„Die Erwartungen sind extrem hoch“

weihnachtstidoViele Familien streiten sich an Weihnachten, weil ihre Erwartungen an das perfekte Fest extrem hoch sind. Das sagt Tido Janssen. Der Superintendent des Auricher Kirchenkreises spricht im ON-Interview auch über sein Lieblings-Weihnachtslied, wie er das Fest feiert und was er von Geschenken hält.

VON JONAS CZOK, Ostfriesische Nachrichten. Aurich. Viele Familien streiten sich an Weihnachten, weil ihre Erwartungen an das perfekte Fest extrem hoch sind. Das sagt Tido Janssen. Er ist Superintendent des Auricher Kirchenkreises. Er empfiehlt etwas mehr Gelassenheit in dieser Hinsicht. Im ON-Interview hat er außerdem verraten, wie er mit seiner Familie Weihnachten feiert, welches sein Lieblings-Weihnachtslied ist und was er von Geschenken hält.

Zur Person
Der 55-jährige Tido Janssen ist als Superintendent des Auricher Kirchenkreises für die Gemeinden im Kreis und die Fortbildungen deren Pastoren verantwortlich. Außerdem predigt er regelmäßig in der Auricher Lambertigemeinde.

Ostfriesische Nachrichten: Für viele ist Weihnachten der absolute Höhepunkt im Jahr. Für Sie auch?
Tido Janssen: Das ist schon ein richtiger Höhepunkt im Jahr. Kein Fest bewegt so viele Menschen. Mich natürlich auch. Der große Gott macht sich ganz klein. Auch der ist bewegt. Und dann ist es auch ein Höhepunkt, weil sich meine gesamte Familie trifft. Ich habe zwei Schwestern mit ihren Familien in Süddeutschland und zwei Söhne, die in Berlin und München leben. Wir haben nicht so oft die Gelegenheit, uns alle zu sehen. Das gelingt uns aber zu Weihnachten meist.

Kommt Ihre Familie dann in den hohen Norden zu Weihnachten?
Ja genau. Wir treffen uns am ersten Weihnachtstag bei meinem Vater, der bei Bremen lebt. Da sind dann alle Kinder, die Ehepartner und die Enkelkinder mit Anhang, soweit sie können. Unser Sohn fährt S-Bahn in München. Und der hat dieses Jahr alle Weihnachtstage Dienst. Der kann nicht kommen. Unser zweiter Sohn aus Berlin wird da sein. Da sind wir dann 15 bis 16 Leute.

Wie verbringen Sie Heiligabend?
Weil ich selbst eine Christvesper in der Lambertikirche gestalte und am Abend in Timmel einen Gottesdienst zugesagt habe, machen wir dieses Jahr schon um 11 Uhr Familienbrunch mit meiner Frau, unserem Sohn und meinen Schwiegereltern. Nach dem Dienst am späten Abend feiern wir im kleinen Familienkreis.

Gibt es etwas, was Weihnachten auf keinen Fall fehlen darf?
Die Musik, die Lieder, die berühmte Geschichte „Es begab sich aber zu der Zeit“ und natürlich die Zeit mit der Familie.

Haben Sie ein Lieblings-Weihnachtslied?
„Ich steh’ an deiner Krippen hier.“ Weil da auf eine glückliche Weise Text und Melodie zusammenkommen. Das ist eine Melodie von Johann Sebastian Bach, die getragen und gleichzeitig schwungvoll ist. Der Text erzählt ganz gemütvoll von der Weihnachtsgeschichte – die Verehrung des geborenen Kindes. Das rührt mich jedes Jahr wieder aufs Neue.
Ich mag den Klassiker „Oh du fröhliche“. Wenn das kommt, ist für mich Weihnachten
Das geht mir genauso wie Ihnen. Besonders wenn die Kantorei dabei ist und Trompeten mitspielen. Bei „Oh du fröhliche“ bekomme ich jedes Jahr Gänsehaut.

Gerade Heiligabend sind die Kirchen jedes Jahr rappelvoll. Wie finden Sie das?
Ich finde es total schön, dass das Weihnachten so ist. Ich freue mich über alle. In den Weihnachtsgottesdiensten wird etwas spürbar, was wir zu Hause alleine nicht herstellen können. Dass wir altvertraute Worte hören. Dass wir miteinander singen. Ich glaube, dass das der Seele gut tut und die Menschen daher gerne kommen. Für viele Familien ist das auch der Auftakt der Weihnachtsfeier.

Für die meisten Leute gehören zu Weihnachten aber auch tolle Geschenke. Machen Sie Geschenke?
Klar beschenken wir uns gegenseitig. Aber ich weiß noch gar nicht, was ich dieses Jahr verschenken werde.

Das dürfen Sie jetzt hier auch nicht verraten, sonst lesen es Ihre Liebsten in den ON und die Überraschung ist futsch.
(lacht) Das stimmt. Ich freue mich auch selbst an schönen Geschenken. Das will ich gar nicht in Abrede stellen. Im Gegenteil, über Geschenke kann ich mich wie ein kleines Kind freuen.

Was entgegnen Sie denen, die den Konsum zu Weihnachten ablehnen?
Es muss im Rahmen bleiben. Ich gönne den Kaufleuten ihr Geschäft sehr. Auch gegen das Schenken an sich ist nichts einzuwenden. Doch es bleibt die Frage, was Weihnachten das Wichtigste und Beste ist.

Was ist der Kern des Weihnachtsfestes für Sie?
Die Geburt dieses Kindes. Das ist keine harmlose Geburt. Sondern da kommt einer, der diese Welt verändern will. Der bringt Frieden und Gerechtigkeit.
Allerdings herrscht auf dieser Welt vielerorts Krieg.
Gerade deshalb ist es so wichtig, diese Werte hochzuhalten. Frieden kann es nur geben, wenn es gerecht zugeht. Es ist wichtig, dass sich alle Menschen auf dieser Erde satt essen können und eine Perspektive haben. Das erste, was die Engel in der Weihnachtsgeschichte sagen, ist: Friede auf Erden. Das ist das Wichtigste.

Bei manchen Familien kommt es gerade an Weihnachten aber auch zum Streit. Woran liegt das?
Die Erwartungen an Weihnachten sind oft extrem hoch. Man ist sich dann auf eine Weise nah, wie das restliche Jahr über nicht. Das kann dann schnell zu Konflikten führen.

Haben Sie einen Tipp, wie man das Weihnachtsfest mit der Familie friedlich über die Bühne kriegt?
Wenn man nur danach strebt, dass an Weihnachten alles perfekt ist, überfordert man sich selbst und auch die anderen. Dann kann es nur schief gehen. Ein wenig Entspannung in dieser Hinsicht ist sicher nicht verkehrt.

weihnachtstido

Er freut sich auf den Familienbesuch an Weihnachten: Superintendent des Auricher Kirchenkreises Tido Janssen. Foto: Czok