und Gott ist wieder da. Oder man schreibt es einfach noch mal hin. Also, lieber Pastor: Keine Sorge, Gott ist nicht weg, nur weil du aus Versehen das Wort gelöscht hast.

Uwe Noormann, Pastor in Tannenhausen und Georgsfeld

Aber dann denke ich: So absurd ist die Idee gar nicht. Das Gefühl, dass Gott weg ist, haben vermutlich viele schon gehabt. Manche sagen auch: Der ist sowieso nur ausgedacht, dann kann man ihn auch einfach wieder wegdenken. Ganz so einfach ist das sicher nicht, aber ich verstehe gut, dass man Mühe haben kann mit Gott. Wenn man in einer schwierigen Situation betet, aber es scheint niemand zu hören. Wenn man um Hilfe fleht, aber nichts tut sich. Jede Not und jedes Elend ist eine kritische Anfrage an Gott. Und es gibt keine leichten, schnellen Antworten. Man kann hier und da ein paar Gründe finden, vielleicht sogar eine Erklärung. Aber am Ende gibt es nur persönliche Antworten. Wie glaube ich Gott zu erfahren in dem, was mir begegnet oder auferlegt wird.
Und meine Erfahrung ist: Gott ist der, der mir Trost und Halt gibt. Ich spüre ihn nicht immer, und manche Fragen bleiben offen. Aber ich merke, dass ich trotz allem gehalten werde. Ich habe oft genug gesehen und erlebt, dass sich ein neuer Weg fand, wo alles ausweglos aussah. Das soll mir fürs Erste genügen.
Wichtig ist für mich auch, dass Gott sich in Jesus dem Leid stellt, es aushält, es trägt, und am Ende einen Durchbruch schafft. Ich muss das nicht alles verstehen, aber auch daran kann ich mich anlehnen oder festhalten.
In unserer Bläser-Andacht morgen Abend erzählen wir davon mit dem Gospel: God loves people more than anything. Gottes Liebe ist größer, als wir uns vorstellen können, und sie ist uns nahe gerade auch an den Bruchstellen unseres Lebens. Es gibt Zeiten, in denen man das nicht sehen kann. Da scheint Gott wie gelöscht. Aber wenn man auf den richtigen Knopf drückt – das heißt mit ihm redet, ihn fordert, sich auf seine Worte verlässt – dann ist er bald auch
„wieder da“.

Von Uwe Noormann, Pastor in Georgsfeld und Tannenhausen

18. März 2017:

11. März 2017:

4. März 2017:

25. Februar 2017: Wandern mit Jesus

Fünf Kilometer soll man jeden Tag gehen. Das ist gut für die Gesundheit, habe ich neulich in der Zeitung gelesen. Wie wär’s mit einer kleinen Wandertour? Kommen Sie mit? Jesus und seine Freunde sind auch dabei. Etwas länger als fünf Kilometer könnte unsere Tour allerdings werden. Unser Weg führt uns heute durch die Berge von Galiläa. Ich hoffe, Sie haben feste Schuhe an. Es liegen ziemlich viele lose Steine auf dem Weg. Startklar? Dann lassen Sie uns losgehen.

