Sonntagsbetrachtungen 2015

Worte zur Woche aus den Ostfriesischen Nachrichten

Silvester 31. Dezember 2015: „Wie ein Einheimischer soll der Fremde gelten“

Wenn Jesus uns prophezeit: „Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun…“ (Joh. 14,12), dann mag uns das wundern. Was können wir Besonderes oder sogar Größeres leisten als Gottes Sohn?

Sunnive u. John Förster, Pastoren in Riepe und Ochtelbur

Sunnive u. John Förster, Pastoren in Riepe und Ochtelbur

Und doch hat Jesus recht. Blicken wir einmal auf ein vertrautes, ostfriesisches Winterpanorama: Über das zugefrorene Große Meer läuft ein Junge auf Schlittschuhen. Nun mag Jesus mit seinen Worten etwas anderes gemeint haben, aber: Auf Schlittschuhen ist er nie über das Meer gelaufen! Aus Sicht eines Menschen, der damals am See Genezareth wohnte, war es unvorstellbar, dass ein riesiger See einmal vor Kälte zufrieren könnte. Es war ein noch größeres Wunder, dass ein Mensch außer dem Messias selbst, gar über das (gefrorene) Wasser laufen könnte!
Was für die Galiläer ein großes Wunder wäre, ist heute für uns im hohen Norden ein Freizeitvergnügen. Doch wer sich zum ersten Mal aufs Eis wagt, der mag anfangs zweifeln, ob es hält. Selbst, wenn er die physikalischen Gesetze besser kennt als die Menschen damals. Es erfordert Mut und Vertrauen für das Wagnis, das Eis zu betreten, und außerdem Übung und Können zum Schlittschuhlaufen.
So wird diese Tat zum Sinnbild für den vertrauensvollen Glauben: Wenn wir schon der Stärke des tragenden Eises trauen, um wie viel mehr dürfen wir uns Gott anvertrauen, der uns hält und trägt – im Sommer und im Winter. Unser Glaube ist das Begreifen von Gottes ideenreichem Humor (zum Beispiel, dass Wasser uns trägt) und das Vertrauen in seine grenzen- und bedingungslose Liebe zu uns.
Im Monatsspruch zum Januar 2016 wird uns Dank des Wirkens von Gottes heiligem Geist in uns zugesagt: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Nicht Angst und Misstrauen, Hass und Panik sollen uns bestimmen, sondern dieser gute, lebensbejahende Geist.
In ihm können wir den großen Herausforderungen der vielen zu uns kommenden Flüchtlinge mit Gottvertrauen begegnen. Heißen wir die Hilfsbedürftigen in diesem Geist willkommen. Sie wagten sich aus purer Verzweiflung in überfüllte Schlauchboote und hofften, heile über das Mittelmeer zu flüchten.
Wir dürfen an Gottes Wunder mitwirken, ihnen eine neue, friedliche und anteilnehmende Zukunft bereiten. Denn dieses Gottesgebot der Nächstenliebe an uns gilt damals wie heute: „Wie ein Einheimischer soll euch der Fremde gelten, der bei euch lebt.“ (3. Mose 19,34). Hierin dürfen wir Jesu Werke fortführen und große Dinge tun.

Von Sunnive und John Förster, Pastoren in Riepe und Ochtelbur

Heiligabend 24. Dezember 2015: Weihnachten – mitten im Alltag

Morgens ist es noch ein völlig normaler Arbeitstag. So wie heute. Und am Abend ist alles anders. Auch so wie heute. Heiligabend. Menschen im Alltag werden die Ersten sein, die es mitbekommen. Hirten. Die waren völlig unvorbereitet. Zack! Nanu. Der Engel des Herrn tritt zu ihnen, die Klarheit Gottes leuchtet um sie, die Hirten fürchten sich. Woher sollen sie so etwas auch kennen. Sie kennen sich aus mit Schafen, mit Kälte und Hitze, mit Dreck und Geblöke. Und dann das: ein Engel, der zu ihnen spricht.

Tido Janssen, Pastor in der Lamberti-Gemeinde und Superintendent des Kirchenkreises Aurich

Tido Janssen, Pastor in der Lamberti-Gemeinde und Superintendent des Kirchenkreises Aurich

„Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“
Das ist die Wende an diesem Arbeitstag draußen auf dem Feld, irgendwo vor Bethlehem.
Freude – Heiland – Christus – Herr. Solche Worte gehören nicht zum normalen Sprachschatz eines Hirten. Die müssen ganz schön verdattert dagestanden haben. Freude, große Freude – das ist das Erste, was der Bote Gottes sagt. Und: „Euch ist heute der Heiland geboren.“ Was kann das für Menschen in ihrer alltäglichen Arbeit schon heißen? Heiland – ein fremdes Wort. Geboren ist einer, der heilen kann, der Heilsames in diese Welt bringt.
Was kann das sein?
Und überhaupt: Wer sagt Hirten im rauen Alltag schon mal etwas Heilsames? Ein lobendes Wort? Anerkennung?
Dieser kleine Jesus wird Menschen sagen: „Ja, Du! Ja, Du bist gemeint.“ – Mitten im kalten Alltag geschieht es, dass warme Worte gesprochen werden, die das Herz erreichen. Da wird plötzlich mitten aus dem Alltag heraus ein heiliger Abend.
Hirten, die, die eher unten stehen – sie dürfen es als erste hören und sehen. Sie sind sonst nie die Ersten. Und das lässt man sie oft genug auch spüren. Das knackst am Selbstbewusstsein. Hier sind sie von Anfang an dabei. Ein Kind – mit ihren eigenen Augen können sie es sehen. Und das, nur das, was sie sehen können, ist auch wahr.
Ausgerechnet. Mit ihnen geht es los. Der tut ihnen gut. Der Heiland. So einen hatten sie nicht erwartet. Darauf konnten sie sich nicht vorbereiten. Eine Nacht wird ihnen plötzlich heilig.
Aber: Heilen, wie soll das gehen? Der Augenschein spricht doch dagegen. Und der Alltag. So viel Unheil in dieser Welt, wir haben das alle vor Augen, das Unheil in der Ferne und manchmal auch ganz nah.
„Sie lernen Gott
von einer ganz neuen Seite kennen“
Und die Hirten? Sie laufen los. Mitten in ihrem Alltag laufen sie los nach Bethlehem. Es ist ein Kontrollgang der Freude. Gibt es heute wirklich Grund zur Freude? „Und sie kommen eilend und finden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.“ Mehr ist da noch nicht zu sehen. Aber das reicht. Sie trauen dem kleinen Anfang. Sie lernen Gott plötzlich von einer ganz neuen Seite kennen: Gott klein. Gott ohne Macht. Gott arm. Einer, der fliehen muss. Einer, den das Leben aufs Kreuz legen wird. Gott, der nicht geizig sein eigenes Glück bewacht. Im Gegenteil. Er begibt sich hinein mitten in den Alltag. Geheimnisvoll. – Und jetzt?
Immer noch leiden heute Menschen. Werden erniedrigt. Vertrieben aus ihrer Heimat. Flüchten. Haben nichts zu essen, nirgends Raum in der Herberge.
Es ist kein Friede auf Erden. An unzähligen Orten töten Menschen Menschen. Und dann Gott so klein, so ohnmächtig – und alle Beschwernisse so groß. Das ist eine Crux. Das ist ein Widerspruch.
Das kleine Gotteskind ist ein Widerspruch. Das Kind in der Krippe ist Gottes Widerspruch gegen die Annahme, es müsse der Alltag so bleiben wie er ist. Mit dem kleinen Kind fängt Gott auf dieser Erde noch mal ganz von vorne an. Freude, große Freude ist das erste, was die Engel in dieser Nacht verkünden.
Und dann Friede. Friede auf Erden. Dieses kleine Kind in der Krippe führt klar vor Augen, dass niemand vor einem anderen Angst haben soll. Dieses Kind ist Gottes Widerspruch gegen den heillosen Zustand dieser Erde. Gott als Kind – was für eine Idee! Gott selbst mit pochendem Herz. Gott selbst mit Hand und Fuß. Mitten im Alltag. Dieses Kind kann den Alltag verändern. Es rührt Menschen an. Auch sie lassen ihr Herz schlagen, kümmern sich um andere. Und sie dürfen dabei Gott an ihrer Seite wissen.
So viel handfeste Hilfe in unseren Dörfern und Städten! Eine Kultur der Menschlichkeit. So viele möchten gerade deshalb gerne hier leben. Andere gucken staunend auf uns. Und manche fragen schon: „Warum seid ihr so? Warum tut ihr das?“ Ich schaue auf das Kind in der Krippe. Ein starker Beweggrund.

Tido Janssen, Pastor in der Lamberti-Gemeinde und Superintendent im Kirchenkreis Aurich

19. Dezember 2015: De Heer is heel dicht bi!

Tant’ Geeske is so recht van’t olle Schlag. – Nee, so ollt is se noch heel neet, man se stammt ut n’ollen Femilje in’d Dörp, de alltied hier leevt hett. Ook in uns Kark hett se d’r alltied bi west un sünner hör is dat nix. Wenn se mal neet dor is of se is schkovel tofohrt – denn word d’r futt fraagt: „Wor mag Tant’ Geeske wall wesen? Hopentlik schkaadt hör nix!“
N’bült Lüe mögen hör heel geern lieden un denken um hör und at is gaud so, leevt se doch allenig in hör groode Huus. Annerlesdens hett se n’neejen Fründ funnen. Is he ook wall erst darteihn un se all lang in’t Ruhestandsoller – de beid hemm sück söcht un funn’.
Veerde Advent hett dat west, ik weet dat noch jüst so, as wenn dat güstern geböhrt weer. Tant’ Geeske was an’t laat Kant sönndags na’d Kark henkomen, nix was hör mitloopen disse Mörgen. De Klocken van de olle Karktoorn wurden all sachter un nu wur’t Tied: gau in hör leevste Bank unnert Örgelböön to komen. Dor kunn se seker noch gau eem insusen. Nu was hör dat so laat worden, dat’ haast all full satt. Un ook in hör leevste Bank, up hör mooiste Stee satten all Lüe. N’lüttje Steeke was d’r noch.

Pastorenehepaar Hoogstraat

Pastorenehepaar Hoogstraat

Geern dee se dat neit, man se froog: „Laten ji mi doch gau eem dör?“ Und dat deen de anner Lüe ja geern. Man wat was dat? An hör linker Siet satt een van de neeje Kunfermanden mit sien best Fründ, de se all bi hör Fründin in’t Naberskupp kennenlehrt harr. Dor harr he an’t Dör kloppt un um Hülp roopen. Heel mersenatt was he west, umdat he vör all Kalvereej mit Rad in’d Schloot fohren was. Dat much di wat worden – de Jung was so’n upgeregten Hipsel un haar wirs n’groote Dotte Immen n’d Achterenne.
Keen twee Menüten vergungen d’r off he rökel wat rum, muss hoosten off gav anners n’Geschkall van suck, wor he ook was. Dat was di’n Fent. Wo much dat vandage worden?
Tant` Geeske dee sück dat all recht utmaalen: Futt sull wall sien Klingelbüdelgeld daalfallen un bit na vör’n henrullen off sien Gesangbook klunner up Grund un de Lüe keeken hör dor up an, as wenn se dat daan harr. Wat sull dat woorden? Man nu fung de Örgel all an to spölen un drutloopen much se ook neet mehr. Se doch sück wat ut. Unnert Örgelspöl kunn se ja heel sacht eem ’n Woortje seggen, dat murk ja nümms.
„Du hör eem“, see se an de Hipsel, „word nast dat Evangelium vörlesen, blief ik sitten. Ik kann neet so lang stahn, ik hebb n’seer Been.“ „Wat,“ see do tomaal de Jung, „du ok? Must eem kieken!“ Un so tomal reet he sien Büxenpiep anhoog un wees hör n grooden Stee, wor he sück maal heel schlimm brannt harr un de bloot langsam weer heelen de.
He was an’t Luntjen west un harr mit bloote Beenen in de brannende Schlootskant stahn. Un he meen: „Du, dat kenn ik, mit so’n seer Been, dor is nix mit los. Upstahn kann ik wall, man dor dürt mi nix ankomen! Machst ook ’n Pepermüntje?“ Un so tomaal hull he hör de Pepermüntjerull hen un se was heel platt un wuss neet mehr, wat hör överkwamm. War was dat för’n netten Fent! So harr se hum noch noit beleevt.
De Örgel settde in mit de eerste Gesang. Tomaal murk Tant’ Geeske, dat se in de Drockte hör heel Gesangbook in Huus up Kökentafel liggen laaten harr.
Man de brukdes se ook neet mehr. Hör Banknaber holl hör sien offschleeten Book all hen, de ook all mit dree groterde Süsters un Brörs na’d Kark hen west was. „Kannst bi mi mit inkieken“, see he un lachde blied. Dat heel Gehibbel was vergeten un de twee sungen all de mooie Adventsgesangen nett as de Reitlüntjes. De Pestorske fung an mit n’poor Worden in Vöörn und twee Frünnen harrn sück funnen.
Wat harr se nett noch van’t veerde Advent seggt? Weest alltied blied mitnanner, ja dat segg ik jo: Weest blied mitnanner. Uns leev Heer is heel dicht bi. Dat hörtes Tant’ Geeske nu maal heel anners. Se was mit een blied woorden in de Heer sien Huus, wor se hör Lebensdag nich mit rekent harr.
Ja, dat muss wall so wesen: De Heer is heel dicht bi un hollt sien Volk binanner: So kunnt nu up n’heel besünner Menär Wiehnachten worden. Dat kann di mörgen ook so gahn! Gah driest hen na dien Kark un luur drup, wat de Heer mit di vörhett!

Van Jürgen Hoogstraat, Pestor in Vittebur

12. Dezember 2015: Es kommt ein Schiff geladen

Liebe Leserinnen und Leser,
haben Sie auch ein Bild vor Augen, das für Sie unbedingt zur Advent- und Weihnachtszeit dazu gehört?
Seitdem wir in Westerende leben, gehört für mich das schöne Bild der lichtergeschmückten Tjalk, die an der Fahnster Brücke im Hafen liegt, in dieser Zeit dazu. Von weither ist sie zu sehen. Wenn man von Kirchloog oder Bangstede kommt, sieht man zuerst den Stern ganz oben am Mast. Und so viel näher man kommt, wird dann auch das Lichterdreieck sichtbar, die geschmückten Segel. Sobald ich sie sehe, habe ich das alte Adventslied „Es kommt ein Schiff geladen“ im Kopf, und schon summe ich die Zeile der zweiten Strophe: „das Segel ist die Liebe, der Heilig Geist der Mast“.

Tjalk Westerende
Still und ruhig liegt die Tjalk im Wasser. Auch wenn der Wind mal stürmt – dem Schiff macht das nichts aus. Sie liegt da und strahlt Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit aus. Festlich kommt sie jetzt in der Adventszeit daher, und fast könnte man meinen, sie trüge auch „eine teure Last“, wie es im Adventslied heißt. Wenn es meine Zeit und das Wetter zulassen, mache ich am Abend einen Spaziergang, um dieses schöne Bild in mich aufzunehmen.
Schon in alter Zeit hat man das Schiff verglichen mit dem Lebensschiff des Menschen. Das Schiff ist ein altes Symbol für das Unterwegssein durch das Meer unserer Zeit. Als Christen sprechen wir auch in diesen Bildern: wir reden vom sicheren Hafen, in dem wir geborgen sind. Wir sprechen vom Anker, den wir in den dunklen Zeiten unseres Leben brauchen.
Das alte Adventslied „Es kommt ein Schiff geladen“ (entstanden 1626) transportiert die Botschaft von Weihnachten wie kostbares Frachtgut: Gott kommt zu uns. Er ist zu uns unterwegs. Er schickt seinen Sohn Jesus Christus als Kind in diese Welt. Er macht sich auf, um bei uns anzukommen. Warten auf dieses Schiff mit seiner kostbaren Fracht, das ist Advent.
Vielleicht haben wir es an Bord unseres eigenen Lebensschiffes zur Zeit nicht leicht. Manchmal haben wir viel Gepäck an Deck, das uns beschwert. Streit in der Familie, Sorgen um die Kinder, Angst in schwerer Krankheit, Not, dem beruflichen Druck Stand zu halten.
In diesen Tagen der vielen Weihnachtsfeiern ist das scheinbar Fröhliche noch fröhlicher. Aber das Schwere wiegt auch noch schwerer. Und was weh tut, schmerzt noch mehr als sonst.
Die Botschaft für uns bleibt: Gott kommt! Er kommt in unser Leben hinein, das Schiff ist unterwegs, unaufhaltsam! – Jeder, der einmal am Fähranleger gewartet hat, um jemanden abzuholen, kennt das. Lange Zeit mag es so aussehen, als ob das Schiff sich gar nicht bewegt. Nur langsam kommt es näher, still geht es im Triebe, bis es da ist im Hafen und anlegt und den Anker auswirft.
Immer wieder wird das so sein, darauf dürfen wir uns verlassen. Gott kommt und ist da in unserem Leben. Er will für uns wie ein sicherer Hafen sein, in dem wir mit den Lasten des Lebens zur Ruhe kommen können. Gott kommt und er ist da in unserem Leben. Als Anker, bei dem wir uns immer wieder festmachen dürfen, wenn unser Lebensschiff festen Halt braucht. An Weihnachten feiern wir, dass Gott mit Jesus Christus diesen Anker in unser Leben hineingebracht hat.
In der Adventszeit nehmen wir diese Hoffnung für uns jedes Jahr wieder neu in den Blick. Und die geschmückte Tjalk an der Fahnster Brücke ist daran jedes Jahr eine schöne Erinnerung.
Angelika ScheepkerDem Förderverein „Wappen von Ihlow e.V.“ danke ich, dass Sie mit Ihrem Engagement jedes Jahr für das stimmungsvolle Bild in Westerende sorgen.
Ich wünsche Ihnen eine gute und behütete Fahrt auf Weihnachten zu. Bleiben Sie erwartungsvoll!

Angelika Scheepker, Pastorin in Westerende, Bangstede und Barstede

5. Dezember 2015: Maria

Maria klettert aus der Reihe der Buchstaben des dicken Buches heraus, zieht sich das Kleid zurecht und geht wie jeden Abend in das kleine Hotel am Bahnhof. Sie wird dort zwischen zwei milchig gelben Lampen hinter der Rezeption sitzen und verliebte Paare, Betrunkene und Geschäftsleute empfangen.
Bis morgens um sechs.
Es kommt ein kleiner Junge allein ins Foyer.
Der wohnte schon letzte Woche mit seiner Familie hier – Flüchtlinge aus Afghanistan. Er reicht kaum über den Tresen und spricht nicht. Bescheiden, aber bestimmt tritt er heran und legt einen Euro auf den Tisch. Maria schaut in seine tiefschwarzen Augen, und sie sieht auf einmal etwas – als schaue ein uraltes Wesen aus ihm heraus. Sie erschrickt ein wenig. Beide schauen für eine Ewigkeit ineinander hinein.
„Was möchtest du?“ – Der Junge zeigt am Tresen vorbei in Richtung Speiseraum. Er geht ein paar Schritte um den Tresen herum. „Willst du da hin? Hast du was vergessen?“ Er stellt sich vor die verschlossene Tür. Sie öffnet, und er tritt vor ihr ein. Sie macht Licht. Er geht in die Ecke am Fenster.
Dort bleibt er stehen vor einem Holzengel, der an einer schmalen Kette von der Decke hängt. Schaut ihn an. Maria bleibt in der Tür stehen. Ihr kommen Tränen. Sie weiß nicht, warum.
So steht er dort und schaut empor. Nach einer Zeit beginnt er, eine Melodie zu singen. Das erste Mal, dass sie seine Stimme hört, tief kehlig. Nicht Kind, nicht Erwachsener – ein Drittes. Stille. Dann spricht er etwas. Es klingt wie eine Litanei, etwas Auswendiges. Dann ein paar Namen.
Er rückt sich einen Stuhl zurecht, steigt drauf und tippt ganz fein gegen den Engel. Der beginnt leis zu schwingen. Stellt den Stuhl zurück und geht rückwärts aus dem Raum, wendet sich an der Tür um zu Maria. Sieht sie weinen. Er geht ein paar Schritte zurück, nimmt Anlauf und wirft sich mit ausgebreiteten Armen aus vollem Lauf gegen sie, sein Kopf liegt vor ihrem Bauch. Sie hält ihn. Er sie. So stehen sie nun bis in Ewigkeit.
wolf1Am anderen Morgen kehrt Maria zurück aus der Rezeption in ihr altes Buch. Nimmt darin Platz in ihrer Kammer, wo sie den Engel treffen wird, der ihr sagt, was Gott mit ihr vorhat.
Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche auch Ihnen eine schöne Geschichte, die Sie berührt, in diesen Adventstagen, die so voller Geschichten stecken, ist man nur leise und sacht genug, sie auch wahrzunehmen.

