Sonntagsbetrachtungen 2017

Worte zur Woche aus den Ostfriesischen Nachrichten

Buß- und Bettag 22. November 2017

Früher, als ich ein Kind war, da war es mir ganz klar, was am Buß- und Bettag geschieht: Weihnachtsplätzchen backen. Meine Mutter nutzte den freien Tag, um mit meinem Bruder und mir den ganzen Tag zu backen und die Keksdosen für die Adventssonntage zu füllen. Nun ist der Buß- und Bettag schon lange kein freier Feiertag mehr und ich backe meine Plätzchen längst irgendwann, wenn es grade passt, aber begangen wird der Buß- und Bettag immer noch. In fast jeder Kirchengemeinde findet heute ein Gottesdienst statt. Wie gut! Dass Christinnen und Christen Buß- und Bettage begehen, ist keine neue Erfindung. Besonders in schweren Zeiten, im Krieg oder bei Hungernöten wurden sie regelmäßig mehrfach im Jahr abgehalten. Sie waren weniger dafür gedacht Gott in Form eines Opfers gnädig zustimmen, sondern sollten vielmehr die Menschen zur Umkehr aufrufen und zum Nachdenken bringen. Der Buß- und Bettag ist quasi ein Stoppschild. Er sagt: Achtung, halt mal inne und schau auf dein Leben. Ist da alles wirklich in Ordnung? Wie steht es mit deiner Beziehung zu dir selbst? Wie sehen deine Beziehungen zu deinen Mitmenschen aus? Wie ist es um deine Beziehung zu Gott bestellt? Und manchmal merke ich: so richtig rund läuft da etwas nicht. Irgendwo knirscht es im Räderwerk des Lebens und vielleicht bin ich es ja selbst, die oder der etwas daran ändern kann und muss. Und manchmal muss ich mich dafür auch überwinden. Denn es ist meist einfacher zu sagen: die anderen sollen sich ändern und den ersten Schritt tun – Gott soll sich ändern und auf mich zukommen!

Antje Wachtmann, Pastorin und Referentin für Kirche im Tourismus

Beim Plätzchenbacken war in meinen Augen oft mein kleiner Bruder schuld, dass die Plätzchen krumm und klein waren und leicht verbrannt schmeckten. Und es war garantiert die Schuld von irgendwem anders, dass die Plätzchendose am 1. Advent weniger Plätzchen enthielt als eigentlich vorgesehen. Heute muss ich eingestehen: ich habe vorzeitig Weihnachtsplätzchen genascht. Es hilft, manchmal einfach inne zu halten, sich zu besinnen und dann erst weiter zu machen. Ich werde selber aktiv und schaue: wie kann ich auf Gott zu gehen? Wie kann ich mich meinen Mitmenschen nähern? Viele Wege sind dabei denkbar. Und es geschieht nicht ohne Gott. „Bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung ist bei ihm.“ so steht es im 130. Psalm. Das macht Mut. Vielleicht besuchen Sie ja heute einen Gottesdienst zum Buß- und Bettag. Denn es bleibt nicht bei dem Eingestehen: ich mache nicht alles richtig. Es kommt auch der Zuspruch: Gott ist für dich da! Und wenn Sie in den nächsten Tagen Plätzchen backen: auch das ist ein wunderbarer Grund sich zwischen drin zu besinnen: Mache ich dabei eigentlich alles richtig? So kann der Advent kommen.

Von Antje Wachtmann, Pastorin und Referentin für Kirche im Tourismus in Aurich

18. November 2017: „Gedenke mein“

„Gedenke mein“ – die Stimme meiner Oma ist mir im Ohr, als ich einen Topf Heide kaufe. Diese Pflanze ist zu einer Gedenk-Pflanze geworden, weil sie jetzt blüht, wenn alles andere verwelkt und das Kirchenjahr zu Ende geht. Heidekraut oder Erika (Erica) heißt sie. Von den über 800 Arten sind die meisten in Südafrika heimisch. Manche Sorte, wie die Glocken-Erika, beginnt sogar, im Winter zu blühen.

Christiane Schuster-Scholz, Pastorin in Holtrop

Es ist eine schöne Pflanze, um sie dorthin zu pflanzen, wo man die Erinnerung an einen geliebten Menschen wach halten will. Der Herbst ist da. Die Früchte sind geerntet, der Wind treibt die Blätter von den Bäumen, der Regen lässt den bunten Teppich schnell zu einem unansehnlichen Matsch werden. Nachts wird es schon richtig kalt. Wir kennen den Jahreslauf. Und auch, wenn wir über das „Schmuddel-Wetter“ schimpfen: Wir ahnen, Pflanzen brauchen ihre Ruhezeit und im neuen Jahr wird neues Leben entstehen.
Auch wir Menschen leben in diesem Rhythmus. Unser Leben ist wie ein Jahr in der Natur. Wir werden geboren. Unser Frühling beginnt. Wir wachsen, und alles ist neu und zum Staunen. Wir werden erwachsen und stehen im Sommer des Lebens voller Kraft da, gründen vielleicht eine Familie, arbeiten, zeigen, was in uns steckt. Im Herbst des Lebens betrachten wir die Früchte, die wir gebracht haben. Wir haben Zeit, zurückzusehen. So ist es, wenn ein Leben sich in Frieden entfalten kann.
Am Volkstrauertag stehen wir an Gedenkstätten, die daran erinnern, wie Lebensfäden durch zurückliegende und gegenwärtige Kriege abgeschnitten worden sind. In manchen Haushalten stehen sie unvergessen, die Fotos von Söhnen, Brüdern, Vätern, die im Krieg geblieben sind. Sie haben ihren Ort. Die Erinnerung hat ihren Ort, damit wir nicht vergessen und ihr Opfer nicht sinnlos gewesen ist. Sie gemahnen uns, uns mit aller Kraft für den Frieden einzusetzen.
Es ist gut, für unsere Lebensgeschichte Orte der Erinnerung zu haben. Orte, an die wir gehen können, auch mit Blumen. Und mit den Blumen blüht unsere Erinnerung auf.
Im Psalm 106,4 ist noch von einem anderen Gedenken die Rede. „Gott, gedenke meiner nach der Gnade, die du den Deinen verheißen hast, erweise an uns deine Hilfe“. Gott gedenkt unser nach seiner Gnade. Er, der uns schon sah, als wir noch im Mutterleib waren, der uns vielerlei Gefahren überstehen und Erfahrungen machen ließ, der mag uns in seinen Gedanken tragen, auf seinem Weg führen, auch wenn wir mal gar nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll.
Wir sind und bleiben ein Gedanke Gottes, ausgedacht für diese Zeit, getragen in seiner Güte und angeschaut bis in Ewigkeit. Gottes Liebe zu uns bleibt bestehen.

Von Christiane Schuster-Scholz, Pastorin in Holtrop

11. November 2017: Draußen vor der Tür

Vor 70 Jahren, am 20. November 1947, starb mit 26 Jahren der Autor Wolfgang Borchert. Einen Tag später wurde sein Stück „Draußen vor der Tür“ uraufgeführt. In diesem Stück, das „kein Theater spielen und kein Publikum sehen will“, gibt es die Figur: Der „Alte Mann, an den keiner mehr glaubt“. Der alte Mann weint in diesem Heimkehrerstück, „weil ich es nicht ändern kann“. Er kann nichts ändern an dem Krieg, an Mord und Selbstmord. Er weint, denn: „Es sind doch alles meine Kinder.“ Er nennt sich: „Ich bin der Gott, an den keiner mehr glaubt.“ Und er sagt: „Der neue Gott, das ist der Tod. Dich lieben sie, die Menschen. Dich fürchten sie.“
Beckmann, die Hauptfigur des Stückes, ist völlig verzweifelt aus dem Krieg nach Hause zurückgekehrt. Seine Frau hat einen anderen Mann. Sein einjähriger Sohn ist bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen. Beckmanns Körper ist halbwegs zerstört, seine Seele ganz. Er wird auch nicht damit fertig, dass elf seiner Männer sterben mussten, für die er Verantwortung trug.
In seiner Verzweiflung klagt er Gott an. Er nennt ihn Märchenbuchliebergott: „Wir haben dich gesucht. Wir haben dich gerufen. Wir haben gebrüllt, geweint, geflucht im Granattrichter, im Elend, im Krieg. Beckmann ruft aus. „Sei bei uns, Gott, wenn es kalt ist und einsam. Dann sei mit uns lebendig.“ Gott antwortet: „Keiner hört mich. Ihr seid zu laut.“ Und Beckmann sagt: „Oder bist Du zu leise, Gott? Sei nicht so leise. Sonst schieben sie Dir nachher alles in die Schuhe, wenn es schiefgegangen ist. Auch Du, Gott, stehst draußen. Und keiner macht Dir mehr die Tür auf.“

Christoph Schoon, Pastor in Timmel und Mittegroßefehn

Das Neue Testament berichtet, dass Jesus draußen vor der Stadt gekreuzigt wurde, auf dem Hügel Golgatha in Jerusalem. Jesus, Gott selber am Kreuz. Gott ist bei den Opfern, sagt der christliche Glaube. Er ist bei denen, die leiden. Er ist draußen vor der Stadt. Er geht ans Kreuz, damit es nie wieder Opfer geben muss.
Wir denken an Menschen überall auf der Welt, die in Kriegen und Bürgerkriegen überleben müssen, und wir werden in unserem Nachdenken darauf gestoßen, dass Frieden gar nichts Normales ist.
Wir weinen um die Toten. Wir glauben nicht an den Tod, sondern an Gott. Und wir glauben, dass die, die elend gestorben sind, bei Gott Frieden finden und mit Jesus zusammengeführt werden. Wir haben Hoffnung. Wir beten für diese Welt und für die Menschen in Not und Elend.
„Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.“
Offenbarung 3,20

Von Christoph Schoon, Pastor in Timmel und Mittegroßefehn

4. November 2017: Mit Gott spielen

Es war einmal ein Junge, er mag vielleicht 7 Jahre alt gewesen sein. Er hatte Eltern, die ihn liebten und ging in eine Schule, die ihm überwiegend Spaß machte. Es war übrigens keine Ganztagsschule. Er hatte seine Hausaufgaben erledigt, heute fand keine Kindergruppe in der Kirchengemeinde statt, auch hatte er weder Musikschule, noch Sportverein auf dem Programm. Seine elektronische Spielkonsole ließ er liegen und auch der Fernseher blieb heute aus.

Heute hatte er etwas Besonderes vor, an diesem herrlichen, freien, nicht betreuten, nicht verplanten Nachmittag. Er hatte sich nämlich verabredet. Einfach so. Er tobte mit seinem Freund eine Weile im Garten herum, anschließend aßen sie sehr viel Eis trotzdem es November war. Schließlich gingen sie mit dem Hund zum Bach und bewarfen sich am Ufer mit Laub. Es war herrlich. Ein ganz normaler Nachmittag? Für viele Kinder nicht mehr. Leider.

„Was hast Du heute gemacht?“ fragte der Vater am Abend. „Ach, ich habe mit Gott im Garten gespielt“, sagte der Junge. „Kiek an“, sagte der Vater. Er hatte wohl nicht richtig zugehört. Gott kann man im anderen Menschen finden. Das hatte der Junge im Kindergottesdienst gehört. Kinder erwarten von jedem Augenblick alles. Das meint Gott, wenn er davon spricht, dass wir werden sollen, wie die Kinder!

Von Martin Kaminski, Diakon, verantwortlicher Seelsorger der Lutherischen Kreuzkirche Marcardsmoor.

zum 500. Reformationstag 30. Oktober 2017:

Nun ist es endlich soweit! Das Reformationsfest zum 500-jährigen Reformationsjubiläum am 31. Oktober 2017. In vielen Kirchengemeinden haben am vergangenen Wochenende die Feierlichkeiten schon begonnen. Mit viel Liebe und Engagement wurden die unterschiedlichsten Veranstaltungen vorbereitet. Auch wer keiner Kirche angehört, kommt in diesem Jahr nicht an diesem besonderen Tag vorbei, ohne von ihm Kenntnis zu nehmen. Uns allen wurde ein arbeits- und schulfreier Tag geschenkt.
Als Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen veröffentlichte, ahnte er noch nicht, was er damit auslösen sollte. Es waren 95 Argumente für einen Glauben, der sich auf die Bibel und auf Gottes Vergebung gründet und nicht auf eigene Werke.

Dr. Detlef Klahr

Freilich, zur Reformation der Kirche kam noch mehr hinzu, aber die 95 Thesen Luthers waren so etwas wie die Initialzündung. Auch darum wurde schon zu Luthers Lebzeiten der 31. Oktober zu dem markanten Datum der Reformation. Reformation, also die Erneuerung der Kirche, begann mit dem Studium der Heiligen Schrift. Die Argumente für ein neues Verständnis des Glaubens gewann Luther aus den Texten der Bibel. Hier lag für ihn der Schlüssel für das Verständnis von Glaube, Gottes Liebe zu den Menschen und der Vergebung durch Jesus Christus. In seinem Ringen um die Erneuerung der Kirche ließ Luther nur die Bibel als Richtschnur gelten.
Dem Wort Gottes neu Gehör zu verschaffen in der Kirche und im persönlichen Leben der Gläubigen, war ihm das wichtigste Anliegen. Gottes Wort sollte der Maßstab zum Handeln der Kirche und zum Handeln der Christen in der Welt sein.
500 Jahre Reformation feiern wir dann in guter Weise, wenn auch heute Gottes Wort und seine Botschaft für die Menschen in den Mittelpunkt gestellt werden.
In Gottes Wort allein liegt die Kraft zur Erneuerung und Reform der Kirche.
Denn, so heißt es bei Luther: „Wo Gottes Wort gepredigt und geglaubt wird, da ist Kirche.“
Der Reformationstag 2017 bietet für die Menschen vielfach Gelegenheit dazu, das zu erfahren.

Von Dr. Detlef Klahr, Landessuperintendent Sprengel Ostfriesland-Ems

28. Oktober 2017: Welche These würden Sie aufschreiben?

„Lutherjubiläum – wir sind dabei“, da waren sich die Religionslehrer an der BBS II in Aurich zu Beginn des Jahres einig. Schnell war sie geboren, die Idee für eine eigene Ausstellung von Schülern für die ganze Schule. Luther – dazu wollen wir verschiedene Typen in Lebensgröße gestalten, es gab ja nicht nur einen Reformator. Luthers deftige Redensarten werden auf Plakaten dargestellt und in der Fachoberschule für Gestaltung sind mehr als 20 wunderschöne Illustrationen zu Lutherliedern entstanden.

Berufsschuldiakonin Elke Bentlage-Heeren

Und – wir brauchen eine richtig große Holztür, um eigene Thesen anzuschlagen. Wie gut, dass es bei uns eine Holzwerkstatt und eine Malerwerkstatt gibt! Dazu hatte ich in verschiedenen Klassen Schlüsselwörter vorgegeben, die von den echten 95 Thesen abgeleitet waren. Und dann sollten die Schüler loslegen, einfach eigene Formulierungen finden für neue Thesen. 500 Jahre nach Luther lese ich nun „Buße ist wie ein Ausweg aus einer Sackgasse“ – gefällt mir! Oder „Buße ist, wenn man nicht mehr schwarzsieht“ – das passt ganz gut zu der vorherigen These, denn wer umkehrt, hat ein neues Ziel, neue Hoffnung.
Himmel und Hölle kommen auch vor: „Der Himmel ist ein Ort, wo Menschen Wärme füreinander empfinden“ und „Die Hölle ist die Furcht vor dem, was kommt“. Über viele Sätze muss ich länger nachdenken, manche dagegen treffen sofort ins Schwarze: „Wenn man zu Gott betet, fühlt man sich freier“ und „Gerechtigkeit ist wohltuend für Körper und Seele“ – Tatsächlich, Ungerechtigkeit ist schmerzhaft und kann mich verzweifeln lassen. Am häufigsten haben die Jugendlichen das Wort Freiheit gewählt. Ich bin überrascht. Freiheit – haben sie davon denn nicht unendlich viel, frage ich mich? „Freiheit ist, wenn man im Leben keine Regeln hat und ein cooles Leben führt“, naja – darüber, ist mein Gefühl, müsste man noch einmal reden … Und weiter: „Freiheit ist gekennzeichnet durch Terror und Gewalt.“ Da denkt jemand an Freiheit, die nicht ausgehalten wird oder die missbraucht wird …
„Freiheit ist, wenn der Hass zu Frieden wird“, „Freiheit ist, wenn die Trauer vorüber geht und das Glück kommt.“ Frei werden von dem, was das Leben kaputt macht, mit Gottes Hilfe. Daran denke ich bei diesen großen Worten an unserer Thesentür in der Schule. Diese Worte werden nicht wie die Originalthesen die Welt bewegen, aber sie bewegen mich. Und was bewegt Sie? Gerechtigkeit, Umkehr, Freiheit – welche These würden Sie aufschreiben?

Von Elke Bentlage-Heeren, Berufsschuldiakonin an BBS I und II in Aurich

21. Oktober 2017: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig

„ich habe eine Schwäche für Megan Fox“.
Das behauptete einer der Konfirmanden, als ich die Konfis zu ihren Stärken und Schwächen befragt habe.

Imke Scheibling

Eine Schwäche für etwas haben, das kennt vermutlich jeder von uns. So hat ein Jugendlicher zum Beispiel eine Schwäche für die hübsche Schauspielerin Megan Fox. Andere haben eine Schwäche für Schokolade, für schnelle Autos oder schicke Schuhe. Jeder von uns ist bestimmt einmal bei etwas Verlockendem schwach geworden. Und sei es, dass auf einer Feier zu viel gegessen wurde, obwohl man eigentlich auf seine Linie achten wollte.

Schwäche kann man auch am eigenen Körper erfahren. Jeder, der einmal krank gewesen ist, weiß, wie sich diese Art der Schwäche anfühlt. Der Körper will einfach nicht so richtig. Man fühlt sich müde, matt und schwer. Eine Krankheit kann das ganze Leben verändern.