Georg Janssen, Pastor in Ihlow

Was meinen Sie, ob man die Gelegenheit nutzen könnte für ein Gespräch mit Jesus? Wäre ja eine gute Gelegenheit, wenn man so nebeneinander her läuft. Schade. Zu spät! Da war einer schneller. Was fragt er? Was für Jesus das Wichtigste sei, wenn Menschen in seinem Sinne leben wollen. Da bin ich ja mal gespannt. Das kann ja ein langer Vortrag werden. „Das Wichtigste ist…“ Merkt Ihr was? Wir sind nicht die Einzigen, die die Ohren spitzen. „Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Mehr nicht? Ein Satz nur? Habe ich mir doch gedacht, da kommt schon die Nachfrage. „Wer ist das, mein Nächster?“ Gute Frage. Oder will sich da einer nur vor den Konsequenzen drücken? Ganz ruhig erzählt Jesus die Geschichte von einem Mann, der überfallen wurde und der nun verletzt auf der Straße liegt. Zwei hochgestellte Persönlichkeiten drücken sich an ihm vorbei. Erst ein Dritter kümmert sich um den Verletzten. Ein Mann aus Samaria. Einer, der doch gar nicht zum Volk Israel dazugehört, macht es richtig.
Jesus bleibt stehen. Ich glaube, der wartet auf uns. Er lächelt. „Schön, dass wir uns hier begegnen. Wie sieht’s aus bei euch in eurem christlichen Abendland? Spielt Gott noch eine Rolle bei euch im Jahr 2017? Und wie ist das bei euch mit der Liebe? Habt ihr ein offenes Herz für die anderen? Ach ja – und denkt ihr ab und zu noch mal an mich?“ Ein älterer Mann aus unserer Gruppe schiebt sich nach vorne. „Weißt du Jesus, bei uns machen sich viele Menschen Sorgen um unser christliches Abendland. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie dich überhaupt kennen.“
Jesus schaut uns nachdenklich an. „Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mich noch ein Stück des Weges begleitet. Denn anders als meine Jünger wisst ihr, was am Ende dieses Weges auf mich wartet. Ich gehe diesen Weg, um zu zeigen, dass die Liebe sogar den Tod auf sich nimmt. Und denen, die sich Sorgen um ihr christliches Abendland machen, sagt einfach, sie sollen so handeln, wie ich es euch erzählt habe: Liebt Gott und euren Nächsten wie euch selbst. Das ist das Fundament. Darauf könnt ihr bauen.“

Von Georg Janssen, Pastor in Ihlowerfehn und Ludwigsdorf

18. Februar 2017: Die Kraft der Vergebung

„Verzeih mir!“ – das sagt sich noch relativ leicht. „Ich verzeihe Dir, ich vergebe Dir“ – das ehrlich und von Herzen zu sagen, ist erheblich schwerer. Aber welche Kraft darin liegen kann und was Vergebung bewirken kann, das zeigt vielleicht die folgende Geschichte:
Der Außenminister des im ersten Weltkrieg besiegten Deutschland, Walther Rathenau, fiel im Jahr 1922 einem Attentat zum Opfer. Von drei Verschwörern, die ihn als „Juden“ und „Erfüllungspolitiker“ hassten. Ein Attentäter wurde von der Polizei gestellt und erschossen. Der zweite beging Selbstmord. Der dritte aber – er hieß Werner Techow – konnte entkommen.

Thomas Henneberger, Pastor In Aurich-Oldendorf

Von Techows Mutter wurde bekannt, dass sie unter der Tat ihres Sohnes schmerzlich litt. Dieser Frau nun schrieb Rathenaus alte Mutter, als sie von ihrem Gram hörte, einen Brief, der die Kraft der Vergebung aufscheinen lässt:
„Im namenlosen Schmerz reiche ich Ihnen, Sie ärmste aller Frauen, die Hand. Sagen Sie Ihrem Sohn, dass ich im Namen und im Geist des Ermordeten ihm verzeihe, wie Gott ihm verzeihen möge, wenn er vor der irdischen Gerechtigkeit sein volles offenes Geständnis ablegt und vor der göttlichen bereut. Hätte er meinen Sohn gekannt, den edelsten Menschen, den die Erde trug, so hätte er eher die Mordwaffe auf sich selbst gerichtet als auf ihn. Mögen diese Worte Ihrer Seele Frieden geben.“
Ein ungewöhnlicher und beeindruckender Brief. Aber die Wirkungen, die er nach sich zog, sind noch erstaunlicher und bewegender.
Ausgerechnet Techow nämlich, der inzwischen in der Fremdenlegion untergetaucht war – ausgerechnet er wurde im Zweiten Weltkrieg zu einer Schlüsselfigur im Kampf um die Errettung verfolgter Juden. Zeugen, die ihn zuletzt in Marseille trafen, berichteten, dass er mehr als 700 Flüchtlingen den Weg in die Freiheit gebahnt hatte. Verantwortlich für diesen Sinneswandel des einstigen Antisemiten aber war jener Brief von Rathenaus Mutter, von dem Techow gestand: „Er eröffnete mir eine andere Welt.“
So kann die Kraft der Vergebung wirken. Jesus sagt im Johannesevangelium: „Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen.“ Das ist keine schale Versöhnung oder billige Gnade. Denn wie die Geschichte zeigt, kann Vergebung ungeahnte und nachhaltige Veränderungen bewirken. „Ich verzeihe Dir, ich vergebe Dir.“ Wenn diese Worte von Herzen kommen, können sie uns und andere verändern und fürwahr eine andere Welt eröffnen.