Von Wolfgang Beier, Pastor in Münkeboe und Moorhusen

28. November 2015: „Warten beginnt“

Nun ist sie da: die Adventszeit 2015. Das Warten auf Weihnachten hat begonnen. Mit jedem Tag werden die Geschäfte voller und ich warte tatsächlich viel in dieser Zeit – und zwar an den Ladenkassen. Ich kann machen, was ich will. Irgendwie stelle ich mich immer an der falschen Kasse an. Ich denke noch, die Kassenschlange ist kürzer, nu man to!
Dann trödelt mein Vordermann beim Kleingeld suchen, hat seine Pin vergessen oder eine Reklamation.

Cathin Meenken, Pastorin in Aurich

Cathin Meenken, Pastorin in Aurich

Ständig erlebe ich auch, dass ich in einer endlosen Kassenschlange stehe und plötzlich die erlösende Stimme aus dem Lautsprecher kommt: „Sie dürfen sich jetzt auch an Kasse vier anstellen!“ Und ehe ich mich versehe, sind alle meine Hintermänner fixer als ich und stehen schon an der frisch geöffneten Kasse vier. Ich bilde also immer noch das Schlusslicht. Das ist doch nicht gerecht!
So kann der liebe Gott es doch nicht gemeint haben, als er sagte: „Die Letzten werden die Ersten sein!“
Für diesen Bibelspruch stehe ich oft mit unserem Gott auf dem Kriegsfuß. Das kann doch hier für unsere Welt nicht gelten. Ich dachte, das gilt erst in seinem Reich! Aber in solchen Momenten hilft nur eins: Ruhe bewahren, durchatmen und hoffen, dass auch ich bald dran bin. „Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet“, heißt es in Bibel. Ich habe mir angewöhnt in solchen Momenten, in so einer geschenkten Wartezeit, die ich eigentlich gar nicht wollte, einfach innerlich mal wieder ein kurzes Gebet zu sprechen. Gott von meinem Trübsal erzählen oder ihm einfach nur sagen, dass auch ich einfach mal die Erste sein möchte!
Gottes Segen und viel Geduld für Ihre Wartezeit auf Weihnachten!

Von Cathrin Meenken, Pastorin in Aurich

21. November 2015: Ewigkeit denken

Vor einiger Zeit hatte unsere Kirchengemeinde Besuch. Ein Pastor und ein Superintendent der All Saints Cathedral in Khartoum waren zu Gast bei unseren Senioren. Sie wunderten sich, wie viele ältere Menschen es in unseren Gruppen und Kreisen gibt. Ihre eigenen Gemeinden sind sehr jung. So kamen wir schnell ins Gespräch. Es ging um die kinderreichen Familien, in denen viele unserer Älteren aufgewachsen sind, und um die niedrigen Geburtenzahlen in Europa heute. Was dann kam, war erstaunlich.
Unsere Victorburer wollten wissen: Wie ist das bei Ihnen mit Beerdigungen? Macht man im Sudan Erdbestattungen, oder bevorzugen die Menschen ein Urnengrab?
Daraus entwickelte sich ein interessantes Gespräch. Unsere Besucher aus dem Sudan erzählten, dass Beerdigungen bei ihnen der Hauptgrund dafür sind, dass Menschen sich taufen lassen. Der Besuch einer Trauerfeier weckt bei vielen das Interesse am christlichen Glauben. Sie erfahren, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, und alle, die an ihn glauben, mitnehmen will zum Ewigen Leben.

Andrea Düring-Hoogstraat, Pastorin in Victorbur

Andrea Düring-Hoogstraat, Pastorin in Victorbur

Das eröffnet ihnen eine völlig neue Perspektive. Sie hören: Über den Sarg und das Grab hinaus haben wir Zukunft! Wo scheinbar alles zu Ende ist, da kommt noch etwas! Jesus Christus lebt uns Gottes Wesensart, die Liebe vor. Ja, er selbst ist die Liebe. Alles, was er tut, geschieht aus Liebe zu uns Menschen. Damit wirbt er um unser Vertrauen darauf, dass auch sein Leiden und Sterben uns gut tut. In den tiefsten Tiefen unseres Lebens und sogar im Sterben müssen wir nun nicht mehr allein sein. Er ist da. Er nimmt uns an der Hand. Er führt uns dem Ewigen Leben entgegen.
Dass die Beerdigungen im Sudan eine solche Wirkung zeigen, das hat uns Ostfriesen tief berührt. Und wir haben festgestellt: Das wünschen wir uns auch, dass die Trauerfeiern, auf die wir gehen, unseren Glauben stärken und uns zum Leben und für das Sterben ermutigen. Wir brauchen einen Weitblick, der über das Sichtbare und über Grab und Sarg hinaus reicht.
Morgen feiern wir einen Sonntag, der vielen von uns schwer auf der Seele liegt. Wir denken an unsere lieben Verstorbenen und bringen Sträuße und Gestecke an ihre Gräber. Dabei kommt das Heimweh in uns wieder hoch. Der Schmerz über den Abschied, der vielleicht sogar schon einige Zeit zurückliegt, kommt zurück. Manche haben das Gefühl von Blei an den Füßen, wenn sie über den Friedhof gehen.
„Da ist Raum für Klagelieder und Lebenslieder“
Lassen Sie uns diesen Gang nicht unvorbereitet antreten! Hoffentlich auf jeder christlichen Beerdigung, aber auf jeden Fall im Sonntagsgottesdienst und erst recht im Gottesdienst zum Ewigkeitssonntag gibt es Kraft und Ermutigung für unsere sonst traurigen Wege. Gerade der Gottesdienst morgen in Ihrer Kirche will Ihrer Seele Auftrieb verleihen! Er legt Ihnen die Auferstehungsbotschaft neu ans Herz. Da ist Raum für unsere Klagelieder und Fürbitte, aber da erklingen auch echte Lebenslieder. Lassen Sie sich davon berühren! Lassen Sie sich mit hineinnehmen in den Auferstehungssog, der von Ostern ausgeht! Versuchen Sie, das Altvertraute, das Gewohnte oder längst Abgehakte und Vergessene neu zu hören, und wagen Sie, Ewigkeit zu denken. In Jesus Christus haben wir über Sarg und Grab hinaus Zukunft. Wo scheinbar alles zu Ende ist, da kommt noch etwas: „Herr, Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor Dir ist Freude die Fülle und Wonne zu Deiner Rechten ewiglich.“(Psalm 16, 11)
Was für eine tröstliche, was für eine wunderbare Perspektive – für uns selbst und für die, die uns bereits zu Gott vorangegangen sind.

Von Andrea Düring-Hoogstraat, Pastorin in Victorbur.

14. November 2015: Das ist Gnade!

„Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi“ (2. Kor 5,10). So lautet der Wochenspruch für diese Woche. Was uns dort erwartet, möchte ich Ihnen erzählen:
Ein Mann ist auf dem Weg zum Gericht. Er ist allein. Langsam, aber zielsicher geht er durch den langen Flur. Im Gerichtsaal angekommen, schaut der Mann den Richter an, kann aber dessen Blick kaum ertragen. Der Richter erhebt das Wort. Er hat eine lange Liste in der Hand, auf der allerlei Taten des Mannes aufgeschrieben sind. Eine Tat nach der anderen wird verlesen. Dem Mann wird mulmiger und mulmiger. Sein Herz pocht immer lauter. Er senkt den Blick. Jeder Hungrige, dem er nicht geholfen hat, jeder Durstige, dem er nichts zu trinken gegeben hat, jeder Einzelne wird genannt; jeder Kranke, jeder Fremde, jeder Inhaftierte.

Anika Langer, Pastorin in Engerhafe

Anika Langer, Pastorin in Engerhafe

Der Mann hört den Richter sprechen. Seine tiefe Stimme trifft ihn mitten ins Herz. Erbarmungslos hält er dem Mann alle seine Vergehen vor. Keines lässt er aus. „Wann hört das endlich auf? Ja, ich bin schuldig. Verurteilt mich. Ich habe es nicht anders verdient.“
Schuldig, ganz und gar schuldig steht er da vor Gottes Gericht und erwartet sein Urteil. Und dann endlich – die lang ersehnten Worte des Richters: „Daher verkündige ich folgendes Urteil…“ Dem Mann stockt der Atem. So sehr er sich diesen Moment herbeigesehnt hat, so sehr fürchtet er sich jetzt davor. Sein Herz schlägt ihm mittlerweile bis zum Hals. Er kann kaum atmen, es schnürt ihm die Kehle zu. Sein Blick ist immer noch auf den Boden gerichtet. Er kann den Richter einfach nicht anschauen. Er schämt sich.
Da hört der Angeklagte, wie der Richter seinen Satz noch einmal wiederholt: „Daher verkündige ich folgendes Urteil: Der Angeklagte wird von all seiner Schuld freigesprochen. Seine Schuld ist getilgt am Kreuz.“
„Was?“ – der Mann traut seinen Ohren nicht. Die Schuld, getilgt, am Kreuz? Der Richter selbst – es ist Jesus – ist es, der seine Schuld auf sich genommen hat. Sein Richter ist auch sein Verteidiger. Tausend Gedanken schießen dem Mann durch den Kopf. Das also ist Gnade?
Während der Mann noch über all das nachdenkt, erhebt der Richter noch einmal seine Stimme: „Doch eines fehlt noch, damit das Urteil rechtskräftig wird.“ „Oh je, da war er nun, der Haken an dieser Geschichte.“ Der Richter schaut auf den Mann herab, der seinen Blick fragend erwidert, und sagt nach kurzem Schweigen: „Nimmst du das Urteil an?“

Von Anika Langer, Pastorin in Engerhafe

7. November 2015: Zu-Flucht bieten

Menschen auf der Flucht – wir haben die Bilder vor Augen aus Zeitung, Internet und Fernsehen. Flucht und Vertreibung –die Geschichte mancher Familie in Deutschland. Selbst in der Bibel lassen sie sich finden, Menschen auf der Flucht: Hagar z.B. flieht nach Schur (Genesis 16,7), Mose nach Midian (Exodus 2,15). Und Jesu Eltern fliehen mit dem kleinen Jesus nach Ägypten (Matthäus 2,13) und suchen dort Zuflucht. Auch Mohammed und seine ersten Anhänger suchen um das Jahr 615 Schutz, so wird berichtet.

Mohammed schickt die ersten Muslime nach Abessinien (heute Äthiopien). Negus, der christliche Herrscher dort, gewährt ihnen Schutz vor den Feinden, obwohl die Flüchtlinge keine Christen sind. Nach Jesus gefragt, zitieren sie aus dem Koran: „Jesus ist der Diener und Gesandte Gottes, der Geist und das Wort Gottes, die Er der Jungfrau Maria anvertraut hat.“ Als die Bedränger die Zwangsrückkehr der Flüchtlinge fordern, hält Negus Wort. Selbst die wertvollen Gastgeschenke den Gesandten gibt er wieder zurück. So wird über die erste Aufnahme von muslimischen Flüchtlingen in einem christlichen Land berichtet! Deshalb fordert Mohammed einige Jahre später in der muslimischen Gemeindeordnung für die „Umma“ in Medina einen respektvollen Umgang der verschiedenen Religionen. Muslime, Juden und Christen lebten auf diese Weise freiheitlich zusammen! – Gut, einmal wieder daran erinnert zu werden! Warum Negus sich so verhalten hat? Vielleicht hat er gesehen, dass Christen und Muslime mehr verband als trennte.

Christiane Schuster-Scholz, Pastorin in Holtrop

Christiane Schuster-Scholz, Pastorin in Holtrop

Vielleicht erinnerte er sich auch an das Gebot Gottes (unsere Tageslosung am 8.11.): „Wenn bei Dir ein Fremder in Eurem Land lebt, sollt Ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei Euch aufhält, soll Euch wie ein Einheimischer gelten, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst; denn Ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, Euer Gott“ (Levitikus 19, 33-34). Für ihn ist der Fremde der Gast, in dem Jesus selbst begegnet. (Mt25,31ff). Als Christ gewährt er Menschen in Not Zuflucht, als Christ fühlt er sich den Notleidenden und Fremden besonders nah, als Christ steht er schützend ein für die Flüchtlinge. Er tut das in Demut vor Gott und mutig vor den Menschen. Beherzt setzt er Zeichen und bleibt nicht gleichgültig und leise. Er setzt sich ein, auch wenn die Flüchtlinge nicht seine direkten Glaubensbrüder und -schwestern sind. Er ruft es auch uns in´s Gedächtnis: Das Gebot zur Nächsten- und Fremdenliebe gilt für uns alle – für Juden, für Christen und auch für Muslime gleichermaßen … So wird Glaube lebendig, so werden aus Fremden Freunde, so wächst Gottes Zukunft mitten unter uns.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag, Ihre Pastorin Christiane Schuster-Scholz aus Holtrop, Akelsbarg, Felde, Wrisse und Bietzefeld

31. Oktober 2015:  Reformation – die Kinder im Blick

Luther war genial: Als andere die Bilder im Sturm aus den Kirchen warfen, hat er sich dafür eingesetzt, dass sie dort bleiben. Sicher, man sollte die Bilder recht gebrauchen und sie nicht verehren oder gar anbeten.

Dr. Detlef Klahr, Landessuperintendent für den Sprengel Ostfriesland-Ems

Dr. Detlef Klahr, Landessuperintendent für den Sprengel Ostfriesland-Ems

Vielmehr ging es Luther um den pädagogischen Nutzen der Bilder für den Glauben. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Großartig, als er einmal sagte: „Ist es doch keine Sünde, sondern gut, wenn ich Christi Bild im Herzen habe; warum sollte es Sünde sein, wenn ich’s vor Augen habe.“
Die Wertschätzung der Bilder kam auch darin zum Ausdruck, dass Luther gleich seine erste Ausgabe des Neuen Testamentes in Deutsch von 1522 mit Bildern vom berühmten Lucas Cranach ausschmücken ließ. Ebenso die Gesamtbibelausgabe von 1534, die sogar mit farbigen Bildern versehen war.
Großartig aber war Luthers Herausgabe einer ersten Bibel für „Kinder und Einfältige“, das so genannte „Passionale“ von 1529. Diese allererste Kinderbibel enthielt 50 Holzschnitte, denen jeweils ganz kurze elementare Bibeltexte zugeordnet waren. Bild und Wort ergaben so eine unmittelbare Einheit. Und Kinder und „Einfältige“ – von Luther keineswegs abwertend gemeint – konnten so in Bildern und wenigen Texten die Bibel und ihre wichtigsten Geschichten kennen lernen.
Einfach ja, aber nicht simpel, denn Luther überlegte sehr genau, welche Bilder und biblischen Texte unbedingt enthalten sein sollten. Luther wusste, durch eine bildhafte Darstellung bleiben die Geschichten der Bibel gut im Gedächtnis haften.
Einfach und klar vom Glauben zu reden, braucht Mut. Das ist möglich, das zeigt Martin Luther, wenn die Kernaussagen der biblischen Botschaft durch eigene Bibellektüre verinnerlicht sind. Hilfsmittel, die den Glauben fördern, werden nicht ängstlich abgelehnt, sondern in Dienst genommen und gestaltet.
Reformation heute wird dieses Grundprinzip auch anzuwenden wissen, wenn es um digitale Kommunikationsformen geht. Wer die Kinder dabei nicht aus dem Blick verliert, wird auch für andere verstehbar bleiben. Erneuerung der Kirche beginnt auch damit, den Kindern das Evangelium nicht vorenthalten zu wollen. Bilder sind dabei eine Hilfe, das hat Luther gewusst.

Von Dr. Detlef Klahr, Landessuperintendent im Sprengel Ostfriesland-Ems

24. Oktober 2015: Herbst: Nasskalt, aber segensreich

Jens Blume, Pastor in Timmel und Mittegroßefehn

Jens Blume, Pastor in Timmel und Mittegroßefehn

„Oktober/November“ – das klingt nach kurzen, dunklen Tagen, nach Nebel und Regen. Die Natur färbt sich für eine kurze Zeit wunderbar bunt – nur, um dann für lange Zeit grau zu werden.
Stille legt sich über das Land, und wir müssen aufpassen, dass in ihrem Gefolge nicht die Schwermut nach uns greift. Viele Menschen kennen das Gefühl, dass man in diesen Tagen antriebslos wird, dass man zu nichts richtig Lust hat, und sich bei nass-kaltem Wetter einfach nur an den Ofen verkriechen möchte.
Formt sich dieses Gefühl erst zur Schwermut aus, liegt darin eine große Gefahr. In einem „Rückzug in die Stille“ liegt dagegen eine große Chance.
Früher, als fast alle Menschen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in der Landwirtschaft tätig waren, bedeuteten die kurzen Tage: lange Ruhezeiten. Nach der anstrengenden Ernte-Saison blieb Zeit, zusammenzusitzen, einen Rückblick zu halten und sich zu erholen.
War vom Frühjahr bis Spät-Sommer die ganze Aufmerksamkeit nach außen gewandt, zu den Feldern und Gärten, blieb nun Zeit für das Innere, für Pflege und Reparatur. Zeit auch für das Gesellige und Geistige. Diese Zeit war durch den Jahresrhythmus vorgegeben.
Heute ist kaum noch etwas von „Saison“ zu erkennen – weder in der Landwirtschaft noch irgendwo sonst.
Was auf der einen Seite ein erfreulicher Fortschritt ist (wir können alle alles jederzeit bekommen und erleben) bedeutet auf der anderen Seite, dass wir Ruhezeiten (Besinnungszeiten) nicht mehr von außen vorgegeben bekommen. Wir müssen selber darauf achten, dass das Innere nicht zu kurz kommt!
Gerade die Zeit kurzer, dunkler Tage mit Nebel und Regen sollten wir nutzen, um uns um unser Inneres zu kümmern, damit wir wieder Kräfte haben, wenn im Advent ein neuer Weg beginnt.
Ulrich Schaffer, ein kanadischer Autor, hat es in seinem Gedicht „Weiter Innen“ so formuliert:
„Mich nocheinmal,
weiter innen,
in mir zu finden,
geschälter, grüner,
vielleicht herber,
das ist mein Wunsch.
Nicht auf meinen Ursprung zu stoßen, sondern auf mein Ziel. Echter zu sein, ohne die Fremdheit, die ich aus Angst erlaube […].
Hingehauchter wegen der Vorläufigkeit, mit der ich auf dieser dünnen Kruste gehe.“

Von Jens Blume, Pastor in Timmel und Mittegroßefehn

17. Oktober 2015: Nächstenliebe

Matthias Tolsdorf, Pastor in Moordorf

Matthias Tolsdorf, Pastor in Moordorf

„Mann bei Überfall erschlagen“ – Solche Schlagzeilen lesen wir fast täglich in der Zeitung. Überall Krieg, Leid, Tod, Verbrechen, so kann es uns manchmal vorkommen. Und manchmal rauben uns diese Nachrichten die Freude am Leben, den Mut zum Handeln und erfüllen uns mit Verzweiflung. Aber mit unserer Zeit, unserer Phantasie, unseren Begabungen und unserer Kraft können wir uns dieser Realität entgegenstellen und in unserem Umfeld auch positive Erfahrungen ermöglichen.
Das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter (Lukas 10,25-37) handelt auch von einem Mann – einem Juden, der von Räubern überfallen und halbtot am Straßenrand liegengelassen wurde. Die Verletzungen, die Verluste und das Leid, die dem Mann zugefügt wurden, konnte keiner wieder gut machen. Das ist auch heute bei Gewaltverbrechen so. Aber auch inmitten dieser Gewalttat gab es eine Möglichkeit, dem Mann nicht nur das Leben zu retten, sondern auch Lebensmut und Lebensfreude zurückzugeben.
Die ersten beiden Passanten (ein Priester und ein Levit – auch Juden) gingen allerdings vorüber und erst ein Samaritaner (kein Jude, aber Bürger eines mit den Juden verfeindeten Volkes und Anhänger einer anderen Religion – ein Fremder also) hielt an, behandelte seine Wunden, nahm ihn mit sich, brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn dort.
Als der Samariter schließlich weiter reisen musste, bezahlte er den Wirt im Voraus für Unterkunft und Pflege. Ich kann mir gut vorstellen, wie sprachlos und dankbar der Jude angesichts des beherzten Handelns und der großzügigen Solidarität des Samariters gewesen sein musste.
Jesus antwortet mit diesem Gleichnis auf die Frage: „Wer ist denn mein Nächster?“ Und ich glaube, dass die Antwort Jesu auch uns heute ganz aktuell eine Antwort auf unsere Frage geben kann, wie begegne ich den Fremden, den Flüchtlingen, die nach Deutschland und auch in den Landkreis Aurich kommen: beherzt, entschieden und solidarisch. Dabei sollten wir die Angst vor anderen Kulturen und Religionen und vor einer Überfremdung „über Bord werfen“, denn wir können den positiven Reichtum unserer Kultur und Religion – auch und gerade im Umgang mit dem Fremden – aktiv bewahren: indem wir uns auf zentrale Werte unserer deutschen Kultur (Verankerung der Freiheit, der Grundrechte und der Solidarität im Grundgesetz) besinnen und unseren christlichen Glauben (vor allem durch tätige Nächstenliebe und Respekt) ein Gesicht geben und mit Leben füllen.