So erging es auch Margarete Steiff. Die Erfinderin der berühmten „Steiff-Kuscheltiere“ erkrankte als Kleinkind an Kinderlähmung. Sie konnte nicht laufen und ihre rechte Hand nicht bewegen. Dennoch hielt sie mit viel Durchhaltevermögen an ihrem Traum fest: Sie wollte eine gute Näherin werden. Zusammen mit ihren beiden Schwestern gründete sie eine Nähstube. Nachdem eine der Schwestern aus dem Unternehmen ausschied, wurden weitere Hilfskräfte eingestellt. 1877 eröffnete Margarete Steiff ein Filzgeschäft. 1879 entdeckte Margarete das Schnittmuster für ein Nadelkissen in Form eines Elefanten. Zunächst fertigte sie nur einige Exemplare an. Doch dieser kleine Elefant war so beliebt, dass sie noch mehr davon anfertigte und sie verkaufte.
So begann die Erfolgsgeschichte der berühmten Steiff-Tiere. Die Mitarbeiterzahl in dem Unternehmen stieg auf 400, hinzu kamen etwa 1800 Heimarbeitsplätze. All dies schaffte Margarete Steiff trotz ihrer Krankheit.
Ihr ganzes Leben lang war sie ein sehr gläubiger Mensch. Besonders hat sie ihr Konfirmationsspruch geprägt: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!“ (2. Korinther 12,9).

An dem Leben von Margarete Steiff kann man sehr deutlich sehen, wie Gottes Kraft in einem schwachen Menschen mächtig wird. Gottes Kraft hat Margarete Steiff geholfen, nicht aufzugeben. Das Leben trotz ihrer Krankheit zu leben.
Gott will, dass wir leben und er will uns dabei helfen. Gott kann immer etwas in unserem Leben bewirken, auch wenn wir selbst gerade gar nichts mehr tun können. Gott hat immer noch Kraft für uns, auch wenn wir uns schwach fühlen. Ich wünsche Ihnen, dass sie immer wieder darauf vertrauen können, dass Gott sie nicht allein lässt. Dass er bei Ihnen ist, egal in welcher Lebenssituation Sie sich befinden. Gott ist mit uns und seine Zusage gilt: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!“
Ich wünsche Ihnen ein schönes und gesegnetes Wochenende,

Pastorin Imke Scheibling, Kirchengemeinde Ostgroßefehn

14. Oktober 2017: „Christus sagt, dass Gott der Ursprung aller Liebe ist“

„Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“ (1. Johannes 4,21)
Nach der Beerdigung einer alten Frau vor ein paar Wochen stand ich am Rand ihres Grabes, während die engsten Familienmitglieder am heruntergelassenen Sarg Abschied nahmen. In einiger Entfernung sah ich ein Paar stehen, das nicht näher kam. Der Mann weinte. Auf dem Rückweg zur Kirche sah ich die beiden, wie sie sich langsam entfernten.

Sunnive Förster, Pastorin in Riepe und Ochtelbur

Ich ging auf sie zu, lud sie zur Teetafel ein und beschrieb ihnen den Weg zum Gemeindehaus. Der Mann blieb stehen, sah mich traurig an und sagte: „Wir werden nicht hingehen. Ich glaube, wir sind nicht erwünscht. Mein Bruder und meine Schwester wollen mich nicht dabei haben. Es ist zu viel vorgefallen in den letzten Jahren. Wenigstens mit meiner Mutter habe ich noch Frieden schließen können, bevor sie starb. Und zu ihrer Beerdigung wollte ich unbedingt kommen. Aber jetzt gehe ich lieber wieder.“
Ich war erschrocken, dann tief betroffen über die Gräben, die zwischen Geschwistern entstehen können. Gräben, die oft aus Verletzungen herrühren: Vielleicht durch das Gefühl, nicht so wie die Geschwister geliebt worden zu sein, oder auch durch die Enttäuschung, benachteiligt zu werden und im Erbe nicht so bedacht worden zu sein wie die anderen. Es gibt viele Gründe, warum Gräben zwischen Geschwistern so tief gezogen werden, dass sie scheinbar unüberwindbar werden. Mit den Jahren werden sie noch tiefer und die Fronten verhärten sich. Manchmal können sich die Beteiligten fast nicht mehr an die Ursachen der Entzweiung erinnern. Aber die Gefühle haben sich ins Herz eingebrannt, auch wenn manche Wunden inzwischen vernarbt sind. Keiner kann dem anderen verzeihen; keiner kann den anderen um Verzeihung bitten. So bleibt ein Streit zwischen Bruder und Schwester oft bis zum Ende des Lebens bestehen und kann nicht einmal am Grab zu seinem Frieden finden. „Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“ Es scheint oft so schwer zu sein, die zu lieben, die einem am nächsten sind: seinen Partner, seine Eltern, Bruder und Schwester, seine Kinder. Dabei könnte es selbstverständlich sein! Das ist es aber leider nicht. Allzu schnell erleben wir, dass Zuwendung in Distanzierung umschlägt, Akzeptanz in Ablehnung, Liebe in Hass.
Gott möchte, dass wir einander lieben, weil wir alle gleichermaßen von ihm geliebt sind; weil wir alle seine liebenswerten Geschöpfe sind. Und doch kommen wir bei diesem Gebot an unsere Grenzen. Vielleicht ist mein Herz zu klein, um meinen Nächsten immer wieder in Liebe anzunehmen, in all seiner Andersartigkeit und Fremdheit, wenn er oder sie nicht so handelt und lebt, wie ich es mir vorstelle und wünsche. Von Gott bin ich immer geliebt; Gott lässt mich nicht fallen; er wendet sich nicht von mir ab, was auch immer ich tue. Christus sagt, dass Gott der Ursprung aller Liebe ist. Vielleicht brauche ich seine unendliche Liebe zu mir, um mich auch selbst wieder in Liebe für den anderen öffnen zu können. Vielleicht kann ich meinen Nächsten leichter lieben, wenn ich mich selbst geliebt weiß.

Von Sunnive Förster, Pastorin in Riepe und Ochtelbur

7. Oktober 2017: Regen, Rött und Friedhof

„Da gehe ich nicht hin. Die kommt zu mir ja auch nicht mehr!“ Das war der Standardspruch einer alten Frau, wenn wieder mal eine Beerdigung ins Haus stand. Wenn ein Nachbar oder eine Kegelschwester beerdigt wurde, machte sie einen großen Bogen um den Friedhof. „Die kommt zu mir ja auch nicht mehr!“, ich musste immer schmunzeln über dieses Argument, was doch eigentlich nur eine Ausrede ist, um sich selbst vor Leid und Traurigkeit zu schützen.

Cathrin Meenken, Pastorin in Aurich – Lamberti

Dieser Spruch fällt mir nun wieder ein. Ich stehe im Talar am Grab bei Regen und Rött und die Menschen um mich herum sind, wie ich, total verklömt. Wir blicken mit vermatschten Schuhen und Regenschirmen in das offene Grab. Ich bin mir sicher, alle sind froh, wenn das letzte „Vater Unser“ gesprochen ist und es eine leckere Tasse Tee auf der Teetafel gibt. Der eine oder andere denkt bestimmt: „Wäre ich man zu Hause geblieben!“ Beerdigungen sind nie schön und bei diesem Wetter schon gar nicht.
Dann fällt mein Blick auf die Witwe. Auch ihr tropft das Wasser von der Nasenspitze, aber zum Regen kommen noch viele Tränen dazu. Sie spürt das schlechte Wetter kaum, weil sie so traurig ist und dieser Weg zum Grab vielleicht der schwerste ihres Lebens war. Egal, ob die Sonne scheint oder es in Strömen gießt. Das merkt sie gerade gar nicht. Aber sie nimmt die vielen Menschen wahr, die jetzt hinter ihr stehen und ins „Vater Unser“ einstimmen. Damit stärken sie ihr den Rücken und schenken ihr Trost. Es geht gar nicht mehr um den Verstorbenen, sondern um die, die zurückbleiben.
„Der eine trage des anderen Last“ ist ein Tipp aus der Bibel. Nie fand ich ihn so wichtig wie auf dieser Beerdigung bei Regen und Rött.

Von Pastorin Cathrin Meenken, Lamberti Aurich

Erntedankfest 30. September2017: Vom Honig und von anderen Gaben

Das Land, wo Milch und Honig fließt – wissen Sie, wo das ist? Als sprichwörtliche Redewendung ist es wohl bekannt. Aber wissen Sie auch, wo dieses Land liegt?

Zunächst lag dieses Land im Reich der Fantasie. Es war das unerreichbare Ziel einer tiefen Sehnsucht, der Sehnsucht nach Freiheit und Wohlstand. In Ägypten lebten Menschen unter erbärmlichen politischen und sozialen Verhältnissen. Zu ihnen sagt Gott: „Ich habe das Elend meines Volkes sehr wohl bemerkt. Ich habe gehört, wie sie vor ihren Peinigern aufschrien. Ich kenne ihre Schmerzen.“ Und dann sagt er: „Ich will sie retten, ich will sie aus diesem Staat hier hinausbringen in ein gutes und weites Land, ein Land, wo Milch und Honig fließt.“ (2. Mose 3, 7-8)

Peter Schröder-Ellies, Pastor in Aurich-Lamberti

So wird aus der tiefen Sehnsucht eine große Hoffnung. Aber es dauerte noch lange, sehr lange, bis sie in Erfüllung geht. Der Flucht aus dem Land der Unterdrücker folgten Jahre des Lebens in der Wüste. Irgendwann aber lebte das Volk dann tatsächlich im Land Israel. Hier kann man gut leben, von seiner Hände Arbeit und von dem, was das Land hergibt: Getreide zum Sattessen und Weintrauben für den Genuss, Ziegenmilch und Bienenhonig. Hier fließt Milch und Honig.

In den Menschen aber blieb die Erinnerung wach an die schlechten Zeiten – an die Unfreiheit, die Unterdrückung. Deswegen waren sie so dankbar – nicht nur für Milch und Honig und andere Annehmlichkeiten. Sondern auch für die Freiheit, die jede und jeder hier genießen konnte.

Und sie spürten eine große Verantwortung: Wir müssen diese Freiheit bewahren – für uns und für alle, die mit uns hier wohnen. Wir müssen die Annehmlichkeiten teilen mit denen, die leiden – sei es an Hunger und Durst oder an Verfolgung und Unterdrückung. Von Gott selbst kommt diese gute Weisung: „Die Fremdlinge sollst du nicht bedrängen und bedrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen.“ (2. Mose 22,20) „Der Fremdling soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst.“ (3. Mose 19,34)

Sicher wurden die Menschen im Land Israel, wo Milch und Honig fließt, dieser Verantwortung nicht immer gerecht. Ebenso sicher aber wurden sie immer wieder an diese Verantwortung erinnert – durch ihre Heilige Schrift, durch ihre Propheten. Durch Gott also.

Mir ist diese Geschichte vom Land, wo Milch und Honig fließt, vor kurzem wieder sehr nahegekommen. Eine Imkerin erzählte im „Lambertikreis“ – einem Gesprächskreis unserer Kirchengemeinde – über die Bienenzucht und die Honigproduktion in Ostfriesland. Für diesen Nachmittag hatte ich mich auf die Suche gemacht nach dem Honig in der Bibel – und nach dem Land, wo Milch und Honig fließt.

Und mir ist klargeworden: Auch ich lebe in einem Land, wo Milch und Honig fließt. Wer das Staunen nicht verlernt hat, der staunt – nicht nur beim Erntedankfest, das wir an diesem Sonntag feiern – über den unvorstellbaren Reichtum unseres Landes. Nicht nur an Ernte und anderem Materiellen ist unser Land reich. Ich bin so dankbar – für die politische Freiheit, die hier herrscht. Für politische Debatten mit Anstand und Respekt. Dafür, dass die allermeisten Menschen hier sich an moralische Regeln halten. Dafür, dass es ein Rechtssystem gibt, das in den allermeisten Fällen seinem Namen Ehre macht. Das alles – und vieles mehr – ist alles andere als selbstverständlich. Und deshalb haben wir eine große Verantwortung. Wir müssen diese Freiheit bewahren – für uns und für alle, die mit uns hier wohnen. Ich selber muss dafür aktiv werden – darf mich nicht darauf verlassen, dass alles von selbst gut bleibt oder gut wird. Wir müssen die Annehmlichkeiten teilen mit denen, die leiden – sei es an Hunger und Durst oder an Verfolgung und Unterdrückung.

Sicher werden wir dieser Verantwortung nicht immer gerecht. Ebenso sicher aber werden wir immer wieder an diese Verantwortung erinnert – durch die Heilige Schrift, durch unser Gewissen, durch umsichtige Menschen. Durch Gott, denn durch all das hindurch spricht Gott selbst zu uns.

Von Peter Schröder-Ellies, Pastor in Aurich-Lamberti

23. September 2017: Herausforderungen

In unserer Christus-Gemeinde Spetzerfehn stehen wir vor großen Herausforderungen: Auf der einen Seite bauen wir gerade ein neues Pfarrhaus, und auf der anderen Seite muss der Kirchenvorstand einen An- und Umbau der Kirche planen, der aus verschiedenen Gründen nötig ist. Mit Herausforderungen haben wir es immer wieder zu tun, als Gemeinde, aber auch im persönlichen Leben. Immer wieder kommen Anforderungen und Ereignisse auf uns zu, denen wir uns stellen müssen. Mancher spürt dabei, dass es stimmt, was der Duden dazu sagt: „Her-aus-for-de-rung – eine Aufgabe oder Arbeit, die sehr anspruchsvoll ist.“

Hermann Reimer, Pastor in Spetzerfehn

Was sind Herausforderungen für Sie? Sind es schwierige Situationen, in die Sie lieber nicht kommen möchten und die wie hohe Berge vor Ihnen stehen? Sind Herausforderungen für Sie Zeitfresser und Aufgaben, die viel Nerven und Geduld kosten und Stress verursachen?
Unsere Gemeinde wurde in den letzten Jahren vor einige Situationen gestellt, die eine große Herausforderung mit sich brachten. Das war nicht bequem – aber es hat uns vor Stillstand bewahrt! Und dadurch, dass wir auch im Kirchenvorstand manchmal gedacht haben, dass wir es kaum noch schaffen können, haben wir gemerkt, wie sehr wir auf Gott angewiesen sind.
So gesehen haben wir gespürt, dass Herausforderungen wichtig für uns sind. Sie helfen, neue Schritte zu gehen und neue Erfahrungen zu sammeln. Darüber hinaus hat Gott sie genutzt, um uns im Glauben wachsen zu lassen. Ich habe es oft erlebt, wie er mir Mut gegeben hat, um neue Schritte zu gehen oder wie er mir Kraft geschenkt hat, wo ich zu schwach war. Damit hat er mein Vertrauen in ihn gestärkt. Durch Herausforderungen zeigt Gott uns auch, welche Gaben er uns geschenkt hat und dass wir nicht alles alleine schaffen müssen. Gerade das hat uns im Kirchenvorstand in den letzten Monaten viel Mut gemacht. In einem bestimmten Bereich brauchten wir dringend zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nach einem Aufruf im Gemeindebrief haben sich etliche gemeldet – manche von ihnen hatten wir gar nicht auf dem Schirm. Aber Gott hatte sie auf dem Schirm – und er hat uns diese Menschen geschenkt, damit sie mithelfen, dass es mit unserer Gemeinde vorangeht. So haben wir es schon oft erlebt!
Für jeden von uns wird es auch in Zukunft Umstände und Ereignisse geben, die herausfordern. Ich will Mut dazu machen, dass wir in unseren Gemeinden und auch persönlich dem nicht in erster Linie mit Sorgen entgegen sehen und uns nicht von dem runterziehen lassen, was vielleicht wie ein großer Berg vor uns liegt und viel Kraft kostet.
Lasst uns dafür beten, dass wir den Herausforderungen mit Mut und Kraft begegnen und uns dabei gegenseitig helfen und stützen.

Von Hermann Reimer, Pastor in Spetzerfehn

16. September 2017: Entscheiden

Es ist spannend: Wahlkampf. Noch ist nichts entschieden. Erst am kommenden Sonntag um 18 Uhr, dann laufen die ersten Prognosen und Ergebnisse über die Sender. Wir entscheiden. Wir dürfen wählen. Das ist ein Vorrecht, das viele andere Menschen auch gerne hätten. Sie leben in Diktaturen oder Scheindemokratien. Sie haben keine Wahl. Müssen bleiben, wo Unrecht herrscht. Oder Krieg. Oder Hunger. Oder ein Klima, das lebensfeindlich ist.
Wir dürfen entscheiden: Wer uns die nächsten Jahre regiert. Im Bund. Im Land. Unsere freie Gesellschaft sollte uns wert sein, dass wir uns beteiligen und auswählen, wer unsere Zukunft gestaltet. Wir wollen doch gut repräsentiert werden. Deshalb: Machen wir von unserem Stimmrecht Gebrauch! So viel Verantwortungsübernahme muss mindestens ein. Unsere Demokratie und unsere Gesellschaft leben von unserem Mitmachen. Sie leben von unserer Einmischung.