Von Thomas Henneberger, Pastor in Aurich-Oldendorf

11. Februar 2017: Genug für alle

Die Vereinten Nationen schätzen, dass weltweit rund 795 Millionen von insgesamt 7,3 Milliarden Menschen hungern. Das sind knapp elf Prozent der Weltbevölkerung oder jeder neunte Mensch. Ich finde diese Zahl erschreckend. Es muss doch möglich sein, dass alle genug zum Essen haben.
Jesus erzählt einmal ein Gleichnis, in dem alle am Ende genug haben: Der Besitzer eines Weinbergs stellt an einem Tag morgens, mittags und abends Arbeiter an. Am Ende des Arbeitstages bekommen alle denselben Lohn. Die, die schon früh mit der Arbeit angefangen haben, beschweren sich: Das ist doch ungerecht. Aber der Weinbergbesitzer weist die Kritik zurück: Der Lohn war doch vereinbart.

Stefan Wolf, Pastor der Friedenskirche Wiesmoor

Man könnte diese Geschichte eins zu eins auf die Wirklichkeit übertragen. Dann würde sie den alten Traum weiterträumen, dass alle genug zum Leben hätten. Aber wenn es so wäre, wären dann nicht die im Recht, die sich beschweren, weil sie mehr getan haben als andere? Wäre so eine Welt gerecht? Vielleicht würde in so einer Welt schon bald niemand mehr arbeiten oder vielleicht würde sich kaum jemand noch anstrengen, denn am Ende des Tages gibt es sowieso denselben Lohn für alle. Vielleicht würde sich mancher das, was er meint zu wenig bekommen zu haben, mit List oder Gewalt von anderen holen.
Die Geschichte von Jesus bringt uns ins Nachdenken über Arbeit und Gerechtigkeit. Aber Jesus erzählt die Geschichte als ein Gleichnis über das Himmelreich. Er sagt uns mit diesem Gleichnis: Am Ende des Tages bekommen alle dasselbe Maß an Liebe und Barmherzigkeit von Gott geschenkt.
Und damit
verändert Jesus unseren Blick
Auch in diesem Fall kann man sich beschweren: Haben die, die erst spät zur Gemeinde dazugekommen sind, wirklich so viel Liebe verdient wie die, die schon seit ihrer Kindheit dabei sind? Jesus sagt: Ja.
Und damit verändert er unseren Blick. Wir vergleichen uns ständig mit anderen und haben oft das Gefühl: Das Leben ist nicht fair. Der Nachbar hat den besseren Job. Der hat eher Feierabend und verdient sogar noch mehr Geld. Solche Gedanken machen aber nur unzufrieden. Jesus lenkt unseren Blick auf das, was Gott uns gibt: Gesundheit, Kraft, Mut, Familie, Liebe.
So viel ist mir geschenkt. Davon kann ich abgeben. Damit am Ende wirklich alle genug zum Leben haben.

Von Stefan Wolf, Pastor der Friedenskirche Wiesmoor

4. Februar 2017: Mensch, ärgere dich nicht!

Mensch, ärgere dich nicht! Unzählige Male gespielt, gewürfelt, weitergesetzt, jemanden rausgeschmissen, die eigene Spielfigur wurde rausgeschmissen, ich habe mich doch geärgert, verloren oder Glück gehabt und gewonnen. Bei meinen Eltern zuhause haben