Von Matthias Tolsdorf, Pastor in Moordorf

10. Oktober 2015:  Heilung?

Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen!
Jeremia 17,14

„Heile du mich, Herr, so werde ich heil!“ – Wer betet solche Worte? Jemand, dem es nicht gut geht! Sofort kommen mir kranke Menschen in den Sinn, im Krankenhaus oder im Hause.

Bernd Battefeld, Pastor in Strackholt

Bernd Battefeld, Pastor in Strackholt

„Hat Beten überhaupt Sinn?“ fragt der Nachbar und verweist auf eine traurige Diagnose. Und auf die Erfahrung, wie oft sich ein Befund dann bestätigt. Andere Menschen denken angesichts einer schweren Krankheit auch: „Da hilft nur noch Beten!“
Das sind Gedanken, die mir beim ersten Hören auf den Wochenspruch aus dem Buch des Propheten Jeremia kamen. Wer aber ist dieser Jeremia?
Ein Mann, von Gott beauftragt, seinem Volk eine unbequeme Botschaft zu sagen. Es sind Worte, die die Leute nicht hören wollten: Ihr geht alle unter, wenn Ihr nicht auf Gottes Gebote hört!
Dafür musste er viel einstecken, fast verzweifelte er an seiner Aufgabe, an den Anfeindungen, denen er ausgesetzt war: „Hilf du mir, so ist mir geholfen!“ Die Bedrohungen verschwanden ebenso wenig wie manche Krankheit heute aufhört. „Heile du mich“, eine sinnlose Bitte an Gott?
Nein! Die Worte der Bibel sind eine große Ermutigung zum Beten! Menschen wie Jeremia sind uns mit ihrem Leben, mit ihren Fragen und ihren Leiden nahe und an ihnen erfahre ich, wie sie aus dem Gebet leben konnten.
Auf dem Beten liegt eine Verheißung, so ermutigt uns Jesus zum Vaterunser. Auf welche Weise sich diese Verheißung erfüllt, können wir nicht bestimmen.
Der Rektor und Theologe Hermann Bezzel sagte einmal: „Gott hilft uns nicht immer am Leiden vorbei, aber er hilft uns hindurch.“

Von Bernd Battefeld, Pastor in Strackholt

3. Oktober 2015 – Erntedank: Ein kleines Opfer für eine große Sache

Karsten Beekmann, Pastor in Walle

Karsten Beekmann, Pastor in Walle

Lange Zeit war es in Teilen Deutschlands fester Brauch, dass Konfirmanden rund um das Erntedankfest mit einem Handwagen durch die Dörfer zogen, um Gaben für den Erntedank-Gottesdienst einzusammeln. Gespendet wurde meist Obst, Gemüse und Kartoffeln aus dem eigenen Garten, Wurst- und Fleischdosen vom Schlachten, Marmelade, Zucker und Mehl. Die Gaben wurden in der Kirche aufgebaut und anschließend in diakonische Einrichtungen gebracht. Solch ein Brauch scheint mittlerweile völlig veraltet zu sein.
Inzwischen werden Früchte und Gemüse für das Erntedankfest überwiegend im Discounter eingekauft. Sie dienen als Dekoration und sind im strengeren Sinn keine Opfergaben mehr, obgleich sie im Anschluss manchmal ebenfalls an diakonische Häuser weitergegeben werden.
Ein richtiges Opfer würde anders aussehen. Es würde bedeuten, dass ich aus Dankbarkeit oder Barmherzigkeit etwas von dem abgebe, was mir in meinem Leben an Gutem geschenkt wurde. Genau davon redet auch die Bibel in dem Buch Sirach: Ehre Gott mit deinen Opfern gern und reichlich, und gib deine Erstlingsgaben, ohne zu geizen (Sirach 35,10).
Wenn wir im Volksmund das alte Sprichwort „Ein kleines Opfer für eine große Sache“ gebrauchen wird deutlich, was für einen Stellenwert das Wort Opfer hat. Von jeher wird in unserer Gesellschaft von einem „Bauernopfer“ gesprochen oder dem Schwächsten in der Schule „Hey, du Opfer“ hinterhergerufen – und manchmal ist das fatalerweise dann auch so gemeint. Und in Bezug auf Gott und den christlichen Glauben?
Interessanterweise ist das „Opfer“ so alt wie die Religion überhaupt. Im Altertum erhoffte man sich durch menschliche Opfer die Zuwendung von Gott und seinen Schutz.
Im Neuen Testament bekam das Wort Opfer durch Jesus eine völlig neue, den Menschen reinigende Kraft. Mit anderen Worten: Durch Jesus werden wir daran erinnert, wie kein Geringerer als Gott selbst sich aus Liebe zu uns Menschen opferte, damit wir dieses Geschenk nicht nur für uns selbst aufnehmen, sondern auch ganz konkret an andere weitergeben.
Deshalb die Frage: Was hat dieser Gott dir im Laufe meiner Lebensjahre an Erstlingsgaben geschenkt – und vielleicht sogar von Anfang an in die Wiege gelegt? Wo sind deine konkreten Gaben? Was kannst du am besten? Etwas für meine Nachbarn organisieren, andere motivieren oder durch einen fröhlichen oder tröstenden Satz berühren? Den neu angekommenen Flüchtlingen in deiner Straße zeigen, was sie genau wo finden und wie sie sich am Einfachsten bei uns zurecht finden?
Gerade jetzt rund um das Erntedankfest lädt Gott uns ein, das wir mit einer dankbaren Haltung etwas von dem weitergeben, was er uns an guten Gaben geschenkt hat. Ein festes Dach über dem Kopf, eine feste Struktur für den Tag – und Menschen, die unsere persönliche Freude, aber auch die Lasten mit uns teilen.
Und eine solche von Dankbarkeit geprägte Erfahrung fordert uns selbst heraus, dass wir nicht nur unseren kläglichen Rest (wie manchmal das Kupfergeld in einer Kollekte), sondern auch einen guten Teil von dem, was uns selbst an Geld oder an anderen Gaben geschenkt wurde, anderen auch zur Verfügung stellen. Und ich vermute, wir spüren dann sehr bald: Dies ist kein kleines Opfer, aber es dient einer großen Sache.

Von Karsten Beekmann, Pastor in Walle

26. September 2015:  „Ich hoffe auf dich“

Liebe Leserin, lieber Leser, folgendes Gebet zum Tagesanfang fand ich:
„Lieber Gott, bis jetzt geht’s mir heute gut! Ich habe noch nicht getratscht und auch noch nicht meine Beherrschung verloren. Ich war noch zu keinem gehässig oder fies. Ich habe noch nicht gejammert und zu viel Fett und Schokolade gegessen. Geld habe ich auch noch nicht sinnlos ausgegeben. Aber in ungefähr einer Minute werde ich aus meinem Bett aufstehen – und dann brauche ich wirklich deine Hilfe!“
Den Tagesanfang kann man ja sehr unterschiedlich gestalten. Ernährungswissenschaftler weisen darauf hin, dass für einen gelungenen Start in den Tag kaum etwas so wichtig ist wie ein gutes Frühstück. Möglichst gesund soll es sein, vitamin- und ballaststoffreich. Es sollte auch nicht hastig heruntergeschlungen werden, sondern man sollte es in angenehmer Umgebung mit viel Zeit bewusst zu sich nehmen. Gut, wenn man es so einrichten kann! Ich kenne aber auch Menschen, die sich die Zeit für ein solches Frühstück nicht nehmen können.

Hermann Reimer, Pastor in Spetzerfehn

Hermann Reimer, Pastor in Spetzerfehn

Irgendwie kommen sie morgens schlecht aus dem Bett, stehen in letzter Minute auf, um wenigstens noch ausreichend Zeit zur Morgentoilette zu haben, bevor sie dann aus dem Haus stürmen. So gibt es sehr unterschiedliche Ansichten und auch Möglichkeiten, einen Tag zu beginnen. Einen speziellen Tipp dafür hält der Beter des 143. Psalms für uns bereit: „Lass mich am Morgen hören deine Gnade; denn ich hoffe auf dich.“ Dieser Vers hat nicht unsere Frühstücksgewohnheiten im engeren Sinne im Blick. In ihm geht es um die Frage, wofür wir uns früh am Morgen öffnen, was wir schon früh am Morgen „hören“, mit welcher inneren Erwartung wir den neuen Tag mit seinen Herausforderungen und Aufgaben beginnen. Da kommt es einfach auf einen guten Einstieg an! „Vor das tägliche Brot gehört das tägliche Wort“, so hat es Dietrich Bonhoeffer gesagt.
Er meint damit, dass uns das Wort Gottes dabei helfen kann, gut in den Tag zu kommen. Und dann ergänzt er: „Der Anfang des Tages soll für den Christen nicht schon belastet und bedrängt sein durch das Vielerlei des Werktages. Über dem neuen Tag steht der Herr, der ihn gemacht hat.“ Viele handhaben das so. Manche lesen jeden Tag ein Blatt ihres christlichen Abreißkalenders. Andere lassen sich von den „Losungen“ die Richtung für den neuen Tag angeben. Anderen tut der kurze Impuls der kirchlichen Sendung im Radio gut. Und so mancher freut sich auf die „Sonntagsbetrachtung“ in den ON. Dass das jede Woche möglich ist, dafür ganz herzlichen Dank!
Dass wir uns am Anfang des Tages „das tägliche Wort“ gönnen, ist keine religiöse Pflicht! Das muss man nicht machen! Aber es ist eine Hilfe, gut oder wenigstens besser in den Tag reinzukommen! Warum sollten wir uns das nicht gönnen? Damit unser Kopf freier wird und unser Herz fester. In diesem Sinne: Haben Sie einen schönen Sonnabend und ein Wochenende, das Ihnen gut tut!

Von Hermann Reimer, Pastor in Spetzerfehn

19. September 2015: Denn er sorgt für euch

John Förster, Pastor in Riepe und Ochtelbur

John Förster, Pastor in Riepe und Ochtelbur

Für die zu Ende gehende Woche gilt uns einer der schönsten Mutmach-Bibelsprüche aus dem 1. Petrusbrief 5,7: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ Wenn wir uns bei Gott geborgen fühlen und täglich erleben, dass er es gut mit uns meint und uns das Nötige zum Leben schenkt, dann müssen wir nicht so schrecklich viel Zeit damit verbringen, uns nur um uns selbst zu kümmern und uns nur um unser eigenes tägliches Wohl zu mühen. Uns werden freie Zeit und Kraft geschenkt, auf unsere Umgebung zu schauen.
Unsere Sorgen bei Christus ablegen zu können hilft uns, aus dem privaten Denken einen Schritt hinaus in das Gemeinsame zu tun, und da erleben wir in diesen Tagen viel Neues: Neue, fremde Gesichter begegnen uns. Gesichter von Menschen, die viel Schlimmes erlebt haben. Menschen, die liebe Familienmitglieder und Freunde unter tragischen Umständen verloren haben. Menschen, die alles zurücklassen mussten, um bei uns neu anzufangen. Sie suchen ein Zuhause: Frieden und Freiheit, Geborgenheit und Anteilnahme, Arbeit und Würde.
Auch in den Wirren der Nachkriegszeit verschlug es viele Menschen in unsere Dörfer auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Damals hatten alle wenig und Angst und Misstrauen gingen um: Wird das Wenige für uns und alle Neuankömmlinge reichen? Damals konnte man miterleben: Ja! Es hat gereicht! Das Nachkriegsdeutschland erlebte – auch wegen der zugereisten Flüchtlinge – einen ungeheuren Aufschwung auf unterschiedlichsten Ebenen, besonders im sozialen und wirtschaftlichen Bereich.
Inzwischen sind unsere Dörfer gewachsen und wirtschaftlich geht es uns besser als damals. Nun kommen wieder Menschen zu uns, diesmal keine deutschsprachigen Christen, und wir stellen uns die gleichen Fragen erneut. Hier hinein gehört die Zusage christlichen Gottvertrauens.
Lasst uns unsere Sorgen auf Gott werfen, denn Er wird wieder für uns sorgen. Dies ist aktuelle Zusage, aber auch Beauftragung. Dass sich unsere neuen Dorfbewohner bei uns wohlfühlen und ihnen das Eingewöhnen in eine fremde Kultur und Sprache erleichtert wird, ist unsere Aufgabe. So schreibt Traugott Giesen: „Du hast das Talent, heute, jetzt, hier Gott zu treffen. Im Nächsten, der dich braucht, triffst du Gott und stellst die Würde und den Glanz Gottes her, wenn du ihm gut bist. Wenn ein Mensch wegen dir aufhört, sich für einen Dreck zu halten, wenn einer sich mit deiner Hilfe wieder ein Stück gotteshaltiges Ich zutraut, dann hast du das Reich Gottes mitgebaut.“

Von John Förster, Pastor in Riepe

12. September 2015: Ik, Gott, ik kenn di mit Naam

O, wat was de lüttje Talea upgeregt west. Bi hör lüttje Kulantjes – all so veer of vief Johr ollt – sull n´grooten Bus na´d Kindergarten henkomen un nu wull´n se mitnanner n´Reis maaken un wat Moois bekieken. Kookjes un Drinkereej sullt dor ook noch geben, se wull hör Grevelpütt mit Eeten un Drinken heel neet mit hebben mörgens – se kreegen ja wat unnerwegs vandage un dat was wir´s mehr as genoog. Na uns groote Kark sull dat gahn un de wull´n se sück all mitnanner bekieken.
Un so hemm´st ook maakt. De groote Bus kweem anfohren un wall twintig Kinner un dree Grooten gungen mitnanner up Fohrt. Sovöl gav dat dort to sehn un to doon – all Kinner harren nett so drock as man wat kann. Un as se laater weer in Huus wassen, wur d´r vertellt un vertellt un vertellt. Un lüttje Talea, de harr noch mehr beleevt as all de annern.
As se mit Bus bi de groode Kark kweemen, kweem de Vikar, de dor in hören dee, taumal tau´t Döör ut stappen. He harr Taleas heel lüttje Süster vör´n Maant off dree döpt un he freu sück, dat he Talea dor blied anstappen sach. „Hech“, doch Talea, „de hebb´k ook all maal sehn. De wohnt in´t Kark. Wo heet de ook noch, de in´t Kark wohnt? Oh, ja, de heet Gott!“ As se noch so an´t simelären was, kweem de junge Vikar blied up hör an un see: „Moin Talea! Mooi, dat du dor büst!“ Un Talea kreeg bolt n`Schlag: de keent mien Naam – bi de Döpe van hör lüttje Süster was se so dör´t Wind west, do harr se so drock, dat se neet mehr wuss, wat d´r all geböhren dee. Un se kenn de junge Mann neet weer.
Un Talea doch sück: Well sall dat anners wesen as Gott, de to´d Karkdör utstappen dee. Un dor vertell se in Huus van: „Off ji´t löben will´n off neet: ik hebb vemörgen Gott truffen un de wuss sogar, wo ik heet.“ Hör Ollen mussen schmüstern as se dat hören deen – se kunnen sück sachs all denken, well se sehn harr.

Jürgen Hoogstraat, Pastor in Victorbur

Jürgen Hoogstraat, Pastor in Victorbur

Ja, un ik hebb mi ook docht: wat Recht is mutt Recht blieben. Vikar blifft Vikar un Gott blifft Gott. Man mit eens harr de lüttje Talea doch Recht: In´t Kark, dor kunn se fast dr´mit reken, dat se Gott treffen dee. Un dat beste is: De kennt sien Lüe! De weet wi´rs, well du büst un well ik bün. De weet ook, wo du tofohrt büst un wat di schaadt. Weest wat? Gah Sönndag driest mal in sien Huus un laat di blied un gerüst maken unner sien Woord. Dor steiht in: Ik, Gott, ik kenn di mit Naam un weet well du büst! Ik will di all dat Klatterej offnehmen, wor du unner to lieden hest, wi bei´d wi hören binanner. Dat was wat, kunnst du Namiddags vertellen Ik hebb vemörgen Gott truffen un de wuss sogor, wo ik heet.“

Von Jürgen Hoogstraat, Pastor in Victorbur

12. September 2015: Lastenträger

Liebe Leserinnen und Leser,

Pastor Jan Mondorf

Pastor Jan Mondorf

vor einigen Jahren bekam mein Bruder zu Weihnachten ein kleines, aber feines Geschenk: Einen kleinen Lastenesel aus Holz. An seinem Halsband befand sich ein Zettel, auf welchem sinngemäß stand: „Ich bin ein Lastenesel und trage geduldig alle deine Sorgen und Nöte.“ Eine einfallsreiche Geschenkidee, wie ich finde. Es tut gut, seine Ängste, Nöte und Sorgen auszusprechen und jemandem anzuvertrauen. Aber das muss jemand sein, der diese Dinge auch für sich behält. Es muss jemand sein, der meine Belastungen versteht, vielleicht sogar mitträgt. So ein Lastenesel ist sicherlich absolut vertrauenswürdig und würde nichts von dem ausplaudern, was man ihm anvertraut hat, weil er aus Holz. Das ist es dann aber auch schon: Er ist eben nur aus Holz und kein lebendiges Gegenüber. Er versteht mich nicht und steht mir nicht zur Seite. Deshalb ist es, so denke ich, sinnvoller, seine Sorgen und Nöte dem anzuvertrauen, der all unsere Lasten trug, der uns versteht, der verschwiegen, aber trotzdem nicht untätig ist, nämlich Jesus Christus. Im Wochenspruch für die kommende Woche werde ich vom Verfasser des ersten Petrusbriefs hierzu aufgefordert: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ Meine Sorgen sind bei Jesus gut aufgehoben. Und mehr noch: Wenn ich ihm (vielleicht sogar laut ausgesprochen) das, was mich bedrückt, anvertraue, fühle ich mich anschließend leichter. Zudem will er für mich „sorgen“, wie es im Vers heißt. Das bedeutet: Er will mir Menschen zur Seite stellen, die mir mit meinen Lasten helfen. Oder ich bekomme neue Zuversicht, neue Hoffnung und neue Ideen mit meinen Lasten umzugehen und sie vielleicht los zu werden. Der Theologe und Pastor Dietrich Bonhoeffer hat dies einmal so ausgedrückt: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.“ Probieren Sie es doch einfach mal aus und „werfen“ Sie in der kommenden Woche Ihre Sorgen auf Christus. Er hört Ihnen verschwiegen zu und wird Ihre Sorgen in Gutes verwandeln.

von Jan Mondorf, ehemals Vikar in Victorbur, jetzt Pastor im Kirchspiel Basse, Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf

5. September 2015: Echte Dankbarkeit ist selten geworden

Fetzen liegen im ganzen Zimmer verstreut. Papierfetzen von den unzähligen Geschenken, die er zu seinem siebten Geburtstag bekommen hat. Noch nicht einmal richtig angeschaut hat er sich die einzelnen Präsente. Undankbar ist er, meint seine Mutter.