Tido Janssen, Pastor in der Lamberti-Gemeinde und Superintendent des Kirchenkreises Aurich

Wir haben die Wahl. Zum Glück! Und jeden Tag entscheiden wir x-mal. Wir entscheiden, was auf den Tisch kommt: Bio oder nicht. Fairtrade oder nicht. Wir entscheiden, wie wir unterwegs sind: mit dem Auto oder dem Fahrrad, der Bahn oder dem Flugzeug. Wir entscheiden über unsere Krankenhäuser. Wir können mit dem Kopf oder mit dem Bauch entscheiden. Wir können uns mit der Mehrheit treiben lassen oder gegen den Strom schwimmen. Wir entscheiden, wie wir uns kleiden. Wir entscheiden, ob wir mitmachen oder zuschauen. Wir entscheiden, ob wir selber Verantwortung übernehmen oder es anderen überlassen. Wir entscheiden, was wir sagen und was wir für uns behalten. Wir entscheiden über unsere Religiosität. Wir entscheiden darüber, ob wir helfen oder nicht, ob wir mitfühlend reagieren oder gleichgültig. Wir entscheiden, ob wir nur unseren persönlichen Vorteil suchen oder auch andere Menschen im Blick haben. Wir entscheiden, was uns was wert ist, wofür wir Geld ausgeben. Wir entscheiden dauernd.
Hirnforscher gehen davon aus, dass wir heutzutage bis zu 20 000 Mal pro Tag mehr oder weniger bewusst die Wahl haben oder uns entscheiden müssen. Es gibt sogar welche, die sagen: So viele Entscheidungen, wie wir heute pro Tag treffen müssen, so viele Entscheidungen hatte ein Mensch früher in seinem ganzen Leben zu treffen.
Wer die Wahl hat, kann auch die Qual haben. Wir leben in einer Multioptionsgesellschaft. Entscheiden zu können, heißt auch, das Risiko von Fehlentscheidungen zu tragen. Wir entscheiden, ob wir nur heute und morgen im Blick haben oder vier Jahre oder ob wir auch das Lebensrecht kommender Generationen anerkennen. Wir entscheiden, ob wir nur auf unsere örtlichen Gegebenheiten achten oder ob wir auch über unsere Grenzen hinaus gucken und sehen, was in der Welt ringsum los ist. Je nach Blickwinkel werden wir uns unterschiedlich verhalten und entscheiden.
Wenn Sie nur drei Dinge benennen dürften: Was ist für Sie entscheidend?
Alle großen Religionen können sich auf diese drei Ziele verständigen: dass wir alle überall in Frieden zusammenleben, dass es für alle überall gerecht zugeht und dass wir die Schönheit und Gesundheit der Schöpfung überall achten und wahren. Entschieden dafür einzutreten, wird uns allen eine gute Zukunft gewähren. Entschieden dafür zu leben, ist heute eine große Herausforderung.
Es kostet den Mut, viele alte Gewohnheiten aufzubrechen und den eigenen Lebensstil zu verändern. Es ist leichter gesagt als getan. Sind wir dazu bereit?
Es ist möglich. Wir sind entscheidend. Wir treffen Richtungsentscheidungen. An Wahltagen.
Eigentlich jeden Tag.

Von Tido Janssen, Pastor Lamberti-Gemeinde und Superintendent im Kirchenkreis Aurich

9. September 2017: Prost Tee

Liebe Zeitungsleser, am Sonntag feiern wir den 13. Sonntag nach Trinitatis. Trinitatis ist das Fest der Dreieinigkeit. Wenn nun schon 13 Sonntage nach diesem Fest benannt sind, lohnt es sich heute einmal über dieses schwierige Thema nachzudenken.
Wir Christinnen und Christen glauben an einen Gott. Gleichzeitig bekennen wir uns im Glaubensbekenntnis zu Gott, dem Vater, zu Gott, dem Sohn, und zu Gott, dem Heiligen Geist. Ein Gott, oder doch drei? Um dem Geheimnis der Trinität näher zu kommen, möchte ich diese mit einem Beispiel aus unserem Alltag verdeutlichen.

Anika Langer, Pastorin in Engerhafe, Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

Haben Sie heute schon Tee gehabt? Vielleicht trinken Sie auch gerade eine Tasse, während Sie diese Zeitung lesen. Ich meine so eine richtige Tasse Ostfriesentee. Zuerst kommt ein Kluntje in die Tasse, danach wird der heiße Tee eingeschenkt – so heiß, dass der Kandis knackt – und schließlich kommt noch ein kleiner Löffel Sahne hinzu, schön mit Schwung am Rand entlang eingegossen, dass die Wölkchen aufsteigen.
Trinken Sie nun den Tee, dann schmecken Sie erst den milden Tee mit der aufgestiegenen Sahne. Dann kommt der normale Tee in der Mitte, der ein bisschen bitter schmeckt. Und schließlich – quasi als Nachtisch – der süße Tee vom Tassenboden.
Und nun stelle ich die entscheidende Frage: Ist das ein Tee oder drei verschiedene? Einer, oder doch ein milder, ein bitterer und ein süßer, also drei? Wir können die Komponenten nicht wieder voneinander trennen und doch schmeckt dieser eine Tee drei Mal unterschiedlich.
Und so, liebe Christinnen und Christen, ist das auch mit unsrem Gott. Wir machen im Laufe unsres Lebens ganz unterschiedliche Erfahrungen mit diesem einen Gott. Manchmal ist der Glaube milchig sanft. Weiß ist die Farbe von Jesus Christus, der sanft und gehorsam wie ein Lamm für uns den Weg ans Kreuz gegangen ist. Manchmal ist der Glaube auch bitter und dunkel, nämlich dann, wenn wir meinen, Gott sei unendlich weit weg und lässt uns mit unseren Problemen allein. Und manchmal ist der Glaube auch schön süß. Dann, wenn wir den Heiligen Geist wehen spüren. Wenn wir merken, welche Kraft uns der Glaube verleiht.
Und noch eines lehrt uns die Teetasse. Zum Teetrinken muss ich mir Zeit nehmen und den Tee genießen. Und so, liebe Leser, möchte ich Sie einladen, sich mal wieder Zeit zu nehmen für den Glauben. Einfach mal zur Ruhe zu kommen, die Tageslosung zu lesen, einen Psalm zu sprechen oder das Vaterunser zu beten.
Eine kleine Auszeit mit Gott, Ihre ganz persönliche Teezeit mit Gott. In diesem Sinne: Prost Tee!

Von Anika Langer, Pastorin in Engerhafe, Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

2. September 2017: Kennen Sie Hinrich Bruns?

Hinter dem Altar der Auricher Lambertikirche führt eine Tür einen kleinen Raum, der an die Kirche angebaut ist. Dieser Raum heißt Sakristei. Hier finden wir einen interessanten kirchengeschichtlichen Hinweis. Ein kleiner Ausschnitt ist auf dem Foto zu sehen.
Das Foto zeigt den oberen Teil einer Gedenktafel. Hier sind alle Pastoren und Pastorinnen der Lambertikirche von der Reformation bis heute mit ihren Dienstzeiten aufgeführt. Natürlich gab es auch vor der Reformation Pastoren in Aurich, aber ihre Namen sind uns nicht überliefert.
Die Auricher Gedenktafel nennt als ersten evangelischen Geistlichen Henricus Brunius. Vermutlich hat er, so wie das damals üblich war, seinen Namen latinisiert. So wie heute Namen an die englische Sprache angeglichen werden, haben einige Menschen ihre Namen damals in einer lateinischen Form wiedergegeben.
Vielleicht hieß der erste evangelische Pastor Aurichs in Wirklichkeit Hinrich Bruns.
Erstaunlicher ist die Jahreszahl: 1519! So früh wurde in der damaligen Lambertikirche Aurich schon evangelisch gepredigt. Die Reformation begann in Ostfriesland viel früher als in den meisten deutschen Territorien und Städten. In den größeren Orten und in den Herrlichkeitssitzen zum Beispiel in Pewsum und Oldersum haben die Bürger und die Häuptlinge Wert darauf gelegt, gebildete Theologen als Prediger auf die Pfarrstellen zu berufen.
Viele hatten ihre Ausbildung in den Niederlanden erhalten. Sie waren von einem Glauben geprägt, der an Christus und an der Bibel orientiert war. Und sie wünschten sich wie viele Menschen eine Erneuerung der Kirche. In Aurich war das Henricus Brunius. Über ihn wird berichtet, dass er vermutlich zuerst Priester war und über die Lektüre der Schriften Luthers zu seiner evangelischen Überzeugung kam. Nur anderthalb Jahre nach der Veröffentlichung der 95 Thesen wird Brunius in Aurich aktiv. Schon im Frühjahr 1519 begann er mit seinen evangelischen Predigten.
Viel mehr wissen wir nicht von ihm.

Andreas Scheepker, Pastor am Ulricianum und in der Arbeitsstelle für Religionspädagogik

Vielleicht zeichneten sich seine Gottesdienste dadurch aus, dass sie in der niederdeutschen Sprache und nicht auf Latein gehalten wurden. Vielleicht hat er das Abendmahl auch schon mit Brot und Kelch an die Gemeinde ausgeteilt.
Auf dem Foto-Ausschnitt aus der Gedenktafel ist ein zweiter Name zu lesen: Albertus Latomus. Von ihm wird berichtet, dass er seinen Kollegen seit 1521 unterstützt hat und zeitweilig der Beichtvater des ostfriesischen Grafen Edzard II. und dessen Gemahlin, der schwedischen Königstochter Katharina Wasa gewesen ist. 1582 ist er im aktiven Pastorendienst im hohen Alter von 91 Jahren verstorben.
Das sind die beiden ersten evangelischen Pastoren an der Auricher Lambertikirche. Die Reformation, die lebendige Erneuerung der Kirche, ist nicht nur eine alte Geschichte. Sie geht weiter. Wir haben die Erneuerung nie hinter uns, sondern immer vor uns.

Von Andreas Scheepker, Pastor am Ulricianum Aurich und in der Arbeitsstelle für Religionspädagogik

26 August 2017: Demut – nein danke?

„Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade!“
(1. Petrusbrief 5,5)

Hm, ein alter Spruch ist das! Nicht nur das, er ist doch überholt! So oder vielleicht ähnlich reagieren wir auf den Wochenspruch für die nächsten Tage.
Woher kommt eine solche vermutete Reaktion? Ich nehme das Wörterbuch zur Hand und lese: Demut heißt „Liebe zum Dienen“, „Bescheidenheit“, „Unterwürfigkeit“. Das Wort „Demut“ sei althochdeutsch, so lese ich, und heiße „Knechtsmut“, also Knechtsgesinnung!
Aha, denken wir alle, deshalb ist das Wort so unmodern! Wer will denn kuschen, eine Demokratie braucht doch den vielbeschworenen freien und mündigen Bürger beziehungsweise die Bürgerin!

Bernd Battefeld, Pastor in Strackholt

So weit, so gut, aber warum steht der Spruch in der Bibel, im 1. Brief des Petrus? Er steht da aus gutem Grund! Es geht ganz nüchtern um das Leben in den christlichen Gemeinden, es geht auch um Macht, Intrige, ums Herrschen und – Leben. Das ist der Zusammenhang.
Wir hören: Kirche könnt Ihr nur leben, nicht anordnen, befehlen, durchsetzen und nicht am grünen Tisch planen. Leiten heißt dienen, so wie der Minister (lateinisch minister = Diener) eigentlich Diener ist.
Wir sind durch Christus befreite Menschen, so können wir im Gespräch miteinander umgehen.
Es besser zu wissen als andere, sich moderner zu verstehen als der andere, das ist der Hochmut, gegen den der Schreiber des 1. Petrusbrief Stellung nimmt.
Demut meint hier nicht Unterwürfigkeit, sondern Bescheidenheit, eine Bescheidenheit, die das Gespräch auf Augenhöhe mit dem Gegenüber sucht und es nicht kaltstellt.
Täte uns mehr solcher Demut in Kirche und Staat nicht gut?

Von Bernd Battefeld, Pastor in Strackholt

19. August 2017: Bei mir bist du Erster

Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten gewinnen unsere besondere Aufmerksamkeit und Bewunderung. Sie werden in der öffentlichen Wahrnehmung bestaunt, dienen als Vorbilder, werden aber auch beneidet und hofiert. Sie erfüllen unseren Wunsch nach dem gewissen Etwas, dem besonderen Ausnahmetalent, welches sich vom Durchschnitt abhebt, wie der Stern am Nachthimmel über dem Land; eben ein Star. Solch ein Star ist es gewohnt zu gewinnen, Erster zu sein. Dies ist unser Auftrag an ihn und seine Erwartung an sich selbst.
Der Ausnahmesprinter Usain Bolt ist so ein Star. In vielen weltweit übertragenen Rennen lief er allen spielerisch leicht davon; in immer neu bestaunten Fabelzeiten. Wie kann ein Mensch für 100 Meter nur noch knappe neun Sekunden benötigen? Wie kann jemand 200 Meter in 19 Sekunden rennen? Doch ausgerechnet im letzten Rennen seiner aktiven Sportlerkarriere brachte ihn ein schnöder Krampf zu Fall, und aus dem Superstar, dem König der Leichtathleten, wurde wieder ein normaler Sterblicher. Traurig für seine Staffelmannschaft, die mit ihm den sicher geglaubten Sieg verlor. Der Bestürzung des siegesgewissen Rekordläufers stand das Staunen der anderen gegenüber, die nun Erste wurden.
Christus spricht: „Siehe, es sind Letzte, die werden die ersten sein, und Erste, die werden die Letzten sein.“ Lukas 13,30

John Förster, Pastor in Riepe und Ochtelbur

Jesus will uns deutlich machen, dass in Gottes Augen weder materieller Besitz noch überdurchschnittliche Fähigkeiten den Wert eines Menschen bestimmen. Ein durchschnittlicher Kreisklassen-Spieler ist nicht mehr oder weniger wert als der Profi, für den 222 Millionen Euro bezahlt werden. Beide sind sie als Menschen unbezahlbar wertvoll. Während wir gesellschaftliche anerkannte Berechnungen für den Wert eines Menschen aufstellen, sagt Gott zu jedem von uns: „Du bist mir unendlich lieb; bei mir bist du Erster.“ Wertvoll wird ein Mensch für seine Mitmenschen nicht nur durch besondere Fähigkeiten oder materielle Güter, sondern, wenn er seine Gaben für andere einsetzt: Frieden stiftend, barmherzig, sanftmütig, gerecht und hilfsbereit ist. Dann wirkt er Segen. Wir müssen dafür nicht reich sein oder ein Ausnahmetalent haben. Wir dürfen uns als Menschen wie du und ich einbringen.

Von John Förster, Kirchengemeinden Riepe und Ochtelbur

12. August 2017: Haben Sie Talent?

Das Wort „Talent“ ist ein schillerndes Wort. Im Neuen Testament gibt es ein Gleichnis von den anvertrauten Talenten – da meinen die „Talente“ eine Geldeinheit. Und wo es um Geld geht, geht es auch um Werte, um das Vergrößern von Kapital. Und es geht sofort um das Vergleichen. Damals genauso wie heute. Einem Menschen werden fünf Zentner Silber anvertraut, er soll es verwalten. Was er auch macht, denn er investiert das Kapital und verdoppelt es. Aus fünf Zentnern werden zehn. Ein anderer macht aus zwei Zentnern immerhin vier. Lob erhalten beide.
Wer sein Kapital gut einsetzt, wird belohnt – das scheint die Botschaft der biblischen Geschichte zu sein. Es geht es um Wertschöpfung. Das anvertraute Gut soll bestmöglich eingesetzt werden, sein Wert gesteigert und neuer Reichtum geschaffen werden. Dabei haben die meisten Erzählungen des Neuen Testaments eine andere Ausrichtung. Jesus geht zu denen, die nichts haben und stärkt sie. Selig sind die Armen, sagt er. Und Paulus meint: Nicht unsere Werke machen uns gerecht, sondern unser Glaube. Es gibt in der Bibel einen wunderschönen Erzählstrom von der Liebe Gottes und seiner Gnade. Wir sind angenommen, so wie wir sind, kann man dort oft lesen. Selbst die Sorge um das Morgen wird als unwichtig bezeichnet: Seht die Lilien auf dem Feld, die Vögel im Himmel! Gott ernährt und kleidet sie. Güte kommt immer wieder zum Vorschein. Sie sagt: Lebe jetzt und gib dich gütig mit dem zufrieden, was du hast. Stattdessen hören wir am kommenden Sonntag von der materiellen und fordernden Seite des Evangeliums!

Silke Kampen, Pastorin In Wallinghausen

In einem Münchner Apartment haben Zollfahnder vor ein paar Jahren 1500 Gemälde der klassischen Moderne gefunden: Matisse, Nolde, Picasso und viele mehr. Ein Rentner hatte sie in verdunkelten, vermüllten Zimmern mit selbst geschreinerten Regalen versteckt. Im Laufe der vielen Jahre hatte er nur einzelne Bilder verkauft und von dem Erlös gelebt. Sein Beispiel zeigt: Das Aufsparen und Zurückhalten von Schätzen kann verkümmern lassen.
Es gibt ein falsches Sparen und Sich-Zurücknehmen. Der dritte Verwalter, so erzählt der Apostel Matthäus, verbarg das Silber in der Erde, im Dunkel, jahrelang. Er hat kein Vertrauen, zu nichts und zu niemanden. Armer Kerl, er fürchtet den fordernden Herrn. Und behält er am Ende sogar recht? Das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden oder Talenten stellt uns Gott vor Augen, der Erwartungen hat: Versteck Dich nicht, verberge Deine Talente nicht, verstecke Deinen Glauben nicht! Es ist nicht egal, ob wir mit dem, was uns anvertraut ist, gut oder mittelmäßig oder gar nicht umgehen. Was du tust, hat eine Konsequenz. Was du unterlässt, wird sichtbar. Es gibt ein Gericht. Es wird offenbar, was ich tat und was nicht. Wem sich das zu moralin anhört, kann das Pferd von der anderen Seite – mit Hilfe Nelson Mandelas – aufzäumen und sich durch seine Worte zum eigenen Talent motivieren lassen: „Unsere größte Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind, sondern unsere größte Angst ist, über alle Maßen kraftvoll zu sein. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns am meisten Angst macht.“

Von Silke Kampen, Pastorin in Wallinghausen

5. August 2017: Mit Schwung und Gott an der Seite ins nächste Schuljahr

Der schöne Monatsspruch für August geht mir noch nach: „Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Klein und Groß“ (Apostelgeschichte 26,22).
Dieser Spruch passt „wie die Faust aufs Auge“ zum Übergang von den Sommerferien ins neue Schuljahr. Wer verreist war und gut wieder nach Hause gekommen ist, kann – mit Paulus – Gott für die Hilfe und Begleitung danken.
Und wer in den letzten Tagen die Einschulung seiner Kinder, Patenkinder und so weiter gefeiert hat, kann sich freuen, dass Gott „Klein und Groß“ hilft.
Aber das Wort „Zeuge“ im Monatsspruch beschäftigt mich am meisten. Vielleicht, weil wir morgen in Moordorf einen Taufgottesdienst feiern. Und bei der Kindertaufe übernehmen Eltern und Paten die wichtige Aufgabe, dem Täufling von Gott zu erzählen und zu bezeugen, dass Gott uns immer begleitet, unsere Lebensfreude verstärken will und uns Halt in den Lebenssituationen geben kann, die uns den Boden unter den Füßen wegziehen.