Sabine Bohlen, Pastorin in Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

Sabine Bohlen, Pastorin in Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

wir’s oft gespielt: Mensch, ärgere dich nicht. Zu dritt, zu viert – da fand man immer jemanden, der mitspielte. Und nun hat es meine jüngste Tochter als eines ihrer Lieblingsspiele entdeckt. Immer wieder holt sie es aus dem Spielzeugschrank und möchte es gerne spielen. Ein altes Spiel. 1910 erfunden. Bekannt wurde es in den Lazaretten im 1. Weltkrieg. Verwundete Soldaten haben es für sich entdeckt. Seither haben es ganze Generationen von Kindern und Erwachsenen gespielt. Warum ist es eigentlich so beliebt? Vielleicht, weil es auf dem Brett manchmal zugeht wie im richtigen Leben? Lange keine Sechs gewürfelt? Ja, das gibt es: Ich komme nicht immer so voran, wie ich möchte. Auf dem Spielfeld nicht und im Leben auch nicht. Manchmal geht aber gerade dann etwas voran, wenn ich nicht damit rechne und eigentlich nichts mehr erwartet habe. Nicht aufgeben – das ist wichtig. Nicht aufgeben. Mancher Rückschlag entpuppt sich als ungeahnte neue Chance; aber das merke ich normalerweise nicht gleich. Manches sehe ich erst im Nachhinein. In manchen Situationen meines Lebens brauche ich eine Menge Geduld und das Vertrauen: Gott wird mir heute Kraft geben für heute. Und morgen wird er mir Kraft geben für morgen. Im Spiel gegen meine Tochter hatte ich einmal schnell fast alle Figuren im Ziel. Fast alle. Als ich gerade schon ein bisschen übermütig und siegesgewiss wurde, hat meine Tochter meine letzte Spielfigur erwischt und rausgeworfen. Und kaum war ich wieder im Spiel, hat sie mich wieder erwischt und rausgeworfen. Auch das gibt es im Leben: Gerade wenn ich ein wenig übermütig werde und mich siegessicher am Ziel wähne, kommt mir womöglich etwas oder jemand dazwischen. Und ich kann gerade nochmal von vorne anfangen. Das nervt. Aber genau genommen ist es schon auch lehrreich. Noch etwas fällt mir auf: Zu manchen Zeiten bin ich mit etlichen Figuren gleichzeitig im Spiel. Wir helfen uns gegenseitig, übernehmen verschiedene Aufgaben. Der eine spurtet los, der andere sichert ab. Zu anderen Zeiten ist es ziemlich einsam auf dem Spielfeld, und ich muss allein weiter. Manches geht gut allein. Anderes ist schwierig und allein viel mühsamer. Nicht nur im Spiel, auch im Leben. Mensch-ärgere-dich- nicht spiele ich nie allein. Wenn wir zusammen spielen, wenn wir zusammen leben, lachen wir zusammen, und wir nehmen uns gegenseitig auch mal auf die Schippe. Wir ärgern uns, wir ärgern uns auch gegenseitig und stehen einander mal im Weg. Und manches nehmen wir ernster, als es sein müsste. Auf dem Spielfeld und im Leben. Mensch-ärgere-dich-nicht: ein Spiel, bei dem es manchmal zugeht wie im richtigen Leben. Einen Unterschied zwischen Spiel und Leben finde ich allerdings sehr wichtig: Im richtigen Leben hält einer seine Hand über mich. Gott. Da würfelt kein Schicksal über mein Leben und auch kein anderer Mensch. Es hilft mir weiter, daran zu denken und darauf zu vertrauen. Auf Gott zu vertrauen. Ob ich gerade ganz munter unterwegs bin oder mich schwer tue, ob mein Lebensweg schnurgerade verläuft oder mehr Biegungen und Rückschläge aufweist, als mir lieb ist, ob ich mich freue oder ob ich Mensch mich gerade doch ärgere: In allem hält er seine Hand über mir. Das zählt für mich. Es macht mir Mut und baut mich auf.

