Indra Grasekamp als neue Pastorin in Aurich-Kirchdorf eingeführt

indra-grasekamp-einführungIndra Grasekamp ist in ihr neues Amt als Pastorin in der Paulusgemeinde eingeführt worden. Vor der Amtseinführung hatte sie einen Radunfall – und kam deshalb auf Krücken in die Kirche. Nach drei Jahren der Probe hat sie nun offiziell ihre erste feste Anstellung begonnen.

VON JOACHIM MITTELSTAEDT

Aurich. Etwas gehandicapt trat die neue Pastorin der Auricher Paulusgemeinde bei ihrem Einzug in die Kirche auf: Indra Grasekamp hatte einen Fahrradunfall gehabt und musste zwei Krücken benutzen. Am Sonntag wurde die gebürtige Bremerin vom Auricher Superintendent Tido Janssen in ihr Amt eingeführt. Grasekamp war bereits seit drei Jahren auf Probe in der Gemeinde tätig. Nun beginnt für die 33-Jährige in Kirchdorf die erste feste Anstellung. Janssen: „Da haben sich zwei, die sich mittlerweile gut kennen, füreinander entschieden.“ Das sei sowohl für Grasekamp wie auch für die Paulusgemeinde „ein guter Schritt in die Zukunft“.
Indra Grasekamp studierte Theologie in Bielefeld, Bern und Göttingen. Die praktische Vorbereitung auf den Beruf als Pastorin absolvierte sie in Pewsum. Im Anschluss lebte sdie Geistliche eineinhalb Jahre in Edmonton, Kanada.
Jubiläumsjahr der Paulusgemeinde
Die Amtseinführung war auch Auftakt in das Jubiläumsjahr der Paulusgemeinde. Vor 50 Jahren wurde die Kirchengemeinde im Auricher Süden gegründet. Das sei ein schöner Doppeltermin, sagte Superintendent Janssen: „Besser als mit der Einführung einer neuen Pastorin kann man ein fünfzigjähriges Gemeindejubiläum nicht beginnen.“
Begleitet wurden die Redebeiträge im Rahmen der Einführung durch den Gesang der Gemeinde und den Kirchdorfer Chor sowie durch den Posaunenchor. Grasekamp, der es nach eigenen Angaben besonders an ihrem Beruf gefällt, „ein Ohr für andere“ haben zu können, sagte in ihrer Predigt im Anschluss an die offizielle Einführung: „Wir bauen einen Ort der Gemeinschaft.“ Das sei schon vor fünfzig Jahren, 1967, bei der Gründung der Paulusgemeinde die Idee gewesen. Und diese Idee habe auch heute große Bedeutung. „Sie sagen von sich: Ich bin eine Visionärin“, so Janssen. Das sei für den Beruf einer Pastorin eine wunderbare Voraussetzung.