Anna Bernau, Pastorin in Bagband

Anna Bernau, Pastorin in Bagband

Danke. Dieses Wort sagen wir selten und wenn wir dies tun, ist es manchmal nur so daher gesagt, weil es sich so gehört. Echte Dankbarkeit empfinden und sie ausdrücken, geschieht selten. Wir nehmen die Sachen, die wir bekommen, die Begegnungen, die wir erleben, oftmals als selbstverständlich hin. Und dies ist nichts Neues, es liegt nicht etwa daran, dass wir heutzutage schlecht erzogen wären. Schon die Bibel berichtet Ähnliches in der Geschichte von den zehn Aussätzigen, die rein geworden sind: Nur einer der zehn Aussätzigen, die Jesus geheilt hatte, pries Gott. Nur einer der zuvor Ausgestoßenen fiel vor Jesus nieder und bedankte sich, so das Lukasevangelium. „Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun?“, wunderte sich Jesus. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass die 9 sich schnell ihren Freunden und Verwandten zeigen wollten, keine Zeit hatten und daher das Danken vergaßen. Ich weiß nicht, ob es ihnen unangenehm war, zu danken. Tatsache ist, sie dankten nicht. „Undank ist der Welt Lohn“, so lautet ein Sprichwort.
Doch Dankbarkeit ist so wichtig. Und nicht nur dankbar im Inneren sein; ein Herzensgefühl haben. Nein, der Dank muss ausgedrückt werden, erst so kann ich beim Danken in Beziehung treten. Aber nicht nur das; sich bedanken ist für einen selbst wichtig. Erst wenn ich mich bei einem anderen bedanke, verinnerliche ich tiefe Dankbarkeit. Wenn es mir schlecht geht, ich kaum mehr ein noch aus weiß, dann tut es gut, zu danken; ich nehme das Positive in meinem Leben wahr.
Sich an Schönes im Leben zu erinnern und dafür dankbar zu sein, kann die Sicht auf Dinge auf einmal viel heller werden lassen. Ich kann glücklicher sein. Denn: „Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“ (Francis Bacon). Daher ist es gut, immer mal wieder anderen zu danken und auch Gott zu sagen: Gott sei Dank, für das, was ich empfangen habe.

Von Anna Bernau, Pastorin in Bagband

29. August 2015: Zur besten Sendezeit

Vor 25 Jahren wurde ein Film der BBC ausgestrahlt, der im Deutschen übertitelt worden ist: „Der Marsch“. Dieser visionäre Film endet damit, dass nach Hunger und Naturkatastrophen hunderttausende Bewohner des afrikanischen Kontinents sich in Boote stürzen, um über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Die Not und Verzweiflung der Menschen ist sehr realistisch dargestellt. Im Script zum Film steht ein denkwürdiger Satz, den der Drehbuchautor William Nicholson kürzlich in einem Interview erwähnte: „Sie werden nicht erlauben, dass eine Bootsladung voller Flüchtlinge versinkt – nicht zur besten Sendezeit.“

Silke Kampen, Pastorin In Wallinghausen

Silke Kampen, Pastorin In Wallinghausen

25 Jahre später geschieht aber genau das jeden Abend zur besten Sendezeit. Es geschieht, dass wir nicht nur gekenterte Boote und Reste von Schwimmwesten zu sehen bekommen, sondern auch Lastwagen, in denen Flüchtlinge hoffen, die Grenze nach Europa zu überwinden, um geduldet, aufgenommen und in Sicherheit zu sein. Wir sehen diese Vehikel der Hoffnung und dann den hundertfachen Tod. Die Bilder sind erdrückend und schwer zu ertragen. Natürlich sind sie auch manipulativ – sie sollen mich schockieren, wenigstens für den Augenblick – zur besten Sendezeit. Ich kann und soll hinsehen, hineinfühlen, mich aufregen oder sachlich informieren. Das ist die journalistische Aufgabe, die zur Anfrage an unsere Gesellschaft wird. Und dann bin ich dran: ich kann weiterzappen und umschalten, den Schock verdrängen – oder etwas antworten, noch besser tun.
Am kommenden Sonntag – zur besten Sendezeit der Kirchen – wird in den lutherischen Kirchen ein Wort von Landesbischof Ralf Meister aus Hannover zu hören sein, das sich auf die bedrückende Situation von Flüchtlingen hier vor unseren europäischen Grenzen bezieht. Gegen die hoffnungslosen Bilder und tausendfachen menschlichen Tragödien setzt Meister ein Bibelwort: „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der HERR, euer Gott. (3. Mose 19,33-34).
Stammtischparolen widersprechen
Die Bibel fordert uns immer wieder auf, gastfrei zu sein und Fremde zu beherbergen. Sie weiß darum, dass wir uns schwer mit grenzenloser Gastfreundschaft tun. Das alles weiß sie längst, sie weiß um unsere eigenen, manchmal kleinlichen Ängste und bietet doch keine andere Handlungsalternative. Viele – hier vor Ort und an tausend anderen Orten – helfen schon, dass Flüchtlinge, Vertriebene und von den Kriegen Traumatisierte in Deutschland, in Ostfriesland ankommen und zur Ruhe kommen können. So kann jede und jeder mit den Worten von Bischof Meister gesprochen „dazu beitragen, auch mit bescheidenen Mitteln, dass die Stimmung in unserem Land gegenüber den Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen, eine offene und willkommene bleibt“. Und er fordert uns zur besten Sendezeit auf – nicht nur in der Kirche – den Stammtischparolen in der Nachbarschaft, beim Einkaufen und bei der Arbeit zu widersprechen. „Suchen Sie den Kontakt zu den neuen Bürgerinnen und Bürgern. Laden Sie sie in Ihre Gemeindehäuser ein und feiern miteinander. Und beten Sie für die Menschen, die kommen.“ Am Sonntag werden wir darauf ein „Amen“ sprechen, übersetzt: So soll es sein! Antworten Sie darauf – in Ihrer Gemeinde oder an anderen öffentlichen Orten.

Von Silke Kampen, Pastorin in Wallinghausen

22. August 2015: Ein Dorf, um ein Kind zu erziehen

„Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“ – So lautet ein afrikanisches Sprichwort. Ein Dorf? Aber ist die Erziehung denn nicht Aufgabe der Eltern? Sicher. Und Eltern sind ohne Frage die wichtigsten Menschen im Leben der Kinder. Aber eben nicht die einzigen.

Anne Ulferts-Tatjes, Pastorin in Wiesmoor und Ostgroßefehn

Anne Ulferts-Tatjes, Pastorin in Wiesmoor und Ostgroßefehn

Aber dieses sprichwörtliche Dorf, das es braucht, um ein Kind aufzuziehen – wo gibt es das noch im eigentlichen Sinne? Heute besteht es vielleicht aus den Großeltern, die oft aber nicht vor Ort leben, vielleicht aus einzelnen Freundinnen und Freunden, den Paten, eben einem kleinen „Netzwerk“ aus lieben Menschen, die auch Verantwortung für die Kinder übernehmen. Oder es springt auch einmal die Nachbarin ein, wenn die alleinerziehende Mutter einen Termin hat oder einfach abends einmal etwas unternehmen möchte.
Und doch: Kinder brauchen ein solches Dorf – in welcher Form auch immer. Kinder brauchen unterschiedliche Menschen um sich – junge wie alte –, die ihnen verschiedene Zugänge ins Leben ermöglichen. Die unterschiedlich handeln und unterschiedlich sind, manche nachsichtig, manche vielleicht etwas strenger. Eben jeder mit seiner Art. Später kommen die Erzieher und Erzieherinnen im Kindergarten oder die Lehrer und Lehrerinnen in der Schule noch dazu.
Aber eines ist sicher: Alle versuchen ihr Bestes, dem Kind die Welt begreifbar zu machen.
Großeltern haben dabei eine ganz besondere Bedeutung für ihre Enkel. Sie bringen sich außerhalb der Hektik des Familienalltags mit Ruhe und Gelassenheit ein, nehmen sich Zeit für das, was im Alltag zu kurz kommt: Sie haben die Zeit, mit dem Kind jeden Stock, jeden Stein am Wegesrand zu betrachten. Sie nehmen sich die Zeit für Unternehmungen. Vor allem aber kennen sie Geschichten, die für die Enkel von unschätzbarem Wert sind: Die Geschichten aus der Zeit, als Mama und Papa selbst Kinder waren und sie haben noch anderes zu erzählen.
Das sprichwörtliche Dorf für die Kindererziehung – es zeigt uns auch, dass Familien nicht allein gelassen werden dürfen. Sie brauchen Unterstützung, und lange nicht alle Familien haben ein Dorf um sich.
Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Das ist ein kluges und weitsichtiges Sprichwort. Und wie schön, wenn einer aus dem Dorf erzählen kann, weiter geben kann, wie Gott es mit uns meint. Was Glaube, Liebe und Hoffnung bedeuten. Die gute Botschaft für unser Leben.
Ohne den
Blick füreinander
geht es nicht
Kinder sind die Hoffnung, die wir vor Augen haben, die uns verpflichtet zum Weitererzählen und zum Handeln. Wir brauchen jedes Kind, jedes Kind braucht uns. Das meint den Jungen, der die Kita auf den Kopf stellt, das junge Mädchen, das an Magersucht leidet, der coole Jugendliche, der kifft, die etwas abgedrehte Schulabbrecherin – sie sind wertvoll. Gott weiß das, er liebt sie ja ohnehin. Aber sie sollen spüren: Wir brauchen dich. Du bedeutest uns etwas. Wir wollen für dich da sein. Auch, wenn es anstrengend ist.
Jugendliche berichten über ihr soziales Jahr, sie hätten zum ersten Mal gespürt, dass jemand sie braucht. Wir spüren zunehmend die Herausforderung, dass Menschen sich allein gelassen fühlen. Ohne Gemeinschaft – ohne den Blick füreinander geht es nicht. Die Älteren brauchen die Jungen – die Jungen können lernen von den Erfahrungen, der Lebensklugheit der Alten. Und umgekehrt.

Von Anne Ulferts-Tatjes, Pastorin in Wiesmoor und Ostgroßefehn

15. August 2015:  Leben für den Augen-Blick

Ich sitze am Steuer, konzentriere mich auf den Autoverkehr, im Abspielgerät läuft die neuste Wise-Guys-CD. Der Dieselmotor schnurrt gleichmäßig, als das 9. Lied beginnt und ich höre: „Dein Blick berührt mich in der Seele.“
Der Titel, der Refrain berühren mich. Hätte ich die Gelegenheit gehabt, ich wäre in eine Seitenbucht gefahren. Nur ist leider nichts dergleichen in Sicht. „Dein Blick berührt mich in der Seele.“

Silke Kampen, Pastorin In Wallinghausen

Silke Kampen, Pastorin in Wallinghausen

Ich weiß durchaus, dass die Musik der A-cappella-Gruppe unkomplizierte nette Unterhaltung bietet. Aber was die fünf Männer da gerade singen, ist ganz elementar und grundsätzlich wichtig, dass es sich lohnt, es für einen Augenblick anzusprechen: Menschen schauen sich an. Ein Blick, ein Augen-Blick wird kostbar, weil er etwas bewirkt, weil er mich meint und wahrnimmt.
Dabei kann es passieren, dass so etwas Schönes geschieht: Blicke, die berühren, die mich nicht loslassen, die mich ins Mark treffen. Natürlich können diese Blicke auch unangenehm berühren, dass wir uns ertappt oder bestraft fühlen („Wenn Blicke töten könnten“), dass sie uns strafen oder uns in ihre Trauer hineinziehen.
Da beobachte ich, dass jemand schnell etwas auf das Laufband packt. Natürlich hat die Kassiererin ihn längst freundlich begrüßt. Aber der Gruß wird nicht erwidert. Sie nennt den zu zahlenden Betrag und die Kommunikation reduziert sich auf: „mit Karte“, zwischenzeitig ist alles in den Wagen bugsiert.
Während des gesamten Einkaufs gibt es keinen Blickkontakt, weder einen freundlichen noch unfreundlichen. Eine Ausnahme, vielleicht. Aber die Ausnahmen häufen sich – und nicht nur beim Einkauf, sondern beim Arzt, im Unterricht, und so weiter. Nicht gesehen, nicht wahrgenommen, übersehen.
Dabei ist das Sich-Anschauen wesentlich: Wer sich gegenseitig einen Augen-Blick gönnt, lebt auch im Augenblick, ist präsent – und, was nicht weniger wichtig ist: wird selbst gesehen. Wer an-gesehen wird, erhält Würde. Unsere Sprache verrät, wie sehr es uns auf dieses Ansehen ankommt.
Die Bibel, das Alte und Neue Testament, erzählt voller Leidenschaft von dem Gott, der sich zuwendet und uns anschaut. Besonders im Segen können wir erfahren: „Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig. Gott hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“ (4. Buch Mose, 6, 24-26).
Sehnsucht nach dem Angesehen-Sein
Manche Menschen warten sehnsüchtig genau auf das letzte Wort im Gottesdienst, auf dieses „Angesehen-Sein“, um aufrecht und ermutigt in eine neue Woche zu gehen. Gott sieht die Menschen so ernsthaft und ermutigend an. Und auch von Jesus wird immer wieder berichtet: „Jesus sah und wurde bewegt.“ Jesus sieht. Und was er sieht, bewegt ihn zum Handeln.
Jesus sieht anders. Er sieht genau und achtsam hin. Was er sieht, bewegt ihn. Das Leben in Palästina im Jahr 30 war optisch sicher ruhiger als unsere mit Werbung zugepflasterten Groß- und Kleinstädte.
Dennoch nimmt Jesus selbst im Gedränge der Menschenmenge einmal eine Frau wahr, die ihn berührt und sieht sie an. Sehen wie Jesus hat damit zu tun, dass wir uns Zeit nehmen, einige Momente oder Minuten, bewusst hinzusehen.
Die Sommerzeit entspannt uns und dehnt die Zeit, um mal Schönes mit Sinn und Verstand zu betrachten. Oder auch Dinge, die weniger schön sind, aber unsere liebevolle Zuwendung brauchen. Auf jeden Fall ist jetzt Zeit für Begegnung, Zeit für den Augenblick!

Von Silke Kampen, Pastorin in Aurich-Wallinghausen

8. August 2015:  Liebe ist alles!

Wohl dem Volk, dessen GOTT der HERR ist, dem Volk, das ER zum Erbe erwählt hat. (Psalm 33, 12; Wochenspruch)

„Gott? – Brauche ich nicht; ich bestimme mein Leben selbst in eigenverantworteter Freiheit.“ So oder ähnlich heißt es zuweilen. In unserem Land haben wir erfreulicherweise (ich möchte sagen: Gott sei Dank!) Religions-Freiheit. Natürlich respektiere ich jede und jeden, die und der den mir geschenkten Glauben nicht mit mir und vielen anderen teilt oder teilen möchte. Es wäre schlimm, wenn jemand gezwungen werden könnte, glauben (d.h. im christlichen Verständnis: sein Vertrauen auf GOTT setzen) zu müssen; dies widerspräche auch dem Verständnis des Evangeliums (der guten, befreienden Nachricht von GOTT, dem Schöpfer, Christus, dem Retter, und dem Heiligen Geist, dem Beistand, dem Tröster, in welcher die unüberbietbare Liebe GOTTes offenbart wird). Denn Liebe zwingt nicht. Der Apostel Paulus schreibt im 1. Korintherbrief, Kap. 13, V. 4-7: „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, …, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, …, sie hofft alles, sie duldet alles.“ Und er schließt dieses Kapitel mit dem 13. Vers: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Hans Bookmeyer, Pastor für besondere Aufgaben im Kirchenkreis Aurich

Hans Bookmeyer, Pastor für besondere Aufgaben im Kirchenkreis Aurich

Die Liebe ist deshalb die größte, weil GOTT selbst diese Liebe ist, wie Johannes in seinem 1. Brief es bezeugt (1. Joh. 4, 16b): „GOTT ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in GOTT und GOTT in ihm.“ – Ich bin dankbar, dass es mir (in der Taufe) geschenkt ist, aus dieser Liebe heraus und im Vertrauen auf diese Liebe mein irdisches Leben leben zu dürfen, von ihr gehalten zu werden trotz all´ meiner Unzulänglichkeiten, die Hoffnung geschenkt bekommen zu haben, in dieser Liebe auch über meine Erdenzeit hinaus geborgen zu bleiben.

Und ich gestehe gern: Die mich befreiende und erfüllende Botschaft der Liebe GOTTes , die in Jesus Christus Gestalt angenommen hat, verändert, seit ich mein Vertrauen darauf gesetzt habe, mein Leben. – Ich bin dankbar, dass GOTT mich in Seine Liebe hineingenommen hat, dass ich „zu Seinem Volk“ gehören darf, wie jede und jeder, die und der sich dem Gott der Liebe anvertrauen mag, denn GOTT schließt niemanden aus. – Niemand wird gezwungen, aber jede und jeder ist eingeladen. – Und jede und jeder, die und der aus GOTTes Liebe heraus bereits leben darf, hat den großartigen Auftrag, von dieser Liebe weiterzugeben, sonst würde sie in einem selbst erkalten … . – Ich grüße Sie, liebe Leserinnen und Leser, alle sehr herzlich mit der 13. Strophe aus Paul Gerhardts schönem Sommerlied „Geh´ aus, mein Herz, und suche Freud“ (Ev. Gesangbuch, Nr. 503): „Hilf mir und segne meinen Geist / mit Segen, der vom Himmel fleußt, / dass ich Dir stetig blühe; / gib, dass der Sommer Deiner Gnad / in meiner Seele früh und spat / viel Glaubensfrüchte ziehe.“

Von Hans Bookmeyer, Pastor für besondere Aufgaben im Ev.-luth. Kirchenkreis Aurich

1. August 2015: „Ich packe meinen Koffer und nehme mit…“

– wir sitzen im Kreis und spielen dieses Kinderspiel. Reihum füllen die Mitspieler das Gepäckstück mit ausgedachten Utensilien. Natürlich muss die Zahnbürste hinein. Die Badehose. Für Gelächter sorgt die Rolle Klopapier. Wer mitspielen will, braucht Fantasie und ein gutes Gedächtnis. Denn die Mitstreiter müssen sich nicht nur immer wieder etwas Neues ausdenken, sondern sie dürfen auch die Dinge, die schon im Koffer sind, auf keinen Fall vergessen. Sonst ist es mit dem Spiel schnell aus.
Es ist Sommerzeit. In diesen Tagen packen viele von uns ihre Koffer, um zu verreisen. Einfach mal dem grauen Alltag entfliehen. Abstand gewinnen von Arbeit und Schule, die Seele baumeln lassen, neue Kraft finden – das ist die Hoffnung aller Reisenden in der Ferienzeit.

Sandra Stelzenberger, Diakonin in Victorbur und Weene

Sandra Stelzenberger, Diakonin in Victorbur und Weene

Wenn wir den Koffer packen, stellt sich nicht nur im Kinderspiel jedes Mal die Frage neu: Was nehme ich mit?                                                                                                                       Bekanntermaßen nimmt man vor allen anderen Dingen erst einmal sich selber mit. Wo immer ich hingehe, fliege, fahre: ich nehme mich mit und damit auch das, was mich im Innersten bewegt. Meine Unruhe, meine Sorgen, Fragen um die persönliche Zukunft. Wie schön wäre es, wenn wir dem entkommen könnten, indem wir in ein Flugzeug steigen!                                                                                                                                       Dabei kann gerade die Urlaubszeit eine Zeit werden, in der ich zu mir selbst komme. Nicht von einer Ablenkung in die nächste fliehe, sondern die Zeit nutze, um einmal in Ruhe bei mir selbst zu sein.

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ heißt es im 31. Psalm. Da spricht einer, der die Sorgen des Alltags kennt und trotzdem weiß: Du, Gott, bist es, der mir das Gute tut, der mir Freiraum verschafft, mich über die Enge des Alltags hinausschauen lässt, mir neue Möglichkeiten aufzeigt, der mich das Leben wieder spüren lässt.

„Ich packe meinen Koffer und nehme mit…“ – mich selbst. Und das ist gut. Ich möchte die Kraft gebenden Momente der Weite entdecken, die Gott mir schenken möchte: in überraschenden Begegnungen, in einem Gottesdienst am Urlaubsort und jedem Gebet, in wundervollen Augenblicken, in neuer Offenheit und tiefer Entspannung.
„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“, der Gedanke lässt mich aufatmen. Unsere Seele braucht freie Blicke, damit wir uns erholen, neue Kraft schöpfen, uns wieder aufrichten. Im Urlaub und mitten im Alltag.