Von Sabine Bohlen, Pastorin in Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

28. Januar 2017: Erinnerung an Jan Bender

Andreas Scheepker, Pastor am Ulricianum und in Westerende, Barstede und Bangstede

Andreas Scheepker, Pastor in der Arbeitsstelle für Ev. Religionspädagogik und am Gymnasium Ulricianum Aurich

Gestern fand in der Auricher Lambertikirche die deutsche Erstaufführung der Kantate „Ein Brief von Anne Frank“ statt. Komponiert wurde sie von Jan Bender, der vor 80 Jahren der erste hauptberufliche Kirchenmusiker der Lambertikirche war.
Jan Bender hat die Schrecken des Nationalsozialismus intensiv erlebt. Er ist in Lübeck aufgewachsen. Nach seinem Studium wurde er dort Kirchenmusiker. Bald begannen die Konflikte zwischen den nationalsozialistisch geprägten ‚Deutschen Christen‘ und der regimekritischen ‚Bekennenden Kirche‘. Als Bender sich weigerte, im Gottesdienst eines deutschchristlichen Pastors die Orgel zu spielen, kam es zum Konflikt. Er wurde fälschlicherweise denunziert, die Orgel sabotiert zu haben. Er wurde etwa vier Monate im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert.
Nach seiner Entlassung wurde Bender auf die Kantoren- und Organisten-Stelle an der Auricher Lambertikirche berufen. Hier konnte er neu beginnen. Er gründete eine Familie und wurde zu einer prägenden musikalischen Persönlichkeit. Als Soldat wurde er schwer verwundet und geriet später in Gefangenschaft. In dieser Zeit entstanden die dreistimmigen Sätze der Kirchenlieder. Er schrieb in sein Tagebuch: „Ich möchte möglichst schnell heim, das Auricher Singbüchlein abschreiben in Druck geben, ein berühmter Mann werden und gar eine Sing- und Konzertreise durch die Vereinigten Staaten machen. Aber in diesem elenden Lager muss ich wohl noch lernen, daß Gott seinen Kindern oft ganz andere Wege fährt, wie sie zu gehen beabsichtigen.“
Schließlich konnte er diese Ziele doch verwirklichen. Mit seiner Lambertikantorei führte er die in der Gefangenschaft erarbeitete Musik auf. Die Sätze erschienen als „Auricher Singbüchlein“, und auch andere Kompositionen wurden veröffentlicht. Später wurde Jan Bender dann Professor für Kirchenmusik in den USA. Den Ruhestand erlebten er und seine Frau in Schleswig-Holstein. Bender verstarb 1994.
Zum Auschwitz-Gedenktag erinnern wir uns mit Jan Bender an Anne Frank: eine starke, junge Persönlichkeit, deren Leben durch den deutschen Terror so früh beendet wurde. Sie verstarb wenige Monate vor Kriegsende im deutschen Konzentrationslager Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide. Und wir erinnern uns auch an Jan Bender, den bedeutenden Kirchenmusiker, der in bedrückender Zeit etwas von seinem Glauben und seiner Hoffnung an andere weitergegeben hat. Dieses Gedenken macht uns feinfühlig und stark für ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft. Im Vertrauen auf Gott wollen wir allen Formen der Menschenverachtung und Gewalt entgegentreten und Menschen des Vertrauens sein. Dazu segne Gott uns alle.

Von Andreas Scheepker, Pastor in der Arbeitsstelle für Ev. Religionspädagogik und am Gymnasium Ulricianum Aurich

21. Januar 2017: Ermutiger sein!

„Ich will dich einfach mal ermutigen, ich mag dich wirklich gerne, Gott hat dich wirklich wunderbar gemacht. Es macht mich echt dankbar, dich zu kennen, du bist ein toller Typ und du machst deine Sache wirklich gut. Mach weiter so!“