Matthias Tolsdorf, Pastor in Moordorf

Aber mich beschäftigt auch, dass es uns heute immer schwerer fällt, unseren Glauben zu bezeugen. Mit anderen Worten heißt das, von Gott, vom eigenen Vertrauen auf Gott und von der persönlichen Lebenszuversicht im Glauben zu sprechen.
Zeugen in einem Gerichtsprozess, können nur das bezeugen, was sie persönlich gesehen haben oder sicher wissen.
Mit dem Glaubenszeugnis ist das ähnlich: Erst wenn wir das Bewusstsein pflegen, dass Gott uns immer treu begleitet und beschützt, dass er unser größter Verbündeter und Verteidiger ist, können wir „Klein und Groß“ von unseren Erfahrungen mit Gott berichten.
Und gerade bei den „Kleinen“ können wir die „Wirkung“ des Glaubens oft ganz deutlich sehen – zum Beispiel in vielen Schulanfängergottesdiensten: Wenn Kinder überzeugte Erzählungen von Gott hören oder Gottes Segen bekommen, dann beginnen ihre Augen oft zu glänzen. Und dann kommen meistens ganz viele neugierige Fragen über diesen Vater im Himmel. Ich wünsche Ihnen, dass der Monatsspruch Sie – so wie mich – inspiriert.
Er kann eine schöne Anregung sein, das dankbare Bewusstsein der treuen Begleitung und Hilfe Gottes zu pflegen.
Meine Erfahrung und Überzeugung ist es, dass solch ein lebendiger Glaube uns im Leben beschwingt sowie stabiles Fundament und verheißungsvoller Horizont im Leben ist!

Von Matthias Tolsdorf, Pastor in Moordorf

29. Juli 2017: Fesseln der Vergangenheit lösen

Sorget euch nicht um morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.“ (Matthäus 6,34) Die Botschaft: Lasst euch nicht binden von eurer Vergangenheit, nicht fesseln von den Sorgen über die Zukunft, sondern wartet getrost ab, was morgen passieren wird.
Sie alle kennen diese Situation: Da zerbricht man sich kurz vor dem Schlafengehen den Kopf über eine Angelegenheit, die am nächsten Morgen sehr wichtig und dringlich scheint – und wenn dann der Termin naht, tritt ein Ereignis in unser Leben, mit dem wir niemals gerechnet haben und all unsere Sorgen haben sich in Luft aufgelöst. Wenn ich mir die Zeit nehme, über mich und mein Leben nachzudenken, stelle ich immer wieder fest, dass mich Erlebnisse oder Einstellungen aus der Vergangenheit begleiten, die fesseln und ein befreites Leben im hier und jetzt erschweren.
„Lass das man – das kannst du doch nicht!“ Diesen Satz habe ich in meiner Kindheit und Jugend gefühlte tausendmal gehört. Dazu ein Beispiel: Ein Wanderzirkus war in eine kleine Stadt gekommen und ein kleiner Junge beobachtete, dass ein großer Elefant mit einer Kette an einem kleinen Holzpflock festgebunden war. Es wäre für dieses große Tier ein Leichtes, den Pflock herauszureißen. Der Junge fragte den Tierpfleger: „Warum macht denn der Elefant das nicht einfach?“ Der Tierpfleger antwortete: „Wenn ein Elefant auf die Welt kommt, wird er direkt an eine Kette gelegt, die an einen kleinen Pflock befestigt ist. Das Baby hat tatsächlich nicht die Kraft den Pflock aus dem Boden zu reißen. Babyelefanten probieren es immer wieder an der Kette zu ziehen, um sich zu befreien, so lange, bis sie gelernt haben: Es hat keinen Zweck.“ Nach vielen Jahren ist aus einem Babyelefanten ein großes Tier geworden und der erwachsene Elefant könnte den Pflock mit Leichtigkeit aus dem Boden ziehen – er versucht es aber erst gar nicht, denn er hat als Kind gelernt: Das schaffst du doch nicht – du hast nicht genug Kraft. Der kleine Junge sah dem großen Elefanten noch eine Weile beim Fressen zu. Die Eisenkette rasselte, doch den Elefanten schien das nicht zu stören, aber der kleine Junge fand, dass er traurig aussah.
Wir alle haben im Laufe unseres Lebens doch schon Erfahrungen des Scheiterns gemacht und kennen so grausame Sätze wie: „Das kannst du nicht“ oder „Lass das man, dafür bist du noch zu klein“. Solche Erfahrungen und Glaubenssätze sind wie Ketten und Pflöcke. Sie binden uns. Aber dies sind gestrige Erfahrungen. Heute hätten wir mehr Erfahrungen und Kraft. Und dennoch versuchen wir oft nicht, uns zu befreien von dem, was uns bindet – weil wir irgendwann gelernt haben, dass wir es nicht können, oder weil die Sorgen um Morgen uns lähmen. Ich wünsche mir, dass Matthäus uns Mut macht, hier und heute über den Schatten zu springen, jedem neuen Morgen zu vertrauen, und den Pflock aus der Erde zu ziehen, der uns fesselt. Dann haben wir die Kraft, uns zumindest etwas weniger Sorgen um den morgigen Tag zu machen.

Von Helmut-Gerold van der Wall, Prädikant im Kirchenkreis Aurich

22. Juli 2017: Bergwandern

Im Moment reden viele über den Urlaub. Ich habe den Eindruck, dass viele Ostfriesen besonders gern in die Berge fahren.
In einem alten Gebet aus der Bibel heißt es: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ In der Bibel ist der Berg ein Ort, an dem man Zuflucht finden kann, Geborgenheit, Kraft und besondere Nähe zu Gott.
Bei der Bergwanderung brauche ich eine gute Landkarte, damit ich überhaupt weiß, wie ich zum Gipfel komme. Für mein Leben brauche ich auch eine gute Karte wie zum Beispiel die Bibel. Da ist es eigentlich genauso wie bei der Landkarte. Ich habe sie nicht immer aufgeschlagen, aber ich weiß trotzdem, die grobe Richtung. Und wenn ich es genauer wissen muss, kann ich nochmal nachsehen. Auf einen Berg zu steigen bedeutet, Abschied zu nehmen von dem Ort, an dem ich bisher war. Aber es bedeutet auch, Neues zu entdecken mit allen meinen Sinnen. Wenn ich durch eine reizvolle Landschaft wandere, weitet sich mein Gesichtskreis.

Heidrun Ott, Pastorin in Moordorf

Für mich ist auch der Glaube so etwas wie eine Wanderung zum Gipfel. Er schärft meine Sinne dafür, Neues zu entdecken, für mich selber, aber auch mit anderen und auch mit Gott.
Ich habe eine Menge Weggefährten, die mit der gleichen Karte zu dem gleichen Ziel unterwegs sind. Nicht alle auf demselben Weg, manche mit großen Umwegen, aber immerhin, das gemeinsame Ziel verbindet uns, wir können uns gegenseitig beraten und gemeinsam die schöne Aussicht genießen.
Es ist ein besonderes Erlebnis, auf einem Berggipfel zu stehen. Alle Strapazen sind nun vergessen und ich freue mich an der schönen Aussicht, an der Natur. Ich fühle mich meinem Schöpfer ein Stück näher. Es tut mir gut, einmal Abstand zu bekommen von meinem ganz normalen Alltag.

Von Heidrun Ott, Pastorin in Moordorf

15. Juli 2017: Heiliger Urlaub

Endlich ist er da, der Sommer und mit ihm die Urlaubszeit und die großen Ferien. – Wissen Sie schon, was Sie in diesem Sommer machen? Haben Sie die Wochen schon verplant mit Gartenarbeit, dem ein oder anderen Grillfest, möglicherweise mit Umbauarbeiten? Oder wartet auf Sie ein Urlaub, auf den Sie sich schon lange freuen?
Wir sind mitten in den Sommerferien und viele nutzen die Gelegenheit, um einmal wegzufahren, irgendwo hin ins In- oder Ausland. Etwas Neues sehen oder vertraute Orte aufzusuchen, die sie schon immer mal wieder sehen wollten. Alle Sinne mit leckerem Essen zu reizen, sich am Strand brutzeln zu lassen oder etwas in Sachen Kultur zu unternehmen. Urlaub ist für viele die schönste Zeit des Jahres, Zeit zum Entspannen, Zeit für Familie und Freunde.
Urlaub. Das englische Wort dafür ist Holiday. Wussten Sie, dass das Wort Holiday ursprünglich anders geschrieben wurde? Holyday, so schrieb man es anfangs. Holyday – heiliger Tag, heilige Tage. Das steckt hinter diesem Begriff. Das Wort, das wir heute für unseren Urlaub am Strand oder in den Bergen benutzen, hat eigentlich eine ganz andere Bedeutung. Es macht aus den Tagen etwas Besonderes. Unsere Urlaubstage sind heilig – für den ein oder anderen sind diese Tage ja tatsächlich so etwas wie eine Erlösung vom Stress des Alltags.
Wie wäre es denn, wenn wir diese Holydays tatsächlich einmal mit etwas Heiligen füllen? Vielleicht einen Gottesdienst am Urlaubsort besuchen, oder eine Kirche, ein Kloster aufsuchen und die Luft des Glaubens atmen, den viele Generationen von Menschen dort gelebt haben. Eine Kerze anzünden in einer Kirche für sich selbst oder andere und sich betend in Gottes Gegenwart begeben. Mal wieder in der Bibel lesen und gucken, ob ich dort etwas für mich entdecken kann. Es könnte doch eine Bereicherung sein, wenn nicht nur der Körper, sondern auch die Seele auftanken kann im Urlaub, in diesen Tagen, die einmal heilig genannt wurden.
Und übrigens – heilige Tage, Holydays, gibt es nicht nur für die, die in Urlaub fahren. Gott hat uns allen einen heiligen Tag geschenkt – den Sonntag. Gott selbst hat an diesem Tag geruht und auch wir dürfen an diesem Tag zur Ruhe kommen, uns in seine Gegenwart begeben und unsere Seele Urlaub machen lassen. Wir müssen nicht auf den Urlaub warten, sondern können das jede Woche in Anspruch nehmen.
Also – legen Sie sich doch mal mit Gott in die Hängematte, auf die Gartenliege, an den Strand, teilen Sie sich mit ihm eine Kirchenbank oder einen Klostergarten, lassen Sie Ihre Seele baumeln und genießen Sie Ihren Holyday – ob zuhause oder unterwegs, im Urlaub oder immer wieder Sonntags.

Von Elske Oltmanns, Pastorin in Bagband

8. Juli 2017: Reflexion

Es ist ein spannendes Wort, dieses „Reflexion“. Denn auf der einen Seite meint der Begriff zum Beispiel die Spiegelung eines Gegenstandes auf dem Wasser, und gleichzeitig bezeichnen wir mit Reflexion auch das Nachdenken über Gewesenes. Wir reflektieren über etwas, das wir erlebt haben, tauschen uns darüber aus, und versuchen die Ereignisse wie eine Spiegelung neu zu deuten. Beide Male sehen wir sozusagen ein Spiegelbild, ein Bild, das es zu begreifen und erklären gilt.
In der Bibel hören wir so ein reflexives Wort. Hier ist es in einem weiteren Sinn gemeint, nämlich „selbstreflexiv“, also auf mich bezogen. Hier heißt es: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“.
Oftmals, wenn wir diesen wohlbekannten Vers hören, denken wir an Diakonie; also daran, anderen zu helfen. Der zweite Teil des Verses geht hierbei oft unter. „… wie dich selbst“ heißt es da.
Ich soll auf mich schauen und bei mir mit der Liebe anfangen, denn wie kann ich einen anderen Menschen lieben, wenn ich mich selber nicht mal ausstehen kann. Wenn ich selber nicht in den Siegel schauen kann und sagen: „Ich mag dich“.
Haben Sie das schon einmal ausprobiert? Morgens nach dem Zähneputzen; einfach noch einen Moment länger in den Spiegel zu schauen, sich selbst anzulächeln und sich selber zu sagen: „Ich mag dich! Ich wünsche dir einen schönen Tag.“
Hört sich vielleicht lächerlich an, aber es gibt Studien die belegen, dass wir damit unsere Haltung zu uns selber beeinflussen können und damit zugewandter auf andere Menschen wirken. Probieren Sie es doch einfach mal aus! Und seien Sie gespannt, was es mit Ihnen macht.
Und im Sinne des Wortes Reflexion können Sie überlegen, ob sich irgendetwas verändert hat. Ob eine andere Einstellung zu Ihnen selbst etwas in dem verändert, wie Sie in den Tag gehen; etwas verändert, wie Sie auf ihren Nächsten zugehen. Und vielleicht finden Sie so auch eine Antwort auf die Frage, ob nicht beides, Eigenliebe und Nächstenliebe, untrennbar miteinander verbunden sind.

Von Indra Grasekamp, Pastorin in Aurich-Kirchdorf

1. Juli 2017: „Erfüllt von der Begegnung“

„Hallo, hast Du heute Zeit? Ich würde gerne mit einer Delegation der Jugendgruppe vorbei kommen. Wir haben etwas zu erledigen in deiner Straße und danach würden wir uns gerne bei dir stärken. Essen und Trinken bringen wir mit, du brauchst dich um nichts zu kümmern.“ Am anderen Ende der Telefonleitung höre ich ein Lachen: „Ja, ich habe Zeit. Recht wäre es mir, wenn ihr so gegen 17 Uhr kommt.“ – „Das passt, bis später.“
Nach unserem Telefonat habe ich gemischte Gefühle: Natürlich freue ich mich auf die Begegnung, aber habe ich sie vielleicht doch ein bisschen überfahren? Schließlich ist unser Jugendkiste-Ehrenmitglied nicht mehr die Jüngste, aber mit ihren 88 Jahren ist sie hellwach und neugierig. Naja, nun ist es abgemacht.
Wir kommen zu Viert mit den Lebensmitteln gegen 17.45 Uhr bei ihr an. Ihr syrischer Freund ist auch da. Ein großes „Hallo“ und Umarmungen zur Begrüßung. Sie zeigt uns, wo das Geschirr und das Besteck in der Küche sind.
Mit einem Sandwichmaker machen wir Sandwiches. „Was ist das denn?“, fragt sie neugierig und ist gespannt. Während sich zwei Jugendliche mit ihr im Esszimmer unterhalten, wirken die anderen beiden in der Küche. Gurke und Paprika werden geschnitten. Mit einem Tischgebet fangen wir gemeinsam an. Es wird sich rege unterhalten, zugehört und gelacht. Das Neue, die Sandwiches, schmeckt auch.
Nach dem Aufräumen sind wir nach eineinhalb Stunden wieder weg. Erfüllt von der Begegnung. Es hat etwas Verbindendes und Schönes: miteinander zu essen, beisammen am Tisch sitzen, lachen, voneinander erfahren, Zeit zusammen verbringen, Worte und Gedanken teilen, ein Gebet sprechen und auf das gemeinsame Wohl anstoßen.
Auch Jesus kannte das Ritual des miteinander Essens. Mit Zachäus dem verachteten Zöllner sitzt er am Tisch und hält Mahlgemeinschaft. Diese Begegnung ist wie eine Zusammenfassung des öffentlichen Wirkens Jesu. Umkehr und Buße sind nicht Voraussetzung für unser Wohl, sondern durch die Zuwendung Gottes zu uns Menschen wird uns seine Liebe zu teil.
Ich grüße Sie mit dem Wochenspruch für die kommende Woche aus Lukas 19,10: „Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“

Von Oltmann Buhr, Diakon in der Kirchengemeinde Timmel

24. Juni 2017: Glauben heißt wissen

Ich denke an einen jungen Mann. Er stand vor meiner Tür. Um den Hals hatte er eine dünne Kette mit einem kleinen Kreuz. Das hielt er mir unter die Nase und fragte: „Kannst du das taufen?“ Als ich nicht gleich verstand, wurde er deutlicher: „Kannst du das Kreuz taufen oder so? Damit mir das Glück bringt!“ Nein – das konnte ich nicht. Ich habe versucht, ihm zu erklären, warum nicht. Aber mein Besucher ging davon und wollte sich einen anderen Pastor suchen, der „nicht so pingelig“ ist.
Eine etwas schräge Begegnung – aber im Grunde genommen konnte ich gut verstehen, worum es dem Mann ging: Er wollte etwas, an das er sich klammern kann. Das ihm ein bisschen Sicherheit vermittelt in dieser Welt, in der vieles aus den Fugen geraten ist. Sicherheit in einer heillosen Welt. Ein Bekannter von mir legt großen Wert darauf, dass sein Maskottchen im Auto immer dabei ist, befestigt am Rückspiegel. Auf meine Frage, ob er da wirklich dran glaubt, entrüstet er sich: Natürlich nicht, das sei nur so ’ne Angewohnheit. Ich meinte darauf, dann könne er das Ding ja auch rausnehmen. Nein! Unmöglich! Irgendwie wäre ja dann das Sicherheitsgefühl weg. „Man kann ja schließlich nie wissen.“ Kann man nie wissen? Natürlich nicht, sagt er. Alles, was man glaube, was man glauben müsse, wisse man nun mal nicht. „Glauben“ heiße „nicht wissen“. Und da müsse eben jeder selber sehen, wie er ein Stück Sicherheit bekomme.
Man kann nie wissen? Muss man also mit ihr leben, mit der Angst vor dem nächsten Tag?
Muss man mit der Angst vor dem „Schicksal“ leben? Muss man sich zufrieden geben mit „Glücksbringern“ oder den Tagesanweisungen in Horoskopen? Muss man leben wie auf Glatteis – immer in Schleudergefahr? Man muss nicht! Niemand ist einem blindwütigen Schicksal ausgeliefert. „Glauben“ heißt: wissen! Wissen, dass da ein Gott ist, dem ich nicht gleichgültig bin. Der zuhört, wenn ich mit ihm rede. Dessen Liebe mich umgibt – egal, was passiert in meinem Leben. Der mir sagt, wo ich herkomme. Welchen Sinn mein Leben hat. Der am Ende meines Weges auf mich wartet.
Wer sich an ihn hält, dem verspricht er durch Jesus: „Ich bin bei dir alle Tage!“ (Mt 28,20). Also: Du musst keinen Schritt mehr gehen, an dem ich nicht bei dir bin! Welchen Weg du auch gehen musst – du gehst ihn nicht alleine! Ich kenne viele, die daraus Gelassenheit schöpfen, sich auf ihr Leben konzentrieren und das anpacken, was es zu tun gibt. Ohne ständig Angst haben zu müssen. „Ich bin bei dir alle Tage!“ Es tut gut, sich daran erinnern zu lassen – in diesem Sinne: Herzlich willkommen im Gottesdienst!

