Bagband hat eine neue Pastorin

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In der Kirchengemeinde Bagband ist am Sonntag Elske Oltmanns als neue Pastorin eingeführt worden. Der Kirchenvorstand zeigte sich in der voll besetzten Kirche zufrieden mit der Wahl der 59-jährigen Rheiderländerin.

VON JOACHIM MITTELSTAEDT, Ostfriesische Nachrichten

Bagband. Elske Oltmanns, die neue Pastorin in der Kirchengemeinde Bagband, ist am Sonntag in ihr Amt eingeführt worden. Die 59-jährige Oltmanns stammt aus dem Rheiderland. Fenna Bohlen, Vorsitzende des Kirchenvorstandes, begrüßte die zahlreichen Gäste in der voll besetzten Kirche. „Ihr Besuch zeigt uns eine große Wertschätzung für unsere Gemeinde und die neue Pastorin,“ sagte Bohlen. Neben Elske Oltmanns erwähnte sie auch deren Mann und die fünf Söhne, die alle in der Kirche anwesend waren.
Für den musikalischen Rahmen sorgten der Posaunenchor, der Kirchenchor und der Chor „Offerandum“. Die drei Chöre spielten und sangen im Wechsel und unterstützten die Gemeinde, neben der Orgel, bei den zahlreichen gemeinsam gesungenen Kirchenliedern. Superintendent Tido Janssen freute sich, dass die nur kurz vakante Stelle so schnell wieder besetzt werden konnte. „Bagband bekommt eine neue Pastorin. Toll, oder?“, lautete sein Kommentar. Zunächst sei dem Ganzen ja ein kleines Missverständnis voraus gegangen. Oltmanns habe ihre Söhne per SMS mit dem Handy informiert. Hier habe die Tücke der Technik dann zugeschlagen. Aus „ich wechsele auf die Pfarrstelle nach Bagband“ habe die Wortkennung ihres Handys, das den kleinen Ort nicht kannte, „ich wechsele nach Bagdad“ gemacht. „Ganz schön weit weg“, habe da einer der Söhne zurückgeschrieben. Aber dann habe sie ja doch den richtigen Ort gefunden.
Kirchenvorstand: Sie passt gut nach Bagband
Janssen fragte die neue Pastorin im Anschluss formal, ob sie in der Gemeinde ihr Amt antreten wolle und erhielt ein deutliches „Ja“ zur Antwort. Genauso antworteten auch die Vorstandsmitglieder der Bagbander Kirchengemeinde. Therese Krüsmann vom Kirchenvorstand beschrieb für die ganze Gruppe ihren Eindruck: „Nach dem ersten Treffen waren wir uns im Kirchenvorstand einig: Die passt gut nach Bagband hin.“
Zusammen mit Tido Janssen legte im Anschluss der ganze Kirchenvorstand der neuen Pastorin je eine Hand auf den Kopf und wünschten ihr alles Gute im neuen Amt und allen Aktiven eine gute Zusammenarbeit. In ihrer Predigt beschrieb Elske Oltmanns das Wirken von Jesus: „Er ging unter die Leute und tauchte ein in das wahre Leben. Und, so Oltmanns weiter: „Jesus plädiert in seinem Tun für die Offenheit gegenüber den Mitmenschen, ob getauft oder nicht getauft.“ Elske Oltmanns entließ die Bagbander Kirchengemeinde in ihrer abschließenden Fürbitte mit folgenden Worten: „Der Gottesdienst endet nicht an der Kirchentür, sondern er findet in der Welt statt.“