Frank Karsten, Schulpastor BBS 1 Aurich & KGS Großefehn

So las ich es neulich in einem Artikel in der App 365 Steps. Darin wurde berichtet, dass jemand diese ermutigenden Worte von einer Freundin als Brief erhalten hat.
Super Idee, finden Sie nicht auch? Wann haben Sie das letzte Mal solche Zeilen von Freunden bekommen oder wann haben Sie das letzte Mal solche Zeilen an andere Menschen geschrieben?
Solche Worte gehen doch runter wie Öl, solche Worte hört oder liest man einfach gerne. Und sie machen einem Mut, etwas richtig zu machen, auf dem richtigen Weg zu sein, anderen gut zu tun und ein geliebter Mensch zu sein.
Andere Menschen zu ermutigen ist eigentlich gar nicht schwer – eigentlich. Warum tun wir es denn so selten?
Diese Frage habe ich mir gestellt. Habe ich das Gefühl, dass die das doch sowieso wissen und ich es deshalb nicht mehr sagen muss? Habe ich Angst, dass die anderen dann den Bodenkontakt verlieren und abheben könnten, wenn ich sie lobe? Kann es sein, dass ich meine Mitmenschen einfach nicht in Verlegenheit bringen möchte, wenn sie so etwas hören oder lesen?
Es mag viele Gründe geben, aber ganz egal welche Gründe es auch sein mögen, lassen wir sie besser beiseite und fangen an, die Menschen in unserem Umfeld zu ermutigen, denn ich bin überzeugt davon, dass das die Beziehung zueinander nur vertiefen und keineswegs belasten kann.
Ich bin Gott dankbar, dass er mir Menschen zur Seite stellt, die er so wunderbar gemacht hat, dass sie mir gut tun, sei es in meiner Familie, im Sportverein, in der Schule, dem Arbeitsplatz, der Kirchengemeinde, meinem Freundeskreis oder wo auch immer mir diese Menschen begegnen.
Ich bin dankbar, dass es diese Menschen gibt und genau das möchte ich ihnen in nächster Zeit mal sagen, was für tolle Menschen sie doch sind und ich einfach dankbar bin, dass ich sie kennen darf. Ich lade Sie ein, dies ebenso in Ihrem ganz persönlichen Umfeld zu tun. Seien Sie auch „Ermutiger“, und lassen Sie sich im Gegenzug vielleicht ja auch von anderen ermutigen, denn in der Regel ist das „Ermutiger sein“ nicht einseitig, sondern beruht oft auf Gegenseitigkeit. Und selbst wenn es im Moment einseitig sein sollte, kann sich das im Laufe der Zeit ja ändern.
Probieren Sie es aus, es lohnt sich.

Von Frank Karsten, Schulpastor an den BBS 1 Aurich und der KGS Großefehn

14. Januar 2017: Öffne das Überraschungsei, schau hinein!

Bilder aus dem Wattenmeer gehen rund um die Welt. Sogar in der Washington Post sehen wir ein Bild von Tausenden bunten Überraschungseiern, die unsere ostfriesischen Strände auf den Inseln säumen. Auch wenn das für Naturschützer ein Ärgernis und für die Tiere eine Gefahr ist, ist es für Kinder und Sammler eine unverhoffte Freude: Es kommt ein Schiff geladen, trägt Ostereier an Bord!

Sunnive Förster, Pastorin in Riepe und Ochtelbur

Sunnive Förster, Pastorin in Riepe und Ochtelbur

Ein neues Jahr hat begonnen. Das Jahr 2017 liegt wie ein noch nicht ausgepacktes Überraschungsei vor uns. 365 unverbrauchte, einzigartige Tage! Von keinem wissen wir, was er uns bringt, bevor wir ihn nicht „ausgepackt“ haben. Die mit Überraschungseiern gefüllten Container gingen bei Sturm über Bord. Die Eier schwammen im Wasser und verloren ihre Verpackung und die Schokolade. Nur die farbigen Plas- tikeier mit ihrem kleinen inwendigen Geheimnis blieben ganz. Wind und Wellen spülten die Eier an die Strände. Da liegen sie nun kunterbunt im Sand und wollen aufgesammelt und geöffnet werden.
Stürme erleben auch wir in unserem eigenen Leben. Krisen schütteln uns. Manches wird über Bord geworfen, ob freiwillig oder unfreiwillig. Manches zerbricht. Manchmal wird von so einem schweren Sturm etwas Neues an unsere kleine Lebensinsel gespült: Ich begreife etwas. Ich kann etwas loslassen. Eine Entscheidung wird endlich getroffen. Ein neuer Weg tut sich auf. Ein Schritt wird gewagt.
Ich sehe die Schönheit der Welt. Ich entdecke die Liebe. Ich bin dankbar.
Jeder Tag steht bunt vor uns und will ausgepackt und genutzt werden. Ein neues, aufregendes Jahr mit Herausforderungen will gelebt werden. Wir wissen nicht, was sich in der bunten Schale eines jeden Tages versteckt. Wir wissen nicht, was uns jeder Tag bringen wird. Noch ist es verborgen. Aber wie die bunten Eier von Kindern voller Vorfreude und Spannung geöffnet werden, so können wir jeden Tag als kostbares Geschenk angehen. Neugierig auf das, was Gott uns schenken möchte. Wir vertrauen darauf, dass er es gut mit uns meint, weil er uns als seine Kinder liebt. Wenn an manchen Tage Schweres auf uns wartet, ist er bei uns. Wenn wir Freude und Schönes erleben dürfen, ist er auch bei uns.
Öffne das Überraschungsei. Schau hinein!