Von Hermann Reimer, Pastor in Spetzerfehn

17. Juni 2017: Schöner scheitern

Im schwedischen Helsingborg hat das „Museum des Scheiterns“ eröffnet. Gründer Samuel West präsentiert gefloppte Erfindungen: Dinge, von denen die Erfinder sich Großes erhofften, die aber letztlich scheiterten.
Wie kam Samuel West auf diese erst einmal verrückt erscheinende Idee? Im Interview sagt er: „Wenn wir etwas Neues wollen, müssen wir Fehlschläge hinnehmen.“ Besucher der Ausstellung empfinden es als befreiend, dass selbst die Großen scheitern können: „Wenn Google scheitern kann, dann muss ich mich nicht schämen, wenn ich scheitere.“
Mir geht es ähnlich, mir gefällt die Idee dieses Museums, lässt sie doch einen liebevollen, annehmenden Blick auf mein persönliches Scheitern zu: auf das Scheitern von Beziehungen oder beruflichen Projekten, von Idealvorstellungen, von Ideen oder Wünschen, wie ich gerne lieber wäre oder andere mich sehen sollten. Manchmal bin ich verzweifelt über all das, was nicht gelungen ist und leide unter dem Auseinanderklaffen von Wunsch und Wirklichkeit. Das Scheitern als Ausgangspunkt für etwas Neues zu sehen – das fällt nicht leicht. Wenn überhaupt, ist das oft erst im Nachhinein möglich.
Als Jesus am Kreuz starb, konnte das von seinen Anhängern zunächst nur als Scheitern verstanden werden. Jesus war mit seinen Ideen gescheitert und seine Botschaft hatte eine vernichtende Niederlage erlitten.
Kurze Zeit später aber deutet der Apostel Paulus dieses Ereignis so: „Die Botschaft, dass für alle Menschen am Kreuz die Rettung vollbracht ist, muss als barer Unsinn erscheinen – wir aber erfahren darin Gottes Kraft.“ Gerade im Scheitern, gerade in der Niederlage, im Schmerz und im Gefühl tiefster Verlassenheit steckt der Keim zu etwas Neuem. Und so geschah das, was nach den Regeln dieser Welt abwegig oder unsinnig erscheint: Der Tod Jesu und die Begegnungen, die seine Anhänger danach mit ihm hatten, wurden zum Ursprung einer neuen Bewegung – und zum Grund der Hoffnung darauf, dass auch unser eigenes Scheitern nicht umsonst ist und einen Wert hat.

Von Ulrich Menzel, Pastor an der IGS Aurich-West

10. Juni 2017: Gefällt mir

Ausgerechnet die Bayern. Mit 42 Millionen Likes bei Facebook steht der FC Bayern an der Spitze. Ach Arne, falls du dies liest, der BVB nimmt den zweiten Platz mit 15 Millionen Likes ein.
Likes, das heißt „Gefällt mir“. Sie sind nicht bei Facebook? Das spielt keine Rolle. Denn: Wer freut sich nicht, wenn andere Gefallen an einem finden? Ich finde dich toll. Du hast mir gefehlt. Was würde ich nur ohne dich machen? Ich hab dich lieb. Ich liebe dich. Heute beim Frühstück schon solches gehört? Sie glücklicher Mensch. Vor ein paar Tagen erst? Klasse. Schon länger her? Sie können sich gar nicht mehr daran erinnern? Das tut weh.
Wertschätzung erleben und erfahren, das Wissen gemocht zu werden, das brauchen wir doch. Es tut gut, das auch mal zu hören. Nicht immer vermuten, der andere wird das schon wissen. Sagen Sie es doch mal laut. Morgen werde ich Kindern von sechs und sieben Jahren dies direkt zusprechen. Sie kommen zum Tauferinnerungsgottesdienst. Sie werden hören: In Gottes Augen bist du unendlich wertvoll. Gott hat dich lieb. Das ist ein Like, der gut tut. Durch die Taufe sind wir Gottes Kinder. Er kennt uns mit Namen und verspricht unser Leben zu begleiten.

Von Walter Uphoff, Pastor in Middels

3. Juni 2017: Pfingsten ist immer möglich

Als es geschah, saßen sie in Jerusalem traurig und ängstlich zusammen. Nein, damit hatten sie in dieser Situation nicht gerechnet, dass Gottes Geist sie plötzlich neu beseelte, sie mutig wurden und aus ihrem Haus herauskamen. Sie stellten sich auf den öffentlichen Platz der Stadt und erzählten voller Begeisterung von Jesus und seinen Taten und von seiner Auferstehung. So luden sie andere zum Glauben an Christus ein.

Dass einige spotteten, war ihnen egal. Denn viele kamen, hörten sie reden und verstanden in ihrem Herzen, was sie sagten, und ließen sich taufen.

Als es geschah, da wussten sie alle selbst nicht, wie es kam. Aber als an dem Tag in Jerusalem die Sonne unterging, da waren es nicht mehr ein paar Jünger, sondern Tausende, die nun an Christus glaubten.

 

So berichtet die Bibel von dem ersten Pfingstfest in Jerusalem und jedes Jahr zu Pfingsten erinnern wir uns an diese Geschichte. Gottes Geist, seine Kraft, sein Segen kam über die Menschen und sie spürten die Veränderung. Das war nur der Anfang, denn immer wieder haben Menschen im Glauben die Erfahrung gemacht, dass Gott ihr Leben verändert. Dass aus ängstlichen mutige Menschen werden, dass sich Perspektiven und Wege aufzeigen, die man vorher nicht gesehen hat. Dass ein Ruck durch das Leben geht und klar wird, es muss und kann sich etwas verändern. Gottes Geist ermutigt und befähigt Menschen, zu leben und sich nicht durch Ängste und Selbstzweifel vom Leben aussperren zu lassen.

Immer, wenn es geschieht, dass Gottes Geist Menschen zum Leben, zur Liebe und zur Freiheit befähigt, dann wird klar, dass niemand diesen Geist für sich erzwingen kann. „Gottes Geist ist frei und weht, wo er will“, heißt es in der Bibel.

Mir gefällt, dass dafür die Taube als Symbol gewählt worden ist. Gottes Geist, der hineinschwebt ins Leben wie eine Taube, sich hier und da hinsetzt und wohl auch wieder weiterfliegt, unverfügbar. So wie Noah in der Arche die Taube sehnsuchtsvoll erwartete bis sie kam, einen Ölzweig im Schnabel hielt und damit anzeigte, dass Hoffnung besteht für das Leben und einen Neuanfang.

Pfingsten ist jederzeit möglich, auch bei uns!

Von Dr. Detlef Klahr, Landessuperintendent des Sprengels Ostfriesland-Ems

27. Mai 2017: Schuster, Müller, Kaiser

„Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt, des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht. Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid, die Vöglein hört man singen, die Loben Gott mit Freud“ (Ev. Gesangbuch 501, 1606).

Rainer Hecker, Pastor in Aurich-Oldendorf

An Himmelfahrt bekam ich doch so ein kleines „Geschoss“ direkt ins Gesicht. Abends beim Füttern der Hühner für den nächsten Tag. Da lag dieses „Geschoss“ vor mir auf dem Rücken, die Beine strampelten nach oben; sie fanden sofort an meinem Zeigefinger halt. Die Fühler des Tierchens am Kopf tasteten voran. Welch ein Glück! Es gibt sie wieder häufiger, die Maikäfer.
In längst vergangener Kinderzeit bekamen sie Beinamen wie Schuster, Schornsteinfeger, Müller, gar Kaiser, diese hatten ein purpurrotes Halsschild und standen gegenüber dem Fußvolk der Maikäfer ganz oben und galten als selten und hatten auf dem Schulhof einen hohen Tauschwert. „Tausche Müller und Schuster gegen einen Kaiser.“ So hatten sie einen hohen Sammlerwert bei Kindern, denn es gab Zeiten, da waren die Maikäfer sehr selten geworden und sie galten als Glücksbringer und Frühlingsboten. In manchen Jahren traten Maikäfer in großen Mengen auf und wurden deshalb auch hartnäckig bekämpft, weil sie dann als Schädlinge galten. Das sieht der seltene Wiedehopf ganz anders: Er braucht die kräftigen Käfer, die lange im Erdreich ruhten, zur Aufzucht seiner Jungen als Nahrung. Egal ob Kaiser, Müller oder Schuster, wichtig ist: „Es gibt ihn noch! Und wieder mehr.“
Die Schöpfung findet ihr Gleichgewicht zwischen Beute und Jäger. Hätten wir Menschen alleine das Sagen, sähe es sehr dunkel für unseren Erdball aus. Da ist es, denke ich, gut zu wissen: Da ist Gottes Güte, sie bleibt mein Helfer jetzt und allezeit. So singt es der Verfasser des 63. Psalmes: „Du Gott, bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich, dass all die kleinen und großen Geschöpfe mich hinweisen, auf den, der alles einst ins Leben rief, Maikäfer, Storch und Schwalben und viele mehr, dir sei Lob’ und Ehr’, weil alles grünt und blüht, die Blüt’ zur Frucht vermehre.“ Wieder das Lied „Wie lieblich ist der Maien“ (Ev. Gesangbuch 501).
Es ist beruhigend zu wissen, Gott, dass du da bist und auf unseren Lebensweg achtgibst.
Gehen müssen wir ihn selber.

Von Rainer Hecker, Pastor in Aurich-Oldendorf

Himmelfahrt 24. Mai 2017: „Ich bin dann da…“

Kinder können am schönsten sagen, was unseren Glauben ausmacht. Ich frage Kindergartenkinder: „Was macht Jesus im Himmel?“ Meldet sich ein kleiner Junge: „Er sagt Gott, dass er gut zu uns sein soll.“ – Jesus, aufgefahren in den Himmel, wirbt bei Gott um Sympathie für uns Menschen. Damit ist alles gesagt. Ich habe dieses Glaubensbekenntnis eines fünfjährigen Jungen für mich übernommen. Er hat mir geholfen zu verstehen, was wir am Himmelfahrtsfest feiern. Der Altar in der Auricher Lamberti-Kirche zeigt ein wunderbares Bild: Auf einem Berg sind die beiden Fußabdrücke Jesu zu sehen. Jesus selbst entschwebt in den Himmel. Zu sehen sind nur noch seine beiden Füße, noch von den Nägelmalen am Kreuz gezeichnet.

Tido Janssen, Pastor in der Lamberti-Gemeinde und Superintendent des Kirchenkreises Aurich

Nun muss man heute wohl kaum lange erklären, dass die Rede von einer „Fahrt in den Himmel“ jenes antike dreistöckige Weltbild voraussetzt, das nicht mehr das unsrige ist. Als ob Jesus tatsächlich eine Weltraumfahrt angetreten habe! So etwas heute zu behaupten, wäre absurd. Zur Zeit, als Lukas den Bericht über die Himmelfahrt schrieb und auch noch als der Lamberti-Altar zu Beginn des 16. Jahrhunderts angefertigt wurde, war diese Vorstellung durchaus nicht ungewöhnlich. Damals wurde von vielen „Entrückungen“ berichtet, nicht nur von Jesus, auch von Herakles, Romulus, Alexander dem Großen und anderen. Erzählt wird ein Entschwinden von der Erde. Nie geht es um die eigentliche Himmelsreise, denn weder der Weg in den Himmel noch die Ankunft im Himmel werden erzählt. Meist verdeckt eine Wolke schnell den Entrückten, ein Zeichen für die Nähe und Unnahbarkeit Gottes.
Die Himmelfahrt erzählt also nichts anderes, als dass Jesus jetzt bei Gott ist. Dies ist nichts anderes als ein besonders herausgehobener Aspekt des Ostergeschehens.

Mit der Himmelfahrt sagt Jesus nicht: „Ich bin dann mal weg.“ Sondern: „Ich bin dann mal da. Bei Gott. Und lege bei ihm ein gutes Wort für Euch ein.“ Jesus ist jetzt nicht mehr nur an einem einzigen irdischen Ort. Eingegangen in Gottes Wirklichkeit ist er dann wie Gott selbst überall für uns da.

Etwas anderes kommt hinzu. Die zurückbleibenden Jünger werden direkt angesprochen: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ (Apostelgeschichte1,11). Der Erzähler Lukas schreibt uns allen ins Stammbuch: Wartet nicht untätig darauf, dass Jesus aus dem Himmel wiederkommt. Guckt in die Welt! Geht hin und erzählt selbst von diesem Jesus! Er will auch Euch allen heute sagen und zeigen, dass Gott Euch nahe ist.

Das Bild auf dem Lamberti-Altar zeigt deshalb sehr schön: Jesus hat auf dieser Welt große Fußspuren hinterlassen. In vielen biblischen Geschichten finden wir sie. Darüber hinaus ist er auferstanden und jetzt bei Gott. Dort ist er unser Fürsprecher.

Von Tido Janssen, Pastor in der Lamberti-Gemeinde und Superintendent des Kirchenkreises Aurich

20. Mai 2017: Mut zu innerer Einkehr

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
Psalm 66, Vs.20

Hast Du noch Fragen, Bitten oder Wünsche? Oder bist Du satt, gesättigt, wunschlos glücklich oder ist Dir alles egal? Das Leben stellt so viele Anforderungen an uns, dass wir nicht mehr klar auf uns selber schauen. Im Jetzt stehen wir: Wie komme ich durch? Wie setze ich mich durch? Wo bleiben die Zwischentöne, das Ungewisse, das Suchende? Habe ich Anlässe, still zu werden, Pausen zu genießen, die Hände einfach mal zum Gebet zu falten? Will ich das? Bringt mir das was? Muss ich mich schon wieder wehren gegen eine Unterstellung, einem Vorwurf, einer modernen fake-Nachricht?

Das Leben ist vielfältig und anspruchsvoll, nicht leicht und einfach. Das wusste auch der Psalmbeter. Er macht Mut, es wieder mit der inneren Einkehr zu versuchen. Wer betet, bringt seine Anliegen, seine Sorgen und Wünsche zum Ausdruck. Er lädt sie sozusagen beim Adressaten ab. Der Angeredete, der Gebetene, ist Gott. Ja, er ist noch da. Es gibt ihn noch inmitten der Unübersichtlichkeit dieser Welt. Und er steht wohlwollend und annehmend mir gegenüber; er bleibt positiv eingestellt zu uns: Seine Güte bleibt, wendet sich nicht von uns.

Michael Schlieker, Pastor in Simonswolde

Nächste Woche beginnt der Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg. Menschen kommen zum Singen, Beten, Spaß haben und sich Gedanken machen um Gott und die Welt. Das Motto lautet: „Du siehst mich“! Gott sieht Dich und mich – und er sieht wohlwollend auf uns und wendet seine Güte nicht von uns ab, ob in Berlin, Wittenberg, Aurich, Norden, Georgsheil, Ihlow oder Wiesmoor. Darum dürfen wir ihn loben, dass Er uns sieht und hört, unsere Gebete annimmt und in seiner Güte bei uns ist. Bei ihm dürfen wir uns fallen lassen, uns Zeit nehmen, Wünsche formulieren, Fragen aussprechen, Bitten denken und das Suchende zulassen. Und ob wir nun in der vor uns liegenden Woche bleiben oder reisen, traurig sind oder uns freuen, unser Gott ist bei uns, Tag und Nacht. Dank und Lob dafür. Amen

Von Michael Schlieker, Pastor in Simonswolde

13. Mai 2017: Verbindungen

Schon lange bin ich auf der Suche nach meinen Wurzeln – die Ahnenforschung hat mich gepackt. Sie führt mich immer wieder in eine weite Welt. Ich lerne viel – so z.B. über Geschichte – Das, was ich einmal im Geschichtsunterricht gehört hatte, kommt mir jetzt selber nah, weil es meine eigene Familie betrifft. Ich lerne Sprache und Schrift ganz neu entdecken und denke an so manche meiner vielen Konfirmanden in den Jahren: Wie schlecht lesen die Kinder z.T. – und sollen sie dann mal ausnahmsweise einen Text lesen, der in einer alten verschnörkelten Druckschrift geschrieben ist, dann ist das fast unmöglich. Ich entdecke, wie viele Menschen mit mir verbunden sind – und erschrecke oft, wie wenig vielen Menschen heute noch über ihre Familien wissen. Ja oft kennen die Kinder nicht mal die Namen von Onkel und Tante. Viele leben weiter auseinander und die Kontakte werden dünner, manche reißen ganz ab. Das Forschen nach den Wurzeln meiner Familie hat mir ein ganz neues Gefühl für den Halt im Leben gegeben – ich gehöre in ein großes Geflecht von Menschen hinein, die in irgendeiner Weise, ob nah oder fern, mit mir verwandt sind. Uns verbindet etwas.

Harald Lemke, Pastor für Westerende, Bangstede und Barstede

Schließlich lerne ich auch etwas über die Konfessionen und die Probleme, die sie den Menschen vor noch gar nicht allzu langer Zeit bereitet haben. Was waren damals verschiedene Konfessionen in der Ehe für ein Problem, was gab es da für Verwerfungen. Gott sei Dank ist das überwunden. Ich habe im Zuge dieser Forschung immer wieder entdeckt, wie sehr der Gedanke Gottes aus dem 1.Buch Mose seine Berechtigung hat: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ Wer sich auf der Suche nach seinen Ahnen befindet, der wird viele Geschichten entdecken, die davon berichten, wie gut es ist, nicht nur „Ich“ sagen zu können, sondern das „Wir“ zu leben. Bei allen Problemen, die das auch immer wieder mit sich bringt. Gott setzt auf das „Du“. Für mich ist es spannend zu entdecken, wer alles zu diesem „Wir“ meiner Familie und zu mir gehörte und gehört. Sollte Sie anfangen wollen – viel Spaß bei der Suche. Es lohnt sich.

Von Harald Lemke, Pastor in Westerende, Bangstede und Barstede

6. Mai 2017: Freude verwandelt

Lachen ist gesund. Medizinische Untersuchungen zeigen: Wer lacht, lebt länger und lebt länger gesünder. Regelmäßiges Lachen führt dazu, dass Patienten schneller wieder gesund werden. Lachen ist „Aspirin für die Seele“ – so lässt sich lesen. Lachen befreit von Anspannung, Stress, Ärger und Angst. Beten übrigens auch. Fröhlich beten ist also doppelt gesund. Und darum geht es genau an diesem Sonntag, der den Namen „Jubilate- jubelt!“ trägt. Jubilate! Jubelt! Seid fröhlich, denn alles ist neu geworden!