Von Sandra Stelzenberger, Diakonin in Victorbur und Weene

25. Juli 2015: Soundtrack meines Lebens

Neulich, sonntagabends, erklang in der Lambertikirche eine witzige, spritzige Melodie. Ich erkannte sie sofort, weil ich sie gerne mag. Nur – ich hätte sie überall erwartet, aber nicht in einem Gottesdienst.
Die Besucher konnten sich Lieder wünschen. Melodien ihres Lebens und dann erklangen diese eben: „Mein kleiner, grüner Kaktus“, neben „Komm, Herr segne uns“ oder „Yesterday“ – bunt gemischt!

Diakonen Elke Bentlage-Heeren

Diakonen Elke Bentlage-Heeren

Zuerst war ich irritiert: Die gehören doch nicht in die Kirche, die Beatles oder die Comedian Harmonists, aber zu diesem Gottesdienst passte das: Auf einmal konnte ich hören, wie unterschiedlich alle sind, die sich im Gottesdienst einfinden und mit welch unterschiedlichen Lebensliedern, Gedanken und Erfahrungen die Menschen hier sitzen. Da gibt es kein passend oder unpassend, zu fromm oder nicht fromm genug. Denn auf einmal konnte ich verstehen, so ist das Leben und so ist auch Gott. Manchmal ist das Leben leicht und beschwingt. Die einen trällern „Pack die Badehose ein“, denn das steht ja in diesen Tagen an: Koffer packen und ab in den Urlaub. Für andere ist das Leben schwer, beinahe unerträglich. Sie singen von Traurigkeit und Herzeleid, von Klage und großer Not. Oder vielleicht bleibt ihnen sogar jeder Ton im Halse stecken.
So ist das Leben, so ist Gott: Er versteht meine Gedanken und kennt mich. Er kennt mein Glück und mein Unglück, meine Urlaubsgefühle, aber auch meine Lebensangst.
Gott singt es mit, mein Lebenslied, egal in welcher Lebenslage ich mich befinde. Egal, ob es in Dur steht oder in Moll. Und dadurch bin ich nie allein.
Das wünsche ich Ihnen für die kommende Woche: Lachen oder Weinen soll gesegnet sein!

Von Elke Bentlage-Heeren, Diakonin der Lambertigemeinde Aurich

18. Juli 2015: Süßigkeiten

Kinder lieben Süßigkeiten. Haben sie sie einmal gekostet, dann verlangen sie immer wieder danach.

Heidrun Ott, Pastorin in Moordorf

Heidrun Ott, Pastorin in Moordorf

Auch Erwachsene lieben das Süße. Vielleicht auch, weil es so viel Bitteres im Leben gibt. „Nützt ja nichts!“, so sagen viele, weil man sich mit vielem abfinden muss. Wir haben keine Wahl. Wir müssen akzeptieren, dass vieles nicht nach Plan verläuft. Wir müssen akzeptieren, dass wir auf vieles keinen Einfluss haben.
„Nichts tröstet mehr als etwas Süßes.“ So postet jemand im Internet. Doch süß sind nicht nur die zuckerhaltigen Köstlichkeiten. In ihrem Gedicht „Siehst du mich“ schreibt die jüdische Schriftstellerin Else Lasker-Schüler: „Wenn du mich ansiehst, wird mein Herz süß.“ Wenn mich jemand freundlich ansieht, dann geht mir das Herz auf. Das tut mir gut und ich öffne mich für eine Begegnung. Viel Gutes kann aus einer solchen Begegnung hervorgehen.
Auch unser Gott will uns begegnen. Er nimmt immer wieder Kontakt zu uns auf, indem er uns freundlich ansieht. In jedem Gottesdienst sprechen wir den Segen: Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir! Begegnungen mit unserem Gott haben eine Wirkung. Oft geht Gutes daraus hervor.
„Dein Wort in meinem Mund ist süßer als Honig“, so heißt es in einem alten Gebet (Ps 119).
Es gibt Süßigkeiten, die trösten – völlig ohne Kalorien.

Von Heidrun Ott, Pastorin in Moordorf

11. Juli 2015: Augenblick nicht verpassen

Zwei Leute gehen an einem Halbtoten vorbei und beachten ihn nicht. Ein Dritter aber bleibt stehen und hilft. Erstmal einen Notverband anlegen. Dann bringt er den Verletzten in eine Raststätte. Dort kümmert er sich weiter um ihn. Das ist die Geschichte vom barmherzigen Samariter. Jesus hat sie erzählt und mit ihr unsere Vorstellung von richtig und falsch, unsere Kultur geprägt. Nachzulesen ist die Geschichte im Neuen Testament, im Lukasevangelium, Kapitel 10, ab Vers 25.

Sven Kramer, Pastor Studienleiter bei der ARO

Sven Kramer, Pastor Studienleiter bei der ARO

Nach wie vor gibt es Gewalt und Totschlag und Gleichgültigkeit. „Was geht es mich an, wenn einer Gewalt erleidet?“ Mancher nimmt an, dass Menschenfeindlichkeit und Gewalt zugenommen haben. Die Geschichte vom barmherzigen Samariter ist ein Gegengewicht oder eine Ermutigung: Einer ist da, der macht es anders. Der macht es richtig. Der hilft. Der stiehlt sich nicht davon, wenn er gebraucht wird.
Warum sind die beiden anderen an dem Verletzen und Ausgeplünderten vorbeigegangen? Pastor und Priester, theoretisch also bestens unterrichtet über das Gebot der Nächstenliebe. Aber sie tun nichts. Waren sie in Eile? Hatten sie Angst? Oder waren sie einfach gleichgültig?
Sie hätten es doch wissen müssen! Wie oft begegnen wir diesem Vorwurf. Wie oft machen wir ihn uns auch selbst? Das hättest du doch wissen müssen! Aber ich habe nicht das getan, was notwendig war.
Der Samariter, der in den Augen seiner Zeitgenossen nicht viel galt, verpasst den entscheidenden Augenblick nicht. Vielleicht zeichnete ihn bis dahin nichts Besonderes aus, aber an dieser Stelle ist er ganz Mensch. Hier versagt er nicht. Er tut, was zu tun ist. Den entscheidenden Augenblick nicht verpassen – das hält in Unruhe. Es gibt Geschichten, die bleiben offen – weil sie uns, unser Leben als Antwort haben wollen.

Von Sven Kramer, Pastor und Studienleiter der Arbeitsstelle ev. Religionspädagogik Ostfriesland

4. Juli 2015: Geh aus, mein Herz

„Geh aus, mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben“ – die meisten kennen dieses Lied von Paul Gerhardt aus unserem Gesangbuch (Lied EG 503), und vielleicht hatten Sie ja in den vergangenen Wochen auch schon die Melodie im Kopf oder auf den Lippen. Das Lied entspricht ja auch dem Lebensgefühl vieler Menschen in den Sommermonaten: Wenn die Sonne scheint, dann zieht es einen hinaus in die Natur – für ein paar Stunden, für einen ganzen Tag oder in den Urlaub ans Meer oder in die Berge. So beschreibt auch Paul Gerhardt in den folgenden Liedversen die Natur, in der er Gott am Werke sieht: Blumen und Bäume, Vögel und andere Tiere, aber auch der Weizen, der uns zur Nahrung dient. Wer könnte da nicht einstimmen: „Ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen.“

Sabine Bohlen, Pastorin in Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

Sabine Bohlen, Pastorin in Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

Doch es bleibt nicht bei der schönen Naturbeschreibung. Gerhardt hat das Lied 1653 gedichtet – fünf Jahre nach Ende der Schrecken des Dreißigjährigen Krieges. Er weiß sehr wohl um das Joch dieses Lebens (vgl. Vers 12), und trotzdem kann er ein so schönes Lied schreiben. So möchte auch ich Not und Schrecken unserer Tage nicht vergessen und trotzdem dieses Lied singen können.
Doch Paul Gerhardt geht noch weiter. Letztlich ist für ihn alle Schönheit dieser Welt nur ein Vorgeschmack auf Gottes neue Welt, ein Gleichnis für die Herrlichkeit Gottes. Da kommt es dann darauf an, dass wir selbst eine gute Pflanze sein können: „Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd’ ein guter Baum und lass mich Wurzeln treiben.“ Die Freude an der lieben Sommerszeit kann uns daran erinnern: Gottes Geist brauchen wir ebenso wie eine tragfähige Verwurzelung, dass unser Leben gut werden kann. In diesem Sinne wünsche ich allen eine gesegnete Sommerzeit!

Von Sabine Bohlen, Pastorin in Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen

27. Juni 2015: Dieser Moment

Ein Moment der Stille. Eine Minute nur, vielleicht zwei oder drei. Eine Minute in der alles ruhig ist. Ganz still. Und ich mein Herz schlagen spüre. Bis in die Fingerspitzen. Und sich alles konzentriert. Auf einen Gedanken, einen ganz bestimmten. Eine Bitte, ein Dank, eine Person.

Vera Koch, Vikarin in Aurich

Vera Koch, Vikarin in Aurich

Ich finde ihn wunderbar. Diesen einen Moment. Er ist ein Geschenk. Dieser eine Moment in dem ich nach einem Teelicht greife, aufgestellt auf einem unauffälligen Ständer neben dem so auffälligen Leuchter, der den brennenden Dornbusch darstellt. Neben dem Altar steht er. Nicht zu übersehen. Die Streichhölzer – die liegen gleich daneben. Ein Ratsch und sie flammen auf. Das Geräusch füllt die Stille um mich herum. Eine beeindruckende Stille, wie sie nur in Räumen herrscht, die es gewohnt sind mit Worten und Musik gefüllt zu sein. Der Docht des Teelichtes knistert, bevor er langsam anfängt zu brennen. Ich puste das Streichholz aus und blicke auf zu der Spitze des Kerzenständers. Er geht über meinen Kopf hinaus, scheint sich zum Himmel zu recken. Ich strecke meinen Arm aus und atme tief ein. (Ich liebe den Geruch, den einige Kirchenräume haben. Seltsam vertraut und doch einzigartig…) Das Teelicht findet seinen Platz im Dornbusch. Eine kleine Flamme bloß. Doch sie leuchtet hell. Und ich blicke in das flackernde Licht und falte meine Hände. Ich beginne zu beten. Für die Person, die mir am Herzen liegt. Und dieser eine wunderbare Moment… der gehört nur Gott und dieser Person und mir. Ich lächle. Mein geflüstertes „Amen“ klingt laut in der Stille. Ich drehe mich um und der Moment ist zu Ende. Eine Minute nur, vielleicht zwei oder drei. Ich verlasse die Kirche. Aber ich weiß, dass mein Gebet, meine Bitte, als brennendes Licht zurückbleibt… eines von vielen, die vielleicht das Leben für einen Moment heller scheinen lassen.

Von Vera Koch, Vikarin in der Lambertikirchengemeinde  Aurich

20. Juni 2015: Jesus sucht die Verlorenen

„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lukas 19,10)

Opfern von sozialem Unrecht, Gewalt und schweren Schicksalsschlägen gilt das Mitgefühl unserer Gesellschaft. Doch was ist mit den Verursachern von Leid? Wie gehen wir mit den Tätern um? Das ist ein hochbrisantes Thema, heute genauso aktuell wie damals. Jesus spricht davon, alle Verlorenen zurück in seine Gemeinschaft zu holen. Verdeutlicht wird dieser christliche Auftrag durch die Erzählung vom Zöllner Zachäus. Er verdiente gut an dem Ausbeutungssystem der römischen Besatzungsmacht. Als Günstling der Römer bereicherte er sich durch Korruption und Erpressung, machte er seinen eigenen Landsleuten das Leben schwer und kam selbst dadurch zu großem Wohlstand. Dafür wurde er gemieden und gehasst.

Sunnive u. John Förster, Pastoren in Riepe

Sunnive u. John Förster, Pastoren in Riepe

Nun hört Zachäus, dass der Wunderheiler und Prediger Jesus in seiner Nähe ist und muss als kleiner Wicht auf einen Baum klettern, um überhaupt etwas sehen zu können. In seiner Neugier wirkt dieses mächtige und verhasste Männlein geradezu lächerlich. Doch genau diesen üblen Zeitgenossen (korrupten Bankern, Fifa-Funktionären, Menschenhändlern, Kriminellen) wendet Jesus sich zu! Das ist ein fast unerträglicher Gedanke: Gott ist auch gegenüber menschenverachtenden Tätern, denen das Leid ihrer Mitmenschen gleichgültig ist oder sie daran verdienen, vergebungsbereit. Jesus stört durch seine Zuwendung zum Täter unser Empfinden für Gerechtigkeit.
Jesus lässt sich nicht abschrecken von der Schuld oder Position eines Menschen, sondern es geht ihm darum, wozu dieser Mensch gerufen ist, nämlich Kind Gottes zu sein. Jesus weiß um das kriminelle Verhalten von Zachäus und wendet sich ihm trotzdem freundlich zu. Er sieht hinter der Fassade des Täters den verlorenen Mann.
Zachäus ist so berührt von Jesu bedingungsloser Zuwendung, dass diese Begegnung ihn für immer verändert. Er wagt einen Neuanfang. Dadurch, dass Jesus sich nicht nur den Opfern, sondern in seiner Liebe auch den Tätern zuwendet, den Mitverursachern von Ungerechtigkeit und Leid, kann ein System Risse bekommen, selbst wenn die nächsten Schlange stehen, die auf der Suche nach Macht und Geld sind, um die Rolle des Zachäus einzunehmen.
Vielleicht hat Zachäus die Sehnsucht nach einem Neubeginn getrieben und die Ahnung, dass das mit Jesus möglich sein würde. Diese Sehnsucht kann auch uns antreiben, die Gemeinschaft mit Jesus Christus zu suchen, die auch uns verändern kann, wo wir schuldbeladen und verloren sind. Jesus sucht das Verlorene, um selig zu machen, etwas heil werden zu lassen in der Gemeinschaft mit ihm.

Von Sunnive und John Förster, Pastoren in Riepe und Ochtelbur

13. Juni 2015: Farbenspiel

Am morgigen Sonntag erwarten wir die Konfirmanden, die vor 25 Jahren eingesegnet wurden, zum silbernen Jubiläum ihrer Konfirmation. Frauen und Männer in der Mitte des Lebens – um den 40. Geburtstag – werden sich zunächst bemühen, sich nach der langen Zeit wieder zu erkennen. Sie werden feierlich in die Kirche einziehen, zurück blicken auf ihren Lebensweg und sich am Altar an den Segen der Konfirmation erinnern lassen. Das Gold wird auch vertreten sein im Gottesdienst: ein Paar hält Kirchgang, das vor Kurzem das Fest der Goldenen Hochzeit feiern durfte und auf fünf Jahrzehnte zurück schaut in Familie und Freundschaft. Aber auch das frische Grün der Hochzeit, das leuchtende Rot der Liebe gibt es zu sehen: ein Paar hat seine Ehe gerade unter den Segen Gottes gestellt, für zwei andere Paare ist es am kommenden Wochenende so weit. Ein Farbenspiel der Feste und der Freude, aber dazwischen mischen sich auch dunkle Töne: zwei Familien haben in diesen Tagen Abschied genommen und besuchen den Gottesdienst in Trauer.
Damit diese Farben leuchten können, ihre Kraft entfalten, müssen sie in das rechte Licht gerückt werden. Wir betrachten sie im Namen und damit im Lichte Jesu, der von sich gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben!“ Dieses Wort wurde den Konfirmanden vor einem Vierteljahrhundert zur Konfirmation zugesprochen und in diesem Licht schauen sie fröhlich und dankbar zurück auf ihren Lebensweg. In der Kraft dieses Lichtes ist das goldene Paar seinen Weg gegangen. Durch dieses Licht finden die jungen Paare zu einem vertrauensvollen Miteinander der Liebe. Dieses Licht erleuchtet auch die Dunkelheit des Abschiedes und bringt einen hellen Schein der Hoffnung auf den Weg der Trauer.

Kurt Booms, Pastor in Weene

Kurt Booms, Pastor in Weene

Das Farbenspiel spiegelt unseren Lebensweg wieder in Freude und Leid. Wir dürfen uns dabei an seinem Licht orientieren, als Wegweisung, als Stärkung und als Trost.
So hören wir es in Weene an jedem Sonntag, in jedem Gottesdienst als Abschluss der biblischen Lesung: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte!“

Von Kurt Booms, Pastor in Weene

6. Juni 2015: Flügel für die Seele

Im Hafen von Neuharlingersiel sah ich sie: Die Möwe saß auf einer Spundwand und beobachtete genau, ob nicht von einem Fischbrötchen einige Krümel runterfallen oder ob jemandem eine Eiswaffel zerbröselte. Aber plötzlich breitete sie ihre Flügel aus, erhob sich elegant in die Luft und flog davon. Das möchte ich manchmal auch gerne können: mich aufschwingen, in die Luft steigen und mit Abstand auf das blicken, womit ich gerade eben noch beschäftigt war. Ich glaube, dass darin auch der Grund liegt, warum viele Menschen sich auf die kommende Urlaubszeit freuen: dass sie eine Zeit haben, in der sie sich nicht mit dem beschäftigen müssen, was jeder „normale“ Tag so mit sich bringt. Sondern dass sie Abstand bekommen. Die Dinge mal aus einer anderen Perspektive sehen können. Jemand, der in einem Reisebüro arbeitet, sagte mir: „Wir verkaufen keine Reisen – wir ermöglichen Zeiten, die der Seele Flügel geben.“

Hermann Reimer, Pastor in Spetzerfehn

Hermann Reimer, Pastor in Spetzerfehn

„Der Seele Flügel geben.“ Allen, die es in den kommenden Wochen möglich machen können, Abstand vom Alltag zu gewinnen, wünsche ich, dass ihnen diese Auszeit gut tut! Dass die „inneren Akkus“ wieder aufgeladen werden und man für manches einen neuen Blick gewinnt! Aber bei vielen Menschen ist es so, dass sie kaum eine Chance auf Urlaub haben. Den Abstand zu den täglichen Herausforderungen hätten sie bitter nötig – aber es geht eben nicht. Wie ist es dann um die Seele bestellt? Auch dabei muss ich an die Möwe denken: Sie flog nur wenige Momente hoch – dann kam sie wieder runter, äugte hin und her und dann pickte sie nach der Hälfte eines Brötchens, das jemandem runtergefallen war. Nicht lange konnte sie sich aufschwingen – aber diese kurze Zeit hat gereicht, dass sie einen neuen Blick bekam. Mit dem sie dann wieder das tun konnte, wovon sie lebte: Futter suchen. Mir fallen dazu die Gelegenheiten ein, die Gott uns speziell in der Gemeinde bietet. Damit wir für einige Momente das zurücklassen können, womit wir gerade beschäftigt sind. Für manche ist es die eine Stunde, die er sich pro Woche gönnen kann, um zum Chor zu gehen. Abstand vom Alltag. Flügel für die Seele! Im Chor oder in einer der vielen anderen Gruppen in unseren Gemeinden. Für eine vergleichsweise kurze Zeit Abstand bekommen; andere, neue Gedanken an sich heranlassen, einen anderen Blick gewinnen. Und danach geht es wieder in den Alltag zurück.
Für viele Menschen gehören auch die Gottesdienste dazu. Auch dort sorgt Gott dafür, dass der Seele Flügel wachsen. Damit wir uns für eine bestimmte Zeit aufschwingen können – und danach mit neuem Blick wieder „im Alltag landen“. Dort, am Boden angekommen, fand die Möwe dann das, wovon sie wieder eine Weile leben konnte. Uns wird es nicht anders gehen! Wenn wir es uns gönnen, dass wir die Gelegenheiten nutzen, die unsere Gemeinde uns bietet, damit unserer Seele Flügel wachsen, dann wird Gott auch in unserem Alltag das geben, was wir brauchen.

Von Hermann Reimer, Pastor in Spetzerfehn

30. Mai 2015: Et jeht nit immer allet na Lust und Laune!
Gottes Geist – ein leichtes Wehen

Torsten Hoffmann, Diakon in Aurich-Sandhorst

Torsten Hoffmann, Diakon in Aurich-Sandhorst

Das war der Lieblingsspruch des Küsters in meiner ersten Gemeinde als Diakon in einer kleinen rheinischen Kirchengemeinde. Meistens sagte er das, wenn er uns junge Menschen zu Dingen auffordern wollte, deren Notwendigkeit wir ganz anders einschätzten als er. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Auch so ein Spruch. Und sicher fallen Ihnen noch viel mehr solcher Sprüche ein. „Der Geist weht, wo er will!“ Das ist im Johannesevangelium zu lesen (Kapitel 3, 8).