Gott ist eine Konstante in ihrem Leben

Kirchdorf. Ihr Vater war es, der Indra Grasekamp den Beruf der Pastorin vorschlug. Damals war die heute 33-Jährige in der siebten Klasse. „Mein Vater hatte damals das Gefühl, dass das passen könnte“, sagt sie. Damit sollte der Bundeswehr-Offizier Recht behalten. Bereits seit drei Jahren ist Grasekamp Pastorin auf Probe in der Paulusgemeinde in Kirchdorf. Jetzt beginnt sie dort ihre erste feste Stelle. Am ersten Advent findet ihr Einführungsgottesdienst statt.
Gott ist für Grasekamp eine Konstante. „Auf Gott kann ich mich immer verlassen“, sagt sie. „Er ist immer da, egal was passiert.“ Außerdem gebe er Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Hoffnung möchte sie als Pastorin an andere weitergeben.
Die gebürtige Bremerin Grasekamp ist in einem christlichen Haushalt aufgewachsen. Sie besuchte einen christlichen Kindergarten und den Kindergottesdienst ihrer damaligen Gemeinde. Feste wie Ostern oder Weihnachten wurden in der Familie immer groß gefeiert. „Meine Mama hat mir und meiner Schwester aus der Kinderbibel vorgelesen“, sagt Grasekamp.
Vater vermittelte ihr ein Praktikum bei der Militärseelsorge
Dennoch fand Grasekamp den Vorschlag ihres Vaters zunächst seltsam. „Erst mal habe ich ihn ausgelacht“, sagt sie. Dennoch vermittelte er seiner Tochter ein Schulpraktikum zur Militärseelsorge. Doch Militärpastorin wollte die junge Frau nicht werden. „Dennoch finde ich es wichtig, dass es die Militärseelsorge gibt“, sagt sie. Auch wenn sie Waffengewalt ablehnt, sei es wichtig, dass Soldaten seelsorgerisch begleitet würden. Zudem könne man in gewissem Maße auf die Entscheider der Bundeswehr einwirken, Waffengewalt möglichst zu vermeiden.
Eine Karriere in der Militärseelsorge kam für Grasekamp zwar nicht infrage, dennoch wollte sie Pastorin werden. Sie studierte Theologie in Bielefeld, Bern und Göttingen. Ihr Vikariat, die praktische Vorbereitung auf den Beruf des evangelischen Pastors, absolvierte sie in Pewsum.
Anschließend ging Grasekamp für anderthalb Jahre nach Edmonton in Kanada. Dort lernte sie ihren Lebensgefährten kennen. Der Abschied fiel ihr damals nicht leicht, denn sie musste ihn in Kanada zurücklassen. Der Ingenieur für Elektrotechnik konnte bislang keinen Job in Deutschland finden. Mittelfristig will er nach Ostfriesland auswandern – sobald eine Arbeitsstelle gefunden ist. Bis dahin heißt es „skypen“. Die Videotelefonie über das Internet gehört zu Grasekamps Leben wie die wöchentliche Predigt in der Paulusgemeinde.
Weihnachten kommt die gesamte Familie zu Besuch ins Pfarrhaus
„Anfangs habe ich eher ungerne gepredigt“, sagt Grasekamp. Doch das Lampenfieber vor vielen Menschen zu sprechen, legte sich. „Mittlerweile macht es mir viel Freude, über Gottes Wort zu sprechen und mit den Gemeindemitgliedern das zu teilen, was die Texte der Bibel in mir auslösen“, sagt sie.
Als Pastorin hat Grasekamp ein Ohr für andere. Das gefällt ihr an ihrem Beruf. Es ist der Umgang mit Menschen jeden Alters, von Taufen über Hochzeiten bis zur Sterbe- und Trauerbegleitung. „Es ist schön bei Beerdigungen, nah an den Menschen zu sein und ihnen Trost zu spenden“, sagt sie. Doch es gibt auch Dinge, die Grasekamp an ihrem Job nicht mag. Beispielsweise Todesfälle von Kindern. „Solche Sachen nehme ich dann in meinem Kopf mit nach Hause“, sagt sie.
In solchen Situationen hilft ein Gespräch mit ihrem Lebensgefährten oder ihrer Schwester. „Auch frische Luft tut gut“, sagt Grasekamp. „Ich mag die Natur und lasse mir gerne vom ostfriesischen Wind den Kopf freiblasen“, sagt sie. So schöpft sie Energie für neue Aufgaben.
Weihnachten kommt ihre gesamte Familie zu Besuch ins Pfarrhaus. „Das machen wir jedes Jahr so“, sagt Grasekamp. Die junge Pastorin freut sich außerdem auf die vier Gottesdienste am Heiligabend in der Pauluskirche. „Das ist immer etwas ganz Besonderes“, sagt sie. Dann sind nicht wie sonst 30 bis 40 Menschen, sondern im Schnitt um die 100 im Gottesdienst. „Das kribbelt dann schon etwas mehr als sonst.“

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Pastorin Indra Grasekamp und Superintendent Tilo Janssen beim Einzug in die Kirche. Foto: Mittelstaedt

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