Luther-Musical in der Auricher Stadthalle

Am Freitagabend war es endlich soweit! Das Luther-Musical, eine Kooperation der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers mit dem Michaeliskloster Hildesheim wurde in Aurich aufgeführt. Die Ostfriesischen Nachrichten lobten das Stück im folgenden Artikel:

Alles an ihm schreit: Ich bin nicht wie ihr, ich gehöre nicht dazu und ich will es auch gar nicht! In „Luther“, einem Pop-Oratorium von Michael Kunze und Dieter Falk, wird der Mönch als eine Art Reformations-James-Dean dargestellt. Ein Rebell, der sich trotz Widerstände gegen das bestehende System und Missstände wie den Ablass-Handel auflehnt. Am Freitagabend gastierte das sakrale Musical in der Auricher Stadthalle. Diese war voll wie sonst selten. Nicht nur in den Rängen tummelten sich die Menschen, auch auf der Bühne war mehr los als sonst. Rund 200 Sänger aus Aurich und Umgebung unterstützten als schwarz-weiß gewandeter Chor das angereiste Musical- Ensemble – in bunten, glitzernden Kostümen – bei den zahlreichen musikalischen Darbietungen über das Leben und Wirken von Martin Luther.
Kulissen suchte man vergeblich. Nur mit Licht, Kostümen und Stimmgewalt gelang es den Akteuren die Zuschauer mitzunehmen auf die Spuren Martin Luthers. Dabei stand immer eine zentrale Frage im Raum: Wer war Martin Luther? 20 Schlüsselszenen aus seinem Leben vermittelten den Zuschauern eine Idee davon, wer der Reformator war und wie er gedacht haben könnte. Der historische Stoff kam locker daher im neuen Gewand. Sowohl im übertragenen Sinne als auch sprichwörtlich. Martin Luther (Frank Winkels) wurde schwarz gekleidet mit Kapuzenpullover und Cargo-Hose gezeigt, ein Außenseiter, wie er auch einem Film entsprungen sein könnte. Rein optisch hob er sich damit vom restlichen Ensemble und vor allem von Kaiser Karl (Paul Falk) deutlich ab. Dieser wurde wie ein verzogener Teenager mit goldenem Käppi statt Krone dargestellt, der ständig mit dem Smartphone herumfuchtelte und sich mehr für Frauen und das perfekte Selfie interessiert, als für die Staatsgeschäfte und die Belange der Kirche.
Schwungvollen Melodien und die temporeichen Tänze der engagierten Akteure wechselten immer wieder mit ruhigeren Passagen, in denen die Stimmen der Chorsänger dominierten. Durch die szenische Darstellung und schnelle Abfolge wäre es ohne Vorwissen wohl schwierig gewesen, der Geschichte zu folgen. Das tat aber der Stimmung im Saal keinen Abbruch. Die Zuschauer ließen sich im Laufe des Abends immer mehr mitreißen, klatschten im Takt und mancher schunkelte auf seinem Stuhl zur Musik. Aurichs Bürgermeister Heinz-Werner Windhorst strahlte in der Pause noch etwas mehr als sonst und war sichtlich angetan von der Darbietung. „Ich finde es toll. Es ist Geschichte gepaart mit schwungvoller Musik“, so sein Fazit.
Allen Akteuren, sowohl den Chorsängern als auch den Musical-Darstellern, war anzumerken, dass sie mit Herzblut bei der Sache waren. Besonders hervorzuheben ist aber wohl der Dirigent, Aurichs Kirchenkreiskantor Maxim Polijakowski. Sichtlich nervös betrat dieser zu Beginn der Vorstellung den Saal. Auf der Bühne angekommen blühte der Kirchenmusiker auf und dirigierte mit viel Energie und vollem Körpereinsatz.

Foto und Text: Ann- Kathrin Stapf, Ostfriesiche Nachrichten 3.4.2017