Darf der also nach Lust und Laune? Mein erster Gedanke: Natürlich nicht! Der Geist Gottes ist doch kein Lustprinzip. Der Vers aus dem Johannesevangelium meint doch sicher die Unabhängigkeit in Gottes Wirken. Er soll sagen: du kannst den Geist Gottes nicht zwingen. Mein zweiter Gedanke: „Gott will, dass allen Menschen geholfen wird!“ (1. Timotheus 2, 4). Gottes Leidenschaft gilt dem Wohl des Menschen. Gottes Lust ist, dass der Mensch entdeckt, was gut für ihn ist. Das ist der erklärte Wille Gottes. Der Geist weht, wo er will. Er tut das mit Lust und mit klarem Willen. Mit einem Ziel. Mit göttlicher Fantasie und Kreativität. Mit überraschenden Wendungen und an unerwarteten Orten. Diese Orte können biblische Texte sein, ein Gottesdienst, Gespräche und Begegnungen mit Menschen oder auch Erlebnisse ganz allein mit Gott und Ihnen. Wagen Sie sich an solche Orte und seien Sie aufmerksam. Und wenn Sie ein leichtes Wehen in ihrer Seele spüren …. der Geist Gottes erobert Herzen nämlich selten im Sturm 😉 – wenn Ihnen Lust und Laune entgegen kommen, ist das ziemlich sicher Gottes Geist. Ein Geist, der mit Verbissenheit auftritt, ist eher ein Geist des Fanatismus oder der Angst. Und für meinen Küster von damals: Mag es auch im Alltag nicht immer nach Lust und Laune gehen. Bei Gott geht es immer mit Lust und Laune. Denn Gott will, dass allen Menschen geholfen wird. Gehen Sie behütet in die neue Woche.

Von Torsten Hoffmann, Diakon in Aurich-Sandhorst

23. Mai 2015 Pfingsten:  Aufgaben gibt es reichlich

„Liebe Leser, diese Woche fiel uns leider nichts ein.“ Das war vor einigen Tagen der Aufmacher einer großen Zeitung. Lauter leere Seiten, die dann folgten? Zum Glück nicht. Auf jeden Fall ist es der Alptraum nicht nur aller Abiturienten, vor einem leeren Blatt Papier zu sitzen – und mir fällt nichts ein.
Aber wie passiert es, dass uns etwas einfällt? Woher kommt es, wenn wir etwas ausklamüsern? Ausklügeln?
„Natürlich von oben“, werden einige sofort denken. Andere sagen: „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Bei jedem von uns wird es anders sein.
Einfälle kommen bei mir in der Regel nicht von selbst. Ich treffe Leute und rede mit ihnen. Das setzt meine Gedanken in Bewegung. Ich lese und werde dadurch angeregt. Ich reise. Oft sind es Impulse von außen, und sie verknüpfen sich mit eigenen Gedanken und Erlebnissen. Dann entsteht plötzlich etwas Neues. Ein Einfall. Und ich bin ganz be-geistert, freue mich daran, möchte anderen vielleicht sogar daran Anteil geben.
„Wes das Herz voll ist, dem geht die Zunge über.“

Tido Janssen, Pastor in der Lamberti-Gemeinde und Superintendent des Kirchenkreises Aurich

Tido Janssen, Pastor in der Lamberti-Gemeinde und Superintendent des Kirchenkreises Aurich

Ich habe ein ganz großes Glück. Ich treffe auf meinen Wegen hier in der Region immer wieder Menschen, die von richtig guten Ideen bewegt sind. Zum Beispiel neulich in Holtrop. Acht Frauen und zwei Männer. Sie sammeln gebrauchte Sachen ein: Kleider, Geschirr, Elektrogeräte, Schulranzen… Und die verschenken sie an Menschen, die das gut gebrauchen können, an Menschen, die in eine Notlage geraten sind oder die als Flüchtlinge hier mit nichts bei uns ankommen. Tolle Idee! Und diese Menschen gibt es hier überall. In allen unseren Dörfern und in der Stadt. Die einen engagieren sich für den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft, andere singen in einem Chor, erzeugen gesunde Produkte, besuchen kranke Menschen, pflastern ehrenamtlich den Dorfplatz, wirken in der Freiwilligen Feuerwehr mit, geben Deutschunterricht für Flüchtlinge, verteilen Lebensmittel an Bedürftige… Jedem von ihnen ist etwas anderes eingefallen, was er tun möchte. Einfälle müssen nicht alle ein Gottesgeschenk sein. Aber zu Pfingsten geschah das einmal so: Da kam plötzlich vom Himmel her ein Rauschen, wie von einem heftigen Sturm. Und das Rauschen erfüllt das ganze Haus. Und den Menschen erschien etwas wie züngelnde Flammen. Die verteilten sich und ließen sich auf jedem Einzelnen von ihnen nieder.

Da kommt Geist. Ein guter Geist. „Heiliger Geist“ nennt ihn Lukas, der als Erster davon erzählt. Mit Sturm und Feuer ist dieser Geist alles andere als harmlos. Er wirbelt die Dinge durcheinander. Er kehrt das Unterste nach oben. Und die Menschen, die es miterleben, wollen etwas verändern. Und braucht es nicht unsere Zeit dringend, dass sich Dinge verändern? Zum Guten verändern? „Komm, heiliger Geist! Verändere Menschen und Herzen!“ Das tut er. Hier bei uns. Wir müssen nicht lange nach ihnen suchen. Aber es können noch mehr werden. Und Aufgaben gibt es reichlich. Auch Ihnen fällt bestimmt etwas ein!

Tido Janssen, Pastor in der Lamberti-Gemeinde und Superintendent des Kirchenkreises Aurich

16. Mai 2015: „Auf Annas Spuren“

„Auf Annas Spuren“ – so heißt das Buch, in dem die Hamburger Autorin Ingrid Kranert die Lebensgeschichte ihrer Oma Anna erzählt. Eine Geschichte, die exemplarisch ist für viele Lebensgeschichten jener Zeit. Als Heimatvertriebene aus der Grafschaft Glatz in Schlesien kam sie mit ihrer Familie nach Ostfriesland in das Dorf Barstede. Es war ein mühsamer Anfang für diese und viele andere Familien. Als Ingrid Kranert ihr Buch vor ein paar Tagen vorgestellt hat, war die Barsteder Kirche bis auf den letzten Platz besetzt. Gesammelt haben wir für die Hilfe für Menschen, die heute als Flüchtlinge in unser Land kommen.
Siebzig Jahre nach Kriegsende erinnern wir uns an das Leid, das mit der nationalsozialistischen deutschen Gewaltherrschaft verbunden war: Überfälle auf Nachbarländer, Terror, Massenmorde und Todesfabriken. Zu diesem Leid gehört auch, dass etwa 30 Millionen Europäer aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Darunter waren etwa 14 Millionen Deutsche. Sie mussten etwas von dem Leid ertragen, das ihre Soldaten Menschen in den Nachbarländern zugefügt hatten. Sie wurden bei Kriegsende und in der Nachkriegszeit aus ihrer Heimat vertrieben. Angesiedelt wurden dort meist Menschen aus Ostpolen, die ebenfalls aus ihrer Heimat vertrieben worden waren.

Andreas Scheepker, Pastor am Ulricianum und in Westerende, Barstede und Bangstede

Andreas Scheepker, Pastor am Ulricianum und in Westerende, Barstede und Bangstede

In meiner Dienstzeit in Norden war ich als Pastor in einem Stadtteil tätig, in dem viele Heimatvertriebene lebten. So habe ich viele Geschichten von Flucht und Vertreibung gehört, und konnte auch vieles über das Leben in Ostpreußen, Pommern und Schlesien erfahren. Ich habe Geschichten davon gehört, wie einheimische Ostfriesen die Vertriebenen offen aufnahmen und ihnen mit Freundschaft und Hilfsbereitschaft begegneten. Aber das waren nur wenige Geschichten. Viele andere Geschichten habe ich gehört über Abweisung und Ausgrenzung.
Der Historiker Andreas Kossert hat ein Buch über die Geschichte der Heimatvertriebenen geschrieben. Es hat den vielsagenden Titel „Kalte Heimat“. Er belegt, dass die Heimatvertriebenen im Westen vor allem Ablehnung und Ausgrenzung erleben mussten. Es hat über eine Generation gedauert, bis sie wirklich „ankamen“. Dass dies gelungen ist, war vor allem eine Leistung der Heimatvertriebenen selbst. Sie lernten, den Verlust der Heimat anzunehmen und engagierten sich in ihrer neuen Heimat. Mit ihrem Wissen und Können setzten sie sich vor Ort ein, waren in der Kommunalpolitik, im Sport und im Kulturleben aktiv, und sie belebten die Kirchengemeinden ganz neu.
„Mit den Vertriebenen kam die Kirche.“ Dieses Zitat eines Pastors in der Nachkriegszeit beschreibt, wie die Kirchen durch Heimatvertriebene neue Impulse und Belebung erhielten. Viele Heimatvertriebene brachten eine gute religiöse Bildung und eine enge Verbindung zu Kirche und Gottesdiensten mit.
Katholische Gemeinden erhielten aktive neue Mitglieder, zum Teil wurden in Ostfriesland neue katholische Kirchen für die jetzt entstandenen Gemeinden gebaut. In den evangelischen Gemeinden wurden gottes-dienstliches und musikalisches Leben bereichert, und viele Heimatvertriebene waren in Kirchenvorständen und anderen Bereichen ehrenamtlich aktiv. Hilfe für ihre seelischen Verletzungen fanden sie jedoch nicht. Diese Verletzungen haben auch noch oft die nachfolgende Generation geprägt.
Viele Geschichten der Bibel erzählen von Flucht, Vertreibung und Auswanderung. Dabei schlägt Gottes Herz immer für die Menschen, die fliehen müssen oder vertrieben werden. Sie sollen ein Zuhause finden. Sie sollen erfahren, dass andere Menschen ihnen einen Platz in ihrer Heimat und in ihren Herzen geben. Gott erwartet von den Menschen, die an ihn glauben, Solidarität mit Flüchtlingen und Vertriebenen.
Das Matthäusevangelium erzählt, wie Maria und Josef mit ihrem Kind vor einem Gewaltherrscher flüchten mussten. Jesus wird als Erwachsener sagen: „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.“ Ihn selber erkennen wir in den Menschen, die ihr Heimatland verlassen oder verlassen müssen, weil sie vor unmenschlichen Umständen fliehen oder von Terror und Gewalt vertrieben werden. Jesus Christus selber kommt in ihnen auf uns zu: bedürftig und angewiesen auf uns.
Menschen kommen zu uns. Sie brauchen uns und unsere Hilfe. In ihnen ist Christus selbst unterwegs zu uns und sucht Zuflucht. Es liegt bei uns, ob diese Menschen bei uns eine „kalte Heimat“ vorfinden, oder ob Christus zu uns spricht: „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.“ Es ist schön, dass in den letzten Wochen in dieser Zeitung mehrere Berichte von Menschen zu lesen waren, die sich in Kirchengemeinden, Sportvereinen, Bildungseinrichtungen und politischen Gemeinden bemüht haben, Flüchtlingen und Vertriebenen ein Stück Zuhause zu vermitteln.

Von Andreas Scheepker, Pastor in Barstede, Bangstede, Westerende und am Ulricianum

13. Mai 2015 Himmelfahrt:

9. Mai 2015: Gewalt nicht fern

Nach einem Wochenende und nach Feiertagen kann man die Bilanz in der Zeitung lesen: Es gab Auseinandersetzungen, Körperverletzung, manchmal Tote.
Gewalt ist nicht fern und sie hat viele Gesichter. Sie beginnt nicht erst, wenn jemand geschlagen wird oder tot am Boden liegt. Da wird gepöbelt, gedroht, gebrüllt, eingeschüchtert. Plötzlich steht jemand hinter einem, brüllt einen an und man weiß noch nicht einmal wieso. Auch das ist schon Gewalt. Es gibt psychische Gewalt, Diskriminierung, Übergriffe, sexistische Bemerkungen und vieles mehr.
Gewalt hat Langzeitfolgen. Besonders schlimm ist es, wenn man in einem besonders privaten oder sonst geschützten Bereich angegriffen wird. Da hat man sich bislang geborgen und sicher gefühlt. Aber nun sind Grundvertrauen und Sicherheitsgefühl auf einmal tief erschüttert. Die Gefühle der Opfer sind ein guter Anzeiger für das, was da wirklich geschehen ist. Doch da wird beschwichtigt und vor allem der Täter verstanden. „Der hatte wohl einen schlechten Tag oder eine schlimme Kindheit.“ Das ist kein Grund für solches Verhalten und den schlechten Tag hat das Opfer spätestens nach der Tat auch. Diejenigen, die sich verletzt fühlen, haben mit ihren Gefühlen erst einmal Recht. Zum Umgang mit Gewalt gehört, dass man sie als solche erkennt, benennt und verurteilt, so wie es Jesus im Matthäus-Evangelium tut (vgl. Mt 5,22). Auch mit Worten kann man morden, zumindest die Seele eines anderen. Mit bösen Worten fängt ein unguter Weg an, an dessen Ende viele Opfer zurückbleiben und manchmal sind sie wirklich tot.

Roman Ott, Pastor in Plaggenburg

Roman Ott, Pastor in Plaggenburg

Kultur unterscheidet den Menschen von der Natur. Natur heißt, dass der Stärkere über den Schwächeren herfällt, ihn vertreibt, ihm die Lebensgrundlagen nimmt oder gar das Leben selbst. Kultur bedeutet, dass man bei Unterschieden und Differenzen die Sache nach Regeln klärt und dass man es auch akzeptieren kann, wenn man mal nicht Recht bekommt, obwohl man meint, recht zu haben. Kultur heißt, dass man auch mit Frustrationen zurechtkommt.
Kultur lässt allen Menschen genügend Platz zum Leben. Sie hat ganz viel mit Einstellung, Nachdenken, Besinnung und Einübung von Verhalten zu tun. Dafür ist eigentlich der wöchentliche Ruhetag gedacht.

Von Roman Ott, Pastor in Plaggenburg

2. Mai 2015: Monat der Liebe

Der April hat sich standesgemäß verabschiedet. Mit allem, was dazu gehört, Blitz und Donner und Hagelregen – und Sonnenschein. Aber auch Zitronenfalter waren schon da. Die Frösche laichen, die Natur lässt sich nichts vormachen. Und nun ist er endlich da, der Monat der Liebe und der Blüten: Der Mai.

Rainer Hecker, Pastor in Aurich-Oldendorf

Rainer Hecker, Pastor in Aurich-Oldendorf

Der Monat hat seinen Namen von der Erd- und Wachstumsgöttin Maia. Der zweite Namenspate ist der Göttervater Jupiter Maius, der Gebieter über Blitz, Donner, Regen und Sonnenschein.
Nach dem Alten Testament beschreibt Psalm 104 etwa so: „Du Gott hast die Welt gegründet, den Himmel ausgespannt mit schöpferischer Hand, wächst Leben aus dem Toten und segnest, was beginnt. Es lebt von deinem Segen, was atmet und gedeiht.“ Auch das Evangelische Gesangbuch besingt den anbrechenden Tag: „Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang, Frühlied der Amsel (etwa 5.30 Uhr), Schöpferlob klingt wieder erschaffen, grüßt uns sein Licht“ – frei nach „Morning has broken“. Wie lieblich ist der Maien, aus lauter Gottes Güt und sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht. Die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud (Evangelisches Gesangsbuch 501).
Gott lass’ die Sonne blicken in unsere dunklen Herzen rein, damit ich wieder fröhlich im Herz und Gemüte kann sein. Und Stütze habe, wenn Schicksal oder Leid mich quält.
Die Natur weist überall auf den Schöpfer zurück. So lasst uns Menschen nicht wegsehen, sondern auch die Opfer sehen, bedenken und ihnen weiterhelfen.
So dürfen wir wirklich froh werden: Im Mittragen, Mitteilen, Mitatmen, Mitleben.

Von Rainer Hecker, Pastor in Aurich-Oldendorf

25. April 2015: War Thomas ein wahrhaft Glaubender?

„Die anderen Jünger berichteten Thomas: „Wir haben den Herrn gesehen!“ Er erwiderte: „Erst will ich selbst die Löcher von den Nägeln an seinen Händen sehen. Mit meinem Finger will ich sie fühlen. Und ich will meine Hand in die Wunde an seiner Seite legen. Sonst glaube ich nicht!“ [Joh 20,25]. Manchmal, da geht es mir wie Thomas. Ich würde nur zu gerne den Herren leibhaftig sehen und ihn anfassen, um besser glauben zu können. Doch in dem Moment in dem ich das denke, mache ich mir selber auch schon wieder Vorwürfe. Ich Kleingläubige. Warum kann ich nicht einfach an die Auferstehung glauben und es annehmen, was die anderen mir da erzählen?

Indra Grasekamp, Pastorin in Aurich-Kirchdorf

Indra Grasekamp, Pastorin in Aurich-Kirchdorf

Wie schön, dass es da die Gestalt des Thomas in der Bibel gibt. Sie ist tröstlich, denn sie zeigt mir: Ja, ich darf mal zweifeln. Ich darf nachfragen, wie das mit der Geschichte von Ostern ist und ob ich das glauben kann. Für Luther war der Zweifel eine Anfechtung, die einen von Zeit zu Zeit überkommt. Eine Versuchung also, der wir uns stellen müssen. Und sie ist wichtig für unseren Glaubensweg. Denn, wenn wir dieser Anfechtung widerstehen, dann können wir wachsen und werden stärker im Glauben.
Wenn nun also diese Anfechtung kommt, dann lese ich die Geschichte von Thomas und kann mich darüber freuen, dass ich mich für meinen Kleinglauben nicht schämen muss.
Ich freue mich, dass es mir nicht peinlich sein muss, den Herren leibhaftig sehen zu wollen oder ihn berühren zu wollen.
Es gehört zum Glauben, zu zweifeln, den Zweifel zu überwinden und so im Glauben zu wachsen.

Von Pastorin Indra Grasekamp, Paulusgemeinde Aurich

18. April 2015: Osterspuren

Ich fege die gelben Forsythienblüten zusammen. Beim Abnehmen der Ostereier vom Strauß in der Bodenvase sind sie abgefallen. Da stehen die Eierpappen, gefüllt mit den Schmuckeiern, fertig zum Abtransport auf den Dachboden. Ein paar ganz alte Ostereier sind dabei, die die Kinder vor Jahren angepinselt haben. Einige aus Holz, die wir geschenkt bekommen haben. Der Porzellanhase von Schwiegermutter, die Fensterdekoration. Alles wird sorgfältig in einen Karton verstaut, Stück für Stück. Ostern ist vorbei.
Oder?
Während ich einpacke und aufräume, ist so manches vor Augen.
Das grün-blau geringelte Ei lässt mich lächeln, als ich es in die Hand nehme. Zur Andacht mit den Spielkreiskindern hatte ich es mitgenommen, und jetzt sehe ich die Kleinen wieder vor dem Altar sitzen. Ein bisschen hibbelig, und doch ganz bei der Sache. „Gottes Hand hält mich fest, wie einen Vogel im Nest, so bin ich wohl geborgen“, haben sie mit passenden Bewegungen gesungen.

Susanne Schneider, Pastorin in Sandhorst

Susanne Schneider, Pastorin in Sandhorst

In der Küche steht noch die Backform in der Figur eines Osterlamms. Für den Guss hat die Zeit nicht mehr gereicht, aber der Hefeteig hat auch so geschmeckt.
Auf dem Schuhschrank liegt ein Liederzettel von einem der Gottesdienste, ziemlich zerknickt. „Christ ist erstanden“, summe ich leise die Melodie des ersten Liedes.
Die Jacke an der Garderobe riecht noch immer nach Rauch vom Osterfeuer. Im Wohnzimmer die Schale mit den letzten Schokoeiern.
Im Arbeitszimmer auf dem Schreibtisch steht die kleine Osterkerze. Angezündet im ersten Licht des Ostersonntags, als die Dunkelheit der Nacht dem hellen Morgen weichen musste.
Osterspuren überall.
Ich entscheide: Die Kerze bleibt stehen. Sie wird nicht wie alles andere weggepackt. Sie soll mich begleiten durch die kommenden Wochen und mir helfen, Osterspuren in meinem Alltag zu entdecken, wenn Ostern vorbei ist. Damit ich auf der Spur des Lebens bleibe.