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe neues ist geworden. 2. Kor 5,17

Pastorin Christiane Schuster-Scholz aus St. Jürgen zu Holtrop, Akelsbarg, Felde, Wrisse und Bietzefeld

So wirkt Ostern weiter. Die Osterzeit, in der wir uns jetzt befinden, ist eine fröhliche Zeit. Eine Zeit, in der die Freude im Mittelpunkt steht. Es ist eine Zeit, in der gelacht werden kann. Gelacht, wie im Ha-ha-ha- im Halleluja. Lachen, das kann man aus ganz verschiedenen Gründen. Eigentlich müssten wir Kinder fragen: Kinder lachen am Tag etwa 400 Mal. Erwachsene hingegen im Schnitt nur 15 Mal. Um zu lachen, fallen mir 3 Gründe ein: Ich lache, wenn etwas komisch ist. Oder ich lache auch, wenn ich mich freue, etwa, wenn mir ganz unverhofft etwas geglückt ist. Oder ich lache, wenn ich jemanden auslache. Wenn Menschen über einen anderen lachen, ist das eigentlich nicht schön. In den Ostergeschichten wird allerdings der Tod ausgelacht, weil er ausgespielt hat. Er hat keine Macht mehr. Und dieses Lachen ist dann so etwas wie ein Glaubensbekenntnis.

An Jubilate feiern wir in unserer Holtroper Kirche Konfirmation. Auch da gibt es viel Spannung, auch da wird viel gelacht. Jugendliche bekennen sich zum christlichen Glauben. Sie machen sich fest im Glauben, antworten mit ihrem „Ja“ auf Gottes „Ja“, das er längst zu ihnen gesagt hat. In unserer Gemeinde tun sie das mit Handschlag. Manches hat sich bei ihnen verändert. Schon rein äußerlich. In ihren Festkleidern sehen sie ganz anders aus. Aber auch innerlich. Wenn ich Vertrauen wage, Gott im Gebet in die Hand legen kann, was mich niederdrückt, dann verändert das mein Leben. Und auch, wenn ich am Ende eines Tages überlege: „Wofür kann ich Gott an diesem Tag danken?“ Das macht das Herz leicht. Ich schöpfe ganz neue Kraft. Und manchmal kann ich im Rückblick auf ein Missgeschick ganz einfach herzlich lachen. „Euer Herz soll sich freuen und diese Freude kann niemand von euch nehmen.“

Ihre Pastorin Christiane Schuster-Scholz aus St. Jürgen zu Holtrop, Akelsbarg, Felde, Wrisse und Bietzefeld

29. April 2017: Hirten

„Mögen Sie Schafskäse?“ Bevor ich eine Antwort geben konnte, entschied mein Gegenüber lachend: „Ich bringe Schafskäse mit. Das passt zu Ostern und zur Kirche.“ Sie hatte recht: Schafe und Ostern gehören zusammen – nicht nur, dass Menschen in biblischer Zeit von diesen Herdentieren lebten, sondern die wolligen Vierbeiner haben es ins Alte und Neue Testament geschafft.
Am morgigen Sonntag „Misericordias Domini“ (lat. Barmherzigkeit des Herrn) stehen Schafe zusammen mit ihren Hirten, die sie hüten, im Mittelpunkt. Seit der Konfirmandenzeit kennen viele den Psalm 23. Besonders der erste Vers berührt auf eigene Art: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Das Bildwort vom Hirten beschreibt, wie Gott sein will. Menschlich, warm und barmherzig wird von Gott erzählt, der uns zu grünen Auen führt und das gute Leben gönnt. Der Psalm 23 erzählt, ohne viele Worte zu machen: Gott sorgt und kümmert sich, führt und hält Menschen zusammen. Auch Jesus spricht von sich selbst als einen Hirten. Allerdings nimmt er es genau: Er spricht von einem guten Hirten. Vor 2000 Jahren war die Lebenswirklichkeit rau: Es gab damals schon die schlechten Hirten, die verführten und ausnutzten.
Immer sind schlechte Hirten unterwegs, die Tatsachen verdrehen, und auf ihren Vorteil bedacht sind, überall und grenzübergreifend. Was macht einen guten Hirten oder eine gute Hirtin aus? Das ist eine aktuelle Frage in diesen Tagen der politischen Wahlen und Weichenstellungen.

Silke Kampen, Pastorin In Wallinghausen

Jesus antwortet konkret: Der schlechte Hirte hat kein inneres Verhältnis zu den Schafen seiner Herde. Sobald Gefahr droht, lässt er die Herde im Stich, um sein eigenes Leben zu retten. Der gute Hirte hingegen stellt das Wohl seiner Herde über das eigene.
Hirtinnen und Hirten dieser Zeit, also Menschen, die Verantwortung tragen wollen und sollen, müssen sich nach ihren Maßstäben, inneren Beziehungen zur Gemeinschaft und ihren grundsätzlichen Werten befragen lassen. Schließlich sind die, die diese Rechenschaft fordern – die „Schafe“ , nicht unmündig und dumm! Trotzdem ist es schwer, in der Masse der Information und Bilderfluten die Zeitgeister zu unterscheiden, die guten und zuverlässigen Hirtinnen und Hirten zu entdecken und Vertrauen zu fassen.
Es ist keine Sache nur des eigenen Geschmacks, sondern der eigenen Mündigkeit und des wachsamen Blicks. Jesus legt die Messlatte hoch: Er weiß, dass er den Weg des guten Hirten gehen wird, deshalb kann er sagen: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte setzt sich für seine Schafe ein, für die Erfolgreichen wie für die, denen Glück und Erfolg abhandengekommen sind, für die ewigen Gewinner, aber mehr noch für die, bei denen so vieles auf dem Spiel steht. Das ist die beste Botschaft der Welt und diese Entscheidung ist bereits gefallen.

Von Silke Kampen, Pastorin in Wallinghausen

22. April 2017: Wie neu geboren

„Ich fühle mich wie neu geboren…“ – nach einem wohltuenden Bad, einer Nacht mit ausreichend Schlaf, einer entspannenden Massage, dem Saunagang oder wenn ich nach der Gartenarbeit erfrischt aus er Dusche steige. „Ich fühle mich wie neu geboren“ – ein wunderbares Gefühl, wenn die Kräfte zurückkehren, und ich mit neuem Schwung an die nächsten Herausforderungen herangehen kann.

Sandra Stelzenberger, Diakonin in Victorbur und Weene

 

Daran erinnert mich der erste Sonntag nach Ostern. Er hat den lateinischen Namen „Quasimodogeniti“. Übersetzt heißt das „Wie die neugeborenen Kinder“. Mit ihnen werden in der Bibel die Menschen verglichen, die beginnen, an Gott zu glauben. Der Apostel Paulus hat es einmal so formuliert: „Wenn jemand zu Christus gehört, ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen; etwas ganz Neues hat begonnen!“ Aber was bedeutet es, wie ein neugeborenes Kind zu werden? Es heißt nicht, dass ich mein Leben ein zweites Mal lebe. Manchmal wünsche ich mir das, um dann bessere Entscheidungen zu treffen oder Fehlern aus dem Weg zu gehen. Aber ich befürchte: Selbst wenn mir das bei einem zweiten Versuch gelingen würde, würde ich neue Fehler machen und andere falsche Entscheidungen treffen.

Wer anfängt, an Gott zu glauben, fängt nicht bei null an. Er behält seine Vergangenheit mit allem Guten und allen Fehlern. Dennoch wird sein Leben ganz neu. Es wird neu, weil er sich an Jesus Christus bindet. An Jesus zu glauben heißt: Ich vertraue auf ihn. Ich nehme es für mich an, dass er am Kreuz gestorben und drei Tage später auferstanden ist. Ich bekenne meine Schuld und bitte ihn und Menschen um Vergebung.

Wer so an Jesus Christus glaubt, ist wie neu geboren. Er hat nämlich die Chance, jeden Tag ohne Altlasten in die Zukunft gehen – wie neugeborene Kinder. Gotteskinder eben.

Ich fühle mich wie neu geboren – das ist vielmehr als ein gutes Gefühl nach einem langen Tag. Neu geboren sein bedeutet: Ich bin als Gottes Kind unterwegs – mit einem Vater im Himmel, der mir jeden Tag einen Neuanfang schenkt und mich darum ermutigt, niemals aufzugeben.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen

Sandra Stelzenberger, Diakonin in Victorbur und Weene

Ostern 15. April 2017: Ostern – vom Leben umfangen

Dr. Detlef Klahr, Landessuperintendent im Sprengel Ostfriesland-Ems

„Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?“ So dichtete es Schalom Ben-Chorin 1942 in Jerusalem. Er setzte damit den Frühling und die zarten Blüten des Mandelbaumes gegen die schroffe und harte Wirklichkeit des Krieges und die Vernichtung der Juden.
Die leichten Blüten im Wind gaben ihm Hoffnung, dass das Leben siegt. Es ist ganz und gar nicht selbstverständlich, dass Menschen immer wieder an der Hoffnung festhalten, dass am Ende die Liebe und das Leben siegen.
Am Osterfest geht es aber genau um diese unerhörte Hoffnung, gegen allen Augenschein den Glauben an den Sieg des Lebens festzuhalten. Nicht Terror und Gewalt, nicht Krieg und Elend, nicht Menschenverachtung und Tod behalten das letzte Wort. Zart und doch unübersehbar setzt sich Gottes Handeln der Liebe in dieser Welt durch. Das Leben siegt über den Tod. Dies werden wir als Christen Ostern wieder weltweit feiern. Mitten in den Erfahrungen von Leid und Tod ist unser Osterglaube oft selbst nur wie eine zarte Blüte im Wind. Aber eben auch darin ein wunderbarer Hinweis auf den Sieg des Lebens, den Christus uns in seiner Auferstehung geschenkt hat.
Wenn wir die Osterbotschaft von Jesu Auferstehung in unserer Wirklichkeit hören, ahnen wir wieder, was es bedeutet, an das Wunder des Lebens zu glauben.
Martin Luther hat diese widersprüchliche Erfahrung unseres Lebens mit Blick auf Ostern wunderbar treffend zusammengefasst, wenn er sagt: „Mitten im Leben sind wir vom Tode umfangen. Kehr’s auch um: Mitten im Tode sind wir vom Leben umfangen.“
Manchmal ist es ein Blütenzweig oder eine zarte Geste der Liebe, die uns diese Kehrtwende wieder in Erinnerung ruft, dass das Leben siegt.
Ich wünsche allen ein frohmachendes und gesegnetes Osterfest.

Von Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr, Sprengel Ostfriesland-Ems

8. April 2017: Wellness für die Seele

Das Telefon klingelt. Ich hebe den Hörer ab: „Andreas-Kirchengemeinde Plaggenburg, Pastor Ott, Moin.“ Eine freundliche Frauenstimme spricht mich in ziemlichem Tempo an: „Guten Tag, ich habe bei Ihnen ein Wellness-Wochenende gebucht.“
„Sie haben bei mir ein Wellness-Wochenende gebucht?“
„Ja.“
„Entschuldigen Sie, sind Sie sicher?“
„Bin ich denn nicht bei….“
„Sie sind hier bei einer Kirchengemeinde und ich bin der Pastor.“ Die Frau am anderen Ende spricht jetzt langsamer: „Oh, da muss ich mich verwählt haben.“
„Das passiert hier öfter. Wahrscheinlich haben Sie einfach eine Zahl nach der Vorwahl ausgelassen oder zu schnell getippt.“
„Ach so.“
„Ach, das macht nichts. Da sind sie nicht die erste. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende bei….“
Wir legen beide gleichzeitig unter entspanntem Gelächter auf. Das war überraschend und erfrischend.

Roman Ott, Pastor in Plaggenburg

Dieser Dialog hat tatsächlich so ähnlich stattgefunden und ist insofern keine Erfindung. Die Begegnung am Telefon war amüsant. Sie ist aber auch nachdenkenswert. Menschen wollen sich entspannen, mal rauskommen, mal auftanken, körperliche Fitness verbessern. Sie brauchen es, neue und ungewöhnliche Erfahrungen zu machen. Wohltuend soll es sein, aber wenn etwas fremd ist, möchte man doch begleitet werden, damit man nicht zu sehr verunsichert wird.
So kümmern sich Menschen um etwas, das sonst zu kurz kommt und sie lernen etwas dazu. Manchmal suchen sie besondere Herausforderungen. Es geht um körperliche Erfahrungen, aber auch um alle Sinne, den ganzen Menschen, mit Geist, Seele und Leib.
Menschen können sich an ihren wöchentlichen Ruhetagen auch um ihre Seele kümmern, klassisch-traditionell vielleicht oder auf eigene Weise. Es soll etwas für Leib, Seele und Geist bewirken. Auf eine etwas andere Art und Weise als es bei dem Gespräch am Telefon thematisiert wurde, kann man etwas für seinen Glauben und seine Seele tun. Dafür ist hierzulande der Sonntag besonders geschützt. Vielleicht macht man das mit der „Seelenpflege“, dem „Wellness-Wochenende“ nur als Ausnahme, vielleicht selten, aber doch regelmäßig.
Gott sei Dank – in genau dem wörtlichen Sinn – gibt es den Sonntag, um sich anregen zu lassen und die Kontakte zu Gott, zu anderen Menschen und zu sich selber zu pflegen.
Wellness für die Seele? Ja, so könnte man diesen besonderen Tag auch verstehen.

Von Roman Ott, Pastor in Plaggenburg

2. April 2017: Vor grauem Haupt aufstehen …

„Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der Herr.“ (3. Mosebuch 19, Vers 32)

Aufstehen!
Natürlich hatte ich das gelernt, als junger Mensch.
Dass man aufsteht, wenn ein schwächerer, unsicherer stehender älterer Mensch in den Bus oder in den Zug einsteigt. Ich will hilfreich sein, wo das körperliche Alter eben Hilfe brauchen kann.

Aufstehen!
Natürlich hatte ich das gelernt, mich beim Begrüßen zu erheben, wenn ein graues Haupt den Raum betritt.
Denn der Ältere soll sich ja nicht herunterbeugen müssen, weder im körperlichen, noch im übertragenen Sinne. Die große Lebens-Erfahrung ist zu würdigen. Ich will zeigen, dass ich Achtung habe
vor allen Lebens-Leistungen, die ein Mensch mit vielen Lebensjahren „auf dem Buckel hat“.

Aufstehen!
Natürlich hatte ich das gelernt, als Jugendlicher im Religionsunterricht, dass man Vater und Mutter, dass man die Älteren ehren soll, auf dass man selber lang, gut, geachtet und gestützt leben kann. Ich will vorbildlich für Ältere da sein, damit die Jüngeren dieses Da Sein für die Älteren – und auch einmal für mich – in ihrem Gedächtnis und Herzen bewahren.

Die Alten ehren…
„Ehren“ bedeutet im Hebräischen eigentlich „schwer machen“, Gewicht verleihen.
Den Älteren mit ihrer Lebenserfahrung Gewicht verleihen in der Familie und in den Gemeinschaften. Auf die wir uns verlassen, auf ihren Rat und ihre Tat.
Wir verleihen ihnen Gewicht, indem wir sie wichtig nehmen. Ihnen zuhören. Uns Dinge zeigen lassen von ihnen.

… Und wir sollen den Alten Gewicht geben, sie „schwer“ machen, – das heißt auch: ihnen immer einen vollen Teller an unserem Tisch gönnen, für sie gut sorgen, auch wenn sie nicht mehr allein für sich sorgen können. Sie sollen es gut haben bei uns, wie wir es gut hatten bei Ihnen. Wir sollen voneinander und miteinander gut leben können. Schließlich: wir sollen ihnen „ihr“ Gewicht geben:
Das Gewicht, das sie in unser Leben hineingebracht haben. Ihr Gewicht als Mutter und Vater, als Oma, als Freund, als Ermutigende und Tröstender, als Hausmitbauende und als Selbstvertrauen aufbauende Nächste in unserem Leben.

Wolfgang Beier, Pastor in Münkeboe und Moorhusen

Ich glaub sogar, das ist das größte Gewicht, das die Älteren für uns haben. Das Gewicht, das sie unserem Leben gegeben haben. Mit ihrer Sorge. Auch mit ihren Schwächen. Vor allem aber: Mit ihrer Liebe. Und dieses Gewicht ihrer Liebe, das spür ich in mir, jedes Mal, wenn ich sie sehe. Und auch, wenn sie kaum mehr etwas tun können, nur noch da sein können. Das tun Sie immer noch, jeden Tag, bis zuletzt. Da sein für mich. Sie nehmen mich wichtig. Sie geben mir Gewicht. Sie haben mich lieb. Ihr Leben lang.

Und dieses Gewicht bewahr ich mir. Indem ich meine geliebten „Alten“ ge-wichtig nehme. In meinem Herzen. Bis zum letzten gemeinsamen Tag. Und darüber hinaus.

Und dann noch: Gott fürchten …. Ehrfurcht haben vor Gott. Davor, wie er uns so geschaffen hat. Dass wir uns gegenseitig Gewicht geben, wichtig nehmen, aufbauen in unserem Leben. Ehrfurcht haben vor Gott. Davor, wie er jedem, jeder von uns Gewicht gibt, um eine gewichtige Aufgabe zu übernehmen in seiner Schöpfung. Vom Anfang bis zum Ende. Vom Kind Sein bis zum Alt Sein. Jeder von uns hat seinen Sinn, hat sein Gewicht für´s gute Leben, fürs Miteinanderleben, – auch mit grauem Haupt. Ehrfurcht haben vor Gott. Und vor jedem seiner Geschöpfe. Und sie ehren, ihnen Gewicht geben.
Auch mir selbst.
Auch im Alter.

Von Wolfgang Beier, Pastor in Münkeboe und Moorhusen

25. März 2017: „Dann ist er bald auch wieder da“

Eine schöne Karikatur von Volker Kischkel („Mock“) zeigt einen Pastor, der in einer Sakristei an seinem Laptop sitzt. Über ihm schwebt undeutlich ein Bleistift mit Flügeln – wohl ein Bild für den Heiligen Geist, der ihm gute Gedanken eingeben soll. Aber dann ist es passiert – der Pastor ist sichtlich ratlos und erschrocken: „Verflucht, jetzt habe ich Gott gelöscht!“
Eine witzige Idee, dass ausgerechnet ein Pastor Gott löscht – und eine absurde dazu. Wer sich mit Computern auskennt, weiß ja: Ein Klick auf den Wiederholen-Button, und Gott ist wieder da. Oder man schreibt es einfach noch mal hin. Also, lieber Pastor: Keine Sorge, Gott ist nicht weg, nur weil du aus Versehen das Wort gelöscht hast.

