Westerende

WesterendeSt. Martin

Kirchweg 1, 26632 Ihlow/Westerende-Kirchloog, Tel. 04941-3146

Die St. Martinskirche in Westerende hat dem Ortsteil, in dem sie steht, seinen Namen gegeben. Kirchloog bedeutet Kirch-Dorf (Loog = alte Bezeichnung für Dorf). Die Kirche wurde auf einer Warft, einer von Menschen errichteten Anhöhe, gebaut. Die Menschen brauchten Warften, um bei Überflutung eine Zuflucht zu haben. Auch wenn die Nordseeküste weit entfernt lag und liegt, wurde in früheren Zeiten bei Sturmfluten auch das tief gelegene Binnenland überflutet.

Unsere Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet. Auf dem Fundament aus Granitfindlingen wurde die Kirche aus Backsteinen gebaut. Die Backsteintechnik hatte sich damals gerade durchgesetzt und war sehr modern. Die meisten ostfriesischen Kirchen wurden in dieser Zeit aus Backsteinen gebaut. Die Kirche ist als rechteckiger Raum mit einer angefügten Apsis (Altarraum) konzipiert.

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Auf der Kirchwarft um die Kirche herum befindet sich auch der nach Westen erweiterte Friedhof. Es wurde kein Glockenturm an die Kirche gebaut, sondern wie in den Nachbarkirchen errichtete man neben dem Kirchengebäude auf der Warft ein Glockenhaus. Zu unserer Kirche gehören drei Glocken. An der Nordwestecke befindet sich in der Kirchenwand ein Halseisen. Es erinnert an die frühere Gerichtsbarkeit. Einige Bestrafungen wurden vor Ort durchgeführt: Hier wurden Übeltäter für geringfügige Vergehen angeprangert. An der Außenmauer kann man ein zugemauertes Portal (Türeingang) und zugemauerte Fenster erkennen.

Der älteste Einrichtungsgegenstand in der Kirche ist der Taufstein. Er stammt aus der Entstehungszeit der Kirche, ist vielleicht sogar noch älter. Man kann noch die Gesichter erkennen, die in den Stein hineingearbeitet sind. Früher wurden die Babys bei der Taufe ganz untergetaucht. Heute taufen wir aus der Messingschale. Der Fußboden um den Taufstein und die Kanzel ist mit alten Bodenfließen ausgelegt.Kanzel Westerende

Unser Blick wird nach vorn zum Altar hingelenkt. Er ist das wertvollste Stück unserer Kirche. 1652 wurde von Pastor Hermann de Werve und seiner Frau für unsere Kirche gestiftet. Hermann de Werve war einmal Pastor in Westerende gewesen und musste sein Amt aufgeben, weil er seine pastoralen Aufgaben vernachlässigt und sich stärker um seine wissenschaftlichen Arbeiten gekümmert hatte. Ob die Stiftung des Altars eine Bitte um Vergebung ist? Dargestellt ist auf dem unteren, großen Hauptbild eine Szene aus dem Lukasevangelium: eine Sünderin kommt zu Jesus, und Jesus vergibt ihr. Über diesem Bild ist ein kleineres in der Mitte des Altares. Hier ist zu sehen, wie Jesus mit seinen Jüngern das Abendmahl feiert. Das obere, kleinste Bild zeigt die Kreuzigung Jesu. An der oberen Spitze des Altares sind drei kleine Holzfiguren: Jesus ist auferstanden. Er hat eine Siegesfahne in der Hand und winkt mit der anderen. Er hat den Tod und das Böse besiegt, dargestellt durch ein Skelett mit Sense und Sanduhr und einen Teufel mit einer Forke.

Altar Westerende

Die Kanzel stammt aus dem Jahr 1737. Sie stammt aus der Werkstatt von Andreas Schnörwange in Aurich und wurde im Stil der damals prägenden Holzschnitzarbeit der Werkstatt von Cröpelin aus Esens gefertigt.  Am Kanzelkorb sind die vier Evangelisten mit ihren Symbolen dargestellt, die auch als Figuren am Altar zu sehen sind: Matthäus mit dem Engel, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler. Außerdem ist Paulus als Autor vieler neutestamentlicher Briefe mit dem Schwert zu sehen. Getragen wird der Kanzelkorb von einer holzgeschnitzten Figur, die Moses mit den Tafeln der zehn Gebote darstellt. Über der Kanzel ist ein großer Schalldeckel mit einer goldenen Taube als Symbol für den heiligen Geist angebracht Ausgeschmückt ist die Kanzel mit gedrehten Säulen, mit geflügelten Engelsköpfen und Weinreben.

An der Nordwand hängen drei Bilder zur Weihnachtsgeschichte: Krippe, Anbetung durch die Könige aus dem Morgenland und Darbringung im Tempel. Nach Erzählungen sollen sie aus der Auricher Schlosskapelle stammen. Besonders wertvoll ist die schöne Holzdecke aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Symbole Herz, Kreuz, Anker für Liebe, Glaube und Hoffnung tauchen an der Decke und an den Apsisfenstern auf. Unsere Orgel stammt aus dem Jahr 1793 und wurde von dem bedeutenden Emder Orgelbauer Johann Friedrich Wenthin gefertigt, der etliche andere Orgeln in Ostfriesland angefertigt hat.

Orgel Westerende

Da der ursprüngliche Name unserer Kirche nicht bekannt ist, wurde in den neunziger Jahren ein neuer Name ausgesucht. Seitdem hat unsere Kirche den schönen Namen: St. Martinskirche – benannt nach Martin, dem Bischof von Tours, der vorher als Offizier der römischen Armee seinen Umhang mit dem Schwert in zwei Hälften zerschnitten und mit einem frierenden Bettler geteilt hatte. Auf den anderen wichtigen Martin weist ein Bild im Innenraum der Kirche hin, auf dem unser Reformator Dr. Martin Luther abgebildet ist.

Seit etwa 750 Jahren trifft sich die Gemeinde in unserer Kirche um Gottesdienst zu feiern.  Alle sind herzlich dazu eingeladen!

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Der Schlüssel zu unserer Kirche ist im Pfarrhaus erhältlich oder gegenüber zur Kirche auf der anderen Seite der Straße im Geschäft Hinrichs/Harms gegen Vorlage eines Pfandes (Ausweis, Führerschein o.ä.).

Gottesdienste

An Sonn- und Feiertagen in der Regel um 10 Uhr.
Jeden letzten Sonntag im Monat meistens um 19 Uhr.

Pfarramt

Harald Lemke
Kirchweg 1
26632 Ihlow/Westerende-Kirchloog
Tel. 04941 – 3146 (mit Anrufbeantworter)
kg.westerende@evlka.de

Küster

Helmut Weerts
Grünstückenweg 39
26632 Ihlow/Westerende-Kirchloog
Tel. 04941 – 2599

Gemeindehaus

Kirchweg 1
26632 Ihlow/Westerende-Kirchloog