Von Susanne Schneider, Pastorin in Sandhorst

11. April 2015: Tanzen ist Freude pur

Walter Uphoff, Pastor in Middels

Walter Uphoff, Pastor in Middels

Millionen Menschen verfolgen die Sendung „Let’s dance“ mit dem Jurorenteam Mabuse, Llambi und Gonzalez. Erfahrungen mit dem Tanzen haben alle irgendwann einmal gemacht. Ob das nun auf dem Schützenfest, im Tanzlokal oder Tanzschule war. Jede Hochzeit bietet Gelegenheit zum Tanzen. Klar, es gibt die weniger geübten, diejenigen, die sich nicht so recht trauen, die Tanzmuffel und die Damenwahlflüchtlinge, aber auch die Tanzbegeisterten, die keinen Tanz auslassen. Die Paartänzer und Einzeltänzer. Tanzen ist Bewegung, ist Ausdruck von Freude.
In afrikanischen oder amerikanischen Gottesdiensten bewegen sich die Menschen zu den Liedern, fangen gar an zu tanzen. Morgen im Gottesdienst wird wohl kaum getanzt. Das ist nicht üblich bei uns, mag sein, es liegt an unserer Mentalität. Mit den Konfirmanden beschließen wir ab und zu eine Unterrichtsstunde mit einem gemeinsamen Tanz. Das ist Freude pur. Aber – im Gottesdienst tanzen? Das muss auch nicht sein, dennoch ist es eine Möglichkeit seiner Freude Ausdruck zu verleihen. Du hast meine Klage in Tanz verwandelt und mir das Trauergewand ausgezogen und mich mit Freude gegürtet. Dieser Psalmvers beschreibt die Klage nicht inhaltlich. Entscheidend ist die Erfahrung: Du hast verwandelt und mich mit Freude gegürtet. Dieses Du, damit ist Gott gemeint. Du hast mich mit Freude gegürtet. Ein Gurt hat mit Halten, Festhalten zu tun und damit mit Schützen, Bewahren und Stärken. Der Psalmbeter macht die Erfahrung, dass aus Klage Freude wird und diese Freude drückt er im Tanz aus. Von solchen Erfahrungen hören wir in den Gottesdiensten. Mögen auch sie spüren: Ich bin nicht allein auf meinem Weg, da ist jemand, der mich begleitet, der mir zuhört, der mir neue Kraft schenkt, der mich wieder aufrichtet. DU Gott bist da. Ob wir diese Erfahrung nun im Tanz sichtbaren Ausdruck verleihen oder nicht. Entscheidend ist die Erfahrung: Du hast verwandelt.

Von Walter Uphoff, Pastor in Middels

4. April 2015: Aus lauter Begeisterung ein Fähnchen schwingen

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

„Christus ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!“ So wird es am Ostermorgen wieder in allen Kirchen erklingen!
Dies war die erste Botschaft, die die Jüngerinnen und Jünger Jesu weitergesagt und in die Welt hinausgetragen haben. Die Freude über Jesu Auferstehung, sein Sieg über den Tod, ist auch heute die zentrale Botschaft des christlichen Glaubens.

Seit Jesu Auferstehung vertrauen Menschen darauf, dass der Tod nicht das letzte Wort über ihr Leben hat. Da, wo Menschen der Osterbotschaft Raum geben, wo sie hören, dass Jesus den Tod besiegt hat, da kann auch heute neu Osterglaube entstehen. Auf dem Hintergrund der Auferstehung Jesu können Menschen auch in der Erfahrung von eigenem Leid und Tod die Hoffnung auf das Leben behalten und selbst an Gräbern – wenn auch manchmal mit Fragen und Zweifeln – singen: „Christ ist erstanden!“

Dr. Detlef Klahr, Landessuperintendent für den Sprengel Ostfriesland-Ems

Dr. Detlef Klahr, Landessuperintendent für den Sprengel Ostfriesland-Ems

Ich mag die Bilder, auf denen Christus der Auferstandene mit einer Osterfahne zu sehen ist. Ein schönes Symbol für den Sieg und die Freude. Der Liederdichter Paul Gerhardt dichtete in einem Osterlied: „Christus ruft Viktoria; schwingt fröhlich hier und da sein Fähnlein als ein Held, der Feld und Mut behält.”
Ostern möchte ich aus lauter Begeisterung auch ein Fähnchen schwingen. Nicht die Fahne weltlicher Stärke, auch kein Banner der Macht, sondern die Fahne der Freude, weil das Leben den Tod besiegt hat.
Ein Fähnchen schwingen und rufen: „Hallo, hier bin ich – auf der Seite des Lebens – trotz allem, was immer auch dagegen sprechen mag – ich bin vergnügt, erlöst und befreit!“

So wünsche ich Ihnen allen frohe und gesegnete Ostertage und dass die Nachricht von der Auferstehung Jesu und seinem Sieg über den Tod bei Ihnen ganz viel Hoffnung und Lebensfreude auslöst!

Dr. Detlef Klahr, Landessuperintendent im Sprengel Ostfriesland-Ems

28. März 2015: Jede Stunde ein edles Gefäß

Vor einiger Zeit las ich diese Worte eines Schriftstellers: „Für den älter werdenden, für den alten Menschen nimmt sich jede Stunde wie ein edles Gefäß aus, mit dem er behutsam umgeht. Morgen noch behutsamer als heute und übermorgen wieder behutsamer als morgen. Ein edles Gefäß füllt man aber nicht mit Nichtigkeiten, sondern mit Dingen, die seiner Art entsprechen, mit kostbaren Dingen. Mit kostbaren Gedanken, mit kostbaren Träumen, mit kostbaren Taten. Man nennt das Weisheit.“

Peter Schröder-Ellies, Pastor in Aurich

Peter Schröder-Ellies, Pastor in Aurich

Vielleicht wächst diese Weisheit ja tatsächlich mit dem Älterwerden. Aber sicherlich tut diese Einsicht jedem Alter gut – der Jugend ebenso wie dem „Mittelalter“ oder dem Alter. Wie kostbar das Leben ist, das spüren viele Menschen natürlich in besonderer Weise, wenn ihnen der Tod nahe kommt oder wenn ihnen der Tod eines anderen nahe geht. Aber auch wenn der Tod scheinbar weit weg ist, das Leben ist doch genau so kostbar! Jede Stunde – ein edles Gefäß. Und ich kann sie füllen mit Kostbarem. In der jetzt beginnenden Woche denken wir Christen in besonderer Weise an Jesus Christus. Sein Leiden, sein Sterben, sein Tod kommt uns nahe – und die überwältigende Erfahrung: Es gibt etwas, das ist stärker als der Tod. Gottes Liebe hält allem stand, Gottes Zuwendung endet nicht mit dem Tod, sie kennt keine Grenze.
Diese Woche vor Ostern – die „stille Woche“ oder „Karwoche“ – ist reich an besonderen Stunden: Andachten und Gottesdienste, am Gründonnerstag, am Karfreitag, in der Osternacht und am Ostermorgen. Jede Stunde – ein edles Gefäß. In den Andachten und Gottesdiensten lassen wir uns erfüllen – von dem Kostbarsten, das es gibt: von Gottes Zuwendung.
Und wir nehmen diese Erfahrung mit in den Alltag. Lassen uns auch dort anrühren von Gottes Zuwendung, erfüllen von seiner Gnade. Und wollen unsere Stunden füllen „mit kostbaren Gedanken, mit kostbaren Träumen, mit kostbaren Taten“.

von Peter Schröder-Ellies, Pastor in Aurich

21. März 2015:  Zeitlose Momente

Manchmal, wenn sich jetzt das Frühjahr Bahn bricht, ist es ganz egal, was die Vernunft mir rät. Manchmal, wenn die Narzissen vom Kanalrand leuchten und die Vögel ihr Lied in den Tag singen, ist es ganz egal, was die Berechnung gerade für angemessen hält. Manchmal, wenn die Gesichter der Leute wieder fröhlich und erwartungsvoll sind, ist es ganz egal, wenn meine Planung und meine Termine meine ganze Aufmerksamkeit einfangen möchten. Denn manchmal bleibt die Zeit stehen und ich freue mich einfach so: an den Blumen im Garten, an der Sonne, an einem Pferdegespann, das vorüberfährt oder über lieben Besuch, auf den ich mich freue.
Manchmal hat das unerwartete Leben, das mir begegnet Vorfahrt.

„Machen“ kann ich solche Momente nicht. Aber ich kann dafür sensibel sein. Meine Gedanken können sich darauf einstellen, dass mir auch heute zeitlose Momente geschenkt werden – einfach so. Und es wäre doch ewig schade, wenn ich sie übersehe, weil ich gerade einen Blick in den Kalender werfe.

Jens Blume, Pastor in Timmel und Mittegroßefehn

Jens Blume, Pastor in Timmel und Mittegroßefehn

Zu einem verantwortungslosem, unstrukturierten Leben aufzurufen, in dem man ständig „Fünfe gerade sein lassen“ sollte, um blauäugig in den Tag hineinzuleben – das liegt mir fern. Aber: das liegt uns viel zu oft: fern. Es kommt mir auf die Gewichtung an. Auf die Frage, welchen Stellenwert räumen wir eigentlich (meistens unbewusst – um so schlimmer!) den weltlichen Verpflichtungen in unserem Leben ein?

In der Passionszeit und erst recht in den nahen Ostertagen feiern wir, dass das Leben über den Tod siegt. Dass Jesus Christus am Kreuz stirbt und dadurch die Schuld, die wir alle unweigerlich auf uns laden, auf sich nimmt.
Und der Sieg, den er über diese Schuld und über den Tod erringt, wird erlebbar im Wunder der Auferstehung.
Damit hat er – ohne, dass wir irgendeine Art von Leistung dafür erbringen mussten – einen Weg geöffnet zu einer ganz ungeheuren Freiheit.
„Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ (Gal 5,1).
Und: „Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.“(1.Kor 7,23).

Warum – um Gottes Willen – sollten wir also unsere Gedanken und unser tägliches Handeln in erster Linie bestimmen lassen von Verpflichtungen und Terminen?

Ein weises Wort, das in der Regel als chinesisches Sprichwort gekennzeichnet wird, lautet:

Achte auf Deine Gedanken,
denn sie werden zu Worten.
Achte auf Deine Worte,
denn sie werden zu Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen,
denn sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten,
denn sie werden Dein Charakter
Achte auf Deinen Charakter,
denn er wird Dein Schicksal.

Viele gute Gedanken, Worte und Taten in der neuen Woche!

Von Jens Blume, Pastor in Mittegroßefehn und Timmel

15. März 2015: Von Schafen und ihrem Hirten …

Zu meinem Geburtstag bekam ich von meiner Schwägerin ein Schaf geschenkt. Wie passend, denn als Pastor (heißt übersetzt „Hirte“) habe ich mich um meine Gemeinde – im übertragenen Sinne um meine Schafe – zu kümmern. Ich stelle dabei immer wieder fest, was für eine wunderbare Erfahrung es ist, für die Menschen in meiner Umgebung da zu sein, mich mit ihnen zu freuen und auch die schweren Zeiten im Leben gemeinsam durchzustehen und helfen zu können.

Frank Karsten, Schulpastor BBS 1 Aurich & KGS Großefehn

Frank Karsten, Schulpastor BBS 1 Aurich & KGS Großefehn

Hilfe im Leben benötigen wir alle irgendwann, auch wenn viele meinen, ich schaffe das schon alleine. Für solche Fälle ist es wichtig, gute Freunde zu haben, die einem zuhören, Zeit haben, den Rücken stärken und einen ermuntern, den Weg mutig weiter zu gehen. Leider stelle ich immer wieder fest, dass viele Menschen heutzutage keine wirklich guten Freunde mehr haben. Bekanntschaften ja, aber richtig gute Freunde?

An wen wende ich mich denn, wenn ich nicht mehr weiter weiß und diese guten Freunde fehlen? Der Pastor der Kirchengemeinde sollte als Ansprechpartner da sein, aber das kostet viele schon ganz schön Überwindung dort anzurufen oder zu klingeln.

Es gibt noch einen anderen Hirten an den wir Menschen uns wenden können. Wie heißt es im 23. Psalm: Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln, er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser … später ist dann noch von dunklen Tälern die Rede, durch die einen der Hirte führt, und man hat dabei kein Unglück zu fürchten, weil der Hirte uns begleitet.

Gott selbst möchte dieser Hirte für uns sein, der uns durch unser Leben begleitet und in fröhlichen Zeiten ebenso wie in den ganz schweren Zeiten Anteil daran nimmt. Wenn wir uns an Gott wenden, indem wir ihm unsere Freude und unser Leid im Gebet sagen, ist er auch jemand, der uns Mut und Trost geben kann. Da merken Menschen, dass sie plötzlich fröhlicher und zuversichtlicher werden oder da spüren Menschen, dass sie nicht alleine sind in den schweren Zeiten, sondern sich regelrecht getragen fühlen. Alles nur, weil sie sich in ihrer Not mit ihren Sorgen und Problemen an Gott als Hirten gewandt haben.

Ich wünsche Ihnen allen einen wirklich guten Freund und Hirten, der Sie durch Ihr Leben begleitet.

Von Frank Karsten, Schulpastor an der BBS 1 Aurich & KGS Großefehn

8. März 2015: Du bist schön!

Ich schaue morgens in den Spiegel und erschrecke. Die Schläfen werden immer grauer. Die Falten im Gesicht werden auch immer tiefer. „Schlimm!“ stelle ich fest. Was für ein Start in den Tag!
Von Aschermittwoch bis Ostersonntag läuft wieder die Aktion „Sieben Wochen ohne“ in unserer Landeskirche. In diesem Jahr steht sie unter dem Motto „Du bist schön. Sieben Wochen ohne Runtermachen.“

Stefan Wolf, Pastor in Wiesmoor

Stefan Wolf, Pastor in Wiesmoor

Morgens in den Spiegel schauen und sagen: „Du bist schön!“ Wer macht das schon? Viel eher hadern wir mit uns selbst. Mit unserem Aussehen. Aber auch mit unserem Leben. Nach außen versuchen wir selbstbewusst aufzutreten, aber wenn wir mit uns allein sind, machen wir uns Vorwürfe wegen falscher Entscheidungen, verpasster Gelegenheiten und peinlicher Momente. Die strengsten Richter sind wir selbst.
Szenenwechsel. Im Freundeskreis wird gelästert. Eine Kollegin hat eine Diät gemacht. „Wie die jetzt aussieht! Findest Du das schön!“ Gemeinsam schießt man sich ein. Strenge Richter sind wir. Auch über andere. Schlimm ist es, wenn ich mitbekomme, dass andere über mich geredet haben. „Was erlauben die sich?“
Sieben Wochen ohne Runtermachen. Das wäre doch was! Jetzt sind es noch nicht einmal mehr sieben Wochen. Versuchen wir es doch einmal und nehmen es einfach so hin, was wir da entdecken. Lassen wir es einfach einmal so stehen, wenn wir Leute treffen, die vollkommen anders wie wir sind. Ich muss nicht alles schön an mir finden. Ich muss auch nicht alles, was mir an anderen fremd ist, auf einmal ganz toll finden. Lasse ich es doch einfach einmal so stehen.
Nach dem Blick in den Spiegel schaue ich morgens meistens in den Kalender. Da steht die biblische Losung für den Tag. Sie lenkt meinen Blick in eine andere Richtung. „Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?“ (Römer 8,31) Das ist der Bibelspruch für den Monat März. Das hilft in den nächsten dabei, mich und andere nicht herunterzumachen. Ich kann fest darauf vertrauen, dass Gott zu mir hält – trotz meiner Falten und Fehler. Das macht mir Mut, nicht ständig an mir herumzumäkeln und auch nicht an den anderen.

Von Stefan Wolf, Pastor an der Friedenskirche in Wiesmoor

28. Februar 2015: Er hält die Tür auf

Sie haben alles für ihn getan. Sie haben ihm ein behütetes Zuhause geboten. Sie haben sich krummgelegt, damit sie ihm eine gute Bildung ermöglichen konnten. Er sollte es einmal besser haben als sie. Er sollte sich ein schönes Leben aufbauen können. Das war ihr Plan.
Aber irgendetwas ging schief. Irgendwann lief er aus dem Ruder. Er kümmerte sich immer weniger um die Schule. Ermahnungen gingen zum einen Ohr rein und zum anderen wieder heraus. Wenn sie ihn zur Rede stellten wollten, wurde er laut und verschwand. Und als er dann in diese Clique hinein geriet, half gar nichts mehr. „Was können wir noch tun?“, fragten sie sich. Ihnen fiel nichts ein, außer zu hoffen und die Tür aufzuhalten. Vielleicht würde er sich eines Tages ja besinnen. Das war ihre Hoffnung.

Uwe Noormann, Pastor in Tannenhausen und Georgsfeld

Uwe Noormann, Pastor in Tannenhausen und Georgsfeld

Von solchen Erfahrungen erzählt Jesus in einer Geschichte, die morgen in vielen Gemeinden ausgelegt wird: Ein Mann hat auch alles getan. Er hat einen schönen Weinberg angelegt, mit allem was dazugehört. Und dann hat er sich gute Leute gesucht, denen er dieses Paradies anvertraute. Er vereinbarte mit ihnen eine Pacht, und ließ ihnen dann alle Freiheiten, diesen Weinberg zu bewirtschaften. Das war der Plan. Aber dann lief alles aus dem Ruder. Alle Anfragen und Mahnungen wurden in den Wind geschlagen. Es wurde eine ziemlich hässliche Geschichte mit Mord und Totschlag.
Man merkt sehr schnell, dass Jesus von Gott erzählt. Der Weinberg ist ein Bild für unsere kleine oder auch die große Welt – für den Lebensraum und die Möglichkeiten, die uns überlassen worden sind, um damit sinnvoll und gut zu wirtschaften. Vereinbart ist, dass wir uns gut um uns, unsere Welt und auch um einander kümmern – damit möglichst viele gut leben können. Das ist der Plan.
Aber dann ging irgendetwas schief. Menschen denken nur noch an sich, und wie sie ihre Schäfchen ins Trockene bringen können. Menschen halten sich für das Maß aller Dinge und verlieren den Respekt vor dem Leben, den anderen und auch vor Gott. Und dann sieht die Welt so aus, wie sie uns in den Medien präsentiert wird. Alle Mahnungen, so scheint es, verhallen ungehört.
Und was macht Gott? Er hält die Tür auf. Er hofft auf Einsicht, auf Glauben. Er setzt darauf, dass seine Liebe uns überzeugt und verändert. Und dann passiert es, dass Menschen wieder sich selber annehmen können, dass sie die anderen wert schätzen, und dass sie sich einsetzen für eine freundlichere und gerechtere Welt, so weit es ihnen möglich ist.

Von Uwe Noormann, Pastor in Tannenhausen und Georgsfeld

14. Februar 2015: Erste Hilfe

Wie lange ist das bei Ihnen her – mit dem Kurs für die erste Hilfe? Wer beherrscht noch die stabile Seitenlage – wer fühlt sich sicher, wenn es um eine Beatmung geht? Wenn ein Fahrer an einer Unfallstelle vorbeifährt, braucht das kein böser Wille zu sein. Unsicherheit und die Angst vor einer Überforderung wiegen da viel schwerer. „Andere können das bestimmt besser. Das überlasse ich lieber den Experten.“ Es hört sich verständlich an. Dennoch ist es keine sinnvolle Möglichkeit, sich einer solchen Situation zu entziehen.
Erste Hilfe ist aber nicht nur ein Thema für den Straßenverkehr. In den letzten Monaten nimmt die Zahl der Flüchtlinge zu, die aus verschiedenen Krisengebieten Zuflucht in unserem Land suchen. Sie benötigen eine andere Art von erster Hilfe. Bis die Familien den Alltag von der Mülltrennung bis zum eigenständigen Arztbesuch bewältigen, sind oft viele einzelne begleitende Schritte notwendig. Dafür setzen sich Menschen hier in der Region ein und leisten kreative, vielfältige Hilfe, die Zeit erfordert.

