Kirchenkreisdelegation besucht Partnergemeinde im Sudan

Seit nun schon 10 Jahren leben die Gemeinden des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Aurich in einer Partnerschaft mit der All Saints Cathdral in Khartoum, Hauptstadt des Sudan. Mitte Oktober stattete eine siebenköpfige Delegation aus Aurich, unter ihnen Superintendent Tido Janssen und Kirchenkreistagsvorsitzender Dieter Emler, der sudanesischen Gemeinde einen Besuch ab. Voller Eindrücke kehrten alle Reiseteilnehmenden gesund wieder zurück. Pastorin Susanne Schneider, Partnerschaftsbeauftragte des Kirchenkreistages, berichtet von der Reise.
Sudan ist ein islamisch regiertes und geprägtes Land. Trotz der verfassungsmäßig versprochenen Religionsfreiheit ist das Leben für die christliche Minderheit nicht einfach. Offizieller Feiertag ist der Freitag. Der Sonntag, an dem Gottesdienste gefeiert werden, ist Arbeits- und Schulalltag. In den stattlichen Schulen wird anhand des Koran Lesen und Schreiben gelernt. Um ihren christlichen Kindern eine andere Möglichkeit der Bildung zu bieten, unterhält die Kirche eine eigene Schule. Wir haben diese Schule in einem Außenbezirk der Stadt besucht. Ist Karthoum westlich geprägt, mit rasantem Verkehr, Wasser- und Stromversorgung, sieht die Lage für die Schule ganz anders aus. Sie ist als einfacher Bau errichtet in einem weitab gelegenen Gebiet, in dem zumeist Flüchtlinge aus den umkämpften Grenzbereichen zwischen Sudan und Südsudan leben. Ohne Fenster und Türen, das Schreibheft auf den Knien, werden hier auf engstem! Raum 700
Kinder von Klasse 1 – 8 unterrichtet; auch moslemische Kinder. Für Waisenkinder, die diese Schule besuchen, zahlt der Kirchenkreis das jährliche Schulgeld. Gerne möchten wir auch über eine Bauförderung für die Schule nachdenken.

Intensive Gespräche hatten wir über das Thema Flüchtlinge. Khartoum ist eine Drehscheibe für Flüchtlinge aus Eritrea und Äthopien, auch Menschen aus dem Kongo sind zu finden. Generell gibt es innerafrikanisch viel größere Flüchtlingsbewegungen als von Afrika nach Europa. Die All Saints Cathedral stellt ihre Kirche zur Verfügung für die verschiedenen christlichen Gruppen und Nationalitäten der Flüchtlinge. Mit großem Interesse wird wahrgenommen, wie Deutschland Flüchtlinge aufgenommen hat. „Ihr habt uns geholfen“, sagte ein sudanesischer Pastor. „Die Muslime hier sprechen mit Hochachtung von den Christen in Deutschland, die bedrängten Andersgläubigen helfen. Das hilft uns hier in unserer Situation.“

Wir haben das Nile Theological College besucht, an dem wir eine junge Frau in ihrer Ausbildung zur Pastorin fördern. Auch hier sahen wir unter einfachsten Bedingungen vorbildliche Ausbildungsarbeit. Gespräche mit dem sudanesischen Dean (Superintendenten) Hassan Elfil und Erzbischof Ezekiel Kondo -beide besuchten vor zwei Jahren Aurich und lassen herzlichst grüßen- standen ebenso auf der Tagesordnung wie die Teilnahme an einem Lobpreisabend der Jugend, ausgerichtet von jungen Frauen mit Chor und drama group. Zunächst begeistert von dem lebendigen Gesang, ließ unsere Aufmerksamkeit nach für deutsche Verhältnisse ungewöhnliche über vier Stunden Gottesdienst doch etwas nach…Um so begeisterter kamen wir der Aufforderung zum Tanz nach, endlich Bewegung. Wir nahmen an zwei weiteren Gottesdiensten teil, in denen wir mitwirkten. Im arabisch-sprachigen Gottesdienst predigte ich, im englisch-sprachigen Gottesdienst Superintendent Jan! ssen. In
beiden Gottesdiensten sang unsere Gruppe zur Freude der Sudanesen deutsche Lieder. Ganz selbstverständlich haben im Gottesdienst in Karthoum alle Besuchenden eine Bibel dabei, in der gelesene und genannte Bibelstellen aufgeschlagen und mitgelesen werden. Diese Bibeln sehen zerlesen aus und werden als ein Schatz gehütet, man bekommt sie nicht leicht. Und bei uns stehen viele Bibeln als Staubfänger im Bücherregal… Jugendliche laden sich findig die Bibel auf das Handy: im Gegensatz zu unseren Gottesdiensten ist also der Handygebrauch während der Predigt im Sudan gerne gesehen. Warum eine Partnerschaft zu Menschen in Übersee, noch dazu im Sudan?
Immer wieder bekamen wir zu hören: wir sind nicht vergessen. Kein Mensch nimmt wahr, was im Sudan ist, aber ihr kommt und besucht uns, seid unsere Freunde. Partnerschaft stärkt christliche Geschwister in der weltweiten Kirche, denen es nicht so gut geht wie uns.
Für mich ist wichtig, dass Partnerschaft keine Einbahnstraße ist, keine Hilfe von Nord nach Süd. Wir alle haben viel mitgenommen. Der Glauben unserer sudanesischen Partnergemeinde ist unbeirrbar und stark, auch unter schwierigen Bedingungen. Gut zu wissen, dass sie an uns denken und für uns beten. Susanne Schneider

Brot für die Welt in der Adventszeit

Am 1.Advent wird bundesweit die 58.Aktion "Brot für die Welt" eröffnet. Der Schwerpunkt der Aktion liegt auf der Unterstützung von gesunder Ernährung für die Bevölkerung weltweit. Kleinbauernfamilien als Erzeuger von Lebensmitteln benötigen Hilfe in der Anwendung von nachhaltigen Anbaumethoden und bei der Vermarktung ihrer Produkte in den umliegenden Städten. Brot für die Welt und seine Partnerorganisationen leisten dabei Unterstützung, zum Beispiel in Malawi. Zusammen mit der Partnerorganisation CARD (Churches Action in Relief and Development) fördert Brot für die Welt den Bau und die Anwendung eines nachhaltigen Bewässerungssystems im Dorf Samuti in Malawi.

Pastorin Susanne Schneider, Beauftragte des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Aurich für Brot für die Welt sagt: "Brot für die Welt organisiert Hilfe zur Selbsthilfe. Menschen werden in die Lage versetzt, ihr Leben wieder selbst gestalten zu können."

In allen Gemeinden des Kirchenkreises Aurich wird das Beispielprojekt Malawi unterstützt, durch Kollekten im Gottesdienst, Informationen im Konfirmationsunterricht und mit vielen kreativen Aktionen in den Gemeinden. Im Gottesdienst am 1.Advent, 27.11.2016 um 10.00 Uhr in der St.-Johanniskirchengemeinde Sandhorst wird das Bewässerungsprojekt Malawi mit Bildern und Texten allen Interessierten vorgestellt.