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VON CHRISTIN HORRMANN, Ostfriesische Nachrichten
Noch steht das Bagbander Pfarrhaus leer – doch bald wird die neue Pastorin Elske Oltmanns dort einziehen. Sie war bislang im Rheiderland tätig. Ihr gefällt besonders, dass die Bagbander so herzlich sind. Sie selbst wird auch „Leben in die Bude bringen“.
Bagband/Leer. Hoch ragt der Kirchturm von Bagband in den winterlichen Himmel. Die Sonne wird von der Dachspitze zurückgeworfen. In der Kirche selbst ist es noch ruhig. Doch das wird sich bald ändern. Denn Bagband hat bald wieder eine Pastorin: Elske Oltmanns. Die 59-Jährige sitzt an diesem sonnigen Wintertag nur wenige Kilometer entfernt im Café international in Leer. Noch ist Elske Oltmanns Pastorin in Pogum im Rheiderland. Doch dort wird die Gemeinde mit Bingum und Holtgaste zusammengelegt und die Pfarrstelle entfällt. Daher kam Bagband wie gerufen. Schon im Januar wird die Rheiderländerin für die Bagbander da sein. Ihre Vorgängerin Anna Bernau hatte die Gemeinde Ende August abgegeben und war aus privaten Gründen ins Wangerland gewechselt.
Im Café in Leer ist es an dem frostigen Wintertag genauso ruhig wie in Bagband. Eigentlich müsste der Bär steppen, denn es ist Juca, also Jugendcafé. Elske Oltmanns betreut das Café für Jugendliche schon seit 2009. An diesem Tag ist es ruhig. „Das Freizeitverhalten ändert sich“, sagt die Pastorin. Aber Ruhe ist gar nicht so schlecht. Denn das liebt sie auch so an dem ländlichen Leben: die Stille. „Ich bin überhaupt kein Stadtmensch“, sagt die 59-Jährige. Genau deswegen freut sie sich auf Bagband.

Aufgabe als Seelsorgerin ist ihr wichtig
Der zweite Grund in das Fehntjer Dorf zu ziehen: Die Bagbander sind herzlich. „Das gefällt mir einfach“, sagt die Pastorin. Zumal sie in dem Ort auf eine noch intakte und rührige Kirchengemeinde trifft. Sie selbst wird auch „Leben in die Bude bringen“, wie sie sagt. Sie hat fünf Söhne und einen Mann. Wenn das Pfarrhaus renoviert ist, wird sie dort recht bald einziehen. Die Nähe zur Gemeinde ist ihr wichtig. Sie hat zum Beispiel auch vielen in ihrer jetzigen Kirchengemeinde die Handynummer gegeben – so ist sie im Notfall immer erreichbar. „Wenn mich jemand um drei Uhr nachts anruft, dann braucht er mich auch“, sagt Elske Oltmanns. Die Aufgabe als Seelsorgerin ist ihr als Pastorin sehr wichtig.
Genauso große Bedeutung misst sie in ihrem Beruf der Verkündigung, also der Predigt, bei. Die Mitglieder der Kirchengemeinde sollen sie verstehen. Zum einen hilft ihr dabei das Plattdeutsche, um den Menschen auch in Bagband den Glauben nahe zu bringen. Zum anderen will sie authentisch sein. „Das ist eine gut Möglichkeit, Menschen vom Glauben zu überzeugen“, sagt die Pastorin. Sie selbst spricht daher sehr offen über ihr Leben. Die vielen Herausforderungen darin hätten ihren Glauben stärker werden lassen, sagt Elske Oltmanns.
Zu christlich für die DDR
Gläubig war sie schon immer. „Ich habe das Christentum mit der Muttermilch aufgesogen.“ Doch genau das wurde ihr in ihrer Jugend zum Verhängnis. Denn die Rheiderländerin ist eigentlich in Quedlingburg in der Nähe des Harz zur Welt gekommen – auf dem Gebiet der DDR. Ihr Vater, ein Arzt, stammte aus Bunde, die Mutter aus Berlin. Als Jugendliche war Elske Oltmanns überzeugt, dass sie in die Fußstapfen ihres Vaters treten und Ärztin werden würde. Doch während der Abiturprüfung wurde sie verhaftet. Ihre Eltern waren bereits eine Woche zuvor in Haft gebracht worden. Erst später erfuhren sie von der Anklage: Aufnahme staatsfeindlicher Verbindungen, geplante Republikflucht und subversive Tätigkeiten.
Woher diese Vorwürfe kamen? Weil die Familie christlich war. In der DDR war es schon verdächtig, konfirmiert worden zu sein. Der Vater verstarb während der Haft. Warum, hat Elske Oltmanns nie erfahren. Immer wieder wollte ihre Familie nach der Zeit im Gefängnis ausreisen.
1977 durfte sie in das Elternhaus ihres Vaters in Bunde einziehen. Als sie später ihr Medizinstudium in Berlin aufnahm, traf sie ihren ersten Mann. Der wollte lieber Pfarrer werden und so entschied sie sich ebenfalls für diesen Weg. „Die Verbindung von Körper und Geist ist ganz wichtig“, sagt die Pastorin. Für sie lagen Medizin und Theologie nah beieinander. Und das liegen sie für Elske Oltmanns auch heute noch, nach 20 Jahren in Steenfelde und so vielen Jahren in Pogum. Genau diese Gedanken wird sie nun auch mit nach Bagband nehmen.

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