Uwe Noormann, Pastor in Tannenhausen und Georgsfeld

Aber dann denke ich: So absurd ist die Idee gar nicht. Das Gefühl, dass Gott weg ist, haben vermutlich viele schon gehabt. Manche sagen auch: Der ist sowieso nur ausgedacht, dann kann man ihn auch einfach wieder wegdenken. Ganz so einfach ist das sicher nicht, aber ich verstehe gut, dass man Mühe haben kann mit Gott. Wenn man in einer schwierigen Situation betet, aber es scheint niemand zu hören. Wenn man um Hilfe fleht, aber nichts tut sich. Jede Not und jedes Elend ist eine kritische Anfrage an Gott. Und es gibt keine leichten, schnellen Antworten. Man kann hier und da ein paar Gründe finden, vielleicht sogar eine Erklärung. Aber am Ende gibt es nur persönliche Antworten. Wie glaube ich Gott zu erfahren in dem, was mir begegnet oder auferlegt wird.
Und meine Erfahrung ist: Gott ist der, der mir Trost und Halt gibt. Ich spüre ihn nicht immer, und manche Fragen bleiben offen. Aber ich merke, dass ich trotz allem gehalten werde. Ich habe oft genug gesehen und erlebt, dass sich ein neuer Weg fand, wo alles ausweglos aussah. Das soll mir fürs Erste genügen.
Wichtig ist für mich auch, dass Gott sich in Jesus dem Leid stellt, es aushält, es trägt, und am Ende einen Durchbruch schafft. Ich muss das nicht alles verstehen, aber auch daran kann ich mich anlehnen oder festhalten.
In unserer Bläser-Andacht morgen Abend erzählen wir davon mit dem Gospel: God loves people more than anything. Gottes Liebe ist größer, als wir uns vorstellen können, und sie ist uns nahe gerade auch an den Bruchstellen unseres Lebens. Es gibt Zeiten, in denen man das nicht sehen kann. Da scheint Gott wie gelöscht. Aber wenn man auf den richtigen Knopf drückt – das heißt mit ihm redet, ihn fordert, sich auf seine Worte verlässt – dann ist er bald auch
„wieder da“.

Von Uwe Noormann, Pastor in Georgsfeld und Tannenhausen

18. März 2017: Da müsste Musik sein

So ist es fast jeden Tag im Radio zu hören, wenn der Sänger Wincent Weiss von den herausragenden Momenten des Lebens schwärmt und meint: da müsste dann Musik sein, Trompeten, Geigen und Chöre.
Da müsste Musik sein? Sie ist fester Bestandteil in unseren Kirchen und zu den besonderen Anlässen! Die Lieder mit den vertrauten Texten spenden Trost in der Trauer beim Abschied von einem lieben Menschen. Sie bringen die Freude zum Ausdruck, wenn ein Paar sich vor dem Altar das Jawort gibt. Sie verstärken die Zusagen, die in der Taufe ausgesprochen werden. Bei all diesen Gelegenheiten gehört die Musik ganz selbstverständlich dazu. Unsere Gefühle finden in den Melodien und Texten ihren Widerklang.
Da müsste Musik sein? Unsere sonntäglichen Gottesdienste sind ohne Musik kaum vorstellbar. Die Lieder, in Begleitung mit der Orgel gesungen, befreien die Seele und machen das Herz leicht. Es können die lange bekannten Lieder sein, aber auch neuere können schnell vertraut und lieb werden: „Komm Herr segne uns“.
Da müsste Musik sein? Zum Segen gibt es noch unsere Chöre, so unterschiedlich und jeder Einzelne besonders wertvoll. Immer wieder bereichern sie mit ihren Klängen und den verschiedenen Tönen unsere Gottesdienste. Manchmal steht die Zeit still, wenn ein Chor singt. Wir finden im Hören zu innerem Frieden. Mit ihren Texten sind die Beiträge stets auch ein Teil der Verkündigung. Oft drücken Lieder aus, was mit Worten nur schwer zu sagen ist.
Da müsste Musik sein? Es ist ein Geschenk, dass da so viel Musik ist in unseren Kirchen und Gottesdiensten. Ich möchte Dank sagen denen, die dafür mit sehr viel Liebe und immer neuer Mühe sorgen. Ich sage Dank den Organistinnen und Organisten, die sich Woche für Woche intensiv vorbereiten; auch den Chorleiterinnen und Chorleitern, die besondere Verantwortung übernehmen und auch all denen, die ihren Glauben in einer Chorgemeinschaft leben und zum Ausdruck bringen.
Da müsste Musik sein? Das Lied ist heute Abend live in Aurich in der Stadthalle zu hören. Morgen heißt es dann in unseren Gottesdiensten vor allem anderen: da wird Musik sein!

Von Kurt Booms, Pastor in Weene

11. März 2017: Gott kummt neet mit Knieptang

Wenn du unnerwegs büst, denn kanns’t ook wat beleeben! Nu hebb ik wat hatt, dat mutt ik di eerst vertellen! Elke Johr gahn wi mit’n Bus full Lü van uns Kark up Tour un kieken uns wat in de wiede Welt an. Dor kanns’t alltied n’Bült bi lehren.
Verleden Johr wassen wi in n’ mooien Stadt, de n’dicken Müür um sück tau harr un ook n’deepen Grafft mit Water. Seker wullen se wesen, dat hör nümms in hör Stadt koomen dee, de se dor neet hemm wullen. Vandage sücht dat dor all n’bült frünnelker ut un over de breede Grafft geiht ook mennig Brügg, de di seker over’t Water helpt. De erste Abend as wi dor wassen, was ik düchdig mööi van de Busfohrt un wull geer’n noch eem n’Endje dör de Stadt löpen un eem um mi to kieken. Ik bü’el so för mi hen an de oole Grafft un dor sach ik hum ankoomen. Ik wuur rein’ Spier benaut. Mit groode Stappen kweem dor n grooten jungen Mann anstappen, de was twee Koppen grooter as ik, keek heel gremieteg ut un harr’n heel dicken Knieptang unner’t Arm. „Oha“, doch ik, nu is’t her mit di. Wenn de di nu een mit den Knieptang verpötert, kannst dien Testament maken un hörst bloot noch Engels singen.“
Un ik oll Bangbüx bleev achter’n dicken Boom stahn un bekeek de junge Mann mit de Knieptang. De hett mi heel neet in Luur kregen. Man nu sach ik eerst, wat he wull: de heel Handloop van de Brügg satt vull Schlötten, de junge Pooren mit hör Naamen un’n Hartje dor hen hangen harren. Dat süchst ja nu up mennig Stee. In Köln un Berlin uno ok an’t Knock un ant Pilsmer Füürtoorn. Dat Schlött sall heeten: wi beden blieben binanner, wi hollen tosamen, nix kann uns utnanner rieten. Man hier leep dat anners: So tomal nahm de junge Mann sien Knieptang un kneep een van de Schlöten van de Handlopp off un schmeet hum in’t Water. Se denkt neet mehr an mi un hett mi vergeeten! Ut is’t mit de Leevde! Weg d´r mit. Un he keek dat Schlött ook heel neet mehr na, he nohm sien Knieptang unner’t Arm un stappde weer torügg. Se harren sück net mehr leev – dor sull ook nix van blieben.
As ik weer in Huus was un wi s’ abends uns Andacht harren, muss ik tomal denken: goot, dat uns leeve Vader in’d Himmel neet mit Knieptang unnerwegs is! An de Handloop van heel boben bi Gott bit heel na unnern bi uns hangt so mennig Schlött mit Namen: ook een för di un een för mi – hett uns leev Heer dor süllmst henhangen! He will so geern, dat du un ik un he mitnanner dör’t Leben gahn un fast verbunnen sünt – un blieben! Wo faak denken wi neet an uns Vader in’d Himmel, wo faak vergeeten wi hum. Man he hett di neet vergeeten un he knippt dat Band neet dör! He hett di ook nu van Harten leev un hollt to di! Gott is de Leeve un well in de Leevde blifft, de blifft in Gott un Gott in hum – so segt de Bibel. Vergeet dat neet!

Von Von Jürgen Hoogstraat, Pastor in Victorbur

4. März 2017: Durch Notruf Rettung

Gut, dass es Notrufe gibt, zum Beispiel 110 oder 112. Bei Gefahr für Leib und Leben können so Helfer und Retter schnell herbeigerufen werden. Für Christen gibt es zudem einen weiteren Notruf, für welchen man nicht einmal eine Nummer, geschweige denn ein Gerät braucht. Darauf verweist der Name des morgigen Sonntages: Invokavit (lateinisch; „er ruft mich an“).
Dieser Name bezieht sich auf den 15. Vers des Psalmes 91, wo es heißt: „Er (der Mensch) ruft mich (Gott) an, darum will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen.“ – Ob Du und ich sich an Gott wenden oder nicht, von ihm her gilt unverbrüchlich: Ich bin bei Dir! Dies verspricht er durch Jesus Christus (Matthäus, Kapitel 28, Vers 20b: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“)
Doch erhört Gott auch unsere Notrufe, hilft er tatsächlich? Manche sagen sinngemäß: „Ich habe so viel gebetet, ja, gefleht; es hat nichts genützt.“ Das Gefühl, nicht nur von den Menschen, sondern sogar von Gott verlassen zu sein, kennt sogar der Sohn Gottes, Jesus Christus, der am Kreuz ausruft: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus, Kap. 27, Vers 46b). Aber gerade mit diesem (menschlichen) Schrei klammert sich Jesus an Gott – und wird durch den irdischen Tod hindurchgeführt, hindurchgetragen, zurückgetragen in das vollkommene Leben Gottes ohne Leid und Qual.
Durch diesen Jesus ringt Gott um unser Vertrauen, dass, wie auch immer es um uns stehen mag, wir mit ihm „in Verbindung“ bleiben mögen; durch die Auferweckung Jesu bezeugt er: Er ist bei uns, ganz gewiss, und er trägt mit – und trägt schließlich hindurch durch alle Not. Menschen, die darauf ihr Vertrauen setzen, werden Gottes stärkende Nähe spüren, gerade wenn sie Schweres zu tragen haben.
In diesem Vertrauen hat der Pfarrer Johann Andreas Rothe Worte gefunden, die uns im Evangelischen Gesangbuch (Nr. 354, Strophe 1) überliefert sind: „Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält; wo anders als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, der Grund, der unbeweglich steht, wenn Erd und Himmel untergeht.“
Diese Erfahrung hat wohl auch schon der Beter des 91. Psalmes gemacht (von welchem der morgige Sonntag unter Bezug auf Vers 15 ja seinen Namen hat). Denn zu Beginn des Psalmes heißt es in den ersten beiden Versen: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“

Von Von Hans Bookmeyer, Pastor für besondere Aufgaben im Ev.-lutherischen Kirchenkreis

25. Februar 2017: Wandern mit Jesus

Fünf Kilometer soll man jeden Tag gehen. Das ist gut für die Gesundheit, habe ich neulich in der Zeitung gelesen. Wie wär’s mit einer kleinen Wandertour? Kommen Sie mit? Jesus und seine Freunde sind auch dabei. Etwas länger als fünf Kilometer könnte unsere Tour allerdings werden. Unser Weg führt uns heute durch die Berge von Galiläa. Ich hoffe, Sie haben feste Schuhe an. Es liegen ziemlich viele lose Steine auf dem Weg. Startklar? Dann lassen Sie uns losgehen.

Georg Janssen, Pastor in Ihlow

Was meinen Sie, ob man die Gelegenheit nutzen könnte für ein Gespräch mit Jesus? Wäre ja eine gute Gelegenheit, wenn man so nebeneinander her läuft. Schade. Zu spät! Da war einer schneller. Was fragt er? Was für Jesus das Wichtigste sei, wenn Menschen in seinem Sinne leben wollen. Da bin ich ja mal gespannt. Das kann ja ein langer Vortrag werden. „Das Wichtigste ist…“ Merkt Ihr was? Wir sind nicht die Einzigen, die die Ohren spitzen. „Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Mehr nicht? Ein Satz nur? Habe ich mir doch gedacht, da kommt schon die Nachfrage. „Wer ist das, mein Nächster?“ Gute Frage. Oder will sich da einer nur vor den Konsequenzen drücken? Ganz ruhig erzählt Jesus die Geschichte von einem Mann, der überfallen wurde und der nun verletzt auf der Straße liegt. Zwei hochgestellte Persönlichkeiten drücken sich an ihm vorbei. Erst ein Dritter kümmert sich um den Verletzten. Ein Mann aus Samaria. Einer, der doch gar nicht zum Volk Israel dazugehört, macht es richtig.
Jesus bleibt stehen. Ich glaube, der wartet auf uns. Er lächelt. „Schön, dass wir uns hier begegnen. Wie sieht’s aus bei euch in eurem christlichen Abendland? Spielt Gott noch eine Rolle bei euch im Jahr 2017? Und wie ist das bei euch mit der Liebe? Habt ihr ein offenes Herz für die anderen? Ach ja – und denkt ihr ab und zu noch mal an mich?“ Ein älterer Mann aus unserer Gruppe schiebt sich nach vorne. „Weißt du Jesus, bei uns machen sich viele Menschen Sorgen um unser christliches Abendland. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie dich überhaupt kennen.“
Jesus schaut uns nachdenklich an. „Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mich noch ein Stück des Weges begleitet. Denn anders als meine Jünger wisst ihr, was am Ende dieses Weges auf mich wartet. Ich gehe diesen Weg, um zu zeigen, dass die Liebe sogar den Tod auf sich nimmt. Und denen, die sich Sorgen um ihr christliches Abendland machen, sagt einfach, sie sollen so handeln, wie ich es euch erzählt habe: Liebt Gott und euren Nächsten wie euch selbst. Das ist das Fundament. Darauf könnt ihr bauen.“

Von Georg Janssen, Pastor in Ihlowerfehn und Ludwigsdorf

18. Februar 2017: Die Kraft der Vergebung

„Verzeih mir!“ – das sagt sich noch relativ leicht. „Ich verzeihe Dir, ich vergebe Dir“ – das ehrlich und von Herzen zu sagen, ist erheblich schwerer. Aber welche Kraft darin liegen kann und was Vergebung bewirken kann, das zeigt vielleicht die folgende Geschichte:
Der Außenminister des im ersten Weltkrieg besiegten Deutschland, Walther Rathenau, fiel im Jahr 1922 einem Attentat zum Opfer. Von drei Verschwörern, die ihn als „Juden“ und „Erfüllungspolitiker“ hassten. Ein Attentäter wurde von der Polizei gestellt und erschossen. Der zweite beging Selbstmord. Der dritte aber – er hieß Werner Techow – konnte entkommen.

Thomas Henneberger, Pastor In Aurich-Oldendorf

Von Techows Mutter wurde bekannt, dass sie unter der Tat ihres Sohnes schmerzlich litt. Dieser Frau nun schrieb Rathenaus alte Mutter, als sie von ihrem Gram hörte, einen Brief, der die Kraft der Vergebung aufscheinen lässt:
„Im namenlosen Schmerz reiche ich Ihnen, Sie ärmste aller Frauen, die Hand. Sagen Sie Ihrem Sohn, dass ich im Namen und im Geist des Ermordeten ihm verzeihe, wie Gott ihm verzeihen möge, wenn er vor der irdischen Gerechtigkeit sein volles offenes Geständnis ablegt und vor der göttlichen bereut. Hätte er meinen Sohn gekannt, den edelsten Menschen, den die Erde trug, so hätte er eher die Mordwaffe auf sich selbst gerichtet als auf ihn. Mögen diese Worte Ihrer Seele Frieden geben.“
Ein ungewöhnlicher und beeindruckender Brief. Aber die Wirkungen, die er nach sich zog, sind noch erstaunlicher und bewegender.
Ausgerechnet Techow nämlich, der inzwischen in der Fremdenlegion untergetaucht war – ausgerechnet er wurde im Zweiten Weltkrieg zu einer Schlüsselfigur im Kampf um die Errettung verfolgter Juden. Zeugen, die ihn zuletzt in Marseille trafen, berichteten, dass er mehr als 700 Flüchtlingen den Weg in die Freiheit gebahnt hatte. Verantwortlich für diesen Sinneswandel des einstigen Antisemiten aber war jener Brief von Rathenaus Mutter, von dem Techow gestand: „Er eröffnete mir eine andere Welt.“
So kann die Kraft der Vergebung wirken. Jesus sagt im Johannesevangelium: „Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen.“ Das ist keine schale Versöhnung oder billige Gnade. Denn wie die Geschichte zeigt, kann Vergebung ungeahnte und nachhaltige Veränderungen bewirken. „Ich verzeihe Dir, ich vergebe Dir.“ Wenn diese Worte von Herzen kommen, können sie uns und andere verändern und fürwahr eine andere Welt eröffnen.

Von Thomas Henneberger, Pastor in Aurich-Oldendorf

11. Februar 2017: Genug für alle

Die Vereinten Nationen schätzen, dass weltweit rund 795 Millionen von insgesamt 7,3 Milliarden Menschen hungern. Das sind knapp elf Prozent der Weltbevölkerung oder jeder neunte Mensch. Ich finde diese Zahl erschreckend. Es muss doch möglich sein, dass alle genug zum Essen haben.
Jesus erzählt einmal ein Gleichnis, in dem alle am Ende genug haben: Der Besitzer eines Weinbergs stellt an einem Tag morgens, mittags und abends Arbeiter an. Am Ende des Arbeitstages bekommen alle denselben Lohn. Die, die schon früh mit der Arbeit angefangen haben, beschweren sich: Das ist doch ungerecht. Aber der Weinbergbesitzer weist die Kritik zurück: Der Lohn war doch vereinbart.

