Gottesdienst für Handwerker in Aurich

In der Lambertikirche Aurich ist am Sonntag (18. Februar) ein spezieller Gottesdienst gefeiert worden. Superintendent Tido Janssen als Gastgeber hat das Handwerk in den Mittelpunkt gestellt. Es ging um jene Frauen und Männer, die täglich dafür sorgen, dass unsere Häuser in einem guten Zustand sind, dass unsere Autos fahren, dass wir in bequemen Möbeln sitzen, dass wir leckeres Brot essen und dass wir die Vorzüge von Wärme und Strom genießen… Vielfalt zeichnet das Handwerk aus, große Vielfalt. Das ist auch an vielen Stellen in der Bibel nachzulesen, in der Noah als der erste Handwerker gleich eine bedeutende Rolle übernehmen musste. Er bekam von Gott den Großauftrag, eine Arche zu bauen. Und er baute sie gut.

Handwerk und Qualität gehören zusammen, das machte der Präsident der Handwerkskammer für Ostfriesland, Albert Lienemann aus Holtrop in einem Interview mit Superintendent Janssen deutlich. Den Handwerksbetrieben in seinem Kammerbezirk gehe es gut, die Konjunktur brumme, die Auftragsbücher seien voll, die Einkommen seien auskömmlich. Ganz frei von Sorgen seien die Handwerksbetriebe aber nicht. Lienemann beklagte den Fachkräftemangel, der den Betrieben zu schaffen machen. Es gehe in den nächsten Jahren darum, verstärkt und gut auszubilden.

Landessuperintendent Detlef Klahr als Leiter des Sprengels Ostfriesland lobte das Handwerk als unverzichtbar in unserem täglichen Leben. „Wir gehen gern in den Baumarkt und versuchen dann, selbst etwas zu reparieren oder zu renovieren. Wer aber Qualität möchte, sei auf Handwerksbetriebe angewiesen.“ Als Beleg dafür wies Dr. Klahr auf unseren „Ihlower Altar“, der ein Meisterstück der Handwerkskunst sei. Tischler, Maler, Schnitzer und Vergolder hätten daran gearbeitet. „Er ist mehr als 500 Jahre alt und immer noch wunderschön anzusehen“, sagte Klahr. Der Landessuperintendent machte auch deutlich, dass es zwischen den Kirchengemeinden und den jeweiligen Handwerksbetrieben vor Ort ein gutes Miteinander gebe. Auch wenn die Gemeinden nicht immer alle Erwartungen der Handwerker hinsichtlich Aufträge erfüllen könnten.

Die Predigt hielt Claus Dreier, Pastor für Kirche und Handwerk, aus Hannover. Dreier wurde in Leer geboren, arbeitete auch als Dorfpastor in Steenfelde. Seit 2014 ist er der neue Handwerkspastor der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Der 59-jährige Seelsorger fuhr lange Taxi und Busse und schleppte für den ADAC Fahrzeuge ab. Er weiß also wie es ist, mit den Händen zu arbeiten. Und dass Handwerker mit ihrer Hände Arbeit nicht nur Gutes erschaffen, betonte er auch. Die hölzernen Kriegsschiffe der Römer im späten ersten nachchristlichen Jahrhundert seien ebenso von Handwerkern gebaut worden wie die Konzentrationslager der Nazis vor und während des 2. Weltkrieges. Dreier appellierte an die besondere Verantwortung der Handwerksbetriebe: „Die Welt sieht so aus, wie sie aussieht, weil das Handwerk in der Lage war, selber kreativ daran mitzuwirken und auch die kreativen Gedanken anderer in die Wirklichkeit umzusetzen“, betonte Dreier.

Für die Musik während des Gottesdiensten sorgte der Gospelchor, geleitet von Kantor Maxim Polijakowski. Zu Beginn hatte Polijakowski auf der Orgel die Melodien mehrere Lieder gespielt, die textlich in einem Bezug zum Handwerk stehen: „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ oder „Wer will fleißige Handwerker sehen“. Ein stimmungsvoller, ein guter Einstieg für einen speziellen Gottesdienst, der mit einem Imbiss und mit vielen Gesprächen endete – natürlich auch über das Handwerk.