Von Sunnive Förster, Pastorin in Riepe und Ochtelbur

7. Januar 2017: Ein neues Herz

Die erste Woche im Januar ist vorbei und ich habe mir in diesem Jahr keine guten Vorsätze vorgenommen. Dann bin ich nicht enttäuscht, sie nicht zu erfüllen. Nach der langen Adventszeit und dem ruhigen Jahreswechsel hat der Alltag mich wieder eingeholt, fast überholt. Die Freude darüber, dass ein neues Jahr vor mir liegt, dazu ein leerer Kalender mit scheinbar unendlichen Möglichkeiten ihn zu füllen, musste der Realität weichen. Termine sind fast so schnell hineingekommen, wie die Nadeln am Tannenbaum im Wohnzimmer nun schon herunterfallen.
Vorbei der Zauber der Weihnacht?

Lars Kotterba, Pastor in Wiesens und Brockzetel

Lars Kotterba, Pastor in Wiesens und Brockzetel

Am Sonntag feiern wir in unserer St.-Johannes-der-Täufer-Kirche noch einen letzten Gottesdienst mit dem großen Weihnachtsbaum, vielleicht ist er der letzte seiner Art im Ort.
Viel zu schnell endet bei den meisten die Weihnachtszeit, weil sie schon mit Spekulatiusessen im September beginnt. Und doch möchte ich vom weihnachtlichen Gefühl nicht lassen. Gerade inmitten des manchmal so dunklen, kalten Alltags nicht, besonders auch gegen die Sorge, dass der Terror ganz nah zu uns nach Deutschland gekommen ist. Aber besonders das „Fürchtet euch nicht“ der Engel aus der Weihnachtsgeschichte macht mir Mut und Hoffnung, dass Gottes Frieden sich einmal durchsetzen wird, gegen allen Anschein. Das neue Licht, das mit Jesu Geburt in diese oft so dunkle und harte Welt gekommen ist, erhellt unser Leben, gegen alle Dunkelheit. Könige haben das erkannt, als sie dem Stern von Bethlehem folgten. Ihnen war klar, dass Gott selbst erschienen ist.
Gestern ist daran am Dreikönigstag erinnert worden, und auch bei uns in Ostfriesland ziehen viele Kinder von Haus zu Haus, verkleidet als Hl. drei Könige und bringen als Geschenk Gottes Segen für Haus und Bewohner mit.
Auch die Jahreslosung für 2017 spricht von einem Geschenk, das Gott uns macht. „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ Beides haben wir, glaube ich, nötig. Ein neues Herz, das sich öffnet, auch für das vermeintlich Fremde und einen neuen Geist, der uns hilft, auch neue Wege zu gehen und die ausgetretenen Pfade einmal zu verlassen.
Vielleicht gelingt es auch uns dann, dass wir sagen können: Fürchtet euch nicht, denn hier seid ihr willkommen, auch wenn ihr mir jetzt noch fremd seid!“
Denn nur gemeinsam können wir es schaffen, dass das neue Jahr 2017 Gottes Frieden näher kommt. Gott wird uns dabei helfen, mit Herz und Verstand!

Von Lars Kotterba, Pastor in Wiesens und Brockzetel