Holger Rieken, Pastor in Wiesmoor und Marcardsmoor

Holger Rieken, Pastor in Wiesmoor und Marcardsmoor

Aber es gibt eben wie im Straßenverkehr viele Fragen um diese Aufgabenstellung herum: Kann ich das überhaupt? Überfordere ich mich und meine Familie mit solch einer Ersten Hilfe? Sind dafür nicht ganz andere zuständig? Müssen die politischen Weichen anders gestellt werden? Braucht es nicht andere Mittel, damit die Verantwortung nicht an denen hängt, die in der Not akut helfen?
Allerdings sind die Antworten dabei nicht so offensichtlich wie beim akuten Unfallgeschehen auf der Straße. Das Anliegen selbst wird dadurch nicht weniger dringend. Hilfe ist geboten – für Menschen, denen innerhalb kurzer Zeit die Grundlagen ihres bisherigen Lebens weggebrochen sind.
Ich kann die Anfragen an die gesellschaftlichen Verantwortungsträger nicht beantworten, aber möchte einen Hinweis geben, gerade in solchen Situationen erste Hilfe für die eigene Seele zu leisten, ohne sich dem anderen Menschen zu verschließen. Legen Sie sich einen Notfallkoffer für die eigene Seele zu: Einen Zettel, ein kleines Heft mit Bibelworten zum Festhalten. An ihnen schärfe ich meinen Blick, wenn die Situation um mich herum zu unübersichtlich wird, und blicke über meinen eigenen Horizont hinaus. „Denn ich habe gelernt, mich in jeder Lage zurechtzufinden. Alles vermag ich durch den, der mir Kraft gibt.“ (Philipper 4,11b.13) Grundwahrheiten der Bibel – eine erste Hilfe für meine Seele, damit ich selber helfen kann.

Von Holger Rieken, Pastor in Wiesmoor und Marcardsmoor

7. Februar 2015: in eine andere Haut schlüpfen

In diesen Tagen geht in vielen Gegenden unseres Landes – auch für manche Ostfriesen – das närrische Treiben seinem Höhepunkt entgegen. Karneval, Fasching: Mal alle Vernunft bei Seite lassen! In eine andere Haut schlüpfen!

Als Kind habe ich diese Zeit im Jahr geliebt. Besonders mochte ich das Verkleiden. Für einen Tag wenigstens konnte ich einmal all das sein, was ich mir erträumte, aber in Wirklichkeit eben nicht war – der gefährliche Pirat, der schöne Prinz, der stolze Indianer. Ich habe es genossen, mit den Kleidern die Identität zu wechseln, scheinbar außer mir zu sein.

Thomas Henneberger, Pastor In Aurich-Oldendorf

Thomas Henneberger, Pastor In Aurich-Oldendorf

Wenn ich heute auf das Gebaren der Karnevalisten sehe, dann denke ich, sie machen auch nicht wesentlich anderes als die Kinder. Sie setzen die Realität für ein paar Stunden außer Kraft und leben aus, was im normalen Alltag nicht ungestraft möglich ist. Der Chef wird auf die Schippe genommen. Die Herrschaft wird in manchem Rathaus vollends an die Narren übergehen. Endlich kann man lauthals sagen, was man schon immer einmal los werden wollte. Das Chaos überrollt die ansonsten so festgefügte Ordnung.

Es kann ausgesprochen genussvoll sein, die eigenen Grenzen zu überschreiten und den Träumen von einem anderen Leben Raum zu geben, auch wenn es nur für ein paar Stunden ist und maskiert. Wenn es derartige „Ausstiegsmöglichkeiten“ aus der Wirklichkeit nicht gäbe, wir müssten sie erfinden.

Die genuss- und lustvolle Sache hat aber zugleich einen ernsten Kern, wirft sie doch ein bezeichnendes Licht auf uns. Die großen und kleinen Fluchten zeigen, dass unsere Welt und unser Leben nicht so sind, wie sie sein könnten und sein sollten. Die Bibel formuliert diese Erkenntnis im 1. Johannesbrief so: „Noch ist nicht offenbar geworden, was wir sein werden.“

Es hat darum seinen guten und tiefen Sinn, dass nach den tollen Tagen die Passionszeit folgt, die von alters her ja auch eine Fastenzeit ist, eine Zeit der Besinnung und inneren Einkehr. Eine Zeit, um dem nachzusinnen, was im Alltag ungelebt und verschüttet bleibt, weil es vielleicht unter Gewohnheiten und Routine erstickt ist. Eine Zeit für so etwas wie einen inneren „Frühjahrsputz“, in der ich versuchsweise einmal Dinge lasse und auf Sachen verzichte, die ich mir angewöhnt habe, obwohl sie vielleicht gar nicht gut für mich sind.

Überlegen Sie einmal, was das bei Ihnen sein könnte. Und versuchen Sie doch einfach, darauf eine Zeit lang zu verzichten – vielleicht sogar „sieben Wochen ohne…“. Sie werden merken: Solches Fasten und Verzichten hilft, das Leben neu und tiefer zu entdecken. Versuchen Sie es!

Von Pastor Thomas Henneberger, Pastor in Aurich-Oldendorf

31. Januar 2015: Wie viel Vergangenheit ertragen wir?

In dieser Woche war der Holocaustgedenktag. An vielen Stellen in Deutschland wurde er begangen. Auch hier in Aurich.
Hier vor Ort haben zahlreiche Organisationen in beeindruckendem Engagement sich dieses Gedenkens angenommen. Von einer Müdigkeit oder gar dem Wunsch, unter das Geschehene einen Schlussstrich zu ziehen, war zumindest hier vor Ort bei Verantwortlichen und Mitwirkenden nichts zu spüren. Im Gegenteil: Es ist gelungen, zahlreiche junge Menschen für das Gedenken zu motivieren. Aktiv waren am Abend in der Evangelisch-reformierten Kirche Aurich Schüler und Konfirmanden, als Vortragende und Erinnernde, als Musiker und als Autoren von umfangreichen Facharbeiten. Über Lehrer, Pastoren und Familien wurden sie an das Thema herangeführt und sensibilisiert. Von Desinteresse war dabei wenig zu spüren, wohl aber von der Bereitschaft, sich im Unterricht aber auch in der Freizeit eingehend mit der Vergangenheit zu beschäftigen.
Tradition ist nicht das Hüten der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers, so lautet ein berühmter Ausspruch. Wir haben mit der Geschichte nicht mit etwas Verstaubtem oder gar mit etwas zu Asche Verbranntem zu tun, sondern mit etwas Hochnotwendigem. Die Toten des Weltkriegs und die Geschändeten der Shoah halten in uns das Feuer wach, sich für Werte einzusetzen, die ein Zeichen der Menschlichkeit setzen. Menschen sind unterschiedlich – ja. Aber sie deswegen abzustempeln oder gar wie in Auschwitz in Kälte, Entbehrung, Gas und Feuer in singulärer Brutalität zu vernichten, ist und bleibt ein Gräuel.

Jörg Schmidt, Pastor an der reformierten Kirche in Aurich

Jörg Schmidt, Pastor an der reformierten Kirche in Aurich

Die Jahreslosung 2015: „Nehmt einander an, so wie euch Christus angenommen hat, zu Gottes Lob“ (Römer 15,7) gilt nicht nur innerhalb von Gemeinden und ihren Meinungsverschiedenheiten, sondern auch über Religionen hinaus. Leicht zu hören, schwer umzusetzen – aber hochnötig. Genauso wie das Wachhalten der Geschichte und deren Erinnerung – leicht zu vergessen, schwer zu erinnern, aber letztlich hochnötig. Dazu gibt es keine Alternative.

Jörg Schmid, Pastor der Ev.-ref. Kirche Aurich

24. Januar 2015: In Bewegung setzen

Vor einem Monat zu Weihnachten haben wir es in den Gottesdiensten gehört und gesungen: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.“ In den Sonntagen nach Weihnachten ging es darum, zu entdecken, was in und mit Jesus Christus in die Welt gekommen ist. Was es für mich bedeuten kann. Das Geschehen in Bethlehem ist scheinbar nur zu erfahren, wenn man sich in Bewegung setzt, sich auf das Gehörte einlässt. Die Hirten haben es getan. Sie haben sich auf den Weg nach Bethlehem gemacht, um zu sehen, was der „Herr ihnen kundgetan hat“. Die Heiligen drei Könige, auch sie waren unterwegs, um das Kind in der Krippe zu sehen und anzubeten.

Heinfried König, Pastor in Aurich

Heinfried König, Pastor in Aurich

Viele berührt die Botschaft nur beiläufig und bringt sie nicht in Bewegung. Sicher ist es schön, wenn am Heiligenabend die Gottesdienste gut besucht sind – doch die Fortsetzung muss doch auch gehört, ja vielmehr erfahren werden.
Und der Glaube ist nicht anders zu bekommen, als dass ich ihn erfahre. Und erfahren meint, dass ich dem Wort vertraue und mich damit auf dem Weg mache.
Die Geschichte vom Hauptmann von Kapernaum ist ein ebensolches Beispiel. Da hat dieser Hauptmann von Jesus gehört. Man mag ihm erzählt haben, was er predigte und auch, dass er Kranke heilte.
Er macht sich zu ihm auf den Weg, um für seinen Diener um Heilung von seiner Krankheit zu bitten.
Die erste Erfahrung ist, dass Jesus gleich mit ihm mitkommen und seinen Diener gesund machen will. Diese Antwort überwältigt ihn. Jesus will in mein Haus kommen!? „Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“
Da kommt eine Demut zum Vorschein, die wir uns von einem Hauptmann so gar nicht vorstellen können. Und doch ist es nicht eine Sklaven- oder Minderwertigkeits-Demut, sondern die Demut des Hören-Könnens, die denen fehlt, die um sich kreisen.
„Dein Wort“, so können wir den Hauptmann sagen hören, „reicht mir“. „Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.“
Der Hauptmann von Kapernaum ist uns in seinem Vertrauen ein Vorbild und eine Herausforderung zugleich geworden.

von Heinfried König, Pastoran der Lambertikirche Aurich

17. Januar 2015: Zeuge der Liebe Gottes

Gott sei Dank – bei uns in Ostfriesland hat es (noch) keine so schrecklichen Attentate gegeben wie kürzlich in Paris. Aber unsere Gedanken und Gefühle werden bei den Betroffenen sein, und wir nehmen sie mit in unsere Gebete. – Wie jedoch würden wir empfinden, hätte sich derart Schreckliches bei uns ereignet; empfänden wir Hass, würden wir nach Vergeltung, nach Rache sinnen?
Paulus schreibt: „Hasst das Böse, hängt dem Guten an.“ Ja, er formuliert sogar: „Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht.“ Als Christen haben wir den äußerst verantwortungsvollen Auftrag, Zeuge der umfassenden Liebe Gottes zu sein, die das Böse hasst, aber sich nicht zum Bösen verleiten lässt. Aus eigener Kraft würden wir dies nicht zu jeder Zeit leisten können. Deshalb mahnt Paulus, mit Gott in Verbindung zu bleiben, um von ihm her dazu gestärkt zu werden: „Dient dem Herrn. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ Gestärkt durch Gottes Kraft sind wir nach Paulus aufgerufen, dann im Geist der Liebe Gottes für andere zu leben: Sich deren Nöte anzunehmen, Gastfreundschaft zu üben und ihnen mit dem Herzen nahe zu sein: „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“
Auch ohne so schreckliche Attentate wie in Paris gibt es in unserem Umkreis „Böses“, Not und Trübsal – wir sind aufgerufen, nicht stumm wegzuschauen, sondern all dies, das „ferne wie das nahe Böse“, und zwar immer wieder, im Gebet vor Gott zu bringen.
Und da, wo wir es vermögen, sollen wir selbst tatkräftige Zeugen der Liebe Gottes sein: Gastfreundschaft üben gegenüber denen, die obdach- oder gar heimatlos sind; weinen mit denen, welchen Unrecht widerfahren ist, die einen lieben Menschen verloren haben oder aus sonstigen Gründen traurig sind – und auch beten für die, die auf Irrwegen sind sowie da, wo es möglich ist, zur Reue, zur Umkehr vom „Bösen“ zum „Guten“ verhelfen.
Aber neben all diesem Schweren ruft Paulus uns ebenso auf: „Freut euch mit den Fröhlichen.“

Hans Bookmeyer, Pastor für besondere Aufgaben im Kirchenkreis Aurich

Hans Bookmeyer, Pastor für besondere Aufgaben im Kirchenkreis Aurich

Denn: „Die Liebe sei ohne Falsch“, also: rein, umfassend – nur so hat das „Böse“ keinen Raum.
All dies werden wir aus eigener Kraft nicht schaffen; darum ist es wichtig, mit Gott, der die allumfassende Liebe selbst ist (1. Johannesbrief, Kap. 4, V. 16), in Verbindung zu bleiben – Paulus sagt: „Seid brennend im Geist.“ – Gott, stärke uns durch Deinen Geist, um angstfrei aus Deiner Liebe heraus zu leben; Dir zur Ehre, anderen zur Hilfe, zum Geleit, zum Trost, zur Mitfreude, auf dass wir gemeinsam die Fülle Deiner Liebe erfahren – und Deinen Seelenfrieden. Amen.

Hans Bookmeyer, Pastor für besondere Aufgaben im Ev.-lutherischen Kirchenkreis Aurich

10. Januar 2015: Es beginnt mit Hören!

Schma Jisrael Adonaj Elohenu, Adonaj Echad. Fremd klingen sicher für die meisten diese Worte in den Ohren. So fremd waren sie mir auch, bevor ich im Studium Hebräisch lernte und erfuhr, dass mit diesen Worten ein zentraler Text im Judentum beginnt. Dieser Satz aus dem 5. Buch Mose ist der heutige Losungstext aus dem Alten Testament: Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Mit diesen Worten beginnt das jüdische Glaubensbekenntnis, und fromme Juden beten es täglich. Auch für Christen hat dieser Satz große Bedeutung. Denn hier geht es um den einen und einzigen Gott, der sich für uns Christen in Jesus offenbart hat. Er ist der Gott Abrahams und seiner Kinder!

Lars Kotterba, Pastor in Wiesens und Brockzetel

Lars Kotterba, Pastor in Wiesens und Brockzetel

Der Satz beginnt mit einer eigentlich leichten Aufforderung: Höre! Aber mein Eindruck ist, dass gerade das Hören und Zuhören uns Menschen zunehmend schwerer fällt und dabei ist es für unsere Gesellschaft so wichtig aufeinander zu hören. Terror beginnt durch Ausgrenzung und Intolleranz. Und allen sollte daran gelegen sein, dass es nicht soweit kommt, wie wir es eben in Frankreich wieder erlebt haben. Ich meine damit nicht, dass man auf jedes Geschrei hören muss. Aber ich frage mich, ob es das Richtige ist, auf Demonstrationen mit Gegendemos zu reagieren, und am Ende zu zählen, wer mehr Menschen mobilisiert hat und wer lauter brüllen konnte oder die besseren Sprüche auf die Transparente geschrieben hat? Auch wenn mir die Forderungen der sogenannten Pegida Bewegung suspekt sind und ich sie für falsch halte, stehen dahinter doch auch Ängste, die in meinen Augen ernst zu nehmen sind sind! Auch da sollten wir als Gesellschaft hinhören und ins Gespräch kommen. Doch das Auf-Einander-Hören braucht Geduld. Meine Erfahrungen in der Arbeit, besonders bei Kindern und Jugendlichen, zeigt mir, dass es vielen immer schwerer fällt zuzuhören. Es muss alles ganz schnell gehen, wie im Fernsehen und bei Computerspielen, wo in Sekundenschnelle die Bilder wechseln. Aber wirkliches Hören braucht Zeit. Und vielleicht sollten wir uns alle für das noch neue Jahr vornehmen mehr aufeinander zu hören. Gott lädt uns dazu ein! Höre Mensch! Wenn uns das gelingt, dann können wir auch Fremdheiten überwinden und im Hören voneinander lernen. Und was im Großen gilt für unsere Gesellschaft, das ist auch für unsere Familien und für die Arbeit wichtig. Das wir im Gespräch bleiben und aufeinander hören, dann gelingt unser Miteinander und dann merken wir auch wer unsere Hife braucht. „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen habt zu Gottes Lob.“ So heißt die Jahreslosung 2015 aus dem Römerbrief. Und das beginnt mit dem Hören!

Lars Kotterba, Pastor in Wiesens und Brockzetel

3. Januar 2015: Binde deinen Karren an einen Stern

Die ersten Schritte ins neue Jahr hinein sind getan, die ersten Termine in den neuen Kalender von 2015 eingetragen. Und wenn ich den Kalender des neuen Jahres in die Hand nehme – dann liegen die Wochen und Monate noch vor mir – ich weiß noch nicht genau, was mich erwartet – neben dem Alltäglichen und Vertrautem.
Leonardo da Vinci, bekannt als Maler der berühmten lächelnden Mona Lisa, hat neben seinen Bildern auch Geschichten und Verse zum Nachdenken geschrieben. Von ihm stammt der Satz: „Binde deinen Karren an einen Stern!“
Dieser Satz erschließt sich nicht sofort, aber mit etwas Nachdenken könnte er zu einem Leitsatz für das neue Jahr werden.
Binde deinen Karren an einen Stern.

Anne Ulferts-Tatjes, Pastorin in Wiesmoor und Ostgroßefehn

Anne Ulferts-Tatjes, Pastorin in Wiesmoor und Ostgroßefehn

Karren könnte stehen für alles, was ich in diesem Jahr zu bewegen und mitzuschleppen habe; für alles, was an Verpflichtungen und Anstrengungen auf mich zukommt.
Stern könnte stehen für das, was mir Orientierung und Wegweisung gibt; für ein Ziel, das mir vor Augen steht; für das, was ich mir für die kommenden Wochen und Monate wünsche, erhoffe, erträume.
Binde deinen Karren an einen Stern!
Das würde dann heißen: Bring das, was dir als Aufgabe in der nächsten Zeit gestellt ist, mit einem Ziel in Verbindung. Verknüpfe das, was dich gerade beschäftigt und vielleicht belastet, mit dem, was du erreichen willst und was du dir für dieses Jahr erhoffst. Lass dich nicht völlig einnehmen von dem, was du jetzt als Ballast empfindest, sondern schau auch nach vorn und nach oben. Schau nach dem, wer dir Kraft verleiht und ein Wort hat, das dich leben lässt. Dann bleibt der Karren in Bewegung.
Binde deinen Karren an einen Stern!
Das würde dann bedeuten: Lass dir den Blick auf dein Lebensziel nicht verstellen. Mach dir immer wieder bewusst, wo du hinwillst – das wird dir helfen, auch wenn dein Karren einmal verfahren ist. Das wird dich motivieren, deinen Lebenskarren, wenn nötig, wieder aus dem Dreck zu ziehen. Wenn du ein Ziel vor Augen hast, dann bekommst du auch Kraft und Mut für die kleinen Schritte.
Denn das ist ja das Mut machende und Tröstende – wir kommen ja von Weihnachten her: Dieses Licht von Weihnachten, dass Gott ein Immanuel, ein Gott mit uns ist, auch im neuen vor uns liegenden Jahr.
Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt – so lautet das Wort an Epiphanias. Gott selbst sendet sein Licht und seine Wahrheit – für unser kleines Leben – aber auch für unsere Welt – damit der Karren nicht im Dreck stecken bleibt – damit es die Hoffnung ist, die uns leitet.
Ja, und auch wenn wir in diesen Tagen die Weihnachtsbäume abschmücken, die Weihnachtssachen wieder verpacken, die Sterne und Kugeln und was uns lieb ist in dieser Zeit, so sollten wir die Botschaft in unseren Herzen mitnehmen, denn der Stern über Bethlehem – bildlich gesprochen – das Licht, das mit Jesus Christus in die Welt gekommen, das will uns begleiten, an jedem hellen, aber auch an jedem dunklen Tag.
Gut, wer sich von ihm leiten lässt.
Binde deinen Karren an einen Stern – ein Leitsatz für alle, die den Karren nicht einfach laufen lassen wollen.
Ein Programm für alle, die ihr Leben gestalten und Verantwortung für sich und andere übernehmen.
Ein frohes und behütetes neues Jahr unter einem guten Stern.

Anne Ulferts-Tatjes, Pastorin in Wiesmoor und Ostgroßefehn