Abschied mit Wehmut

Pastor Karsten Beekmann verlässt Walle Ende August und tritt eine neue Stelle in Konstanz an

VON HEINO HERMANNS, ON

Aurich. Überraschend kommt der Abschied aus Walle nicht: Schon bei seinem Antritt im Jahr 2007 hat Pastor Karsten Beekmann angekündigt, dass er nur zehn Jahre bleiben würde. Ziemlich pünktlich setzt er den Plan nun in die Tat um. Am 1. September dieses Jahres wird Beekmann seine neue Pastorenstelle in Konstanz am Bodensee antreten.

Leicht fällt ihm der Wechsel nicht, auch wenn der Weg nach Baden-Württemberg selbst gewählt ist. Unheimlich gerne sei er in Walle gewesen, sagt Beekmann im Pressegespräch. Er habe hier eine starke, eine leidenschaftliche Gemeinde, die keine Ängste habe vor neuen Formen. „Und man darf hier auch Fehler machen“, so der 40-Jährige.

Trotz einer gewissen Wehmut freut er sich aber auf die neue Aufgabe. Denn ein Ortswechsel ist in der Laufbahn von Pastoren durchaus vorgesehen. „Und ich wollte nicht nur drei Dörfer weiterziehen.“ Daher geht es jetzt für sechs Jahre an den Bodensee, in die Kirchengemeinde Konstanz-Wollmatingen. Schon seit eineinhalb Jahren gibt es den Kontakt nach Baden-Württemberg. Jetzt passte der Wechsel auch von der familiären Situation.

Pastor Beekmann hat in Walle viele neue Akzente gesetzt
Die Gemeinde ist deutlich größer als Walle und wird auch in Zukunft noch wachsen. Der Konstanzer Stadtteil habe sehr viele zugezogene Einwohner, so Beekmann. Hier könne, hier müsse man „Kirche neu denken“. Denn wenn eine Gemeinde nicht nur aus Einheimischen bestehe, sondern permanent neue Mitglieder aus anderen Regionen aufnehme, böte sich auch eine sich stetig ändernde Situation. „Die Frage ist dann, was das für die Kirche bedeutet“, so Beekmann.

Kirche neu denken – das ist ein Ansatz, den Beekmann auch in Walle schon verfolgt hat. Gemeinsam mit dem Kirchenvorstand und vielen weiteren ehrenamtlichen Helfern wurden viele neue Dinge umgesetzt, die aus der Lukas-Gemeinde etwas Besonderes gemacht haben. Das wird sofort für jeden ersichtlich, der sich am Sonntag einmal in den Gottesdienst setzt. Moderne Lieder werden gesungen, und deren Text wird per Beamer an die Wand projiziert. Nicht selten werden die Gottesdienste auch im Radio übertragen. Dabei werden aber auch ältere Gemeindemitglieder nicht vergessen. „Wichtig ist die richtige Mischung aus traditionellen und modernen Bestandteilen“, so das Fazit von Beekmann nach zehn Jahren in Walle.

Ehrenamtliche Helfer springen für die Zeit der Vakanz ein
Hier wurde die richtige Mischung gefunden. Die Kirche ist nicht nur an hohen Festtagen gut gefüllt. Ein Verdienst, das Beekmann nicht nur sich selbst anrechnen mag. Immer wieder verweist er auf die zahlreichen Helfer, ohne die vieles nicht möglich wäre.

Ein Dank, der vom Kirchenvorstand auch zurückgegeben wird. Denn Karsten Beekmann hat es verstanden, andere Menschen mit einzubinden. Ein Beispiel nennt Marion Beitelmann. Sie ist Mitglied im Kirchenvorstand. „Zu Kongressen fahren in anderen Gemeinden meist die Pastoren alleine“, sagt sie. Nicht so in der Lukasgemeinde. Hier fährt der Vorstand mit. Zuletzt war das Gremium mit Karsten Beekmann beim Kongress Dynamissio in Berlin. „Leitung muss gemeinsam geschehen“, fasst Beekmann sein Konzept zusammen.

Daher werden auch die über 20 Gruppen der Kirchengemeinde weiterbestehen. „Es wird ab und zu ruckeln, aber es wird nicht alles zusammenbrechen“, fasst es Katharina Herresthal, ebenfalls Mitglied im Kirchenvorstand, zusammen.

Fest steht bereits, dass die Lukasgemeinde weiterhin eine volle Pastorenstelle behält. Die Ausschreibung soll demnächst erfolgen. Dennoch rechnet Karsten Beekmann mit einer Vakanz von rund sechs Monaten, bevor ein Nachfolger gefunden wird. Seine Verabschiedung findet am 6. August statt.

Markus Janßen (Bundesfreiwilligendienstler, von links), Manfred Hegenbarth, Pastor Karsten Beekmann, Katharina Herresthal und Marion Beitelmann vor der Wallster Lukaskirche. Die Gemeinde bedauert den Weggang des Pastors, kann die Entscheidung aber auch nachvollziehen. Foto: Hermanns