Stefan Wolf, Pastor der Friedenskirche Wiesmoor

Man könnte diese Geschichte eins zu eins auf die Wirklichkeit übertragen. Dann würde sie den alten Traum weiterträumen, dass alle genug zum Leben hätten. Aber wenn es so wäre, wären dann nicht die im Recht, die sich beschweren, weil sie mehr getan haben als andere? Wäre so eine Welt gerecht? Vielleicht würde in so einer Welt schon bald niemand mehr arbeiten oder vielleicht würde sich kaum jemand noch anstrengen, denn am Ende des Tages gibt es sowieso denselben Lohn für alle. Vielleicht würde sich mancher das, was er meint zu wenig bekommen zu haben, mit List oder Gewalt von anderen holen.
Die Geschichte von Jesus bringt uns ins Nachdenken über Arbeit und Gerechtigkeit. Aber Jesus erzählt die Geschichte als ein Gleichnis über das Himmelreich. Er sagt uns mit diesem Gleichnis: Am Ende des Tages bekommen alle dasselbe Maß an Liebe und Barmherzigkeit von Gott geschenkt.
Und damit
verändert Jesus unseren Blick
Auch in diesem Fall kann man sich beschweren: Haben die, die erst spät zur Gemeinde dazugekommen sind, wirklich so viel Liebe verdient wie die, die schon seit ihrer Kindheit dabei sind? Jesus sagt: Ja.
Und damit verändert er unseren Blick. Wir vergleichen uns ständig mit anderen und haben oft das Gefühl: Das Leben ist nicht fair. Der Nachbar hat den besseren Job. Der hat eher Feierabend und verdient sogar noch mehr Geld. Solche Gedanken machen aber nur unzufrieden. Jesus lenkt unseren Blick auf das, was Gott uns gibt: Gesundheit, Kraft, Mut, Familie, Liebe.
So viel ist mir geschenkt. Davon kann ich abgeben. Damit am Ende wirklich alle genug zum Leben haben.

Von Stefan Wolf, Pastor der Friedenskirche Wiesmoor

4. Februar 2017: Mensch, ärgere dich nicht!

Mensch, ärgere dich nicht! Unzählige Male gespielt, gewürfelt, weitergesetzt, jemanden rausgeschmissen, die eigene Spielfigur wurde rausgeschmissen, ich habe mich doch geärgert, verloren oder Glück gehabt und gewonnen. Bei meinen Eltern zuhause haben

Sabine Bohlen, Pastorin in Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

Sabine Bohlen, Pastorin in Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

wir’s oft gespielt: Mensch, ärgere dich nicht. Zu dritt, zu viert – da fand man immer jemanden, der mitspielte. Und nun hat es meine jüngste Tochter als eines ihrer Lieblingsspiele entdeckt. Immer wieder holt sie es aus dem Spielzeugschrank und möchte es gerne spielen. Ein altes Spiel. 1910 erfunden. Bekannt wurde es in den Lazaretten im 1. Weltkrieg. Verwundete Soldaten haben es für sich entdeckt. Seither haben es ganze Generationen von Kindern und Erwachsenen gespielt. Warum ist es eigentlich so beliebt? Vielleicht, weil es auf dem Brett manchmal zugeht wie im richtigen Leben? Lange keine Sechs gewürfelt? Ja, das gibt es: Ich komme nicht immer so voran, wie ich möchte. Auf dem Spielfeld nicht und im Leben auch nicht. Manchmal geht aber gerade dann etwas voran, wenn ich nicht damit rechne und eigentlich nichts mehr erwartet habe. Nicht aufgeben – das ist wichtig. Nicht aufgeben. Mancher Rückschlag entpuppt sich als ungeahnte neue Chance; aber das merke ich normalerweise nicht gleich. Manches sehe ich erst im Nachhinein. In manchen Situationen meines Lebens brauche ich eine Menge Geduld und das Vertrauen: Gott wird mir heute Kraft geben für heute. Und morgen wird er mir Kraft geben für morgen. Im Spiel gegen meine Tochter hatte ich einmal schnell fast alle Figuren im Ziel. Fast alle. Als ich gerade schon ein bisschen übermütig und siegesgewiss wurde, hat meine Tochter meine letzte Spielfigur erwischt und rausgeworfen. Und kaum war ich wieder im Spiel, hat sie mich wieder erwischt und rausgeworfen. Auch das gibt es im Leben: Gerade wenn ich ein wenig übermütig werde und mich siegessicher am Ziel wähne, kommt mir womöglich etwas oder jemand dazwischen. Und ich kann gerade nochmal von vorne anfangen. Das nervt. Aber genau genommen ist es schon auch lehrreich. Noch etwas fällt mir auf: Zu manchen Zeiten bin ich mit etlichen Figuren gleichzeitig im Spiel. Wir helfen uns gegenseitig, übernehmen verschiedene Aufgaben. Der eine spurtet los, der andere sichert ab. Zu anderen Zeiten ist es ziemlich einsam auf dem Spielfeld, und ich muss allein weiter. Manches geht gut allein. Anderes ist schwierig und allein viel mühsamer. Nicht nur im Spiel, auch im Leben. Mensch-ärgere-dich- nicht spiele ich nie allein. Wenn wir zusammen spielen, wenn wir zusammen leben, lachen wir zusammen, und wir nehmen uns gegenseitig auch mal auf die Schippe. Wir ärgern uns, wir ärgern uns auch gegenseitig und stehen einander mal im Weg. Und manches nehmen wir ernster, als es sein müsste. Auf dem Spielfeld und im Leben. Mensch-ärgere-dich-nicht: ein Spiel, bei dem es manchmal zugeht wie im richtigen Leben. Einen Unterschied zwischen Spiel und Leben finde ich allerdings sehr wichtig: Im richtigen Leben hält einer seine Hand über mich. Gott. Da würfelt kein Schicksal über mein Leben und auch kein anderer Mensch. Es hilft mir weiter, daran zu denken und darauf zu vertrauen. Auf Gott zu vertrauen. Ob ich gerade ganz munter unterwegs bin oder mich schwer tue, ob mein Lebensweg schnurgerade verläuft oder mehr Biegungen und Rückschläge aufweist, als mir lieb ist, ob ich mich freue oder ob ich Mensch mich gerade doch ärgere: In allem hält er seine Hand über mir. Das zählt für mich. Es macht mir Mut und baut mich auf.

Von Sabine Bohlen, Pastorin in Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

28. Januar 2017: Erinnerung an Jan Bender

Andreas Scheepker, Pastor am Ulricianum und in Westerende, Barstede und Bangstede

Andreas Scheepker, Pastor in der Arbeitsstelle für Ev. Religionspädagogik und am Gymnasium Ulricianum Aurich

Gestern fand in der Auricher Lambertikirche die deutsche Erstaufführung der Kantate „Ein Brief von Anne Frank“ statt. Komponiert wurde sie von Jan Bender, der vor 80 Jahren der erste hauptberufliche Kirchenmusiker der Lambertikirche war.
Jan Bender hat die Schrecken des Nationalsozialismus intensiv erlebt. Er ist in Lübeck aufgewachsen. Nach seinem Studium wurde er dort Kirchenmusiker. Bald begannen die Konflikte zwischen den nationalsozialistisch geprägten ‚Deutschen Christen‘ und der regimekritischen ‚Bekennenden Kirche‘. Als Bender sich weigerte, im Gottesdienst eines deutschchristlichen Pastors die Orgel zu spielen, kam es zum Konflikt. Er wurde fälschlicherweise denunziert, die Orgel sabotiert zu haben. Er wurde etwa vier Monate im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert.
Nach seiner Entlassung wurde Bender auf die Kantoren- und Organisten-Stelle an der Auricher Lambertikirche berufen. Hier konnte er neu beginnen. Er gründete eine Familie und wurde zu einer prägenden musikalischen Persönlichkeit. Als Soldat wurde er schwer verwundet und geriet später in Gefangenschaft. In dieser Zeit entstanden die dreistimmigen Sätze der Kirchenlieder. Er schrieb in sein Tagebuch: „Ich möchte möglichst schnell heim, das Auricher Singbüchlein abschreiben in Druck geben, ein berühmter Mann werden und gar eine Sing- und Konzertreise durch die Vereinigten Staaten machen. Aber in diesem elenden Lager muss ich wohl noch lernen, daß Gott seinen Kindern oft ganz andere Wege fährt, wie sie zu gehen beabsichtigen.“
Schließlich konnte er diese Ziele doch verwirklichen. Mit seiner Lambertikantorei führte er die in der Gefangenschaft erarbeitete Musik auf. Die Sätze erschienen als „Auricher Singbüchlein“, und auch andere Kompositionen wurden veröffentlicht. Später wurde Jan Bender dann Professor für Kirchenmusik in den USA. Den Ruhestand erlebten er und seine Frau in Schleswig-Holstein. Bender verstarb 1994.
Zum Auschwitz-Gedenktag erinnern wir uns mit Jan Bender an Anne Frank: eine starke, junge Persönlichkeit, deren Leben durch den deutschen Terror so früh beendet wurde. Sie verstarb wenige Monate vor Kriegsende im deutschen Konzentrationslager Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide. Und wir erinnern uns auch an Jan Bender, den bedeutenden Kirchenmusiker, der in bedrückender Zeit etwas von seinem Glauben und seiner Hoffnung an andere weitergegeben hat. Dieses Gedenken macht uns feinfühlig und stark für ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft. Im Vertrauen auf Gott wollen wir allen Formen der Menschenverachtung und Gewalt entgegentreten und Menschen des Vertrauens sein. Dazu segne Gott uns alle.

Von Andreas Scheepker, Pastor in der Arbeitsstelle für Ev. Religionspädagogik und am Gymnasium Ulricianum Aurich

21. Januar 2017: Ermutiger sein!

„Ich will dich einfach mal ermutigen, ich mag dich wirklich gerne, Gott hat dich wirklich wunderbar gemacht. Es macht mich echt dankbar, dich zu kennen, du bist ein toller Typ und du machst deine Sache wirklich gut. Mach weiter so!“

Frank Karsten, Schulpastor BBS 1 Aurich & KGS Großefehn

So las ich es neulich in einem Artikel in der App 365 Steps. Darin wurde berichtet, dass jemand diese ermutigenden Worte von einer Freundin als Brief erhalten hat.
Super Idee, finden Sie nicht auch? Wann haben Sie das letzte Mal solche Zeilen von Freunden bekommen oder wann haben Sie das letzte Mal solche Zeilen an andere Menschen geschrieben?
Solche Worte gehen doch runter wie Öl, solche Worte hört oder liest man einfach gerne. Und sie machen einem Mut, etwas richtig zu machen, auf dem richtigen Weg zu sein, anderen gut zu tun und ein geliebter Mensch zu sein.
Andere Menschen zu ermutigen ist eigentlich gar nicht schwer – eigentlich. Warum tun wir es denn so selten?
Diese Frage habe ich mir gestellt. Habe ich das Gefühl, dass die das doch sowieso wissen und ich es deshalb nicht mehr sagen muss? Habe ich Angst, dass die anderen dann den Bodenkontakt verlieren und abheben könnten, wenn ich sie lobe? Kann es sein, dass ich meine Mitmenschen einfach nicht in Verlegenheit bringen möchte, wenn sie so etwas hören oder lesen?
Es mag viele Gründe geben, aber ganz egal welche Gründe es auch sein mögen, lassen wir sie besser beiseite und fangen an, die Menschen in unserem Umfeld zu ermutigen, denn ich bin überzeugt davon, dass das die Beziehung zueinander nur vertiefen und keineswegs belasten kann.
Ich bin Gott dankbar, dass er mir Menschen zur Seite stellt, die er so wunderbar gemacht hat, dass sie mir gut tun, sei es in meiner Familie, im Sportverein, in der Schule, dem Arbeitsplatz, der Kirchengemeinde, meinem Freundeskreis oder wo auch immer mir diese Menschen begegnen.
Ich bin dankbar, dass es diese Menschen gibt und genau das möchte ich ihnen in nächster Zeit mal sagen, was für tolle Menschen sie doch sind und ich einfach dankbar bin, dass ich sie kennen darf. Ich lade Sie ein, dies ebenso in Ihrem ganz persönlichen Umfeld zu tun. Seien Sie auch „Ermutiger“, und lassen Sie sich im Gegenzug vielleicht ja auch von anderen ermutigen, denn in der Regel ist das „Ermutiger sein“ nicht einseitig, sondern beruht oft auf Gegenseitigkeit. Und selbst wenn es im Moment einseitig sein sollte, kann sich das im Laufe der Zeit ja ändern.
Probieren Sie es aus, es lohnt sich.

Von Frank Karsten, Schulpastor an den BBS 1 Aurich und der KGS Großefehn

14. Januar 2017: Öffne das Überraschungsei, schau hinein!

Bilder aus dem Wattenmeer gehen rund um die Welt. Sogar in der Washington Post sehen wir ein Bild von Tausenden bunten Überraschungseiern, die unsere ostfriesischen Strände auf den Inseln säumen. Auch wenn das für Naturschützer ein Ärgernis und für die Tiere eine Gefahr ist, ist es für Kinder und Sammler eine unverhoffte Freude: Es kommt ein Schiff geladen, trägt Ostereier an Bord!

Sunnive Förster, Pastorin in Riepe und Ochtelbur

Sunnive Förster, Pastorin in Riepe und Ochtelbur

Ein neues Jahr hat begonnen. Das Jahr 2017 liegt wie ein noch nicht ausgepacktes Überraschungsei vor uns. 365 unverbrauchte, einzigartige Tage! Von keinem wissen wir, was er uns bringt, bevor wir ihn nicht „ausgepackt“ haben. Die mit Überraschungseiern gefüllten Container gingen bei Sturm über Bord. Die Eier schwammen im Wasser und verloren ihre Verpackung und die Schokolade. Nur die farbigen Plas- tikeier mit ihrem kleinen inwendigen Geheimnis blieben ganz. Wind und Wellen spülten die Eier an die Strände. Da liegen sie nun kunterbunt im Sand und wollen aufgesammelt und geöffnet werden.
Stürme erleben auch wir in unserem eigenen Leben. Krisen schütteln uns. Manches wird über Bord geworfen, ob freiwillig oder unfreiwillig. Manches zerbricht. Manchmal wird von so einem schweren Sturm etwas Neues an unsere kleine Lebensinsel gespült: Ich begreife etwas. Ich kann etwas loslassen. Eine Entscheidung wird endlich getroffen. Ein neuer Weg tut sich auf. Ein Schritt wird gewagt.
Ich sehe die Schönheit der Welt. Ich entdecke die Liebe. Ich bin dankbar.
Jeder Tag steht bunt vor uns und will ausgepackt und genutzt werden. Ein neues, aufregendes Jahr mit Herausforderungen will gelebt werden. Wir wissen nicht, was sich in der bunten Schale eines jeden Tages versteckt. Wir wissen nicht, was uns jeder Tag bringen wird. Noch ist es verborgen. Aber wie die bunten Eier von Kindern voller Vorfreude und Spannung geöffnet werden, so können wir jeden Tag als kostbares Geschenk angehen. Neugierig auf das, was Gott uns schenken möchte. Wir vertrauen darauf, dass er es gut mit uns meint, weil er uns als seine Kinder liebt. Wenn an manchen Tage Schweres auf uns wartet, ist er bei uns. Wenn wir Freude und Schönes erleben dürfen, ist er auch bei uns.
Öffne das Überraschungsei. Schau hinein!

Von Sunnive Förster, Pastorin in Riepe und Ochtelbur

7. Januar 2017: Ein neues Herz

Die erste Woche im Januar ist vorbei und ich habe mir in diesem Jahr keine guten Vorsätze vorgenommen. Dann bin ich nicht enttäuscht, sie nicht zu erfüllen. Nach der langen Adventszeit und dem ruhigen Jahreswechsel hat der Alltag mich wieder eingeholt, fast überholt. Die Freude darüber, dass ein neues Jahr vor mir liegt, dazu ein leerer Kalender mit scheinbar unendlichen Möglichkeiten ihn zu füllen, musste der Realität weichen. Termine sind fast so schnell hineingekommen, wie die Nadeln am Tannenbaum im Wohnzimmer nun schon herunterfallen.
Vorbei der Zauber der Weihnacht?

Lars Kotterba, Pastor in Wiesens und Brockzetel

Lars Kotterba, Pastor in Wiesens und Brockzetel

Am Sonntag feiern wir in unserer St.-Johannes-der-Täufer-Kirche noch einen letzten Gottesdienst mit dem großen Weihnachtsbaum, vielleicht ist er der letzte seiner Art im Ort.
Viel zu schnell endet bei den meisten die Weihnachtszeit, weil sie schon mit Spekulatiusessen im September beginnt. Und doch möchte ich vom weihnachtlichen Gefühl nicht lassen. Gerade inmitten des manchmal so dunklen, kalten Alltags nicht, besonders auch gegen die Sorge, dass der Terror ganz nah zu uns nach Deutschland gekommen ist. Aber besonders das „Fürchtet euch nicht“ der Engel aus der Weihnachtsgeschichte macht mir Mut und Hoffnung, dass Gottes Frieden sich einmal durchsetzen wird, gegen allen Anschein. Das neue Licht, das mit Jesu Geburt in diese oft so dunkle und harte Welt gekommen ist, erhellt unser Leben, gegen alle Dunkelheit. Könige haben das erkannt, als sie dem Stern von Bethlehem folgten. Ihnen war klar, dass Gott selbst erschienen ist.
Gestern ist daran am Dreikönigstag erinnert worden, und auch bei uns in Ostfriesland ziehen viele Kinder von Haus zu Haus, verkleidet als Hl. drei Könige und bringen als Geschenk Gottes Segen für Haus und Bewohner mit.
Auch die Jahreslosung für 2017 spricht von einem Geschenk, das Gott uns macht. „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ Beides haben wir, glaube ich, nötig. Ein neues Herz, das sich öffnet, auch für das vermeintlich Fremde und einen neuen Geist, der uns hilft, auch neue Wege zu gehen und die ausgetretenen Pfade einmal zu verlassen.
Vielleicht gelingt es auch uns dann, dass wir sagen können: Fürchtet euch nicht, denn hier seid ihr willkommen, auch wenn ihr mir jetzt noch fremd seid!“
Denn nur gemeinsam können wir es schaffen, dass das neue Jahr 2017 Gottes Frieden näher kommt. Gott wird uns dabei helfen, mit Herz und Verstand!

Von Lars Kotterba, Pastor in Wiesens und Brockzetel